Angewandte Allgemeinmedizin

Univ.-Prof. OMR Dr. Robert Nikolaus Braun
(1914 Wien - 2007 ebenda)
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"MEDIZIN - Disziplin der persönlichen Hilfe für in Not geratene Menschen -
sinnstiftender Dienst und authentische Sorge um den ganzen Menschen -
mit einem genuin moralischen Anspruch des "prudenziell" Guten! (1)
- die innere Entschlossenheit, sich für den Patienten zu engagieren
um seine "Not zu wenden". (2)"

Prof. Dr. med. Giovanni Maio
(b.1964)
Prof. für Medizinethik an der Universität Freiburg, Direktor des
Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, des Inter-
disziplinären Ethikzentrums, Philosoph, Arzt
(1) n. Ernst Tugendhat (b.1930., dtsch.Philosoph)
prudenziell: vernünftig, überlegt, klug; genuin: echt
(2) Paracelsus (1493-1541); Sollensethik - Tugendethik

Karl Kraus: Die Diagnose >>>

Georg Benno Gruber: Der Beruf des Arztes >>>
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Richard Hermann Koch: Die Diagnose >>>
Günther Loewit: Das Wesen der Heilkunst
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Gunter Frank: Schlechte Medizin - Regelbruch wird zum Standard >>>
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Rat suchen - Die Illusion der Gewissheit
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Statistik Glossar & Allerlei
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Krankheiten befallen uns nicht
aus heiterem Himmel,
sondern entwickeln sich
aus täglichen "Sünden" ("Vergehen",
"Mangel an Liebe") wider die Natur.

Wenn sich diese gehäuft haben,
brechen sie unversehens hervor.

Hippokrates von Kos
460-375 v.Chr.


"Die Allgemeinmedizin ist kein klar umschriebenes Fachgebiet, sondern sie definiert sich über ihre Funktion.
Genauer: über ihre Versorgungsfunktion - wie z.B.: Haus- und familienärztliche Funktion, Versorgung von Akut- und Notfällen,
Langzeitbetreuung chronisch Kranker, Gesundheitsbildungsfunktion (Prävention), Koordinations- und Integrationsfunktion, Tarierfunktion
(Kosten-Nutzen-Abwägung) - und ist Gegenstand einer spezifischen
berufstheoretischen Grundlagen Forschung (Praxisforschung).

"Konzept der Allgemeinmedizin - Die Allgemeinmedizin als Funktion" pdf >>>
"Beziehung zwischen bestimmten medizinischen Fächern (Fachgebieten) und verschiedenen Krankheiten n. Braun"
pdf >>>

Der Allgemeinarzt [Praktische Arzt] spezialisiert sich nicht auf eine bestimmte Gruppe von Krankheiten. Er nimmt vielmehr eine besondere
Funktion/Aufgabe im Rahmen der sozialen Sicherheit für alle Kranken in der Bevölkerung wahr. Sie besteht darin, die unausgelesene Masse
der Gesundheitsstörungen
[eine spezifische, weitgehend konstante Mischung verschiedenster Gesundheitsprobleme]
rasch und vernünftig zu versorgen. (1) (2)

Berufstheoretisch ungeschulte Ärzte gehen in die Allgemeinmedizin mit der Meinung, sie könnten stets Diagnosen stellen, wenn sie nur erfahren
genug wären. Tatsächlich sammeln sie wesentliche Erfahrungen über den Verlauf von Erkrankungen, beispielsweise dem Uncharakteristischen
Fieber (UF) bei Säuglingen, Betagten und Patienten mit Herzschwäche. Aus einem Infekt heraus können sich rasch lebensbedrohliche Zustände
entwickeln. Solchen Erfahrungen passen sich alle Kollegen über kurz oder lang in ihrem Handeln an. (1)

Die Ausübung der Allgemeinmedizin basiert wesentlich auf dem von Spezialfächern geschaffenen Wissen über Krankheiten und Syndrome.
In der Berufsausübung muss aber dann erst überprüft werden, wie dieses Wissen unter den Rahmenbedingungen der Allgemeinpraxis
umsetzbar ist, - beim jeweiligen Fall, beim einzelnen Patienten. In der allgemeinärztlichen Praxis, laufen die spezifische Diagnostik,
Behandlung und Beratung durchschnittlich in wenigen Minuten ab, ohne dass bei Bedarf auf aufwendige technische Hilfsmittel
verzichtet werden muss. Nur in jedem zehnten Fall (1:10) kommt es zu einer exakten Diagnosestellung;
dennoch lässt sich die große Mehrheit der Fälle gut versorgen. Das ärztliche Vorgehen ist dabei überwiegend unbewusst
individuell-intuitiv (intuitive Diagnostik). Dabei wirken sein anerzogenes Wirken und (später) seine erworbene Berufserfahrung
sowie auch der "gesunde Menschenverstand" zusammen. Selbstverständlich wird hier der gewissenhafte alterfahrene Arzt
am besten abschneiden. (2)

"Die 4-Arten von Beratungsergebnissen (BE) nach Braun" pdf >>>
"Therapeutische Regeln für die Masse der nicht exakt diagnostizierbaren Fälle" >>>

Es gehört jedoch zu den Aufgaben des Allgemeinarztes, auch bei primär harmlos scheinenden Erkrankungen abwendbar gefährliche
Verläufe
(AGV) zu bedenken und zu erkennen, um den Patienten vor möglicherweise fatalen Folgen seiner Krankheit zu bewahren. Da diese
Raritäten existieren, müssen sie stets mit ihnen rechnen. Es bleibt keine andere Wahl: Sie müssen die meisten Beratungsursachen (BU,
Symptome und Beschwerden) - z.B. Fieber, Husten, Knieschmerzen, Hörverlust - so anpacken, als würde ein Abwendbar gefährlicher Verlauf -
z.B. eine Appendizitis, Pneumonie, Osteosarkom, Aspirin Intoxikation - dahinter stecken. Bei A G V handelt es sich um solche Erkrankungen,
deren potentiell schlimme, ja tödliche Folgen durch rechtzeitiges ärztliches Eingreifen abgewendet werden können. So mag sich "hinter" der
noch unauffälligen Symptomgruppe Uncharakteristisches Fieber eine beginnende, foudroyante Hirnhautentzündung verbergen, welche binnen
Stunden oder Tagen das Leben des oder der betroffenen gefährden wird. Andere AGV Beispiele: Typisches Bild einer Magenperforation, profuses
Bluterbrechen und/oder Blutabgang per anum ("über After"), massive Hämaturie ("Blut im Urin"), typische Symptome eines Knochenbruchs,
typische Symptome eines Herzinfarkts, Einnahme einer Überdosis Schlafmittel, moribund erscheinender Säugling, Bild einer Meningitis
(Gehirnhaut-)/Encephalitis (Gehirnentzündung). Atypische Symptome bedenken - Das Verhalten eines gewissenhaften Arztes, der ständig
an die gefährliche Ausnahme von der Regel oder an verschiedenste atypische Symptomenmuster denkt, ist von einer Art,
die manche Patienten als Unsicherheit empfinden. Diese Personen fühlen sich in der Obhut von Doktoren wohler, die sofort "Diagnosen"
stellen. Freilich erliegen solche Leute einer Täuschung, indem sie falsche Sicherheit für das bessere Wissen und Können, kurz, für ein
überlegenes Spielen auf dem Klavier der Heilkunde halten. Der korrekt denkende Allgemeinarzt sollte sich dadurch aber nicht beirren lassen.
Das intuitive "Diagnosestellen" des beeindruckenden Arztes geht ja nicht immer gut aus. Im Großen und Ganzen jedenfalls ist der
gewissenhafte Arzt dem oberflächlich agierenden überlegen. Auf die Dauer bleibt das seiner treuen Klientel nicht verborgen. (2)

"Therapeutische Regeln für die Masse der nicht exakt diagnostizierbaren Fälle" >>>


Obwohl bei den meisten unausgelesenen Praxisfällen eine "Banalität" [Minimität] vorliegt, muss die Scharfeinstellung des Allgemeinarztes
(das zusammenschauend, diagnostische Herangehen an den Einzelfall) auf die abwendbar gefährlichen Verläufe (AGV) gerichtet sein und bleiben.
Dadurch hat er am besten auch von vornherein deren mögliche Abwendbarkeit im Blick. Die Aufgliederung des diagnostischen allgemeinärztlichen
Vorgehens in die Direkte Diagnostik, die Örtlichen und die Allgemeinen Routinen ermöglichen vor allem eine Orientierung darüber, in welcher Weise
ein Allgemeinarzt in der Praxis arbeitet. (1.) Die Direkte Diagnostik ist der ärztliche Versuch, eine Beratungsursache unmittelbar dem Bild
einer Krankheit oder gar einem wissenschaftlichen Krankheitsbegriff zuzuordnen. Aber auch angesichts eines typischen Krankheitsbildes darf
der Arzt nie müde werden, danach zu fragen, ob denn nicht etwas anderes dahinter stecke:
"Es sieht so aus wie ... - aber was ist es wirklich?" (Falsifizierung).(1)

Zur Direkten Diagnostik - etwa bei entzündetem Trommelfell oder bei der Impetigo contagiosa - gehört noch etwas dazu:
Solche Krankheiten und ihre Symptome lassen sich nicht aus bloßen Beschreibungen und Fotografien erlernen. Man muss eine Reihe
von Fällen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen selbst gesehen haben und auch möglichst viele der mit ihnen diagnostisch
konkurrierenden Erkrankungen
(Respektanda). So erfährt der Arzt durch das eigene Erleben manches, das er nicht aus Büchern
erlernen kann: In diesem Fall die Kennerschaft, wie eine Impetigo contagiosa, wie eine Otitis media acuta wirklich aussieht. Durch das
"Oft-Gesehen-Haben" erwirbt sich der Arzt schließlich Schablonen, die bei neuen, ähnlichen Krankheitsbildern aus dem Unbewussten
heraus angelegt werden. Solcherart wird der neue Fall gewissermaßen auf den Prüfstand genommen: "Ist es dasselbe - oder nicht?"
Die Kennerschaft entscheidet dann über Zustimmung, Ablehnung oder ein Vielleicht.(1)

Bei der Beratungsursache "Insektenstich" [Ictus insecti] kann die Direkte Diagnostik problemlos sein, wenn der Patient keinen Zweifel darüber lässt,
dass ihn tatsächlich ein Insekt gestochen hatte ... Natürlich muss der Aspekt der örtlichen Veränderung diese Angabe bestätigen ... Dabei spielen
die ärztliche Berufserfahrung und die Kennerschaft ihre Rolle. Schwieriger ist es, wenn der Kranke nicht genau weiß, ob die Hautaffektion auf eine
solche Einwirkung zurückgeht ... Zuweilen bringt erst der Arzt die Möglichkeit eines Insektenstiches ins Gespräch. Besonders schwer gestaltet sich
die Diagnostik, wenn die lokale Reaktion den Arzt wohl an einen Insektenstich denken lässt, der Kranke selbst aber diese Ursache kategorisch
ablehnt ... Unter den Umständen kann es keine Direkte Diagnostik geben. Hier treten (2.) zielende Örtliche Routinen (Programme) in Aktion.
Von Örtlichen Routinen sprechen wir dann, wenn aufgrund der Praxiserfahrung bei den häufigen regionalen Gesundheitsstörungen
zweckmäßige Vorgangsweisen zustande gekommen sind.(1)


(3.) Von allgemeinärztlichen Allgemeinen Routinen (Programme) sprechen wir dann, wenn die problemorientierte Diagnostik durch Zeichen
einer Allgemeinerkrankung (Fieber, Schwäche, Schweiße, Schwindel etc.) bestimmt wird. Ein gutes Beispiel dafür ist das Uncharakteristische
Fieber
. Darunter verstehen wir die diversen Allgemeinerscheinungen und Schmerzen sowie mit verschiedensten uncharakteristischen Katarrhen
des Respirations-, des Magen-Darm- und des Harntrakts ablaufenden fieberhaften Zustände. Bei Fieber und Husten darf sich der Allgemeinarzt
nicht durch die überwältigende Dominanz des Banalen dazu verleiten lassen, oberflächlich oder gar nicht zu untersuchen.
Vielmehr hat er stets ein möglichst volles Untersuchungsprogramm allgemeinmedizinischer Art abzuwickeln.
Eine Routine (Untersuchungs-/diagnostisches Programm) setzt natürlich entsprechende Praxiserfahrung voraus.(1)

"Informationsfluss in der Allgemeinpraxis - in der allgemeinärztlichen Patientenversorgung"
pdf >>>
"Direkte Diagnostik der 37 häufigsten Beratungsergebnisse in der Allgemeinmedizin" pdf >>>
"Diagnostik der 20 häufigsten Beratungsergebnisse in der Allgemeinmedizin durch zielende Örtliche Routine" pdf >>>
"Diagnostik der 18 häufigsten Beratungsergebnisse in der Allgemeinmedizin durch Allgemeine Routine" pdf >>>
Karl Kraus - Wie es einem Patienten wirklich geht >>>


Braun (1) hat schon 1961 beschrieben, wie sich der Begriff Diagnose "härten" lässt. Vorbedingung dafür war die Erkenntnis,
dass man für die Erschließung neuer Forschungsgebiete u. a. neue Begriffe und neue Ordnungen braucht. So sind
Verknüpfungen mit dem Wort Diagnose ungeeignet, diagnostisch offene Beratungsergebnisse
(BE, "Fälle von", Kasuistiken) zu benennen.

[1] R.N. Braun: "Feinstruktur einer Allgemeinpraxis. Diagnostische und statistische Ergebnisse" Schattauer 1961

Der Begriff Abwartendes Offenlassen (AO) drückt aus: Das diagnostische Problem ist mehr oder weniger offen, das heißt, die
überzeugende Zuordnung zu einem Krankheitsbegriff (Diagnose) war nicht möglich. Nicht die "Diagnose" wird abwartend offen gelassen, sondern
der Fall (Beratungsergebnis). Beim AO muss der weitere Krankheitsverlauf genau verfolgt werden (Verlaufsbeobachtung). Das AO vermindert das
Risiko ganz erheblich, in einer falschen Spur stecken zu bleiben. Der Zeitraum des AO kann evtl. mehrere Wochen betragen. Während dieser Zeit
verschwinden in sehr vielen Fällen die geklagten oder beobachteten Beschwerden; die meisten Patienten sind also längst wieder völlig gesund.
Nur in einigen wenigen Fällen wird eine weitere Diagnostik erforderlich sein, besonders wenn ein AGV zu befürchten ist.
Das AO erfordert auch die volle Mitarbeit des Patienten und seiner Angehörigen.(2)


Von regelmäßig häufigem Vorkommen eines Beratungsergebnisses (BE) sprechen wir dann, wenn einschlägige Fälle
im langjährigen Durchschnitt zumindest einmal unter 3000 unausgelesenen Gesundheitsproblemen (1:3000) beobachtet werden.
Erfahrungsgemäß ist das die unterste Grenze, um mit analogen Fällen routiniert umgehen zu können.

Regelmäßig häufig
kommen im langjährigen Durchschnitt rund 300 verschiedene Beratungsergebnisse (BE), d.h.
Klassifizierungen von Krankheitsbildern (40%), Symptomgruppen (25%), Symptomen (25%) und Diagnosen (10%) vor.
Insgesamt machen die regelmäßig häufig vorkommenden Fälle 95 bis 97% des Krankengutes einer Allgemeinpraxis aus.

Regelmäßigkeiten der Fälleverteilung, Fälleverteilungsgesetz n. Braun (1955):
"Gruppen von mindestens rund 1000 Menschen, die unter ähnlichen Bedingungen leben,
sind dem Faktor Gesundheitsstörung mit hoch signifikant ähnlichen Ergebnissen unterworfen."
(1)(2)

R. N. Braun, P. Haber (1998): Das Fälleverteilungsgesetz. Entdeckung, Fortschreibung und Konsequenzen -
Praktisches Vorgehen bei Fällestatistiken - Korrelationsanalytische Signifikanzberechnungen. Der Allgemeinarzt 19: 1848-1860
H. Göpel (1972): Zur Frage der Regelmäßigkeit der Fälleverteilung in der Allgemeinpraxis. Berliner Jahrbuch für ärztliche Fortbildung 231-240


Eine neue Ordnung Brauns betreffend
Beratungsergebnisse (BE) umfasst vier Kategorien (Arten):

1. Symptom-Klassifizierungen(~25%)
z.B. "Sodbrennen", "uncharakteristischer Schwindel", "Husten", "Myalgie"

2. Klassifizierungen von Symptomgruppen(~25%)
z.B. "Husten und Fieber", "uncharakteristisches Fieber mit Schnupfen",
"Erbrechen und Durchfall"


3. Klassifizierungen von Krankheitsbildern(~40%)
z.B. "Bild einer Pneumonie", "Bild einer Verruca vulgaris"

4. "hieb- und stichfeste" Diagnosen(~10%)
z.B. Pneumonie, Radius Fraktur, Glaukom, Ulcus ventriculi

"Die 4-Arten von Beratungsergebnissen (BE) nach Braun" pdf >>>
"Die 2-dimensionale Systematik für allgemeinärztliche Beratungsergebnisse" nach Braun
pdf >>>
"Myalgien-Örtlicher Druckschmerz im muskulären Bereich ohne äußere Ursache-Fenster 2" n. Braun pdf >>>

Nach dieser "Härtung" bedeutet Diagnose ausschließlich die "überzeugende Zuordnung von Symptomen und anderen
Krankheitszeichen zu einem wissenschaftlichen Krankheitsbegriff"
. Die Allgemeinärzte sollten sich dazu erziehen,
das Wort DIAGNOSE ausschließlich bei sicheren Krankheitserkennungen (10% Diagnosen) zu verwenden. Alle anderen diagnostisch
offenen Beratungsergebnisse
(90%) werden als KLASSIFIZIERUNG [3-Gruppen] bezeichnet.

Der Begriff Differentialdiagnostik [eine Tautologie] ist entbehrlich, da jede Diagnostik [= das Differenzieren von Krankheiten] die praktisch
wichtigsten, diagnostisch konkurrierenden Krankheitsbilder - Respektanda [die Hauptzielrichtungen der Diagnostik] -
in ihre Überlegungen miteinbezieht. Beispiel: Wenn es aufgrund von Beobachtung und Befragung des Patienten sowie der Untersuchungen
durch den Allgemeinarzt zur Bewertung und Benennung einer "afebrilen Allgemeinreaktion" kommt,
wird dies klassifiziert als Symptomgruppe "Afebrile Allgemeinreaktion (AFAR)".(2)

"Abwendbar Gefährliche Verläufe (AGV) - Respektanda n. Braun" pdf >>>
"Diagnostisches Programm: Fenster 1 - Uncharakteristisches Fieber (UF), Afebrile Allgemeinreaktion (AFAR) pdf >>>

Im Vorwort der ""Feinstruktur einer Allgemeinpraxis. Diagnostische und statistische Ergebnisse" von Braun,
schreibt der Internist Prof. Dr. med. Hans Schulten (1899-1965):

"Zweifellos wirkt diese Auffassung von der Diagnostik für manchen fremdartig. Aber sicher ist sie besser als die bisherige Verschleierungstaktik
(mit dem unzulässigen Stellen von Diagnosen in Fällen, in denen Krankheiten gar nicht überzeugend erkannt worden waren),
die zu Unehrlichkeiten, nicht selten auch zu diagnostischen Versäumnissen führt ..."


Robert Nikolaus Braun, Waltraud Fink, Gustav Kamenski: „Lehrbuch der Allgemeinmedizin. Theorie, Fachsprache und Praxis“ S.28, S.24. Berger Verlag Horn/Wien 2007;
R. N. Braun: "Feinstruktur einer Allgemeinpraxis. Diagnostische und statistische Ergebnisse. Vorwort Prof. Dr. med. Hans Schulten [1899-1965] SCHATTAUER 1961]


"Krankheiten [Diagnosen] sind von Menschen entworfene Begriffskategorien, welche den Menschen aufgestülpt werden. Sie können in manchen Fällen
angemessen sein, in anderen aber nicht ... Die Grenzen zwischen Gesundheit, Störungen und Leiden sind also verwischt. Sie sind es auch aus anderen Gründen:
Symptome (besonders, wenn sie mit Bedeutungen, Glaubensvorstellungen über Leiden und Absichten durchtränkt sind) und Verhalten können nicht von Gepflogen-
heiten losgelöst betrachtet werden, die ihrerseits vielfältig sind und unter dem Einfluss religiöser, politischer, ökonomischer und sozialer Normen stehen.
Normen, seien sie physiologische, immunologische, biochemische oder verhaltensmäßige, sind schwer zu fassen. Sogar die "harten wissenschaftlichen"
Merkmale wechseln je nach Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Tages- und Jahreszeit ..."
Prof. Dr. Herbert Weiner (1921 Wien-2002 NY, Pionier der psychosomatischen Medizin): "Anwendung psychosomatischer Konzepte in der Psychiatrie"
In: Thure von Uexküll (1908-2004): "Psychosomatische Medizin" Seite 920 Urban u. Schwarzenberg 1990


Was die überwältigende Mehrheit der Fälle [~90%] angeht, so wird durch ein Kennzeichnen sämtlicher Beratungsergebnisse als "Diagnosen" nur
vorgetäuscht, dass das anerzogene Ziel ärztlichen Handelns - das Dogma vom Diagnosestellen nach jeder Beratung - erreicht wurde
und mit der jeweils optimalen Therapie begonnen werden könnte. Dieses "So tun als ob" ändert freilich nichts daran, dass diese Fälle [~90%],
mag man sie auch als "Diagnosen" bezeichnen, ungefähr je zur Hälfte nur aus Klassifizierungen von Symptomen und zur anderen Hälfte aus
Klassifizierungen von Krankheitsbildern bestehen ... Niemand denkt heute vertrauensvoll an die enorme Selbstheilungskraft
des eigenen Körpers
... Die "Diagnose" ist zu einer leeren Worthülse geworden.
[S.164f]

Damals galt der Spruch "Wissenschaft ist Wissenschaft und Praxis ist Praxis". Die Kliniken betrieben Medizinwissenschaft im Monopol und
ihre Ergebnisse waren für die gesamte angewandte Heilkunde bestimmend und wurden allgemein geglaubt. Mit diesem Monopol war es
erst vorbei, als Braun bewiesen hatte, dass die angewandte Medizin etwas eigenes ist, das spezieller Forschungen - nicht nur an Kliniken -
bedarf. Außerdem kam ans Tageslicht: Auch das Eigenständige an der Allgemeinmedizin war vor ihm noch niemandem
als riesiges Neuland erkannt worden ...

Bis 1944 war die angewandte Medizin ein gewaltiges wissenschaftliches Brachland.
Als Wissenschaftsersatz wurden und werden falsche Dogmen und Fiktionen nicht nur angeboten, sondern auch geglaubt.
Im medizinischen Denken der Gegenwart wird immer noch so getan, als ob die angewandte Medizin eine seriöse Basis aus
der traditionellen Forschung heraus hätte. Zum besseren Verständnis entwickelte Braun das Kugelmodell.
Ein neues, berufstheoretisch basiertes Denken.

"Die Medizinwissenschaft im Braunschen Kugelmodell" pdf >>>

Andreas Vesalius (1514-1564) ein flämischer Anatom der Renaissance, Begründer der neuzeitlichen Anatomie sowie des morphologischen Denkens in der Medizin.
1543 wurde sein Anatomischer Atlas "De humani corporis fabrica libri septem" (Über den menschlichen Körperbau in 7 Bänden) in Basel
beim Verleger Johannes Oporinus (Herbst, 1505-1568) erstmals veröffentlicht.

Unter berufstheoretischer Forschung ist jene wissenschaftliche Richtung zu verstehen, welche sich nicht mit Krankheiten und
Behandlungsmethoden, sondern vielmehr mit der medizinischen Praxis beschäftigt ... Die berufstheoretische Erforschung hat nun bald gezeigt,
dass die spezialistischen Begriffe und Methoden sich nicht zur Grundlage der Angewandten Allgemeinmedizin machen lassen.

Was ist aber an deren Stelle zu setzen?

Um eine Antwort zu finden, war es nötig, die Allgemeinmedizin in ihrer Wirklichkeit von Grund auf kritisch zu analysieren.
Wie das mit neuen Forschungsbereichen die Regel ist - und die Erforschung der Allgemeinpraxis war etwas Neues -,
ergab sich ganz von selbst die Notwendigkeit, speziellen Sachverhalten einen besonderen Namen zu geben.
Anders konnten die Pioniere ja nicht miteinander über das Forschungsneuland reden.(1)

Warum können Spezialisten, bevorzugt Internisten, den weitergebildeten Allgemeinarzt nicht ersetzen?

Für die Masse der Beratungsursachen (BU) benötigt die Heilkunde einen "Allround-Typ", der alle Krankheiten
"zusammenschauen" und in kurzer Zeit einen vernünftigen Rat geben kann. Teurere Beratungen wären auf dem Hauptfeld der Medizin
für keine Gesellschaft erschwinglich. Allein deswegen sind Internisten ebenso wie andere Fachärzte dafür ungeeignet, -
von einer spezialistischen Gruppenbetreuung, die ja noch wesentlich kostspieliger sein würde, ganz zu schweigen.

Die Allgemeinmedizin kann ihrem Wesen nach keine Konzentration auf bestimmte Gruppen von Krankheiten sein.

Vielmehr arbeitet sie im Prinzip mit allen Erkrankungen, damit sie die unausgelesenen an die Medizin herangebrachte Vielfalt von Beratungs-
ursachen (BU) rasch und vernünftig zu versorgen vermag. Die überwiegende Mehrheit der Fälle bleibt nach dem Beratungsende diagnostisch
abwartend offen
. Die Situation ist spezifisch für das Fach Allgemeinmedizin. Diese Funktion kann von keinem der auf Gruppen von Krankheiten
beschränkten klinischen Spezialisten besser ausgeübt werden ... Die Spezialisten sollten aus ihrer fachlichen Beschränkung heraus erkennen,
dass die Erstversorgung des unausgelesenen Krankengutes in die Hände der darauf spezialisierten Allgemeinärzte gehört.

"Die 2-dimensionale Systematik für allgemeinärztliche Beratungsergebnisse" nach Braun pdf >>>
"Die 12-Fenster der 2-dimensionalen Systematik für allgemeinärztliche Beratungsergebnisse" pdf >>>
"Die Haupt-Zielrichtungen - Respektanda der allgemeinärztlichen Programmierten Diagnostik bei Uncharakteristischem Fieber " pdf >>>
Karl Kraus - Wie es einem Patienten wirklich geht >>>

Es ist ja nicht einerlei, ob die StudienabsolventInnen keine Ahnung davon haben, welche Beratungsprobleme in den Krankenhäusern
[Methodik der spezialistisch-wissenschaftlichen Diagnostik] und in der Praxis [in der angewandte Medizin] auf sie zukommen, oder ob sie
das Wesentliche darüber bereits erfahren haben und nur noch wegen Details in Büchern nachschlagen müssen. In diesem Zusammenhang
ergibt sich von selbst die Forderung, wie außerordentlich wichtig es wäre, dass in der angewandten Medizin mit nur einer Sprache gesprochen
würde. Heute ist es noch unvermeidlich, dass neu in den Beruf Kommende für ihren Bedarf erst eine eigene Fachsprache schaffen müssen.
Dadurch gelangen sie zum Beispiel zu einer allen anderen KollegInnen nicht unmittelbar verständlichen Nomenklatur.


Infolge der grundlegenden berufstheoretischen Erkenntnisse (Praxisforschung) wurde die herrschende Ansicht, die Krankenhausmedizin sei
das Vorbild für sämtliche ärztlichen Berufe, widerlegt. In der primärärztlichen Versorgung kann nicht so vorgegangen werden wie an Kliniken.
AllgemeinärztInnen und SpezialistInnen arbeiten unter verschiedenen Voraussetzungen. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen mit
voneinander abweichenden Methoden ... Sie brauchen nicht wie frühere Generationen ihre Arbeit mit dem unguten Gefühl zu verrichten, sich
nicht an die Forderungen der spezialistischen Hochschullehrer gehalten zu haben. Sie können vielmehr mit dem guten Gewissen derer agieren,
die wissen, dass ganz spezielle Aufgaben auf sie warten, worin sie unersetzlich sind ... In der Allgemeinmedizin, wo nicht nur die meisten
ÄrztInnen arbeiten, sondern wo auch die meisten Gesundheitsstörungen versorgt werden, hat nur etwa jeder fünfte Fall [~20%] eng mit den
an den Kliniken regelmäßig vorgestellten Krankheiten zu tun ... In 90% aller allgemeinärztlicher Fälle lässt sich keine Diagnose stellen. Jeder
Spezialist, dem das nicht klar ist, mag dadurch verführt werden, einen großen Teil dieser Fälle für sein Fach zu beanspruchen.
Wenn das freilich von allen Fächern aus geschieht, dann kommt man leicht statt auf 100% auf ein Vielfaches davon.


Sich bewusst den Herausforderungen der Praxis zu stellen,
diese Haltung trägt dazu bei, ein Berufsleben lang,
Freude und Begeisterung für diese ärztliche Tätigkeit
erleben zu können.
"
(1)

"Kompetenzstreitigkeiten - Der edle Wettstreit der Disziplinen" pdf >>>
"Die Vaginaluntersuchung in der Allgemeinpraxis" pdf >>>
"EKG-Indikationen in der Allgemeinpraxis" pdf >>>

Quellen: Robert Nikolaus Braun, Waltraud Fink, Gustav Kamenski: „Angewandte Medizin und wissenschaftliche Grundlagen“ S. 24, 26, 37, 86, 91, 96, 164. FACULTAS 2004;
Robert Nikolaus Braun: "Die Gezielte Diagnostik in der Praxis" SCHATTAUER 1957; „Lehrbuch der ärztlichen Allgemeinpraxis“ Urban & Schwarzenberg 1970
(1) Robert Nikolaus Braun, Waltraud Fink, Gustav Kamenski:„Lehrbuch der Allgemeinmedizin. Theorie, Fachsprache und Praxis“
S.11, 17f, 25, 77, 95f, 106f, 111, 151, 153, 163. Berger Verlag Horn/Wien 2007
(2) Robert Nikolaus Braun, Frank H. Mader: „Programmierte Diagnostik in der Allgemeinmedizin. 82 Checklisten für Anamnese und Untersuchung, mit CD-ROM“
S.4, 8, 16, 21, 232. SPRINGER 2005 (1990;1976)
Patrick Landolt Theus, Harro Danninger, Robert Nikolaus Braun: „Kasugraphie – Benennung der regelmäßig häufigen Fälle in der Allgemeinpraxis“
Praxishilfen – Wissen, Tips und Service für den Arzt. Herausgeber: Frank H. Mader. Heft 15. VERLAG KIRCHHEIM 2.Auflage 1994 (1992)



Univ.-Prof. OMR Dr. Robert Nikolaus Braun
(1914 Wien - 2007 ebenda)
"Pionier der wissenschaftlichen Allgemeinmedizin"
"Vater der programmierten allgemeinmedizinischen Diagnostik"

Zum 90.Geburtstag von Robert Nikolaus Braun pdf >>>
"Die klinische Diagnostik im Lichte der praktische angewandten Medizin" pdf >>>

Überreicht von Dr. med. Waltraud Fink - A-3722 Straning 142 -, am 10.11.2014
ZITATE: Robert Nikolaus Braun / Th-Regeln, Dogmen & Fiktionen
>>>

Die programmierte allgemeinmedizinische Diagnostik ist ein spezifisches Werkzeug in Form von Checklisten -
"Kontrolllisten zum Abhaken", mit denen der Allgemeinarzt bei derzeit 82 Fällen im Praxisalltag effektiv
arbeiten kann. Dabei werden das Häufige, das Typische und das Uncharakteristische ebenso
wie das abwendbar Gefährliche optimal berücksichtigt.



"Patienten gehen oft davon aus, dass ihre Symptome Krankheiten wären und schließen folgerichtig weiter, dass sie der Arzt
von eben dieser Krankheit heilen würde. Der Arzt wiederum, am anderen Ende der Kommunikationskette, glaubt, in Windeseile
aus den Schilderungen des Patienten eine Krankheit konstatieren zu müssen. Er steht unter Zeit- und Erfolgsdruck.
Und oft genug auch unter finanziellem Druck inmitten einer sich weit öffnenden Kostenschere. Alleine diese Konstellation
öffnet Missverständnissen Tür und Tor. Studien belegen dagegen, dass ca. 70% der in der in der Allgemeinmedizin
vorgebrachten Beschwerden so genannte vorübergehende Befindlichkeitsstörungen darstellen und nichts
mit Krankheitsbildern im eigentlichen Sinn zu tun haben. Denn viele Erscheinungen des Körpers sind bereits
Teil der Heilung, auch wenn die Selbstheilungskraft des menschlichen Organismus weitestgehend in
Vergessenheit geraten ist oder von der Gesundheitsindustrie mit Absicht negiert wird - denn sie trägt
nichts zu ihren Profiten bei. Doch auch wenn ein Arzt in erster Linie von der Prämisse ausgehen
kann "Das Häufigere ist das Häufigere", so muss er doch zugleich die zweite Prämisse
mitbedenken: "Es gibt nichts, was es nicht gibt." Und so muss er auch dort, wo die Dinge
einfach zu liegen scheinen, das Unwahrscheinliche mitbedenken und dementsprechende
Diagnoseschritte vornehmen."

Aus: Günther Loewit (b.1958, österreichischer Arzt): „Der ohnmächtige Arzt. Hinter den Kulissen des Gesundheitssystems“
Kapitel: Heilkunst und Wissenschaft. Unterkapitel: Der Arzt und sein Patient. Missverständnisse. Seite 190. HAYMON 2010


"Eine Medizin ohne Utopie und Ideale
verkommt zu einem technischen,
zu einem technisierten
Reparaturbetrieb."

Bernd Hontschik
(b. 1952)
Chirurg, Autor
Buch: „Körper, Seele, Mensch. Versuch über die Kunst des Heilens“
Seite 13. SUHRKAMP 1.Auflage 2006 [Utopie = Wunschtraum]


Der Arbeitsbereich der Allgemeinmedizin
beinhaltet die Grundversorgung aller Patienten mit physischen (körperlichen) und psychischen (seelischen) Gesundheitsstörungen
in der Notfall-, Akut- und Langzeitversorgung sowie wesentliche Bereiche der Vorsorge (Prävention) und Wiederherstellung der Gesundheit
und Leistungsfähigkeit eines durch Krankheit, Geburt oder Unfallfolgen Geschädigten (Rehabilitation). ÄrzteInnen für Allgemeinmedizin sind
darauf spezialisiert, als erste ärztliche Ansprechpartner bei allen Gesundheitsproblemen zu helfen.


Die Arbeitsweise der Allgemeinmedizin
berücksichtigt somatische, psycho-soziale, soziokulturelle und ökologische Aspekte.
Bei der Interpretation von Symptomen und Befunden ist es von besonderer Bedeutung, die Patienten,
ihr Krankheitskonzept, ihr Umfeld und ihre Geschichte zu würdigen (hermeneutisches Fallverständnis).


Die Arbeitsgrundlagen der Allgemeinmedizin
sind eine auf Dauer angelegte Arzt-Patienten-Beziehung und die erlebte Anamnese (Krankengeschichte),
die auf einer breiten Zuständigkeit und Kontinuität in der Versorgung beruhen. Zu den Arbeitsgrundlagen gehört auch
der Umgang mit den epidemiologischen Besonderheiten des unausgelesenen Patientenkollektivs
mit den daraus folgenden speziellen Bedingungen der Entscheidungsfindung
(abwartendes Offenhalten des Falles, Berücksichtigung abwendbar gefährlicher Verläufe).


Das Arbeitsziel der Allgemeinmedizin
ist eine qualitativ hoch stehende Versorgung, die den Schutz des Patienten,
aber auch der Gesellschaft vor Fehl-, Unter- oder Überversorgung einschließt.


Der Arbeitsauftrag der Allgemeinmedizin beinhaltet:

1.
die
primärärztliche Filter- und Steuerfunktion, insbesondere die angemessene und gegenüber Patient und Gesellschaft
verantwortliche Stufendiagnostik und Therapie unter Einbeziehung von Fachspezialisten.


2. die haus- und familienärztliche Funktion, insbesondere die Betreuung des Patienten im Kontext
seiner Familie oder sozialen Gemeinschaft, auch im häuslichen Umfeld.


3. die Gesundheitsbildungsfunktion, insbesondere Gesundheitsberatung und -förderung
für den Einzelnen wie auch in der Gemeinde.


4. die Koordinations- und Integrationsfunktion, insbesondere die gezielte Zuweisung zu Spezialisten, die feder-
führende Koordinierung zwischen den Versorgungsebenen, das Zusammenführen und Bewerten aller Ergebnisse
und deren kontinuierliche Dokumentation, sowie die Vermittlung von Hilfe und Pflege des Patienten in seinem Umfeld.

"Werdet in Eurem Leben zu dem,
was Ihr in der Welt
erfahren wollt.

Alte Weisheit - Erste Regel der Wirklichkeit

Es gibt einen feinen, aber bedeutsamen Unterschied zwischen dem "Streben nach einem Ergebnis"
und dem "Denken und Fühlen aus einem Ergebnis heraus".


[Die "Kraft" der Imagination/Einbildungskraft/Phantasie und der eigenen Überzeugung]

Wenn wir auf etwas hinarbeiten, begeben wir uns auf eine endlose Reise mit offenem Ende.
Wir können vielleicht Fortschritte verzeichnen und uns Zwischenziele setzen,
doch innerlich sind wir immer "unterwegs" zum Ziel, statt zu erfahren, wie es ist,
das Ziel zu erreichen.

Die wissenschaftlichen Studien [1] zeigen zwei wesentliche Faktoren,
durch welche die Möglichkeiten in unserem Geist zur Wirklichkeit unserer Welt werden:
1. Die Realität verändert sich zweifellos in der Gegenwart unserer Aufmerksamkeit.
2. Diese Veränderung nimmt zu, je größer unsere Aufmerksamkeit ist.


Diese wissenschaftlichen Beobachtungen bestätigen die Prinzipien,
die uns die großen Lehrer der Vergangenheit übermittelt haben.
Deshalb hat Neville Goddards [1905-1972] [2] Hinweis, dass wir in das Bild
- unseres Herzenswunsches, unseres Traums, unseres Ziels -
eingehen und von dort her denken müssen, für uns so große Bedeutung:
Wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, wie unser Leben aussehen würde,
wenn sich unser Traum bereits erfüllt hätte, dann erzeugen wir in uns die Bedingungen,
die es ermöglichen, dass uns die Erfüllung unseres Traumes umgibt
...


Wenn wir unsere vor gefassten Einstellungen und unsere Überzeugungen,
was angeblich geht und was nicht geht, loslassen,
kann sich die erste Regel der Wirklichkeit
in all ihrer Schlichtheit in unserem Leben entfalten
...

"Machen Sie Ihren zukünftigen Traum zu einer gegenwärtigen Tatsache [2]" ...

"Die Welt, die wir sehen und die uns so verrückt erscheint,
ist das Ergebnis eines Systems von Überzeugungen, das nicht funktioniert"[3]


Unser Geist braucht einen Grund, um seine Überzeugungen zu verändern - einen guten Grund ...
Wir brauchen einen Grund, der uns aus unseren selbstgefälligen Denkgewohnheiten
in eine neue Perspektive katapultiert ... um zu erkennen, wie sich unsere Welt verändert,
wenn wir unsere Überzeugungen verändern ... Alles beginnt mit unserer Fähigkeit,
uns von den falschen Beschränkungen der Vergangenheit zu befreien - "Heilung unserer Überzeugungen".
Unsere Überzeugungen sind unser Leben!"


Aus: Gregg Braden: „Der Realitäts-Code. Wie Sie Ihre Wirklichkeit verändern können“ (The Spontaneous Healing of Belief. Shattering the Paradigm of False Limits 2008 )
Kapitel 5: Wer den Code [= Unsere Überzeugungen] kennt, bestimmt die Regeln: Die Erschütterung des Paradigmas der falschen Grenzen. Seite 217: Leben vom Ergebnis her.
Kapitel 6: Die Heilung der Überzeugungen: Wie Sie Ihren Realitäts-Code verändern können. Seite 230
KOHA 5.Auflage 2011


[1] Prof. Mordehai Heiblum et al., Weizmann Institute of Science, REHOVOT, Israel: "Quantum Theory Demonstrated: Observation Affects Reality" NATURE (Vol. 391, pp. 871-874) 26.2.1998
The experiment revealed that the greater the amount of "watching," the greater the observer's influence on what actually takes place.
"Die Demonstration der Quantentheorie: Beobachtung beeinflusst Realität" bestätigte 1998 die ursprünglichen Experimente von 1908/9 von Geoffrey Ingram Taylor [1886-1975] in England
und fügte eine zusätzliche Entdeckung hinzu, die jeglichen Zweifel ausräumte: "Je mehr Teilchen beobachtet werden, desto größer ist der Einfluss des Beobachters"
http://www.sciencedaily.com/releases/1998/02/980227055013.htm


[2] Neville Goddard: "The Power of Awareness" Marina del Rey 1952

[3] “The world we see that seems so insane is the result of a belief system that is not working. To perceive the world differently,
we must be willing to change our belief system, let the past slip away, expand our sense of now, and dissolve the fear in our minds.”
William James (1842-1910) Aus: www.3.thinkexist.com/quotes/william_james/4.html

"Jeder Mensch ist der Urheber
seiner eigenen
Gesundheit oder Krankheit"

Buddha



Der vitruvianische Mensch
(1492)
Proportionsstudie nach Marcus Vitruvius Pollio
(ca. 80-10 v.u.Z, römischer Architekt, Ingenieur, Schriftsteller)

von
Leonardo da Vinci
"Das italienische Universalgenie"
[1452-1519]
Italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Anatom
Mechaniker, Ingenieur, Naturphilosoph und Erfinder in der Renaissance.
Sein Geburtsort Vinci war ein Kastell oder befestigtes Hügeldorf im Florentiner Territorium
(ca. 30 km westlich von Florenz) nahe Empoli, von dem die Familie seines Vaters ihren Namen ableitete.


Er verdeutlicht in seinem berühmt gewordenen männlichen Akt,
die Proportionen des Goldenen Schnitts, mit der Verhältniszahl 1,618 phi,
und zeigt folgendes:
- Abstand vom Scheitel zum Fußboden im Verhältnis zum Abstand vom Nabel zum Boden
-Abstand von Schulter zu den Fingerspitzen zur Länge vom Ellbogen zu den Fingern
-Abstand von der Hüfte zum Boden zur Länge vom Knie zum Boden
-gleiches gilt für die Fingerglieder, Zehen, Abschnitte der Wirbelsäule usw.



"Der Zweifel ist der Beginn der Wissenschaft.
Wer nicht anzweifelt, prüft nichts.
Wer nichts prüft, entdeckt nichts.
Wer nichts entdeckt, ist blind
und bleibt blind."

Teilhard de Chardin
(1881-1955)
Französischer Jesuit, Theologe, Philosoph,
Anthropologe, Geologe, Paläontologe
Aus: Robert Nikolaus Braun, Waltraud Fink, Gustav Kamenski
„Lehrbuch der Allgemeinmedizin. Theorie, Fachsprache und Praxis“
Berger Verlag 2007

Definition des Hausarztes - Vertrauensarztes

Behandeln und koordinieren

Als Arzt des Vertrauens soll der Hausarzt im Gesundheitssystem eine zentrale Rolle
eines Beraters und Koordinators übernehmen, der den Menschen ganzheitlich ein Leben lang betreut
und daher umfassende Kenntnisse über dessen Krankengeschichte und sein soziales Umfeld hat
und so den Patienten auf den "richtigen" Wegen im Gesundheitssystem führt und begleitet.

Allgemeinmediziner oder Facharzt

Der freiberuflich tätige Hausarzt / Vertrauensarzt kann Allgemeinmediziner oder Facharzt sein.
Er soll vom Versicherten beziehungsweise vom Patienten als erster Ansprechpartner konsultiert werden.
Dann legen Arzt und Patient gemeinsam weitere diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen fest.
Soll die "freie Arztwahl" aufrechterhalten werden, kommt dem Hausarzt / Vertrauensarzt
im Rahmen des Vertragspartnerrechts die zentrale Rolle des Koordinators zu. -
"Lotse durchs Gesundheitssystem!"

Unterstützung der Politik

Um den Hausarzt / Vertrauensarzt als ersten Ansprechpartner und Betreuer des Patienten aufzuwerten,
braucht es komplexe gesundheits- und gesellschaftspolitische Maßnahmen, die auch gesetzlich zu verankern sind.
Voraussetzung dafür ist, dass alle Beteiligten – auch die politischen Entscheidungsträger – die Maßnahmen befürworten
und zu deren Umsetzung beitragen.

Quellen: Günther Wawrowsky, Gert Wiegele, Jörg Pruckner (Hg): „Arzt der Zukunft – Zukunft der Arztes. Niedergelassene Medizin in Österreich“
VERLAGSHAUS DER ÄRZTE 2011. http://meinarzt.aerztekammer.at/der-hausarzt-vertrauensarzt/definition-des-hausarztes



"Unumstößlich fixiert ist so gut wie nichts.
Neue Fragen, auf die wir keine Antworten kennen, tauchen wie aus dem Nichts auf.
Immer wieder erhöhen Tabu-Fragen unseren Blutdruck und drohen, Panik auszulösen.
Wir dürfen jedoch keine Angst davor haben, sie zu stellen, auch wenn wir sie nicht,
noch nicht oder nie beantworten können.


Wie sagte der Dalai Lama?

"Wichtiger als glauben ist es, zu zweifeln
und kritische Fragen zu stellen.""

Aus: Horst Herrmann (b.1940, Religionssoziologe):, „Agnostizismus, Freies Denken für Dummies“
Kapitel: "Ein anderer Weg: Vorsicht gegenüber fixierten Wahrheiten" S.127
Wiley-VCH 1.Auflage 2008


"Ein kranker Mensch, ein Patient, ist verwundbar.
Der berühmte italienische Journalist Tiziano Terzani (1938-2004) hat in seinem Buch
"Noch eine Runde auf dem Karussell – Vom Leben und Sterben“ KNAUR 2007,
seiner Schilderung der Zeit nach seiner Krebsdiagnose gesagt: "Ein Gesunder kann
einen Kranken nicht verstehen
". Im Zusammenhang mit leidenden Menschen kann man übrigens
immer wieder die Beobachtung machen, dass das "Wie" für einen verwundbaren Menschen
mitunter wichtiger ist als das "Was"
. Und wenn das so ist, ist eine "beseelte Institution"
ein Krankenhaus, das sich auch der Frage nach dem "Wie" stellt und nicht nur den Fragen
"Wie viel kostet das?" und "Wer zahlt das?" von großer Kostbarkeit.

Ein Beispiel dazu, dass das "Wie" wichtiger werden kann als das "Was": Walter Jens (1923-2013),
berühmter deutscher Intellektueller, seit jetzt mittlerweile sieben Jahren mit Demenz diagnostiziert, hat
immer noch gerne Gäste zum Abendessen, wie seine Frau Inge erzählt. Er weiß nicht mehr, was gesagt
wird, aber er weiß sehr wohl noch, wie es gesagt wird. Er weiß nicht mehr, wer ihm gegenüber sitzt,
aber er kriegt immer noch mit, ob man über seinen Kopf hinweg spricht oder ihn mit Blicken und Gesten
und Intentionen einbezieht
. Und das ist, wenn Sie so wollen, der Primat des "Wie" vor dem "Was".

Wenn man nichts mehr medizinisch für mich tun kann, dann
bin ich sehr dankbar für die Weise,
wie man mit mir umgeht,
weil das "Was", wenn Sie an Palliative Care und Ähnliches denken,
in den Hintergrund tritt."

Prof. DrDrDr Clemens Sedmak
(b.1971)
pdf >>>
Österreichischer Theologe, Philosophieprofessor am King’s College London, UNI London, Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung
der Universität Salzburg: „Bedeutung und Entwicklung von Werten in einer modernen Gesellschaft“ Enquete „Medizin mit Qualität und Seele –
15 Jahre Vinzenz Gruppe“ 21. Juni 2011, Orthopädisches Spital Speising. Aus: www.vinzenzgruppe.at/vinzenzgruppe/vinzenzgruppe/media/
pdf_gruppe/Enq_Keynote_CSedmak_0711_LV.pd

um 1500


"Die drei Lebensalter des Weibes
und der Tod"

Hans Baldung
(1484 - 1545)
Deutscher Maler, Zeichner, Kupferstecher


"Zu der Zeit, da Buddha noch als Prinz Siddharta von seinem Vater in einem herrlichen Palast
festgehalten wurde, entwischte er manchmal und fuhr im Wagen in der Umgebung spazieren.

Bei seinem ersten Ausflug begegnete ihm ein gebrechlicher Mann, zahnlos, voller Falten, weißhaarig,
gebeugt, auf einen Stock gestützt, zittrig und brabbelnd
. Er staunte, und der Kutscher erklärte ihm,
was ein Greis ist. "Was für ein Unglück", rief der Prinz aus, "dass die schwachen und unwissenden
Menschen
, berauscht vom Stolz der Jugend, das Alter nicht sehen. Lass uns schnell wieder nach Hause
fahren. Wozu all die Spiele und Freuden, da ich doch die Wohnstatt des künftigen Alters bin.
"

Buddha erkannte in einem Greis sein eigenes Schicksal, weil er, geboren, um die Menschen zu retten,
ihr Los uneingeschränkt auf sich nehmen wollte. Darin unterschied er sich von ihnen:
Die Menschen verdrängen, was ihnen missfällt. Und besonders das Alter ...

Für die Gesellschaft ist das Alter eine Art Geheimnis, dessen man sich schämt
und über das zu sprechen sich nicht schickt ...

Hören wir auf, uns selbst zu belügen; der Sinn unseres Lebens ist in Frage gestellt durch die Zukunft,
die uns erwartet; wir wissen nicht, wer wir sind, wenn wir nicht wissen, wer wir sein werden:
Erkennen wir uns in diesem alten Mann, in jener alten Frau. Das ist unerlässlich, wenn wir unsere
menschliche Situation als Ganzes akzeptieren
wollen. Dann werden wir das Unglück des Alters
nicht mehr gleichgültig hinnehmen, wir werden uns betroffen fühlen: Wir sind es ...

Die Forderung, dass Menschen im Alter Menschen bleiben müssen ...

Bernard Le Bovier de Fontanelle [1657-1757, frz. Philosoph] zufolge ist das glücklichste Alter das
"von 60 bis 80 Jahren. Da hat man eine Position erreicht; man hat keinen Ehrgeiz mehr, man wünscht sich
nichts mehr und genießt, was man gesät hat. Es ist das Alter der eingebrachten Ernte ...


Das Alter ist nicht die "Summe" unsers Lebens. Die Zeitspanne ein und derselben Bewegung gibt uns
und nimmt uns die Welt. Wir lernen und wir vergessen, wir bereichern uns, und wir entwürdigen uns."...

Aus: Simone de Beauvoir (1908-1986): „Das Alter“ Einführung Seite 5,10,12, 392, 495
(La Vieillesse 1970) ROWOHLT 4. Auflage 2008 (1972)

Siehe: Marc Aurel: " WER SEHR LANGE LEBT... NUR DAS JETZT IST ES,
DESSEN MAN BERAUBT WERDEN KANN"
Palliativmedizin >>>

"Wahrscheinlich sind wir Menschen die einzigen Lebewesen, die das Phänomen "ZEIT" überhaupt denken können.
Die innere Organisation unserer Gedankenwelt erlaubt uns, zwischen ERINNERUNGEN und ZUKUNFTSBILDERN
zu unterscheiden. Wir können innerlich vergegenwärtigen, was vor drei Jahren war oder sich morgen ereignen wird.
Der Gedanke "ZEIT VERGEHT NICHT - SIE ENTSTEHT!" ist frei von dem Philosophen Martin Heidegger (1889-1976)
übernommen. Psychologisch gesehen, hat diese Auffassung von Zeit einen außergewöhnlichen Effekt auf die aktive
Organisation persönlicher und beruflicher Ziele. Unser LEBENSWEG verläuft wie eine Linie der Zeit. Von der üblichen
Sichtweise ausgehend, dass die Zeit vergeht, wir zuviel Zeit verloren haben, beschäftigen wir uns zwangsläufig mit der
Vergangenheit und ungenutzten Gelegenheiten. In Heideggers Denken wird die Zeit mit dem Blick nach vorn
zu einer unerschöpflichen Quelle. Bei einer unerschöpflichen Quelle kann auch gut und gerne etwas den Bach
herunter fließen, und es ist trotzdem noch genug da. Das Handeln wird aufgrund dieser inneren Haltung
gelassener und überlegter. Die Zukunft wird zu einem stabilen Ziel, das sorgfältig und aktiv gestaltet werden
kann. Das bedeutet für den LEBENSWEG, dass wir den Blick tatsächlich in die Zukunft richten können
und aufhören, ihn in die Vergangenheit zu wenden.


Aus: Cora Besser Siegmund, Harry Siegmund: „Denk Dich nach vorn. Das NLP- Persönlichkeits- Programm“
Schritt 1: Erfolg haben will gelernt sein. Zeit vergeht nicht - sie entsteht! Seite 85. ECON 1997


"Wenn es gelänge, das Alter, in dem Krankheiten ausbrechen, nach hinten zu verschieben und
wenn dieser Effekt größer wäre als die allgemeine Steigerung der Lebenserwartung, dann würde
das bedeuten: Die hinzugewonnene Lebenszeit besteht aus Jahren voller Gesundheit. Die Krank-
heitsphase vor dem Tod ist vergleichsweise kurz und findet in einem immer höheren Lebensalter
statt. James F. Fries [US-amerik.Gerontologe,Stanford University School,CA] hat dafür den
Begriff "compression of morbidity" (1) ins Leben gerufen - die Morbidität [Krankhaftigkeit]
wird verdichtet und zeitlich nach hinten geschoben ... Der Trick mit der komprimierten Morbidität
funktioniert, und hat es in der Hand, das Phänomen für sich wirken zu lassen - durch regelmäßige
körperliche Bewegung
(2) ... Entscheiden sich ältere Menschen, die träge waren, für eine bewegtere
Lebensweise, dann werden sie mit Gesundheit belohnt ... Selbst 70- und 80-Jährige, die aufgrund
körperlicher Inaktivität beinahe schon behindert sind, können durch gezieltes Training der Gebrech-
lichkeit Einhalt gebieten . James Fries hat richtig gelegen. In der Summe kann regelmäßige Bewegung
in einer immer älter werdenden Gesellschaft den Ausbruch von Krankheit nach hinten verschieben und
die der gesunden Tage mehren. Man kann nicht verhindern, dass man alt wird. Man kann aber viel
dafür tun, dass dies in guter Verfassung geschieht ... Die Psychologin Becca Levy (3) von der Yale
University in New Haven (Connecticut) hat das Phänomen [die falsche Vorstellung über das Alter,
die Stigmatisierung der Alten durch ihre Umwelt] an 90 gesunden älteren Menschen studiert. Zunächst
testete sie die Gedächtnisleistung von ihnen. Dann ließ sie die Wörter "weise", "aufmerksam" "gescheit",
"belesen"
vor den Augen der Testpersonen aufblitzen und machte einen weiteren Gedächtnistest: Nicht nur,
dass die Menschen diesmal besser abschnitten, sie gingen sogar schneller als zuvor. Bei der Gegenprobe
blitzten Worte wie "Demenz", "Niedergang", "senil" und "verwirrt" auf. Hernach wurden die Gedächtnis-
leistungen und Geschwindigkeit wieder schlechter (3). Ein Glück, dass sich der Effekt umdrehen lässt.
Ermunterungen sind für das Gemüt gute Medizin ..."

Aus: Jörg Blech: "Die Heilkraft der Bewegung - Wie Sie Krankheiten besiegen und Ihr Leben verlängern" Kapitel 13: Länger leben und gesund bleiben.
Mehr gesunde Tage, S.214-216, Kapitel 14: Zaubermittel für jeden Tag S.223, FISCHER 2014 überarbeitete Neuauflage des Titels „Heilen mit Be-
wegung“ 2007 ("Healing through Exercise: Scientifically-Proven Ways to Prevent and Overcome Illness and Lengthen Your Life: How Exercise
Can Cure Illness and Lengthen Your Life" Da Capo Lifelong Books 2009)
(1) James F. Fries: "Aging, natural death, and the compression of morbidity" Bull World Health Organ 2002; 80(3): 245–250
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2567746/pdf/11984612.pdf
(2) Eliza F. Chakravarty, Helen B. Hubert, Vijaya B. Lingala, James F. Fries: "Reduced Disability and Mortality Among Aging Runners - A 21-Year
Longitudinal Study" Arch Intern Med. 2008 Aug 11;168(15):1638-46. http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.500.9705&rep=rep1&type=pdf
(3) New York Times vom 5. Oktober 2006 und Becca R. Levy, Martin D. Slade, Suzanne R. Kunkel, Stanislav V. Kasl: "Longevity Increased by Positive Self-Per-
ceptions of Aging"J Pers Soc Psychol. 2002 Aug;83(2):261-70. www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-832261.pdf





"Der Jungbrunnen"
1546
Lukas Kranach der Ältere
(1472-1553)
Deutscher Maler und Grafiker




Alt werden ist nichts Zufälliges

Es ist notwendig für den menschlichen Zustand, von der Seele beabsichtigt. Alt werden ist in unsere Physiologie
eingebaut; und doch dehnt sich das menschliche Leben zu unserer Verblüffung weit über die Zeit der Fruchtbarkeit
hinaus aus und überdauert die muskuläre Spannkraft und die Schärfe der Sinnesorgane. Aus diesem Grund
brauchen wir schöpferische Ideen, die das Altwerden achten und sich ihm mit der Intelligenz nähern,
die es verdient
... Warum also leben wir so lange? ...

Ich kann der Theorie nicht zustimmen, dass die menschliche Langlebigkeit das künstliche Ergebnis der Zivilisation,
ihrer Wissenschaft und ihrer sozialen Netzwerke ist, welche einen Haufen lebender Mumien hervorbringen,
Paradoxien, die in einer Zwischenzone schweben. Die alten als "Retardierte".

Lassen sie uns stattdessen den Gedanken verfolgen, dass der CHARAKTER die zusätzlichen Jahre benötigt
und dass uns die lange Lebensdauer weder von unseren Genen noch von der lebensverlängernden Medizin
oder der gesellschaftlichen Verschwörung aufgezwungen wird.

Die letzten Jahre festigen und erfüllen den menschlichen Charakter
... Unsere Begegnung mit dem Alter in der
Lebensmitte ist verfrüht. Wir haben noch nicht die Wahrnehmungen entwickelt, um die Bilder des Alterns zu er
gründen, so dass die Antworten, die wir in der Lebensmitte finden, hauptsächlich unsere Ängste widerspiegeln
...
Alt werden ist zur Grundangst einer ganzen Generation geworden ...
FALSCHHEIT kleidet sich oft in die Gewänder allgemein akzeptierter Wahrheiten,
die verbreitete Unbewusstheit, die wir alle teilen ...

Wir müssen uns von ganzem Herzen einlassen auf das, was geschieht, wenn wir alt werden.
Das erfordert sowohl NEUGIER als auch MUT
...

Wenn wir im Charakter nicht nur eine Ansammlung von persönlichen Eigenschaften, Gewohnheiten,
Tugenden und Lastern sehen, sondern ihn als aktive Kraft begreifen, dann kann es sein,
dass der Charakter beim Altern des Körpers das gestaltende Prinzip darstellt.
Dann Enthüllt das Altwerden die Weisheit des Körpers.

Aus: „Vom Sinn des langen Lebens – Wir werden, was wir sind
(The Force of Character. And the Lasting Life 1999) dtv 2004

James Hillman

(1926-2011)
US-amerikanischer jungscher Psychoanalytiker
Schriftsteller


"Auch die psychotherapeutische Zunft
muss sich wie die anderen medizinischen Disziplinen
immer wieder klar machen, dass
wir nicht Messwerte behandeln, sondern Menschen.
In der Herzmedizin hat es z.B. einige Jahre gebraucht,
bis erkannt wurde, dass bestimmte Mittel gegen
Herzrhythmusstörungen zwar den Herzrhythmus verbessern,
dafür aber zum deutlich früheren Tod des Patienten führen.
Entscheidender Maßstab für jede Therapie ist nicht irgendein Messwert,
sondern das subjektive Befinden des Patienten,
noch entscheidender seine Lebenserwartung.

Aus: Joachim Bauer (b.1951, dtsch. Internist, Psychotherapeut, Psychiater, Molekular-Neurobiolge):
„Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern“
Seite 219. 16. Auflage PIPER 2010 (2004)




Ignatz Leo Nascher
(1863 Wien - 1944 New York)
Bild: http://pn.psychiatryonline.org/content/43/22/24.full

Der Begriff
Geriatrie geht auf den in Wien gebürtigen Österreicher Dr. Ignatz Leo Nascher zurück.
Er wanderte nach Amerika aus, studierte dort Medizin und arbeitete ab 1885 am Mount Sinai Hospital in New York.
Als er 1908 in Wien das für damalige Verhältnisse hochmoderne Versorgungsheim Lainz besuchte, fiel ihm
die geringe Sterberate der Bewohner auf. Ein dortiger Arzt erklärte Nascher das Betreuungskonzept folgendermaßen:
"Wir verfahren mit den Insassen so wie der Pädiater mit seinen Kindern". Nascher prägte daraufhin den Begriff Geriatrie -
in Anlehnung an die Pädiatrie - für die Medizin bei alten Menschen. 1914 veröffentlichte Ignatz Leo Nascher
das erste Lehrbuch für Geriatrie: „Geriatrics - The diseases of old age and their treatment“.


"Entgegen der vielen Katastrophenmeldungen und Krankheitsgefahren, die die Medien beherrschen,
waren wir noch nie so gesund wie heute. Die Zunahme von Herzinfarkten und Kreislauferkrankungen betrifft
ein hohes Alter, welches vor hundert Jahren nur wenigen Menschen vergönnt war. Freuen wir uns also, dass
wir in einer modernen Zivilisation leben, das hat Vorteile, nicht nur bei Zahnschmerzen. Ein hohes Alter in
Gesundheit erreichen wir dabei nicht durch asketischen, scheinbar gesunden Lebensstil, sondern wenn wir es
schaffen, vor allem die Infektionskrankheiten in Schach zu halten, so wie es in den Industrienationen in den letzten
hundert Jahren gelungen ist. Doch statt uns darüber zu freuen, lassen wir uns lieber Angst machen und pflegen
ein übertriebenes Gesundheitsbewusstsein, welches uns oft genug daran hindert, das Leben
kraftvoll anzupacken und zu genießen...


"Wer langsam geht, geht gut,
wer gut geht, geht weit!
"
Alte Weisheit


www.base-berlin.mpg.de/

"Laufen - Lernen - Lieben - Lachen"
Die sog. "Vier L" nach Prof. Dr. Leopold Rosenmayr (1925-2016) - Familien-, Jugend- und Altersforscher in Wien,
Emeritierter ordentlicher Universitätsprofessor der Soziologie und Sozialphilosophie an der Universität Wien

"Verkehrsstau - Lustiger Narrenstreich durch Alte" - Leider mit wahrem Kern!
www.youtube.com/embed/G0PekTUmBdY?feature=player_Embedded

"Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung,
und sie gedeiht mit der Freude am Leben"

Thomas von Aquin
(1225-1274)
Dominikaner, Philosophen, Theologe


"In vielen aussagekräftigen Studien leben die Molligen [BMI 25-30] am längsten, teilweise sogar die Fettleibigen.
Die niedrigste Lebenserwartung hat die kleine Gruppe der extrem Fettleibigen und der extrem Dünnen.
Dies bedeutet auch, dass Mollige nicht häufiger an ernsten Erkrankungen leiden, da sie dann zwangsläufig
auch früher sterben müssten. Auf keinen Fall ist es gerechtfertigt, Mollige bis zu einem BMI von 35 als Last
für die Gesellschaft zu bezeichnen. Es gilt nach wie vor die Aussage: Es gibt keine pauschalen gesunden
Gewichts- oder BMI-Einteilungen. Jeder Mensch hat sein eigenes gesundes Gewicht, der eine mehr, der andere
weniger. Allerdings scheint es gesundheitsförderlich zu sein, im Laufe des Lebens etwas zuzunehmen,
auch dies entspricht dem normalen Lauf der Dinge ...

"Übergewichtige Menschen sind kränker, sterben früher und sind damit
eine Last für Gesundheitssysteme und die gesamte Gesellschaft."


Beinahe täglich hören wir dieses anklagende Trommelfeuer.
Wer "normal"-gewichtig ist, möge sich einmal in die Rolle von "über"-gewichtigen Mitbürgern versetzen
und sich vorstellen, wie solche Sätze wirken. Sie sind wie Keulen, die direkt auf das Selbstwertgefühl zielen.
Trotzdem lesen und hören wir sie nicht nur im Fernsehen und in Lifestyleblättern,
sogar das Deutsche Ärzteblatt schlägt mit in diese Kerbe, indem es
in einem Artikel über dicke Kinder solche Sätze abdruckt [1] ...

Wenn also Mollige länger und Fettleibige kaum kürzer als die Normalgewichtigen leben, dann
können sie zwar durchaus eine andere Krankheitsverteilung haben als Normalgewichtige, aber sie haben
keine schlechtere Gesamtgesundheitsprognose. Wenn sie übergewichtig sind, müssen sie sich trotzdem
immer wieder anhören, sie hätten ein erhöhtes Risiko bei Herzerkrankungen,
ein erhöhtes Diabetesrisiko und öfter Gelenkprobleme [2].


Aus: Gunter Frank: „Lizenz zum Essen: Warum Ihr Gewicht mehr mit Stress zu tun hat als mit dem, was Sie essen“ Körperbau und Gewicht.
9 Allgemeiner Gesundheitszustand. Warum wir so gesund sind, wie wir es noch nie waren, es aber gar nicht bemerken. Seite 95.
10 Gewicht und Gesundheit. Warum Mollige zu Unrecht Risikozuschläge an ihre Lebensversicherung zahlen und es unfair ist,
einen molligen Lehramtsanwärter nicht zu verbeamten. Seite 96, 102, 108 PIPER 2.Auflage 2008. www.lizenz-zum-essen.de

[1]
Manfred J. Müller, Thomas Reinehr, Johannes Hebebrand, J. (2006). Prävention und Therapie von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter.
Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, 6, 292-297. www.aerzteblatt.de/pdf/103/6/a334.pdf

[2] Katherine N. Flegal et al (CDC Atlanta/Georgia USA): "Excess Deaths Associated With Underweight, Overweight, and Obesity"JAMA. 2005;293(15):1861-1867
W.Wyat Gibbs (Wissenschaftsjournalist bei Scientific American): "Übergewicht überbewertet?" Spektrum der Wissenschaft 10/2005, S. 24-31. www.rubach-friedhelm.de/wissen-thema5.html
Abel Romero Corral et al: "Association of bodyweight with total mortality and with cardiovascular events in coronary artery disease: a systematic review of cohort studies" The Lancet, Volume 368,
Issue 9536, Pages 666 - 678, 19 August 2006. "Es wurde die Lebenserwartung von 250.000 herzkranken Menschen mit ihrem BMI verglichen. Ergebnis: Wieder lebten die Molligen am längsten.
Die größte Überraschung jedoch war, dass selbst fettleibige Herzkranke länger lebten als normalgewichtige Leidensgenossen! Erst extrem Fettleibige hatten eine verkürzte Lebenserwartung.
Mit Abstand am schlechtesten schnitten die Untergewichtigen ab." [S.102]


Das Anrecht, der persönliche Anspruch und Wunsch auf Autonomie, Selbstbestimmung und Würde,
wird gerade für die "Alten" in unserer Gesellschaft, in ihrem allgemeinen Alltag und besonders bei Ihrer "Verwahrung"
in Alters- (Alten-) und Pflegeheimen,
im Krankenhaus und anderen Institutionen, zu einer persönlichen Herausforderung.

Autonomie (altgr. autos: selbst, nomos: Gesetz, autonomia: „sich selbst Gesetze gebend, Eigengesetzlichkeit, selbständig“)
bezeichnet die Bedingung der Selbstständigkeit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwaltung oder Entscheidungsfreiheit.

Untersuchungsergebnisse von Prof. Dr. Anton Amann (Soziologe) et al., im Rahmen des Österreichischen Seniorenberichts1,2,3
(2001) bestätigen, dass gerade alte Menschen so lange wie möglich selbstständig und unabhängig von anderen sein möchten.

Die "absolute" Wahrung des Anspruchs auf Autonomie, Selbstbestimmung und Würde,
besonders im Alter, ist leider noch nicht eine Selbstverständlichkeit geworden.

Der Alltag in Alters- und Pflegeheimen und anderen Institutionen ist weitgehend fremdbestimmt.

Je höher die Morbidität und Pflegebedürftigkeit, desto höher auch das Risiko der Fremdbestimmtheit (Heteronomie).

Pflegebedürftig sein, kann von den Betroffenen sehr widersprüchlich erlebt werden.
Einerseits ist es "schön", sich geborgen, gut versorgt und aufgehoben zu fühlen, und
die Verantwortung für seine alltäglichen Heraus- und Anforderungen abgeben zu können.
Andererseits erzeugt es Angst und Unsicherheit, weil man "nicht tun und lassen kann,
was man selber möchte" - Angst vor Verlust der Eigenständigkeit, Mündigkeit,
Selbstbestimmtheit, Identitätsverlust, Endindividualisierung, psychischer und physischer Gewalt -
und ist gleichzeitig von anderen ganz oder teilweise abhängig geworden.

Erich Fried (1921-1988), österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist,
schreibt in seinem Gedicht "
Gewalt

1 Die Gewalt fängt nicht an
wenn einer einen erwürgt
Sie fängt an
wenn einer sagt:
"Ich liebe dich:
du gehörst mir!"

2
Die Gewalt fängt nicht an
wenn Kranke getötet werden
Sie
fängt an
wenn einer sagt:

"Du bist krank:
Du musst tun,
was ich sage!"


3 Die Gewalt fängt an
wenn Eltern ihre folgsamen Kinder
beherrschen und wenn Päpste
und Lehrer und Eltern
Selbstbeherrschung verlangen
4 Die Gewalt herrscht dort
wo der Staat sagt:
"Um die Gewalt zu bekämpfen
darf es keine Gewalt mehr geben
außer meiner Gewalt!"
oder wo die Kritik nichts tun darf
sondern nur reden
und die Heiligen und die Hohen
mehr tun dürfen als reden

5 Die Gewalt herrscht dort
wo es heißt:
"Du darfst Gewalt anwenden!"
aber oft auch dort,
wo es heißt: "Du darfst
keine Gewalt anwenden!"

6 Die Gewalt herrscht dort
wo sie ihre Gegner einsperrt
und sie verleumdet
als Anstifter zur Gewalt
7 Das Grundgesetz der Gewalt
lautet: "Recht ist, was wir tun.
Und das was die anderen tun
das ist Gewalt!"

8 Die Gewalt kann man vielleicht
nie mit Gewalt überwinden
aber vielleicht auch nicht
immer ohne Gewaltf!


Die größte Entdeckung meiner Generation ist,
dass der Mensch sein Leben ändern
kann, indem er einfach seine
innere Einstellung ändert.


William James
(1842-1910)
US-amerikanischer Psychologe, Phiolosoph
Aus: Joe Dispenza (Biochemiker, Neurowissenschaftler, Chiropraktiker, Autor):
"Schöpfer der Wirklichkeit - Der Mensch und sein Gehirn - Wunderwerk der Evolution"
("Evolve your Brain.The Science of Changing Your Mind" 2007)
Seite 242. KOHA 3.Auflage 2013


Der amerikanische Soziologe Erving Goffman (1922-1988) [3,4] beschreibt die Alten- und Pflegeheime, neben Klöstern
und Gefängnissen, als
totale Institutionen, deren Bewohner/Insassen fremdbestimmt und abhängig von anderen sind,
was zu deren Verlust an Selbstkontrolle/Selbstbestimmtheit, Privatsphäre und Selbstidentität führen wird.

Nach E. Goffman ist die totale Institution eine Unterform des allgemeinen Begriffs soziale Institution, die er definiert
als „Räume, Wohnungen, Gebäude oder Betriebe, in denen regelmäßig eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt wird“.


5-Gruppen der totalen Institutionen nach Zielsetzungen
1. zur Fürsorge von unselbstständigen und harmlosen Menschen
(Blinden-, Alters-, Kinderheime, Waisenheime, Psychiatrische Kliniken)

2. zur Fürsorge von unselbstständigen Personen, die in irgendeiner Weise eine Gefahr
für die Gesellschaft darstellen (Tuberkulosesanatorien, forensisch-psychiatrische Kliniken)

3. zum Schutz der Gesellschaft vor Personen, die als gefährlich angesehen werden, nicht primär
zum Wohle der abgesonderten Personen (Gefängnisse, Kriegsgefangenenlager, Konzentrationslager)

4. mit arbeitsähnlichen Zielen (Kasernen, Internate, Schiffe, Arbeitslager)

5.
als Zufluchtsort oder religiöse Ausbildungsstätten (Abteien, Klöster)

Merkmale einer totalen Institution
fixe, exakt geplante und überwachte Tagesabläufe für deren Bewohner/Insassen (Essens-, Schlaf-, Freizeit usw.)

die zu erfüllenden Tätigkeiten sind durch ein System expliziter formaler Regeln vorgeschrieben

eine fundamentale Trennung zwischen einer großen, gemanagten Gruppe - im Fall der Alten-
und Pflegeheime sind es die alten, zu betreuenden Bewohner - auf der einen und dem weniger
zahlreichen Betreuungspersonal auf der anderen Seite

beschränkter Kontakt der Bewohner/Insassen mit der der Außenwelt

das Betreuungspersonal arbeitet nach exakt vorgegebenen Dienstplänen
und ist in die Außenwelt integriert.


Die Tagesgestaltung und der Tagesablauf in einem Pflege-/Altenheim orientiert sich weitgehend an
den Erfordernissen, Rahmenbedingungen und Wünschen der Betreiber und Erhalter der Institution, am
Dienstplan und Dienstrhythmus und den individuellen Möglichkeiten des Pflege- und Betreuungspersonals.

Damit wird sehr deutlich, dass das Leben in einem Pflege-/Altenheim weitgehend "fremdbestimmt" ist.

Für die "pflegebedürftigen" Menschen gilt: Es gibt fix vorgegebene Essens-, Schlafens- und Aufstehzeiten,
festgelegte Zeiten für die Körperpflege und ebenso für das Verweilen im Garten
und sonstiger Freizeitgestaltung usw.

5-individuelle Anpassungsstrategien - Verhaltensweisen
der HeimbewohnerInnen in totalen Institutionen

um mit den gegebenen Bedingungen persönlich und situationsadäquat besser "zurecht" zu kommen
und um die interaktionellen "Spannungen" besser ausgleichen und kompensieren zu können,
denen Sie sich täglich ausgesetzt sehen.


1. Strategie des Rückzugs - Regression: Die Bewohner/Insassen verlieren das Interesse
an der Umgebung und unterlassen es, sich an Interaktionsprozessen zu beteiligen.

2.
Kompromissloser Standpunkt - Rebellion: Die Bewohner provozieren die "Institution",
indem sie offenkundig die Zusammenarbeit mit dem Personal verweigern.
Erfahrungsgemäß ist diese "Nicht-Anpassung" nicht sehr lange aufrecht zu erhalten.

3.
Kolonisierung: Die normale Spannung zwischen der Außenwelt und der Heimwelt verringert sich, indem
die Bewohner/Insassen eine möglichst stabile, relativ zufriedene Existenz innerhalb des Heimes aufbauen.
Typisch dafür ist die Aussage,
"dass man es noch nie sie so gut gehabt hätte, wie jetzt hier im Heim".
Es besteht kein weiteres Interesse mehr, die Situation zu verändern (Abgestumpftheit).

4.
Konversion: Die Heimbewohner/Insassen versuchen sehr diszipliniert in die neue Rolle
des perfekt angepassten Bewohners (Konvertit) zu spielen.

5.
Ruhig-Blut-Bewahren - Loyalität: Die am häufigsten angewandte Strategie. Die Heimbewohner versuchen allen möglichen Konflikten
mit dem Personal aus dem Weg zu gehen, um physische und psychische Schäden so minimal wie möglich zu halten. Loyalität
bezeichnet die innere Verbundenheit und deren Ausdruck im Verhalten gegenüber einer Person, Gruppe oder Gemeinschaft
(Institution). Loyalität bedeutet, die Werte und Ideologie des Anderen zu teilen und zu vertreten bzw. diese auch dann
zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt.

[1] Österreichisches Institut für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien - www.oif.ac.at/
www.oif.ac.at/publikationen/weitere_publikationen/detail/?tx_ttnews[tt_news]=2264&cHash=4eeaabeef6df030c4c1b65f2bd11e559
[2] Prof. Dr. Anton Amann: "Evaluation und Synthese der Ergebnisse der 7 österreichweiten Arbeitskreise zum Internationalen Jahr
der älteren Menschen (UNO)" 2000, Institut für Soziologie Wien - www.soz.univie.ac.at
[3] 7.Tiroler Palliativtag: "Im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Fürsorge. Palliative Care als Kultur der Sorge
für schwer kranke und sterbende Menschen" Ibk, Sa, 28.4.2012
[4] Erving Goffman: „Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“ (Asylums: Essays
on the Social Situation of Mental Patients and Other Inmates 1961) SUHRKAMP 2006


"Gut. Gut.
Ein Vorschlag zur Güte.
Ihr nehmt mich wieder auf,
Ihr nehmt mich wieder auf in meine Wohnung,
und ihr bekommt mein Sparbuch.
Ist noch genug drauf.
Kann man sich viel kaufen.
Selbstverständlich bekommt ihr auch wieder
meine Pension!
Und ich verspreche euch hoch und heilig,
ein braver, ruhiger, unauffälliger
Senior zu sein! ...
Ich werde mein Zimmer dreimal am Tag lüften
damit man
den Gestank des Alters
nicht mehr riecht ...
Jeder spiegelt sich in den anderen.
Und niemand erkennt sich.
Das ist das Schlimmste."


„Sibirien"
Seite 24, 26, 31 HAYMON 2008
Felix Mitterer
(b.1948)
österreichischer Dramatiker, Schauspieler
Theater-, Hörspiel- und Drehbuchautor
"Die Anklage eines alten Mannes, den seine Familie ins Altersheim abgeschoben hat:
Zwischen den quälenden Erinnerungen an seine Kriegsgefangenschaf in Sibirien und den Träumen
von einer anderen Zukunft verbringt er seinen tristen Alltag in der Kälte des Heimes - entmündigt,
gedemütigt und eingeschlossen. Das beklemmende und ergreifende Porträt eines Mannes, der einsam
seinem Tod entgegenwartet - und ein packendes Plädoyer für das Recht auf ein würdiges Altern."

"Durch die in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegenen Kosten, die ein Spitalsbett den Steuerzahlern verursacht,
müssen Patienten aus Sicht der Spitalserhalter so früh wie möglich entlassen werden. Dieser ökonomische Entlassungs-
druck steigt mit jedem Tag, an dem es zu keiner Besserung des Zustandes des Patienten kommt.
Aber wohin mit all jenen
hochbetagten und schwerkranken Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen? Die medizinisch
nicht mehr geheilt werden können, weil die moderne Medizin alles Unheilbare refelexartig von sich weist und in eine medi-
zinische "Bad Bank" auslagern will? Für die es kein Zurück in ein Zuhause gibt, weil es die für eine Pflege notwendigen
familiären Strukturen nicht mehr gibt? Weil es zu wenige Kinder und zu viele selbst hilfsbedürftige alte Menschen gibt?
Weil in den guten Tagen des Lebens nicht an den möglichen Krankheitsfall gedacht wurde? Weil eine auf Lust und Spaß
konzentrierte Gesellschaft auf Lebensende und Tod vollkommen vergessen hat?
Schlagworte wie "Rentnerschwemme"
und "zweibeinige Kostenfaktoren" tragen auch nicht zum würde- und respektvollen Umgang mit alten Menschen bei.
Und immerhin betragen die monatlichen Pflegekosten in einem Heim nur einen Bruchteil
der Monatskosten eines belegten Spitalbettes ...
Was es bedeutet, plötzlich auf die gewohnte Umgebung eines eigenen Zuhauses verzichten zu müssen,
kann nur ermessen, wer schon einmal krankheitsbedingt aus seinem gewohnten Leben gerissen worden ist.
Zeitungsberichte von entlaufenen und wieder gefassten Pflegeheiminsassen lassen in ihrer Wortwahl
eher an Gefängnisse als an Wohlfühl- und Urlaubsdestinationen denken.
Alle Schlagworte von der Würde
des Patienten, seiner Mündigkeit und Selbstbestimmung, von Fürsorge und Autonomie werden von der Realität
des Pflegealltags und seinen materiellen Rahmenbedingungen Lügen gestraft.
Und auch die von der Politik
ernsthaft angedachte Akademisierung der Pflegeberufe wird eine stinkende Windel kaum attraktiver machen.
Einzig und alleine geregelte und begrenzte Arbeitszeiten bei einem angemessenenen Gehalt
können den Pflegeberuf aufwerten."

Aus: Günther Loewit: "Sterben - Zwischen Würde und Geschäft". Sterben und Tod II:
Die Gesellschaft. Endstation Heim. S.170-173. HAYMON 2014


"Es treffen sich Drei Hundertjährige.
Sie setzen sich und trinken Tee und beginnen zu diskutieren, welches Musikinstrument besser ist.

Einer sagt: "Was Besseres als die Flöte gibt es nicht."
Der Zweite: "Du hast überhaupt keinen Geschmack.Von Flöten bekomme ich Durchfall ...
Aber die Geige!"
Sie wenden sich an den Dritten, der sagt: "Meine Freunde! Hilft dir deine Geige,
männliche Heldentaten zu vollbringen? Und hilft dir deine Flöte?"
Beide fallen über ihn her: "Hast du dein Hirn verschluckt?
Wir sprechen von der Musik und nicht von vergangenen Zeiten. Ich schaue schon zwanzig Jahre keine Frau mehr an,
und er dreißig. Und du?"
"Ich sage ja, mit mir ist alles in Ordnung. Deine Alte ist vor sechzig Jahren gestorben, und
deine vor fünfzehn. Meine Frau schminkt sich bis heute ... Ich hab ihr gestern das feinste Eau de Cologne geschenkt."


Sie stürzen sich wieder auf ihn: "Jetzt mach schon, erzähl, was das für eine Musik ist. Ich bringe heute meinen Neffen
mit seinem Tonband, soll er es aufzeichnen, vielleicht kommt ja bei uns auch was heraus."
"Jaaaa, in der Nacht
hört man diese Musik in unserem Dorf. Du machst das Fenster auf und lauschst. Aber in letzter Zeit ist sie
irgendwie selten zu hören."
"Was für eine Musik?" "Wenn ich diese göttliche Musik höre ..."

"Langweile uns nicht! Was für eine Musik?!" "Das ist ... wenn nachts der Esel brüllt ... Wenn mitten in der Nacht
der Maulesel schreit, fühle ich mich wie ein Jüngling von achtzehn Jahren."


Die beiden Alten begriffen: Es hatte einmal drei Älteste im Dorf gegeben, aber jetzt waren es nur noch zwei, denn
der dritte war verrückt geworden. "Schaut mich nicht so an. Erinnert ihr euch, als ich das erste Mal zu meiner Alten
auf ein Rendezvous gegangen bin?"
"Wir erinnern uns, wir haben Schmiere gestanden." "In der Nacht kletterte ich
über den Zaun. Und als ich durch die Dunkelheit schlich, habe ich ihrem Maulesel auf en Schwanz getreten.
Der hat losgebrüllt. Aber erinnert ihr euch, wie bösartig ihr Vater war?"
"Klar!" "Ich klopfte ans Fenster,
nahm sie auf den Arm und trug sie zu Garten. Ach, was war das für eine Mond- und Sternennacht!
Unter einem blühenden Apfelbaum belohnte mich Gott mit Honig aus ihrem Mund. Ich fühlte an ihren Haaren,
wie göttlich es im Himmel riecht. Aber von dem Geschrei dieses verdammten Maulesels begannen alle Esel im Dorf
zu schreien: I-a-a-a, i-a-a-a, i-a-a-a! Ich war bereit, sie umzubringen, weil sie uns damals fast unser Stelldichein verdarben."

Und jetzt öffnen wir nachts die Fenster, legen die Hände auf die Ohren und sitzen und warten.
Wenn die Maulesel zu schreien beginnen, ist bei uns die erste Liebesnacht ...
Jeder hat sein eigenes Bild, seinen Eselsschrei."

Mirsakarim Norbekov
„Eselsweisheit. Der Schlüssel zum Durchblick oder wie Sie Ihre Brille loswerden!
Kapitel: Der verzweifelte Klageschrei eines Maulesels ... Die "Oktave" was ist das?
Seite 202-204. GOLDMANN 10.Auflage 2006


"Pessimisten sagen: Je älter du wirst,
desto kränker bist du.
Realisten sagen: Je älter dur wirst,
desto gesünder hast du gelebt"

Thomas Perls
(b.1960)
US-amerikanischer Geriater




Weinrebe
Freundschaft - Leben - Unsterblichkeit

"Allgemeinmedizin und Geriatrie sind längst wichtige Partner geworden,
die einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung von Gesundheit und Lebensqualität
im hohen Alter leisten. ... Die
Allgemeinmedizin als angewandte Geriatrie ist der Garant,
dass unser Sozial- und Gesundheitssystem weiterhin die hohe Qualität bieten kann,
um die uns viele beneiden."

Medical Tribune: Nr 41, 12.10.2011, Seite 12

Prof. em. Dr. Franz Böhmer
(b.1943)
Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie
"Doyen der österreichischen Geriatriebewegung"
Von 1995 bis 2007 Präsident der Geriatrie-Gesellschaft
Von 1998 - 2008 Ärztlicher Direktor des Sophienspital im Sozialmedizinischen Zentrum (SMZ)
Vorstand der Abteilung für Akutgeriatrie und medizinisch Verantwortlicher des Pflegeheime

Die ÖGGG - Österreichische Gesellschaft für Geriatrie (Alters-, Altenmedizin, -heilkunde) und Gerontologie (Alters- und Alternswissenschaft)
www.geriatrie-online.at vertritt die Interessen all jener Hochschulabsolventen, die sich mit Altersforschung und der Betreuung alter Menschen befassen,
in drei Sektionen:

* Sektion für Biogerontologie: Die Biogerontologie ist das Teilgebiet der Entwicklungsbiologie, das sich mit der Erforschung der Ursachen biologischen Alterns und deren Folgen, der Seneszenz ( „alt werden“) von Einzelzellen und Organismen beschäftigt.

* Sektion für Sozialgerontologie: Das menschliches Leben lässt sich nicht isoliert, sondern immer nur im sozialen Raum, im Miteinander vollziehen. Was wir tun, wie wir denken, was wir fühlen, was wir wollen hat immer auch mit anderen Menschen zu tun. Betrachtung und Erforschung des Alterns im gesellschaftlichen Wandel und Entwicklung neuer sozialer Normvorstellungen zu späteren Lebensjahren.

* Sektion für Geriatrie: Geriatrie ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen. Dies betrifft vor allem die Themenkreise aus den Bereichen der Inneren Medizin, Allgemeinmedizin, Orthopädie, Traumatologie, Gynäkologie, Urolgie, Neurologie u. Gerontopsychiatrie.

"Die Geriatrie-Gesellschaft in Österreich wurde 1955 von Univ.-Prof. Dr. Walter Doberauer (1912-1989) gegründet. Er war die entscheidende Persönlichkeit und hat mehr als drei Jahrzehnte – bis 1985 – die Entwicklung der Geriatrie geprägt. Der Unterschied zu heute: Damals war die Geriatrie im Pflegeheim angesiedelt." Aus: www.geriatrie-online.at

Die ÖGGG stellt sich dabei folgende Aufgaben:
1. Erforschung des Alternsprozesses und der Alterskrankheiten
2. Studium der sozialen und wirtschaftlichen Folgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen
3. Ausarbeitung von Richtlinien für die gesundheitliche, soziale und gesellschaftliche Besserstellung alter Menschen
4. Finanzielle Unterstützung wissenschaftlicher Veranstaltungen zu Themen des Alterns
5. Mitarbeit in internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereinen auf dem Gebiet der Alternsforschung und Altersheilkunde
6. Unterstützung der wissenschaftlichen Zielsetzung und der „IAGG - International Association of Gerontology and Geriatrics“ im Rahmen der Mitgliedschaft. www.iagg.info/


"Die Vorstellung, das eigene Leben als "Pflegefall" im Heim beenden zu müssen,
ist für viele Menschen so schrecklich, dass sie ernsthaft die Selbsttötung erwägen
und sich sogar an entsprechende Sterbehilfe-Organisationen im Ausland wenden,
um diesem Schicksal zu entgehen.
...
Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft wird sich auch daran messen lassen,
wie sie mit ihren schwächsten und hilfsbedürftigsten Mitgliedern umgeht.
Dazu gehören an erster Stelle pflegebedürftige Hochbetagte.
Die Tatsache, dass jeder von uns eine nicht geringe Chance besitzt,
selbst irgendwann zu diesem Personenkreis zu gehören, wird derzeit
flächendeckend verdrängt - anders kann man sich die Vernachlässigung der Menschen
in vielen dieser Institutionen [Pflegeheime, Krankenhäuser, Intensivstationen usw.],
aber auch die zum Teil menschenverachtenden Bedingungen, unter denen
in Altersheimen gearbeitet und gepflegt werden muss, nicht erklären.
Wenn sich daran nicht grundlegend etwas ändert, wird irgendwann
das Stichwort des "sozialverträglichen Frühablebens" uns alle
viel direkter betreffen, als wir derzeit zu denken wagen."


Aus: Gian Domenico Borasio(b.1962, Palliativmediziner): „Über das Sterben. Was wir wissen, was wir tun können,
wie wir uns darauf einstellen“ 2. Das Lebensende: Wunsch und Wirklichkeit. Pflegeheime. Seite 35f. 2.Auflage BECK 2012

"In jedem Fall ist die psychische Belastung, die ein Pflegeberuf mit sich bringt, unbestreitbar, und
es ist nicht überraschend, dass die Angehörigen von Pflegeberufen überdurchschnittlich häufig von
Burnout-Syndrom und Depressionen betroffen sind. Denn im Vergleich zur Pflege etwa eines Säuglings
ist die Pflege einer greisen und kranken Bevölkerung mit weit weniger Freude verbunden.
Während ein Baby wächst, isst, zu lächeln beginnt, gehen und sprechen lernt, kurzum zu einem
nicht mehr pflegebedürftigen Menschen heranreift, verläuft die Entwicklung des alten Menschen
mit "tödlicher Sicherheit" in die umgekehrte Richtung. Denn am Ende der Altenpflege
und aller mit ihr einhergehenden Prozesse steht immer der Tod."


Aus: Günther Loewit (b.1958, Österreichischer Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Das Notwendige
und das Mögliche. Billigpflege und Hochpreismedizin. Seite 214. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at/




"Der Algemeinarzt soll sich bei allen Verschreibungen zurückhalten
und sich davor hüten, seine Therapie in den Vordergrund zu stellen,
wenn der Patient wieder genesen ist.
Bei der Masse der akuten Fälle spielt seine Therapie
keine überragende Rolle.


Aus: Robert Nikolaus Braun, Waltraud Fink, Gustav Kamenski
„Lehrbuch der Allgemeinmedizin. Theorie, Fachsprache und Praxis“
Kapitel 13: Therapie an der ersten ärztlichen Linie S.151. Berger Verlag 2007


"Als Richtlinie mag dienen, dass sich der Allgemeinarzt angesichts vielfältig abnormer Befunde, die auch
als Krankenhaus-Diagnosen in einem Arztbrief an ihn herankommen können, stets zuerst fragen muss:
"Habe ich es mit unabänderlichen Zuständen oder mit Prozessen zu tun?"

Mit andern Worten:
Brechen hier Krankheiten aus oder sind das altersbedingte Veränderungen,
mit denen ein Mensch ohne großen Leidensdruck leben kann?


Werden also bei einem 70-jährigen ein mäßiggradiges Emphysem, eine Aortensklerose, eine Spondylarthrose und eine unverdächtige,
mäßig vergrößerte Prostata ohne Behinderung des Harnflusses entdeckt, so sind das Dinge, die einem Menschen dieses Alters zustehen.
Ohne nennenswerte Beschwerden liegt für eine sofortige diagnostische Aktivität oder therapeutische Aktivität kein Grund vor.


Wird dagegen bei einer Untersuchung aus anderen Gründen beim gleichen Patienten außer dem eigentlichen Beratungsergebnis unvermutet
auch noch ein Diabetes mellitus neu erfasst, so gilt es zu handeln. Wir sprechen in solchen fällen von multiplen Beratungsergebnissen.
Sie könnten, wie in unserem Beispiel, im Rahmen der Diagnostik erhoben worden sein. Der Patient könnte aber ebenso primär,
sagen wir wegen einer Distorsio pedis und zugleich wegen unerklärliche starkem Durst, gekommen sein
und vielleicht schon selbst an eine Zuckerkrankheit gedacht haben.

Den modernen Ausdruck Multimorbidität verwenden wir in diesem Zusammenhang nicht.
Morbidität bedeutet ja entweder die Krankheitsrate bezogen auf die Bevölkerung oder die Epidemiologie einer Krankheit.
Mit "multi" gekoppelt ergibt weder die eine noch die andere Bedeutung des Begriffes Morbidität einen Sinn."


Aus: Robert Nikolaus Braun, Waltraud Fink, Gustav Kamenski: „Lehrbuch der Allgemeinmedizin. Theorie, Fachsprache und Praxis“
Kapitel 3: Die Fachsprache der Allgemeinmedizin. 3.13 Multiple Beratungsursachen. Seite 75. Berger Verlag Horn/Wien 2007
ZITATE: Robert Nikolaus Braun / Dogmen & Fiktionen
>>>

"Die Wissenschaft, stets unser Wissen mehrend,
Welches dann wieder unser Elend mehrt,
Verehre man wie die Religion, die unsere
Unwissenheit vermehrt, und die man
auch verehrt."


Ballade von der Billigung der Welt (1932)
Strophe 24 (von 30)

Berthold Brecht
(1898-1956)

Billigpflege und Hochpreismedizin >>>
Dr. med. Günther Loewit (b.1958, Österreichischer Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Das Notwendige und das Mögliche. Billigpflege und Hochpreismedizin. Seite 211-221. HAYMON 2.Auflkage 2013. www.guenther-loewit.at

"Die Überalterung unserer Gesellschaft dank der modernen Medizin verursacht nicht nur Probleme im Pensionssystem, sondern auch ein weiteres, fast unlösbares Problem: Wer wird die immer älter und kränker werdende Bevölkerung pflegen? Nach einer Meldung der Agentur Reuters stimmt die Regierung Deutschlands die Bevölkerung auf höhere Beiträge zur Pflegeversicherung ein: "Die zunehmende Zahl Pflegebedürftiger führt dazu, dass die Leistung der Pflegeversicherung ohne Erhöhung der Beiträge nicht mehr darstellbar ist." (Fraktionschef Volker Kauder, CDU). Sowohl in Deutschland als auch in Österreich kann schon seit längerer Zeit von einem "Pflegenotstand" gesprochen werden, dessen Grund einzig und allein unsere immer längere Lebenserwartung ist. Die "Financial Times Deutschland" berichtet, dass im Jahr 2025 allein in Deutschland geschätzte 152.000 Alten- und Krankenpfleger fehlen werden. Die Situation im kleinen Österreich stellt sich nicht besser dar: Schon jetzt können nicht alle Stellen im Pflegebereich besetzt werden. Allein von 2008 bis 2010 entstanden ca. 6000 neue Pflegestellen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Pflegegeldbezieher in den nächsten 25 Jahren verdoppeln wird. Schon heute tobt ein heftiger Streit zwischen Bund, Ländern und Gemeinden über die Finanzierbarkeit des Pflegegeldes" ...

"Ich halte sehr viel von der Altenpflege im Kreise der Familie.
Als Scheidungskind wünsche ich mir wie fast alle Scheidungskinder meine Eltern wieder zusammen.
Wenn sie pflegebedürftig werden, muss ich nur ihre neuen Partner ins Altersheim stecken, dann
pflege ich meine geschiedenen Eltern zu Hause, wo ich sie in ein und dasselbe Ehebett reinlege,
bis sie sterben.
Das ist für mich die größte Vorstellung von Glück. Irgendwann, ich muss nur
geduldig warten, liegt es in meiner Hand ... Je länger ich im Krankenhaus bleibe,
umso mehr Chancen habe ich, sie hier zusammenzuführen."

Charlotte Elisabeth Grace Roche
(b.1978)
Britische Moderatorin, Produzentin, Schauspielerin, Hörspielsprecherin, Autorin
In: „Feuchtgebiete“ Seite 7, 99 Dumont Buchverlag 2008


„Off-Label-Use“: Worauf muss man achten? www.univie.ac.at/medizinrecht/forschung/beitrag/offlabel.pdf
"Off-Label-Use" bedeutet sinngemäß: "Nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch". Gemeint ist damit der Einsatz eines Arzneimittels gegen eine Krankheit, für die das Medikament von den Zulassungsbehörden keine Genehmigung hat. Jedes Arzneimittel, das man in Europa in einer Apotheke kaufen kann, muss von einer Zulassungsbehörde geprüft und zugelassen sein. In Deutschland ist dafür das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM zuständig. Die Europäische Zulassungsbehörde hat ihren Sitz in London und heißt European Medicines Agency (EMA). Ein und derselbe Wirkstoff kann manchmal für die Behandlung mehrerer Erkrankungen oder unterschiedlicher Personengruppen (Kinder / Erwachsene) geeignet sein. Allerdings muss dann der Hersteller für jede geprüfte Erkrankung und jede Personengruppe eine eigene Zulassung beantragen. Es gibt für die Firmen aber keine Pflicht, für ein Arzneimittel in allen Ländern die gleiche Zulassung zu beantragen. Es kann daher vorkommen, dass ein bestimmter Wirkstoff für eine bestimmte Erkrankung in Land A zugelassen ist und in Land B nicht. Wenn Ärztinnen und Ärzte den Wirkstoff dennoch anwenden, spricht man von "Off-Label-Use" ..." Aus: www.gesundheitsinformation.de/off-label-use-worauf-muss-man-achten.151.de.htm

Medikamentencocktail im Alter
>>>
Univ. Prof. Dr. Johannes Bonelli, Direktor von IMABE - Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien: www.imabe.org
Aus: ÖÄZ Nr.8, 25.April 2010, Seite 30

"Einer sehr großen Zahl von Patienten werden täglich stark wirksame Psychopharmaka und andere Medikamente verschrieben, ohne dass der Verträglichkeitstyp bestimmt wurde. Insofern kann es nicht überraschen, dass verschiedene Experten wie vor kurzem z.B. David W. Bates ["Drugs and Adverse Drug Reactions (ADR) How Worried Should We Be?" JAMA 1998] von der Universitätsklinik in Toronto/Ontario in einem renommierten US-Journal darauf hinweisen, dass
Folgen von Arzneimittel-Unverträglichkeiten in der Klinik zu den häufigsten Todesursachen zählen. Kaum geringer dürften die Probleme im Bereich der ambulanten Versorgung sein, über den zu dieser Frage keine Untersuchungen vorliegen. Es besteht daher eine klar begründete Notwendigkeit, die individuelle Medikamentenverträglichkeit eines Patienten zu bestimmen, bevor man eine Medikamententherapie mit einem Mittel einleitet, das der Entgiftung und Ausscheidung durch eines der relevanten Enzyme unterliegt. Wie schon erwähnt, wird dies auch durch Fachkommissionen der Europäischen Union seit Jahren empfohlen. Obwohl die Bestimmung des Entgiftungstyps eines Patienten mittels moderner diagnostischer Methoden technisch ebenso schnell möglich wäre wie die Bestimmung einer Blutgruppe, existiert innerhalb der medizinischen Versorgung hierfür keine Infrastruktur. Für den Patienten würde die Diagnostik lediglich eine einmalige, kleine Blutabnahme bedeuten, so wie sie auch bei jeder anderen Laboruntersuchung vorgenommen wird ... Hinsichtlich der bis heute in der Medizin nicht beachteten Unterschiede bei der individuellen, genetisch bedingten Medikamentenverträglichkeit, führt das dazu, dass bis zu 40% aller Patienten bei bestimmten Medikamenten in Gefahr sind, falsche Dosierungen zu bekommen. Bei den wichtigsten CYP450 -Enzymen (2D6, 2B6, 2C9, 2C19) sind innerhalb der Bevölkerung unterschiedliche Varianten, sog. Polymorphismen, vorhanden. Diese sind für die 4 unterschiedlichen Typen von Medikamentenverträglichkeit - Entgiftungs-typen (60% Normaltyp, 30% mittelschwacher Entgiftungstyp, 10% schwacher Entgiftungstyp, 2% überstarker Entgiftungstyp) verantwortlich." Aus: Joachim Bauer (b.1951, dtsch. Internist, Psychotherapeut, Psychiater, Molekular-Neurobiolge): „Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern“ Kapitel 11. Blindflug von Arzt und Patient? Was an der Behandlung mit Psychopharmaka (und anderen Medikamenten) zu kritisieren ist. Die Notwendigkeit einer Verträglichkeitsdiagnostik S138f. 16.Auflage PIPER 2010 (2004). Die Bestimmung des Entgiftungstyps eines Patienten über Entgiftungs-Enzyme- /CYP450-Enzyme Polymorphismen Analysen sind dzt. noch keine allgemeinen Kassenleistung.


"Denn unter dem Titel "Alzheimer" werden heute - medizinisch nicht ganz korrekt - verschiedene Arten von Demenzerkrankungen zusammengefasst,
darunter auch ein Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses, das bei älteren Menschen gehäuft auftritt und aus medizinischer Sicht völlig normal ist.
Aber nicht jeder vergessliche alte Mensch ist krank. Nicht jede Persönlichkeitsveränderung im höheren Alter ist mit Krankheit gleichzusetzen.
Und vor allem ist nicht jeder alte Mensch automatisch ein Patient. Altern ist ein essentieller Bestandteil des Lebens und keine medizinisch
behandelbare Krankheit. Abnützungsprozesse und psychische Veränderungen sind natürliche Teilaspekte dieses Alterns. Leider geraten
solche triviale medizinische Leitsätze zunehmend in Vergessenheit. Als ob die Medizin selbst an Alzheimer leiden würde. Namhafte Kritiker
moderner Medizin behaupten, dass auch die heute weithin verwendete Diagnose Alzheimer-Demenz in vielen Fällen in Wirklichkeit überhaupt
keine Krankheit darstellt, sondern im weitesten Sinne einfach eine Folge des "Altwerdens" des Gehirns ab dem 80. bis 85. Lebensjahr darstellt.
Eine normale Abnützung sozusagen. Im Gegensatz zum heutigen Demenzbegriff war die von Alois Alzheimer [1864-1915] beobachtete und
protokollierte Patientin [Auguste Deter, 1850-1906] zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung erst 51 Jahre [1901] alt und entspricht damit, zumindest
vom Alter her, keineswegs dem Großteil der heute mit dem Etikett "Demenz" versehenen Menschen."

Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Wenn Medizin krank macht. Alzheimer: Aufstieg einer Erkrankung.
Seite 21f. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at [Ergänzungen]

PIM - Potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen: Die PRISCUS-Liste pdf >>>
www.aerzteblatt.de/archiv/77776, www.priscus.net

"Ein alternder Organismus reagiert anders auf Medikamente als ein junger, was womöglich deren Wirksamkeit beeinflusst oder die Gefahr für Neben- und Wechselwirkungen erhöht. Verschärft werden diese Risiken, weil Senioren oft an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden und entsprechend viele Medikamente benötigen. "Allerdings sind die Arzneimitteleffekte bei alten Menschen nicht besonders gut durch klinische Studien überprüft, und so finden sich auch nur wenige Hinweise in den Fachinformationen"
so Frau Professor Dr. Petra Thürmann, Direktorin des Philipp-Klee-Instituts für Klinische Pharmakologie des Helios Klinikums Wuppertal und Lehrstuhlinhaberin für Klinische Pharmakologie an der Universität Witten/Herdecke, welche mit ihren Kollegen Stefanie Holt und Dr. Sven Schmiedl eine PIM-/Potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen-Liste speziell für Deutschland entwickelt und »Priscus-Liste« getauft hat. Der Name stammt daher, dass das Projekt zum interdisziplinären Forschungsverbund Priscus (lateinisch für »altehrwürdig«) gehört.

Es ist schön, dass wir immer älter werden ... Aber älter zu werden ist nicht immer schön. Ältere Menschen leiden häufig an mehreren chronischen Erkrankungen, zum Beispiel Herzschwäche, Diabetes, Bluthochdruck, Osteoporose oder den Folgen eines Schlaganfalls. Mediziner sprechen von Multimorbidität. Die Behandlung, auf die diese Patienten dauerhaft angewiesen sind, geht oft an ihren Bedürfnissen vorbei. Der Grund: Niemand weiß genau, wie eine angemessene Behandlung bei Multimorbidität aussehen müsste. Die Forschung zum Thema Multimorbidität steckt noch in den Kinderschuhen. Viele Fragen sind offen: Was muss man bei der Behandlung älterer Menschen berücksichtigen? Wie müssen Medikamente aufeinander abgestimmt werden, wenn mehrere chronische Erkrankungen vorliegen? Was sind die Ziele der Therapie? Aus: www.priscus.net

"Unbestreitbar hat die moderne (Geräte-) Medizin Menschenleben gerettet, die früher nicht gerettet worden wären, und kann Krankheiten
in vielen Fällen früher oder präziser zu diagnostizieren helfen.
Dafür verursacht diese moderne Medizin aber auch Probleme und Leiden,
die es früher nicht gegeben hat:
Krankheiten, die als Folge der Überbehandlung mit Medikamenten entstehen, Fehldiagnosen infolge
blinden Vertrauens in die Medizintechnik, depressive multimorbide Patienten ohne Aussicht auf wirkliche Heilung, die hilflos vor lauter Hilfe
immer noch am Leben erhalten werden. Und wie die diversen Statistiken zeigen, steigt die Zahl der kranken Menschen stetig an. Wenn
moderne Medizin den früheren ärztlichen Bemühungen überlegen wäre, müsste es dann aber nicht weniger zu behandelnde Menschen geben? ...
Der Mensch ist zum lebenslänglichen Patienten geworden, der Arzt zum Verwalter seines Wissens und Anwender von vorgegebenen Verfahrenswegen.
Am besten sollte der Mensch keinen Schritt mehr tun, keinen Gedanken mehr denken, keinen Entschluss mehr fassen, ohne zuerst mit der
Gesundheitsindustrie Rücksprache gehalten zu haben ... Bevormundung, Entmündigung auf Schritt und Tritt, permanente ärztliche Untersuchungen
zur Sicherheit. Gehen um nicht mehr des Gehens willen, sondern um dem Alterungsprozess zu entkommen, Laufen, um der Realität,
dem Alt-Werden, davonzulaufen."

Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Moderne Medizin - entmenschlichte Medizin?
Maschinenmedizin und Be-Handlung. Auszugsweise Seite 150f. Lebensbegleiter Arzt. Seite 151f. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at


Viele Patienten haben für jedes Symptom - „Wehwehchen“ - einen eigenen Arzt, und jeder einzelne dieser Ärzte be-
handelt das ihm zugehörige Symptom. So kommt der Patient oft auf eine recht stattliche Anzahl von Medikamenten, 15
bis 20 Stück pro Tag sind leider keine Seltenheit mehr. Wie sie sich mit einander vertragen, ob es zu Interaktionen kommt,
(Polypharmakotherapie) das weiß zuletzt niemand mehr! In all diesen Fällen fehlt die ganzheitliche Zusammenschau,
die ganzheitliche Patientenbezogene Medizin.

Genetische Ursachen individueller Medikamentenunverträglichkeit pdf >>>
Pharmakogenetik - Bestimmung des Entgiftungstyps eines Patienten über CYP450-Enzyme Polymorphismen Analysen
Frau Dipl. biol. Birgit Busse,. Zentrum fuer Humangenetik und. Laboratoriumsmedizin Dr. Klein und Dr. Rost. Lochhamer Str. 29. 82152 Martinsried. www.medizinische-genetik.de
Matthias Schwab, Claudia Marx, Ulrich M. Zanger, Michel Eichelbaum, Margarete Fischer-Bosch: "Pharmakogenetik der Zytochrom-P-450-Enzyme: Bedeutung für Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten" 2002
www.aerzteblatt.de/v4/archiv/lit.asp?id=30549

" In einem ersten Schritt Verunsicherung zu schaffen und im zweiten die Lösung anzubieten, künstliche Fragen mit künstlichen Antworten zu erwidern -
das ist ein althergebrachtes und bewährtes Geschäftsmodell. Fast täglich erklärt eine der unzähligen medizinischen Fachgruppen, die wichtig die
Vorbeugung gegen, und die rechtzeitige Erkennung von Bluthochdruck, Gebärmutterhalskrebs, Depression, Burnout-Syndrom, Allergien, Haut- oder
Brustkrebs, schlechter Haltung, Bandscheibenschäden, grauem oder grünem Star usw. wäre. Alles einwandfrei dokumentiert, durch Fallzahlen hin-
länglich untermauert. Unbestreitbar, korrekt. Aus Sorge um den Menschen! Und die Lösung, Erlösung: Die regelmäßige Untersuchung beim Facharzt
für die jeweilige Erkrankung. Keine Arbeitslosigkeit für Ärzte, keine Arbeitslosigkeit für Patienten. Die berühmten 10% des BIP (mittlerweile
liegt der Wert sogar noch höher) wollen umgesetzt [~ 31,4 Milliarden Euro 2010], vielleicht auch noch gesteigert werden. Geld spielt keine Rolle,
es gibt keinen höheren Wert als das individuelle Leben und die Gesundheit. Diesem Dogma muss alle Vernunft untergeordnet werden ...
Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma der Entpersonifizierung der Medizin unserer Tage?
Der Mensch steht nicht mehr im Mittelpunkt ärztlicher Bemühungen, nachdem er um Beistand gebeten hat, sondern schon lange davor. Elektronisch
erfasste Menschen, lückenlos überwacht. Rechtzeitig mit Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren für den Notfall versehen, zu ihrem
Besten. Menschen, die jeden Schritt auf mögliche Gesundheitsrisiken hin überprüfen. Künstlich "scheinjung" gehaltene alte Menschen, die nicht
mehr leben, aber auch nicht sterben können. Ungebetene, unausweichliche Medizin, tagtäglich in den Massenmedien förmlich aufgedrängt. Ein Staat,
der die Gesundheitskosten senken will, indem er die Ausgaben für Gesundheit erhöht. Ein Aderlass an den Ressourcen des Staates. Denn eines muss
uns allen klar sein: Am Ende aller Gesundheitsleistungen steht doch immer und unausweichlich der Tod des Patienten. Noch hat niemand berechnet,
mit wie vielen bei Ärzten und anderen Gesundheitsanbietern verbrachten Tagen, Wochen und Monaten wir unsere gestiegenen Lebenserwartung
bezahlen. Und nur ganz tapfere Individuen verweigern sich dem Hype um Gesundheit und scheinbar
ewiges Leben und bestimmen selbst über ihr Leben und Sterben."

Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Moderne Medizin - entmenschlichte Medizin?
Lebensbegleiter Arzt. Seite 153f. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at


Checkliste Nährstoffräuber pdf >>>
Suzy Cohen - Mit freundlicher Genehmigung des KOPP Verlages (30.12.2011)

Die Problematik der Polypharmakotherapie im Senium pdf >>>
ÖKOMED Ausgabe Nr. 2 August 2010. International Symposium on Polypharmacy for the Elderly. 8. September 2009, Med. Universität Wien


"Eine 86-jährige Patientin wird wegen eines Oberschenkelhalsbruches in ein Schwerpunktkrankenhaus eingeliefert. Der Diensthabende Orthopäde
freut sich auf die medizinische Herausforderung. In den allermeisten Fällen gelingt die operative Wiederherstellung auch in dieser Altersgruppe
ausgezeichnet. Schon am Tag nach der OP können viele Patienten schon wieder erste Gehversuche unternehmen.
Allerdings stellt sich der Fall
der alten Dame etwas komplizierter dar.
Sie leidet nicht nur an einer Demenzerkrankung, sondern ist wegen einer vielschichtigen Herzerkrankung
auch seit Jahren blutverdünnt. Eine Vollnarkose kommt bei ihr wegen des angegriffenen Herzens nicht in Frage. Der Anästhesist lehnt in Anbetracht
der bestehenden OAK- [Oralen Antikoagulations] Therapie allerdings auch eine Lumbalnarkose (Kreuzstich) ab, da im Falle einer Blutung im Bereich
des Rückenmarkes schwerste Komplikationen zu erwarten sind. Also ist eine Narkose am Einlieferungstag schlichtweg nicht möglich. Die alte Dame
muss nun liegend sieben lange Tage auf ihre Operation warten. Denn so lange dauert es, bis die Gerinnung trotz medikamentöser Gegenmaßnahmen
wieder auf vertretbare Werte normalisiert ist. Am achten Tag gibt es dann endlich die internistische Freigabe zur Lumbalanästhesie. Allerdings haben
sich die Rahmenbedingungen für die Operation nunmehr dramatisch verschlechtert. Im Bereich der Bruchstelle haben erwartungsgemäß Entzündungs-
und Umbauprozesse eingesetzt, die sowohl die Dauer des Eingriffs als auch die Erfolgsaussichten deutlich zu Ungunsten der Patientin beeinflussen.
Außerdem kommt es bei älteren Patienten nach acht Tagen absoluter Bettruhe zu massiven Muskelabbauprozessen. Das bedeutet, dass die
Remobilisation nach einer solchen OP ungleich schwieriger wird. Wegen der starken Entzündung im Operationsgebiet verliert die Patientin
während des Eingriffs verhältnismäßig viel Blut. Sie benötigt insgesamt vier Blutkonserven und muss nach der OP noch sechs Tage auf der Intensiv-
station verbringen. Im weiteren Verlauf gelingt es nicht mehr, die Dame zu mobilisieren. Sie bleibt über ein halbes Jahr bettlägrig, bevor sie verstirbt.
Die Blutverdünnungstherapie ist übrigens nach der OP nicht wieder aufgenommen worden."
Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Das Notwendige und das Mögliche. Blutverdünnung bis zum Verbluten.
Seite 189f. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at
[Meine Ergänzungen]


Algorythmus zur Reduktion der Polypharmakotherapie im Senium pdf >>>
ÖKOMED Ausgabe Nr. 2 August 2011. Dr. Jochen Schuler, II. Medizin, Universitätsklinikum PMU / Dr. Renato Kasseroller, SGKK

Schlussfolgerung: "Diese kleine unkontrollierte Studie zeigt, dass bei älteren Menschen die Polypharmakotherapie sehr oft nicht Ziel führend ist. Nach einem noch zu evaluierendem Algorithmus können bis zu 50% der Arzneimittel abgesetzt werden, ohne dass eine wesentliche Verschlechterung der gesundheitlichen Situation eintritt. Bei zahlreichen Patienten dieser Studie besserten sich die Parameter Lebensqualität und kognitive Fähigkeiten. Weitere Studien sind dringend gewünscht. Der vom Autor angeführte Untertitel „less is more“ sollte bei jeder Medikation berücksichtigt werden."


"Es ist notwendig, dass ÄRZTE wieder mehr SELBSTÄNDIGKEIT und EIGENVERANTWORTUNG bekommen und übernehmen. Denn die persönliche Note, das Besondere an einem Menschen,
das Außergewöhnliche geht in einer Gesellschaft, in der alle Mitglieder normiert sind, verloren.
Keinesfalls soll der Sinn der Qualitätssicherung an sich in Frage gestellt werden. Aber es müsste
wieder akzeptiert werden, dass es für verschiedene Menschen auch unterschiedliche Ergebnisse bei der Behandlung ein und derselben Krankheit geben darf. Es ist nicht notwendig, einen
Patienten immer optimal - das heißt: streng nach den Vorgaben bzw. nach den vorgesehenen Behandlungswegen - zu behandeln, um ein individuell optimales Ergebnis zu erzielen. [...]
Verunsicherte Patienten werden eher krank. Menschen ohne Freude werden eher krank. Menschen ohne Wünsche und Ziele werden eher krank. Natürlich werden auch Menschen mit
Vorhofflimmern [VHF] eher einen Schlaganfall erleiden [das Risiko liegt zwischen 1 und 5% pro Jahr] als andere. Aber derzeit werden Ärzte in ihrer Ausbildung daraufhin gedrillt, auf jeden
auffälligen medizinisch messbaren Befund zu achten und ihn sofort, den jeweiligen Guidelines entsprechend, zu behandeln. Dieses Behandeln ist in vielen Fällen weit entfernt vom
semantischen Sinn des Wortes "behandeln.
... So entstehen neue, teure, aber notwendige Akutversorgungseinheiten, Rehabilitationsanstalten, Nachbetreuungsstationen, und vor
allem neue Medikamente, die die Kassen der Industrie klingeln lassen sollen.
Polemisch könnte man feststellen: Die eigentliche Wirkung der Medizin ist der Gewinn ihrer Betreiber -
der Nutzen für den einzelnen Patienten könnte dagegen die Nebenwirkung sein. Könnte, wohlgemerkt. Denn nicht alles, was verkauft, verordnet und geschluckt wird, hat einen
tatsächlichen Wert für den Geschädigten. Wohl aber für den Hersteller."
Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Das Notwendige und das Mögliche.
Zuerst einmal nicht schaden? Seite 185. Behandlung von Befunden Seite 201. Herzinfarkt und sprudelnde Kassen Seite 202.
HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at

Entzündung, oxidativer Stress und der Tryptophan-Kynurenin-Stoffwechsel im Alter pdf >>>
Dr. rer. nat. Katrin Hueseker, 6. März 2013 - Institut für Medizinische Diagnostik Berlin
www.inflammatio.de - Dr. Volker von Baehr


Wer hat Angst vor dem Psychopharmaka Absetzen? pdf >>>

Ärztliche Beratung und psychotherapeutische Gespräche beim Absetzen von Dämpfungs- und Beruhigungsmitteln
Dr.med. Josef Zehentbauer - Arzt und Psychotherapeut in München. Siehe Zitate:
Josef Zehentbauer: Der Seelenvogel >>>

"Wenn Psychiater und Psychologen "ihren Patienten" in Diagnose-Schemata einordnen, dann machen sie diesen Menschen zu einem "Krankheitsbild", zu einem kranken Objekt. Der Psychiater schafft eine Distanz zwischen sich und dem Patienten, er begutachtet das Leid des anderen. Auf diese Weise muss sich der Psychiater nicht in die psychischen Probleme des anderen hineinfühlen: Die Probleme des Patienten sind für den Psychiater nur ein Teil des "wissenschaftlich" definierten Krankheitsbildes. Ein Mensch sieht keinen Ausweg, fühlt sich traurig, elend und weint verzweifelt. "Klar", denkt der diagnostisch orientierte Psychiater, "klar, dass dieser Mensch weint, er hat eine schwere depressive Episode". Die psychiatrische Diagnostik dient bestenfalls den Schul-Psychiatern/-Psychologen, um menschliche Begegnungen zu verarbeiten. Der New Yorker Psychiatrie-Professor Thomas Stephen Szasz (1920-2012) nennt die psychiatrische Diagnostik eine "Rufmord- und Diffamierungstechnik"... Wir haben bereits gesehen, dass die Grenze zwischen "psychischer Auffälligkeit" und anerkannter "Normalität" willkürlich ist, ein Diagnose-Stempel kann für den psychisch-auffälligen Menschen jedoch fatal werden: Denn er soll mit allerlei Mitteln in die Normalität zurückgebracht werden - von Psychopharmaka bis Psychotherapie bis psychiatrischer Zwangsbehandlung. Hier wird erkennbar, welchen gesellschaftlichen Auftrag... die Psychotherapie zu erfüllen hat... Normalisierung und Anpassung, durch Psychotherapie oder durch Psychopharmaka. Kreativ wird die Psychotherapie dann, wenn gesellschaftliche Fassaden gesprengt werden und die Individualität wie eine Knospe - zwar heftig, aber sanft - durchbricht und sich zur individuellen Blüte entfaltet - zur eigenen Freude und zur Freude anderer ..."
Aus: Josef Zehentbauer: „Abenteuer Seele. Psychische Krisen als Chance“ Kapitel: "Wenn die Seele schreit" pp 68, 72. ALBATROS 2012 (2000)
Dr.phil. Peter Lehmann: Handelsnamen und Wirkstoffe der in Deutschland, Österreich und der Schweiz verwendeten psychiatrischen Psychopharmaka:
www.antipsychiatrieverlag.de/verlag/titel/absetzen/psychopharmakaliste.htm


Mythos Geisteskrankheit
pdf >>>

Die Definition von Krankheit
>>>
Thomas Stephen Szasz wurde 1920 in Budapest, Ungarn, geboren und flüchtete 1938 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, wo er 1944 die Staatsbürgerschaft erhielt. Er durchlief eine medizinische Ausbildung in den Fächern Innere Medizin und Psychiatrie und promovierte 1944 zum Doktor der Medizin. 1950 schloss er seine Ausbildung zum Psychoanalytiker am Chicago Institute for Psychoanalysis ab. 1956 wurde Thomas Szasz Professor für Psychiatrie an der State University of New York in Syracuse und blieb dies bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1990. Er starb am 8. September 2012 im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Manlius, New York. Aus: www.szasz-texte.de/ueber-szasz.html

"Und während die bisher gebräuchlichen Cumarinderivate [OAK, Orale Antikoagulation, Blutverdünnungsbehandlung] im Falle einer Überdosierung mit der Gabe von Vitamin K noch einigermaßen antagonisiert werden konnten (das heißt: ihre Wirkung aufgehoben werden konnte), gibt es für eine neue, derzeit mit massivem Druck der Pharmaindustrie auf den Markt drängende Substanzengruppe [Gerinnungsfaktor Xa Hemmer, Thrombin (Faktor IIa) Hemmer] überhaupt kein direkt wirkendes Gegenmittel mehr. Das bedeutet, wie im obigen Fallbeispiel, eine mehrtägige Wartefrist, bis Operationen durchgeführt werden können. Intensivstationen voll mit innerlich blutenden älteren Patienten geben ein beredtes Zeugnis von den Schattenseiten der OAK. Statistisch scheinen diese OAK-Zwischenfälle aber nicht lückenlos auf, denn niemand hat ein Interesse, sie konsequent zu zählen und sich ein gutes Geschäft stören zu lassen. Vertraut man allerdings den offiziellen Studien, so scheint der Nutzen der OAK-Therapie für den statistischen Patienten bewiesen zu sein. Hauptsache ist aber offenbar, dass man einen Schlaganfall verhindert. Dabei liegt das Risiko von Patienten mit Vorhofflimmern [VHF], einen Schlaganfall zu erleiden, lediglich zwischen 1 und 5% pro Jahr. Und schon das vermehrte Trinken von Wasser würde dazu führen, dass die Bereitschaft der Blutplättchen, sich aneinanderzulagern und Klumpen zu bilden verringert würde - ganz einfach deshalb, weil sich das Verhältnis der flüssigen Bestandteile des Blutes im Verhältnis zu seinen festen Bestandteilen verbessern würde. Messbar am Hämatokrit-Wert (Anteil der festen Bestandteile des Blutes, angegeben in %). Doch auch auf beharrliche Anfrage zu diesem Zusammenhang gibt es von der Pharmaindustrie stets die monotone Antwort, dass keine speziellen Studien durchgeführt worden wären, die diese Annahme bestätigt hätten. Schließlich ist mit Wasser auch kein Geld zu verdienen."
Aus: Günther Loewit (b.1958, Österreichischer Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Das Notwendige und das Mögliche.
Blutverdünnung bis zum Verbluten. Seite 190f. HAYMON 2.Auflkage 2013www.guenther-loewit.at/ [Meine Ergänzungen]

Prof. Dr. med. Jörg Dietrich Hoppe - Ärzte sollten sich nicht>>>

Gesundheitliche Risiken durch sog. Schlafmittel: Hypnotika können das Sterbe- und Krebsrisiko erhöhen
Daniel F Kripke, Robert D Langer, Lawrence E Kline: "Hypnotics’ association with mortality or cancer: a matched cohort study" BMJ Open (2012; 2: e000850): http://bmjopen.bmj.com/content/2/1/e000850.full.pdf+html

Den Wissenschaftlern zufolge, hat sich das Risiko zu sterben durch die Einnahme von Hypnotika (Schlafmitteln) mehr als verdreifacht. Im Rahmen ihrer Studie analysierten die US-Forscher die gesundheitlichen Folgen verschiedenster Schlafmittel, „darunter Zolpidem, Temazepam, Zaleplon, Benzodiazepine, Barbiturate und sedierende Antihistaminika“, berichtet Daniel F. Kripke auf dem Onlinefachportal des British Medical Journal). "Kein Zweifel besteht daran, dass Hypnotika zu häufig eingesetzt werden. Laut Daniel F. Kripke greifen zwischen 6 und 10 Prozent aller Erwachsenen in den USA hin und wieder nach dieser vermeintlich einfachen Lösungen von Schlafproblemen – und ignorieren damit, dass es auch andere Einschlafhilfen gibt." Aus: www.aerzteblatt.de/nachrichten/49298/Schlafmittel-k-nnten-Sterberisiko-erh-hen

"In weiten Teilen unserer Welt hat sich schulmedizinisches Denken durchgesetzt. Die Ärzte haben eine Stellung erhalten, die ihnen schon beinahe Allmacht verleiht. So werden von den wenigsten
Patientinnen und Patienten Entscheidungen der Mediziner hinterfragt. Ärztinnen und Ärzte haben ihre "Geheimmedizin" gepflegt und agieren mit Fremdwörtern, die niemand versteht. Damit unter
mauern sie ihre Kompetenz, lassen aber den Patienten im Dunkeln. So werden Medikamente unreflektiert eingenommen - in der Annahme, dass sie helfen und den Schmerzen ein Ende bereiten.
Gleiches gilt für die verschiedensten Arten von Therapien. Wenn das eine nicht den gewünschten Erfolg bringt, dann wird ein anderer Stoff versucht oder die Dosis erhöht. Dass die chemischen
Bomben dem Körper auf Dauer nicht gut tun können, leuchtet den meisten ein. Dies wird aber in der Regel nicht diskutiert - schließlich will man seinen Schmerz loswerden, zumindest im
Augenblick des Leids. Dass dies nicht immer so ist und manchmal die Krankheit oder Schmerzen Vorteile bringen ..."
Aus: MMMMag DDDr Karl Isak: „Schmerzen wegdenken: Helfen Sie sich selbst. Eine psychologische Schmerztherapie“ Teil2: Das System.
Kapitel: Die "gesunde" Welt von Krankheit und Schmerz. Seite 124f. GOLDEGG 2012 www.iilo.org

Nebenwirkungen - Dement durch Psychopillen >>>
Aus: Profil Nr. 15, 41. Jg, 12. April 2010; Wenn Ärzte krank machen. Gesund, bis der Arzt kommt, Seite 101

"An Haufen Tabletten und beim Sterben.
Tabletten o'gsetzt und niet gstoibn.
Statts gstoibn mear woargn!"


Mahnend umsichtig und zugleich beeindruckend wahr!
- Worte einer Kranken-Pflegehelferin 2012
"Durch eine konsequente Vermeidung der Verordnung
von Medikamenten ohne Zusatznutzen könnten Mittel
freigesetzt werden, um echte Innovationen zu
finanzieren."
[S.154]

Aus: Klaus Lieb, David Klemperer, Wolf-Dieter Ludwig:
"Interessenkonflikte in der Medizin: Hintergründe und
Lösungsmöglichkeiten" SPRINGER 2011
"Die Zulassung eines Medikamentes erfolgt nur auf
der Grundlage des Nachweises der Effizienz unter
Studienbedingungen und sagt noch nichts über
dessen Zusatznutzen oder Kosteneffektivität aus.
Diese Nachweise müssen in Effectiveness-Studien
erbracht werden."
[S.156]

Bitte um die Würde eines Schnitzels
pdf >>>
"Ich hoffe, dass man in Ihrem Hause, Ihrer Abteilung vielleicht doch einen Weg finden wird, die Abläufe dergestalt umzuformen, dass Patienten mindestens die Würde eines Schnitzels zugemessen wird. Diese Metapher aus dem haus- wirtschaftlichen Bereich zumindest biete ich Ihnen zur Motivation Ihrer Mitarbeiterinnen an, die sicherlich zu Hause ein zu panierendes Schnitzel auch nicht eine Stunde lang bar und nackt auf dem Tresen liegen lassen, bevor das Fleisch weiter bearbeitet wird." Aus: Deutsches Ärzteblatt Jg. 105. Heft 47. 21. November 2008

"Aber bei vielen Krankheitsbildern gibt es, neben der medikamentösen Behandlung, auch einen psychosomatischen Aspekt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Therapie der Hypertonie, des
Bluthochdrucks. Die Diagnose ist mit der 24-Stunden-Blutdruckmessung rasch und zuverlässig gestellt, die medikamentöse Therapie schnell eingeleitet und zuverlässig wirksam. Patient, Arzt
und Pharmaindustrie sind zufrieden. Denn schließlich kann der erhöhte Blutdruck mittels medikamentöser Therapie lediglich behandelt, aber nicht geheilt werden. Der Idealfall einer Erkrankung,
aus Sicht der Tablettenhersteller.
Aber es gäbe auch noch einen anderen therapeutischen Zugang. Ebenso unbestritten wie die Wirksamkeit der Medikamente ist auch die Tatsache, dass durch
Gewichtsreduktion, regelmäßiges Kreislauftraining, die Vermeidung von psychischem Stress, die Verminderung der Koffeinzufuhr und viele andere nichtmedikamentöse Maßnahmen der
durchschnittliche Blutdruck eines Patienten gesenkt werden kann. Und zwar dauerhaft. Diese Maßnahmen erfordern aber eine zeitintensive und anstrengende Auseinandersetzung mit dem
Patienten und dessen Lebensführung. Die Psyche des Patienten ist dem ärztlichen Wort ebenso zugänglich, wie die verschiedenen physiologischen Regelkreise dem medikamentösen Eingriff."

Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Das Notwendige und das Mögliche. Jenseits von Labor und Tabletten"
Seite 208f. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at


Tötungsserien in Krankenhäusern und Heimen: Morden gegen das Leiden pdf >>>
Prof. Dr. Karl H. Beine (b.1951) Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie an der Privaten Universität Witten/Herdecke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Deutsches Ärzteblatt 27. August 2007; Jg. 104/Heft 34-35. www.aerzteblatt.de/archiv/literatur/56706

Krankenhäuser - Kathedralen unserer Zeit >>>
Dr. med. Günther Loewit (b.1958, Österreichischer Arzt): „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“
Kapitel: Das Notwendige und das Mögliche. Kathedralen unserer Zeit" Seite 221-228. HAYMON 2.Auflkage 2013
www.guenther-loewit.at


OM - Orthomolekular Medizin (ÖÄK-Diplom) >>>
Hypoallergene Herstellung von Nahrungsergänzungen DDr. Siegfried Schlett pdf >>>
Vitamin D - Was sollte Jeder über Vitamin D wissen? pdf >>>
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Voltaire: Ärzte schütten Medikamente >>>
Dr.med.Alois Dengg: "Palliativmedizin - Eine praxistaugliche Montage"
Schriftliche Abschlussarbeit zur Erlangung des Geriartrie Diploms der ÖÄK 2009/10 >>>

Empört euch!
"93 Jahre. Das ist schon wie die allerletzte Etappe. Wie lange noch bis zum Ende?
Die letzte Gelegenheit, die Nachkommenden teilhaben zu lassen an der Erfahrung,
aus der mein politisches Engagement erwachsen ist: die Jahre des Widerstands
gegen Diktatur und Besetzung - die Resistance - und ihr politisches Vermächtnis. ...
Wir alle sind aufgerufen, unsere Gesellschaft so zu bewahren, dass wir auf sie stolz sein können ...
Die Macht des Geldes ... niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wie heute, mit Lobbyisten
bis in die höchsten Ränge des Staates. In vielen Schaltstellen der wieder privatisierten Geldinstitute
sitzen Bonibanker und Gewinnmaximierer, die sich keinen Deut ums Gemeinwohl scheren.
Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichen so groß.
Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb - Geld, Konkurrenz - so entfesselt ...

Wir, die Veteranen der Widerstandsbewegungen und der Kampfgruppen des Freien Frankreich,
rufen die Jungen auf, das geistige und moralische Erbe der Resistance,
ihre Ideale mit neuem Leben zu erfüllen und weiterzugeben.
Mischt euch ein, empört euch! ... Die in der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" von 1948
niedergelegten Rechte sind universell. Wann immer sie jemanden vorenthalten werden, und ihr merkt es:
Nehmt Anteil, helft ihm, in den Schutz dieser Rechte zu gelangen."


www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

Stephane Hessel
(1917-2013)
Frz. Diplomat, Lyriker
In: „Empört Euch. Streitschrift“ (Indignez-vous! 2010)
Aus dem französischen von Michael Kogon,
17.Auflage ULLSTEIN 2011 (2010)


Der Körper als Maschine >>>
Prof. Dr. Dr. Dipl. Psych. Harald Walach

Agenten/Eigenverantwortlich Handelnde statt Patienten pdf >>>
Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach



"Wenn wir das Wort "alt" hören, so gibt es keinerlei Norm, die diesen Begriff exakt definieren könnte.
Schließlich werden wir alle von Geburt an älter. Die Abbauprozesse beginnen bei den einen früher,
bei den anderen später. Es ist sinnvoll, das Alter und das Altern in verschiedene Phasen zu unterscheiden.

Die Gerontologie beschäftigt sich mit der Erforschung der körperlichen, psychischen und sozialen Situation
alter Menschen und der Vorgänge des Alterns. Neben dem biologischen Aspekt sind auch
sozialwissenschaftliche Gesichtspunkte wichtig.

Die Geriatrie ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen und ihre Behandlung.
Sie berührt alle medizinischen Fachgebiete.

Die Gerontopsychiatrie stellt die psychischen Störungen alter Menschen in den Mittelpunkt
und ist ein Teilgebiet der Psychiatrie geworden.

Die demographischen [bevölkerungswissenschaftlichen] Berechnungen weisen auf einen enormen Anstieg
der älteren Bevölkerung hin. Die großen medizinischen Leistungen und die Gesundheitsprävention ermöglichen den Menschen
eine höhere Lebenserwartung. Damit ist aber auch mit einer erhöhten Pflegebedürftigkeit der Hochbetagten zu rechnen.
Tendenziell müssen immer weniger Junge für immer mehr Alte aufkommen. Das Gesundheits- und Sozialwesen ist gefordert,
neue Konzepte und Überlegungen anzustellen, um dieser Entwicklung gezielt zu begegnen,
um so den großen Anforderungen der Zukunft gewachsen zu sein ...
Der medizinische Fortschritt hat sein Mögliches dazu beigetragen, dass die Menschen älter werden.
Aber Altern wird besonders durch präventive Aspekte, wie gesunde Ernährung, körperliche und
soziale Aktivität, Lebenseinstellung und Verarbeitungsmuster
, beeinflusst.
Prävention umfasst neben Maßnahmen zu Erhaltung der Gesundheit und zur Verhütung von Erkrankungen
(= primäre Prävention) auch Maßnahmen, die das fortschreiten von Erkrankungen verhindern sollen
(= sekundäre Prävention). Weiters ist der tertiären Prävention, die der Verhütung von Rückfällen bei Krankheiten
und von Zweiterkrankungen dient, besonderes Augenmerk zu schenken.

Es ist zu einer Umbewertung und Neubewertung des Alterns gekommen.

Folgende Auffassungen charakterisieren diese Umwertung:

Alte Menschen sind keine homogene Gruppe. Altern ist vielmehr ein sehr variabler, individueller Prozess.

Alte Menschen sind zwar insgesamt eine gesundheitlich, psychisch, sozial und ökonomisch gefährdete Risikogruppe;
aber das kalendarische Alter ist kein Maß für soziale Isolierung. Rückzug, unaufhaltsamer geistig-körperlicher Abbau
und Einkommensschwäche - diese Stereotypen [gleich bleibend, häufig vorkommende Muster] gelten nicht.

Bedeutsam ist dagegen die Tatsache "der individuellen Plastizität" oder Formbarkeit des Alters.
Die Gesellschaft und jede/r einzelne haben großen Einfluss darauf, wie das Altern vonstatten geht."

Aus: Siegfried Steidl, Bernhard Nigg: „Gerontologie, Geriatrie und Gerontopsychiatrie. Ein Lehrbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe“
S.21, 53. FACULTAS 3. überarbeitete Auflage 2011

In seinem Buch "Denken - Nach-Denken - Handeln. Triviale Einsichten, die niemand befolgt" beschreibt DI Jürgen Beetz (b.1940) unser zutiefst "menschliches" Problem, dass "Handeln ohne zu denken" ebenso schädlich ist wie "Denken ohne zu handeln". Er fährt fort: "Als "trivial"... bezeichnen wir etwas, das als nahe liegend, für jedermann ersichtlich oder zu erfassen gilt.

Es ist gewissermaßen eine Y-förmige Weggabelung, an der man nur zwei einfache Alternativen wählen kann, da man auf dem dritten Weg ja gekommen ist. Hier ist rechts oder links die einfachste Entscheidung - obwohl im täglichen Leben viele schon bei dieser einfachen Auswahl überfordert sind...

"Triviale Einsichten"
- damit sind Erkenntnisse gemeint, die wir mit ein wenig Mühe und Nachdenken erlangen können. Sie sind manchmal in bekannten Sprichwörtern oder Volksweisen versteckt, können manchmal aber erst durch eine neue und von alten Denkschemata losgelöste Betrachtungen errungen werden. Im weitesten Sinn bewegen wir uns mit diesem Thema auf dem Gebiet der Philosophie, der "Liebe zur Weisheit".

Philosophie
kann man als Streben nach Weisheit, Wahrheit und Erkenntnis bezeichnen, als die Suche nach Antworten auf wesentliche Fragen des Lebens, auf die die Einzeldisziplinen der Wissenschaften keine Antworten geben (wollen). Sie ist gewissermaßen der "Dachfonds" der anderen Wissenschaften. Sie fragt nicht nach dem Was, Wie viel, Wann, Wie, Wo ... sondern nach dem WIESO, WARUM und WOZU!

Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) hat geschrieben: "Philosophie ist die Wissenschaft, über die man nicht reden kann, ohne sie selbst zu betreiben." Das können wir alle tun, der Alltagsmensch wie der Philosoph. Joseph Beuys (1921-1986) sagte bekanntlich: "Jeder ist ein Künstler." Analog dazu ist jeder ein Philosoph, denn jeder macht sich ab und zu Gedanken über "das Leben". Und wenn wir über die Folgen unserer Einsichten nachdenken wollen, können wir drei wesentliche Aspekte des Vorgehens herauspräparieren:



1.) Das Wesen der Philosophie ist der ZWEIFEL. Schon die alten griechischen
Philosophen zweifelten, ob das, was sie wahrnahmen, auch die Wahrheit sei.
Sie sagten: "Zweifel ist ein Geschenk, Gewissheit eine Tugend"

2.) Wir wollen NACH-DENKEN, nicht bei dem ersten Denkergebnis stehen bleiben,
sondern dahinter schauen und möglichst eine der weiteren Zwiebelschalen
entfernen, die die Wahrheit verhüllen.

3.) Wir wollen KEINE FOLGENLOSE BETRACHTUNG anstellen, sondern
möglichst einfache - triviale! Handlungsanweisungen daraus ableiten.
So sollen die "philosophischen" Gedanken mit dem täglichen Leben
verknüpft werden.


1.Szene:
Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren ... Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.


2.Szene:
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder
am selben Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es lange, herauszukommen.

3.Szene:
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein ... - aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen,
ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.


4.Szene:
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5.Szene
Ich gehe eine andere Straße.

Aus: Nossrat Peseschkian (1933-2010), deutsch-iranischer Neurologe, Psychiater, Psychotherapeut, Begründer der „Positiven Psychotherapie“ (1968):
„Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast: Geschichten und Lebensweisheiten“
Leid- oder Leitfaden: Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht. Seite 9. HERDER 6.Auflage 2013 (2002)


Die "Trivialen Einsichten" sollen nicht nur akademischer Natur bleiben ... sondern sie sind Einsichten, aus denen etwas folgen sollte! - aber in der Regel nicht folgt ...
Sich zu Trivialem zu bekennen heißt auch zu erkennen, dass man dumm ist. Das ist bereits eine gewaltige Geistesleistung, und damit befindet man sich schon in der
Nachbarschaft großer Philosophen. Sokrates, der griechische Philosoph
...

sagte bereits: "Ich weiß, dass ich nichts weiß". Nicht jeder kann das von sich sagen."
Aus: Jürgen Beetz: „Denken – Nach-Denken – Handeln. Triviale Einsichten, die niemand befolgt“ Einleitung, Seite 10f. ALIBRI 2010

WENIGER IST OFT MEHR - AUCH BEI TABLETTEN!
Je länger eine Medikamentenliste, desto mehr stößt sie uns auf! ⇔ Polypharmazie = Multimedikation = Polypragmasie

VERENA SCHMITT-ROSCHMANN: "Arme Schlucker - Arzneimittel - Gegen Bluthochdruck, Diabetes und andere Volkskrankheiten schlucken wir immer mehr Pillen.
25.000 sterben jährlich an Nebenwirkungen" Der Freitag, am 14.06.2012, pdf >>> Aus: www.freitag.de/autoren/verena-schmitt-roschmann/arme-schlucker

Vermutlich aus zwei Gründen:

1. steigt die Gefahr von Nebenwirkungen und Interaktionen

Cave: Ein Dauer-Medikament gegen die Dauer-Nebenwirkungen eines anderen Medikaments! = Kaskaden Effekt
= Die Nebenwirkungen eines Medikaments werden irrtümlicherweise mit einem zusätzlichen Medikament "behandelt".

2. führt sie zu Einnahmefehlern durch Patienten (sog. Malcompliance), für die wir uns verantwortlich fühlen.

Wobei
Malcompliance durchaus mehr ist als das Vergessen eines Medikaments oder das heimliche Verweigern der Medikamenteneinnahme: Aus kindersicheren Verpackungen werden "altensichere", so dass ungelenke oder verwirrte Menschen sie nicht mehr öffnen können. Verfalldaten können übersehen werden, die neuerliche Dosisänderung führt zur Verwirrung oder die Applikationsform wird missachtet, wie die bekannten Anekdoten mit den geschluckten Suppositorien belegen.


Praxis Tip:
Compliance (Adhärenz-, Concordance-, Befolgungs-, Einhaltungs-, Therapietreue-) Hilfen einsetzen, z.B. Medikamentenkästchen (Dosierspender), Medikamentenpläne, die Patienten und deren Vertrauenspersonen wiederholt instruieren und auch den Zweck der Medikamente erklären.


Ein einfacher Fragenkatalog erlaubt, Verschreibungsfehler systematisch zu erkennen. Gleichzeitig ist er ein gutes Hilfsmittel, um Kürzungen vorzunehmen: Der
MAI - Medication Appropriateness Index n. Joseph T. Hanlon (1992) -
Generelle Richtlinien für eine adäquate Pharmakotherapie:

Wichtige Fragen zur Multimedikation, die zu jedem Medikament jeweils neu überdacht werden sollen:

1. Gibt es eine Indikation für das Medikament?

2. Ist das Medikament wirksam für die verordnete Indikation?

3. Stimmt die Dosierung?

4. Sind die Einnahmevorschriften korrekt? - Applikationsmodus, Einnahmefrequenz, Einnahmezeit, Relation zu Mahlzeiten

5. Gibt es klinisch relevante Interaktionen mit anderen Medikamenten?

6. Gibt es klinisch relevante Interaktionen mit anderen Krankheiten/Zuständen?

7. Sind die Anwendungsvorschriften für meinen PatientIn praktikabel?

8. Wurden unnötige Doppelverschreibungen vermieden?

9. Ist die Dauer der medikamentösen Therapie adäquat? - seit wann verordnet?

10. Wurde die kostengünstigste Alternative vergleichbarer Präparate ausgewählt?

11. Gibt es Alternativen zu den Medikamenten? - Vitalstoffe, Lebensstil Änderung, bio-psycho-soziale Veränderung, Bewegung usw.

Selbstverständlich brauchen diese Überlegungen Zeit und Disziplin, führen aber vielleicht zu nützlichen Straffungen der Dosis und Menge der verordneten Präparate = gezieltes und strukturiertes Absetzen von Medikamenten = "drug holiday", "drug vacation", "strategic, structured treatment interruption"

Siehe ZITATE:
Ivan Illich: Das Medizinische Establishment - Hauptgefahr für die Gesundheit = "Iatrogenesis"
>>>
Josef Zehentbauer: Der Seelenvogel >>>

Praxis Tip:
Periodisch, z.B. alle 3 Monate und sicher bei jeder Spitalseinweisung, die Medikamentenliste überprüfen/revidieren.
M - MEDIKATION erfassen - A - ANGEMESSENHEIT bewerten - I - INTERVENTION durchführen


Quellen: Österreichische Gesellschaft f. Geriatrie und Gerontologie ÖGGG, www.geriatrie-online.at, www.primary-care.ch/pdf/2003/2003-49/2003-49-130.PDF
Hausärztliche Leitlinie Multimedikation - Leitliniengruppe Hessen: Empfehlungen zum Umgang mit Multimedikation (Polypharmakotherapie) bei Erwachsenen und geriatrischen Patienten (2013)
Beispiele von qualitativ aussagekräftigen Studien, über sog. fragwürdige Studien ("Wie man Medikamente besser erscheinen lässt, als sie es sind") mit verzerrten Daten und Wirksamkeitsnachweisen:
Hanna Kaduszkiewicz, Thomas Zimmermann, Hans-Peter Beck-Bornholdt, Hendrik van den Bussche: "Cholinesterase inhibitors for patients with Alzheimer's disease: systematic review of randomised clinical trials" [10 studies] BMJ. 2005 Aug 6; 331(7512): 321–327
C. Courtney et al.: "Long-term donepezil treatment in 565 patients with Alzheimer's disease (AD2000): randomised double-blind trial" Lancet 2004 Jun 26;363(9427):2105-15
Tim Kendall, Linsey McGoey: "Truth, Disclosure and the Influence of Industry on the Development of [National Institute for Clinical Excellence] NICE Guidelines: An Interview with Tim Kendall" BioSocieties 2007;2:129–140
Frank J. Molnar et al.: "Have last-observation-carried-forward analyses caused us to favour more toxic dementia therapies over less toxic alternatives? A systematic review" [57 studies] Open Medicine 2009;3(2):e31–e50
Sudeep S. Gill et al.: "A Prescribing Cascade Involving Cholinesterase Inhibitors and Anticholinergic Drugs" Arch Intern Med. 2005;165:808-813
Sudeep S. Gill et al.: "Syncope and its consequences in patients [19 803 community-dwelling older adults] with dementia receiving cholinesterase inhibitors: a population-based cohort study" Arch Intern Med. 2009 May 11;169(9):867-73
Cletus U. Iwuagwu, Victoria Steiner, Mukaila A. Raji, Melinda S. Lantz: "Medication-related cognitive impairments in the elderly" Clinical Geriatrics 2008, 16(8), 11-14
Clive Ballard, Marisa Margallo Lana, Megan Theodoulou et al.: "A randomised, blinded, placebo-controlled trial in dementia patients continuing or stopping neuroleptics (the DART-AD trial)" [Haloperidol, Risperidone; Trifluoperazin, Thioridazine, Chlorpromazin] PLoS Med. 2008 Apr 1;5(4):e76
Clive Ballard, Maria Luisa Hanney, Megan Theodoulou et al.: "The dementia antipsychotic withdrawal trial (DART-AD): long-term follow-up of a randomised placebo-controlled trial" Lancet Neurol. 2009 Feb;8(2):151-7
Michael Pentzek et al.: "Apart From Nihilism and Stigma: What Influences General Practitioners’ Accuracy in Identifying Incident Dementia?" (AgeCoDe - German Study on Ageing, Cognition and Dementia in Primary Care Patients) Am J Geriatr Psychiatry. 2009 Nov;17(11):965-75
M. Leal Hernández et al.: "Patients on multiple medication: do they know the right doses? Do they take their medications correctly?" Aten Primaria 2004 May 15;33(8):451-6
Heike Tost et al.: "Acute D2 receptor blockade [Haloperidol] induces rapid, reversible remodeling in human cortical-striatal circuits" Nat Neuroscience 2010 Aug;13(8):920-2, www.zi-mannheim.de/en/research/people/person/369.html
Renate M. Nijk et al.: "Prevalence and correlates of psychotropic drug use in Dutch nursing-home patients with dementia" International Psychogeriatrics 2009,21:485-493
Bernd Meißnest: "Expertendialog: Neuroleptika-Behandlung - Thesen zur Neuroleptika-Anwendung bei alten Menschen" Soziale Psychiatrie 03/2009
www.dgsp-ev.de/fileadmin/user_files/dgsp/pdfs/Artikel_Soziale_Psychiatrie/BerndMeissnest.pdf
Martha L. Daviglus, Carl C. Bell, Wade Berrettini, Phyllis E. Bowen, E. Sander Connolly, Nancy Jean Cox, Jacqueline M. Dunbar-Jacob, Evelyn C. Granieri, Gail Hunt, Kathleen McGarry, Dinesh Patel, Arnold L. Potosky, Elaine Sanders-Bush, Donald Silberberg, Maurizio Trevisan: "National Institutes of Health State-of-the-Science Conference Statement: Preventing Alzheimer’s Disease and Cognitive Decline" Ann Intern Med. 2010;153(3):176-181 und NIH Consensus and State-of-the-Science Statements Volume 27, Number 4, April 26–28, 2010, https://consensus.nih.gov/2010/docs/alz/alz_stmt.pdf
Adriane J. Fugh-Berman: "The Haunting of Medical Journals: How Ghostwriting [DesignWrite] Sold "HRT" [Hormon Replacement Therapy]" PLoS Med. 2010 Sep; 7(9): e1000335, www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2935455/
Claudia Voelcker-Rehage, Susanne Tittlbach, Bettina M. Jasper, Petra Regelin, Ursula Staudinger [Deutscher Turner-Bund Frankfurt am Main (Hg.)]: "Gehirntraining durch Bewegung - Wie körperliche Aktivität das Denken fördert: • Bewegt die grauen Zellen anregen • Geistige Potentiale aktivieren • Demenz vorbeugen • Wissenschaftliche Grundlagen • Praktische Umsetzung im Verein" Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH, Waldorf-Mörfelden 2012, file:///C:/Users/ARZT/Downloads/DTB%20Gehirntraining.pdf
Adam M. Bernstein, Bradley J. Willcox, Hitoshi Tamaki, Nobuyoshi Kunishima, Makoto Suzuki, D. Craig Willcox, Ji-Suk Kristen Yoo, Thomas T. Perls: "First Autopsy Study of an Okinawan Centenarian: Absence of Many Age-Related Diseases" Journal of Gerontology: MEDICAL SCIENCES 2004, Vol. 59A, No. 11, 1195–1199. http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.498.2381&rep=rep1&type=pdf; www.okicent.org; sog. Inseln der Alten: Okinawa, Sardinien, Neuschottland
Peter J. Whitehouse (US-amerik. Prof. f. Neurologie, renommierter Alzheimer-Foscher, Autor), Daniel George (Medizinanthropologe, Autor), Christian Müller-Hergl (Hg., Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) Universität Witten-Herdecke.), Christoph Gerhard (Hg., Arzt f. Neurologie, Palliativmedizin, Medizinethik): „Mythos Alzheimer. Was Sie schon immer über Alzheimer wissen wollten, Ihnen aber nicht gesagt wurde“ („The Myth of Alzheimer's: What You Aren't Being Told About Today's Most Dreaded Diagnosis“ St.Martin Press 2008) Übersetzung: Dr. Gabriele Kreutzner HUBER 1.Auflage 2009
"Obwohl dieses Buch das Ziel verfolgt, die Art und Weise zu verändern, in der pharmazeutische Unternehmen ihr Geschäft betreiben, ist es im Grunde ein Buch für die Jahrgänge der Babyboomer Generation, für Profis im Gesundheitswesen und für jeden, der mit mir zusammen ein neues Verständnis der Alzheimer-Demenz herbeiführen und die Kontrolle über den eigenen Prozess der Gehirnalterung übernehmen möchte." (Aus: P.J.Whitehouse Vorwort S.30)
Cornelia Stolze (b.1966, dtsch. Biologin, Wissenschaftsjournalistin): 1.) "Vergiss Alzheimer! – Die Wahrheit über eine Krankheit, die keine ist" Herder 2013 (2011) www.vergiss-alzheimer.de
"Je älter wir werden, desto leichter geraten wir in den Teufelskreis der modernen Medizin. Auf Fehldiagnosen folgen falsche Therapien mit Nebenwirkungen, die ihrerseits eine Kaskade von falschen Diagnosen und weiteren Medikamenten nach sich ziehen. Wer Pech und weder engagierte Angehörige noch wachsame Ärzte hat, findet bis zum Ende seines Lebens nicht mehr heraus." (C.Stolze S.48)
2.) "Krank durch Medikamente - Wenn Antibiotika depressiv, Schlafmittel dement und Blutdrucksenker impotent machen“ PIPER 2016 (2014)
PMV Forschungsgruppe an der Universität zu Köln: "Hausärztliche Leitlinie Multimedikation - Empfehlungen zum Umgang mit Multimedikation bei Erwachsenen und geriatrischen Patienten" www.pmvforschungsgruppe.de/pdf/03_publikationen/multimedikation_ll.pdf
Amerikanische Verbraucherschutzorganisation Public Citizen's Health Research Group: "Drug-Induced Cognitive Impairment: Delirium and Dementia"
www.worstpills.org/includes/page.cfm?op_id=459, www.citizen.org/our-work/health-and-safety


Aus: Wolfgang Renteln-Kruse, Birgit Frilling, Lilli Neumann: „Arzneimittel im Alter“ Seite 13, De Gruyter 2014, Praxiswissen Gerontologie und Geriatrie Kompakt - Band 1
Herausgeber der Reihe: Adelheid Kuhlmey, Wolfgang Renteln-Kruse. [28] Wolfgang Renteln-Kruse: "Iatrogene Störungen" In: Wolfgang Renteln-Kruse, Hrsg.
"Medizin des Alterns und des alten Menschen" Heidelberg, Steinkopf Verlag, 2.Aufl., 2009, 70-83. UAW =unerwünschte Arzneimittelwirkung



"Dass ich so gesund bin, verdanke ich dem Umstand,
nach meinem fünfzigsten Geburtstag kein Medikament
genommen zu haben!"

Hans-Georg Gadamer
(1900-2002)
Deutscher Philosoph
Aus: Reimer Gronemeyer (b.1939, Soziologe, Theologe): "Das 4. Lebensalter - Demenz ist keine Krankheit"
Von den Ursprüngen der Demenz in der Gesellschaft – Ein Erklärungsversuch. Digitale Demenz: Burn-out
im Alter S.111 Pattloch 2013; kurz vor seinem hundertsten Geburtstag in einem Interview im Jahr 2000
zit. bei thieme-connect.com



Wenn Ärzte krank machen. Gesund, bis der Arzt kommt
>>>
Von Profil Autor Bert Ehgartner. Aus: Profil Nr. 15, 41. Jg, 12. April 2010. www.profil.at/articles/1014/560/266158/wenn-aerzte-die-folgen-gesundheitswahns
http://audio.profil.at/index.php?MessageId=2411207&ActiveDate=&activeCate=1&alltext=1


"Anstatt die Arzneimittel dann durchzugehen und die riskanten wegzulassen, wird in der Praxis aber meist ein weiteres Medikament gegen die Nebenwirkungen der anderen verordnet. Diese so genannte Arzneimittel-Kaskade ist ein seit Langem gekanntes Problem. Getan wird dagegen aber kaum etwas", erklärt Jochen Schuler. Im Gegenteil: Bestimmte Magenmedikamente, die in erster Linie zum Schutz vor den Nebenwirkungen anderer Medikamente verschrieben werden, stehen in der Rangliste der umsatzstärksten Arzneimittel ganz oben ...

Die Patienten stürzen benebelt und betäubt von den Wirkstoffen, sie erleiden die gefürchteten Hüftgelenk- und Oberschenkelbrüche, oder sie bezahlen die chronische Medikamentenvergiftung mit Leber- und Nierenschäden. Viele Arzneien gegen weit verbreitete Leiden greifen das Hirn an - speziell bei älteren Menschen. Die Auswirkungen: Es fällt zunehmend schwer, sich zu konzentrieren, die Vergesslichkeit steigt. Wenn niemand kommt und die Richtung ändert, führen die Geleise unweigerlich in die Demenz. Manche Symptome bessern sich, sobald die Medikamente abgesetzt werden, doch meist findet sich kein Arzt, der so etwas veranlasst... Sicher ist lediglich, dass die Menschen mit den vielen Arzneimitteln nicht gesünder werden ...

Wie lukrativ es sein kann, sich von den Pharmafirmen als "Meinungsbildner" einspannen zu lassen, zeigt das Beispiel des US-Psychiatrieprofessors Charles Nemeroff [b.1949], der zwischen 2000 und 2006 von verschiedenen Firmen 2,8 Millionen Dollar erhalten hat. Nach Bekannt werden der Höhe dieser Beträge, verkündete der Konzern Glaxo Smith Kline eine künftige Begrenzung der Zahlungen pro Arzt und Jahr in den USA auf höchstens 150.000 Dollar. Auch in Deutschland kommen "Opinion Leader" auf Tagesgagen von 2.000 bis 10.000 Euro, wenn sie getarnt oder offen auf Firmenveranstaltungen auftreten. "Besonders erfolgreich sind Meinungsbildner, die beispielsweise den Vorsitz in Fachgesellschaften haben", erklärt Wolfgang Becker Brüser [Arzt, Apotheker, seit 1976 bei der A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH tätig, arznei-telegramm]. "Die saloppe Bezeichnung "Mietmaul" oder "habilitierter Pharmareferent" bezeichnet ihre Rolle sehr treffend."

Aus: Bert Ehgartner: „Gesund, bis der Arzt kommt. Ein Handbuch zur Selbstverteidigung“ Seite 126f, 128, 100, LÜBBE 2010, http://ehgartner.blogspot.com

Vorsicht, Medizin! pdf >>>
Nutzlose Pillen, unnötige Operationen, riskante Therapien – viele Maßnahmen der modernen Heilkunde schaden mehr, als sie nützen.
Nun warnen Ärzte vor den Gefahren der Übertherapie und fordern ein radikales Umdenken: Weniger Medizin sei gesünder!
Aus: Jörg Blech, Der Spiegel 33/2011


Schlechte Medizin: Der Regelbruch wird zum Standard
pdf
>>>
Irreführung, Schlamperei und Manipulation - Das Märchen von den Risikofaktoren - Framingham: Die Mutter aller Studien
Gunter Frank (b.1963, deutscher Arzt, Buchautor): „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Seite 70 – 103. KNAUS 2012 ► Irreführung, Schlamperei und Manipulation: Weglassen der Vergleichsgruppe -
Weglassen der Gesamtbewertung - Aufweichen des Studien-TÜV - Kompletter Ausfall einer Überprüfung - Unterschiede in Titel, Zusammenfassung und Gesamttext einer Studie - Subjektive Datenauswahl
– Ersatzparameter - „Der anerkannte Standard in der Forschung“ Seite 70 – 79. ► Das Märchen von den Risikofaktoren. Seite 79 - 83. ► Framingham: Die Mutter aller Studien. Seite 83 – 103.
Meilenstein Cholesterin – Meilenstein Blutdruck – Meilenstein Übergewicht – Meilenstein Bewegungsmangel – Meilenstein ungesunde Ernährung – Meilenstein Rauchen.


Interessenkonflikte in der Medizin: Mit Transparenz Vertrauen stärken
"Zusammengefasst sieht die Arbeitsgruppe Interessenkonflikte als ein allgegenwärtiges und gerade deshalb als ein nicht triviales Phänomen, dem sich der ärztliche Berufsstand stellen muss. Die Offenlegung von Interessenkonflikten sollte als ein Zeichen der Transparenz gelten und ihr Vorhandensein nicht als ehrenrührig angesehen werden. Transparenz muss jedoch begleitet sein von Maßnahmen zur Handhabung und zur Reduktion der vermeidbaren Interessenkonflikte. Weitere Forschung zu Wirkmechanismen und Evidenzbasierten Strategien zur Offenlegung und Vermeidung von Interessenkonflikten ist notwendig. Ein adäquater Umgang mit Interessenkonflikten sollte selbstverständlicher Teil des ärztlichen Berufsethos sein und wird dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Ärzteschaft und Wissenschaft zu stärken."

Aus: Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb ; David Klemperer; Klaus Koch; Christopher Baethge; Günter Ollenschläger; Wolf-Dieter Ludwig. Dtsch Arztebl 2011; 108(6): A-256 / B-204 / C-204. www.aerzteblatt.de/archiv/80790/Interessenkonflikte-in-der-Medizin-Mit-Transparenz-Vertrauen-staerken

"Arzt-Industrie-Kontakte werden von mindestens 80% der Ärzte unterhalten. Zu den häufigsten angenommenen Geschenken gehören Arzneimittelmuster, Essenseinladungen und Schreibwaren. Für die Problematik von Interessenkonflikten besteht unter Ärzten nur ein geringes Problembewusstsein. Dass Ärzte sich ihrer eigenen Interessenkonflikte weitgehend unbewusst sind, wird daraus deutlich, dass sie sich selbst in der Regel für kaum beeinflussbar halten, ihre Kollegen aber als signifikant beeinflussbarer. Interessenkonflikte lassen sich nicht immer vermeiden. Sie müssen aber transparent gemacht werden, damit Patienten sich auf unabhängige und medizinisch einwandfreie Diagnostik und Therapie verlassen können. Neben den Unternehmen sind insbesondere Vertreter von Ärzteschaft und Patientenselbsthilfe aufgefordert, unethisches Verhalten und unlautere Beeinflussung anzuzeigen. Daten aus vielen Untersuchungen zeigen, dass von pharmazeutischen Unternehmen finanzierte klinische Studien zu Arzneimitteln im Vergleich zu Studien, die unabhängig von pharmazeutischen Unternehmen durchgeführt werden, häufiger ein günstigeres Ergebnis für den Wirkstoff des Sponsors ergeben. Die von pharmazeutischen Unternehmen publizierten Daten zu einem Arzneimittel ergeben häufig ein geschöntes Bild: Der Nutzen wird überschätzt, der Schaden wird unterschätzt. UAW [unerwünschte Arzneimittelwirkungen] wurden in einigen nachgewiesenen Fällen von pharmazeutischen Unternehmen aktiv verheimlicht."

Aus: Klaus Lieb, David Klemperer, Wolf-Dieter Ludwig: "Interessenkonflikte in der Medizin: Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten" Seite 163, 167, 182, 198, 267, 272. SPRINGER 2011


"Fortschrittliche Hirnforscher haben den Einfluss des Herzens auf das Gehirn erkannt.
Wenn dieses Zusammenspiel gestört ist, kann Hass und Aggression resultieren,
der sich dann auf Andersdenkende entläd ...

Die möglichst vorurteilslose Betrachtung alles Begegnenden und ständiges Überprüfen
ist die Hauptstärke des wissenschaftlichen Ansatzes. Diese Wissenschaft muss aber
auch unser Bewusstsein und die menschliche Wahrnehmung als Forschungsthemen
ernst nehmen. Die viel beklagte Kälte der Wissenschaft gibt es dann nicht." ...

Jakob Bösch (Schweizer Psychiater, PD): „Versöhnen und Heilen: Spiritualität, Wissenschaft und Wirtschaft im Einklang“
Kapitel: Die Erfahrung der Einheit. Seite 14f. AT VERLAG 2008



"Das, was andere tun, übt einen starken Einfluss auf die eigene Verhaltensbereitschaft aus. Das Verhalten
anderer stiftet Normen, setzt andere außer Kraft und dient so zur Rechtfertigung für richtiges wie falsches
Verhalten. Oft halten wir an unsinnigen und nicht mehr zielführenden Verhaltensweisen fest, nur um unsere
bisherigen Investitionen von Zeit, Energie und Geld durch eine Änderung des Verhaltens
nicht in Frage zu stellen."




"Wir haben eine starke Tendenz, ungeschuldete Gefälligkeiten zu erwidern,
selbst wenn das Entgegenkommen nicht erbeten oder erwünscht ist
oder wir die Person, die uns die Gefälligkeit erweist, nicht mögen."


"
Interessenkonflikte (IKs)
sind definiert als
Situationen,
die ein Risiko dafür schaffen,
dass professionelles
Urteilsvermögen oder Handeln,
welches sich auf
ein primäres Interesse bezieht,
durch ein sekundäres Interesse
unangemessen beeinflusst wird."

Mögliche Ursachen für IKs im Zusammenhang
mit Fachzeitschriften:


Vollständige oder teilweise finanzielle
Abhängigkeit von Anzeigen
Andere vollständige/teilweise Abhängigkeit
der Zeitschrift von der Industrie

Sonderseiten zu neuen Produkten
(direkt/indirekt industriefinanziert)

Verkauf von Sonderdrucken an die Industrie
Besitzverhältnisse der Fachzeitschrift
(z.B. Interessen von Ärzteorganisationen
o. Fachgesellschaften)
Finanzielle u. immaterielle IKs der Redakteure
Finanzielle u. immaterielle IKs der Gutachter
Finanzielle und immaterielle IKsder Autoren

IKs sind allgegenwärtig und oftmals unvermeidlich.
Man sollte nicht erwarten, dass sie verschwinden,
sondern verantwortlich mit ihnen umgehen.
Die Deklaration von IKs allein reicht nicht aus.
Alle Beteiligten - Redakteure, Gutachter und Leser
- müssen trotz transparenter Deklaration
wissenschaftliche Artikel kritisch lesen.


Aus: Klaus Lieb, David Klemperer, Wolf-Dieter Ludwig:
"Interessenkonflikte in der Medizin: Hintergründe
und Lösungsmöglichkeiten" Seiten: 5, 36, 39,
40, 283f, 294, 296. SPRINGER 2011

www.aerzteblatt.de/archiv/80790/Interessenkonflikte-
in-der-Medizin-Mit-Transparenz-Vertrauen-staerken



"... die Umsetzung von gesicherten Erkenntnissen in der Medizin in die Praxis in einigen Bereichen viel zu lange dauert.
Das mag auch daran liegen, dass zahlreiche Experten eher Meinungsbildner sprich Mietmäuler sind, die keine
wissenschaftliche Erkenntnisse verbreiten, sondern Thesen, die dem Marketing von Firmen dienen,
in deren Lohn und Brot sie stehen. Das ist zumindest in einigen Bereichen keine Übertreibung,
sondern Realität. ..."
[idem p 144]

Prof. Dr. Wolfgang Becker-Brüser
(b.1949)
Deutscher Arzt und Apotheker
Seit 1996 ist er Geschäftsführer, Herausgeber und Chefredakteur der medizinischen
Fachzeitschrift Arznei-Telegramm, www.arznei-telegramm.de


In der Tat ist der Begriff "Mietmaul" - Meinungsbildner in der Pharmabranche gut bekannt, wenn es darum geht, Ärzte zu finden, die helfen, ein neues Medikament durchzusetzen oder den Umsatz etablierter Medikamente zu sichern. Mietmäuler sind in Deutschland ganz besonders wichtig. Während der skandinavisch- und englischsprachige Raum in der Pharmaszene als Evidence-Belt bezeichnet wird, weil man dort gute (oder gut manipulierte) Studien braucht, um Neues auf dem Markt durchzusetzen zu können, nennt man den deutschsprachigen Raum Eminenz-Belt, da man hier nur die Eminenz, also den Chef überzeugen muss, und schon wird das Neue umgesetzt, und zwar kritiklos. In Südeuropa, im Pharmajargon Garlic-Belt, muss das Produkt lediglich neue sein, um für den Verkauf interessant zu werden. Will man also in Deutschland ein neues Medikament durchsetzen, dann engagiert man eine führende Persönlichkeit aus dem universitären Umfeld, die die Meinung der entsprechenden Fachgesellschaft vorgibt. Wie eine Firma ihr Geld dabei einsetzt, kann nur vermutet werden, denn die Firmen sind nicht dazu verpflichtet, dies offenzulegen. Aber man kann davon ausgehen, dass es ähnlich wie in den SA über Beratungsverträge, irgendwie verbuchte Forschungszuwendungen, Reisen oder sonstige Honorare geschieht. Es wird zwar gefordert, die Finanzierung einer Studie oder auch der Leitlinie selbst offenzulegen, aber was die unterschiedlichen Verbindungen der einzelnen Autoren betrifft, gibt es keine wirkungsvollen Verpflichtungen. Deswegen ist es einfach, einen Interessenskonflikt schlichtweg zu leugnen und Nachfragen versanden zu lassen. Transparenz sieht anders aus ... Es ist davon auszugehen, dass es eine direkte Einflussnahme der Industrie auf die Leitlinienhersteller [1] in Deutschland gibt. Aber es bestehen kaum Chancen, diejengen Leitlinienautoren zu identifizieren, die sich solcher Einflussnahme durch Annahme aller möglichen Zuwendungen aussetzen ... Die Verlierer sind die Patienten, denn sie werden so systematischen Falschbehandlungen ausgesetzt. Solche Einflussnahme gibt es überall in der Gesellschaft ... In der Medizin bedeutet diese Form von Korruption Millionen falsch behandelter Patienten, Schmerz, Leid und früher Tod ... Insofern ist es nicht tolerabel, dass die deutsche Wissenschaft diese skandalösen Zustände nicht schnellstmöglich laut und deutlich thematisiert und effektiv bekämpft. Warum passiert das nicht? Weil zu viele um ihre Privilegien fürchten? Man will es angesichts des Schadens, der von Ärzten aus reiner Geldgier angerichtet wird, nicht glauben, aber es scheint so zu sein."
Aus: Gunter Frank: „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Teil II: Die Ursachen schlechter Medizin. Kapitel: Geld regiert die Welt: Wie gekaufte Meinungsführer den medizinischen Alltag diktieren. Mietmäuler. Zitat Prof. W. Becker-Brüser Seite 144, Seite 144f, 146f. KNAUS 2012.
[
1] Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen, um die Entscheidungen von Ärzten, Zahnärzten, Angehörigen anderer Gesundheitsberufe und Patienten über angemessene Gesundheitsversorgung für spezifische klinische Umstände zu unterstützen. Sie sind - anders als Richtlinien - nicht bindend und müssen an den Einzelfall angepasst werden. (Quelle Wiki)

Arzt und Recht: Interessenkonflikte in der Medizin
- RA Dr. Monika Ploier. Austrian Journal of Hypertension 2012; 16 (2), 27-29 www.kup.at/kup/pdf/10720.pdf

Auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur: Wie mit Gesundheitsmoral Menschen diskriminiert werden.
Von Siegern und Verlieren
pdf >>>
Aus: Dr. med. Gunter Frank: „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Teil III: Die gesellschaftlichen Auswirkungen schlechter Medizin. Kapitel: Auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur:
Wie mit Gesundheitsmoral Menschen diskriminiert werden. Von Siegern und Verlieren. Seite 222- 229 KNAUS 5. Auflage 2012


Der Trick mit den Normwerten pdf
>>>
Dr. med. Gunter Frank (b.1963, deutscher Arzt, Buchautor): „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Teil I: Schlechte Medizin in der täglichen Behandlung.
Kapitel: Millionenfache Fehlbehandlungen: Alltag in deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern. Der Trick mit den Normwerten. pp 22-25. KNAUS 5.Auflage 2012


"In allen Heilberufen neigt man generell dazu, eher zu viel zu behandeln als zu wenig, und das ist verständlich, man möchte ja schließlich helfen. Auch dass Therapeuten eher zu früh als zu spät behandeln wollen, ist nachvollziehbar. Man möchte nichts versäumen, und es ist keine schöne Vorstellung, unter Umständen erkennen zu müssen, dass man einen Patienten vor den schlimmen Folgen einer Erkrankung hätte bewahren können, wenn man ihn früher zu einer wichtigen Untersuchung überwiesen oder früher eine Therapie eingeleitet hätte. Da geht es mir nicht anders. Wenn jedoch aus dem zu viel und zu früh ein reines Geschäftsmodell wird, durch das Millionen gesunde Menschen zu gefährdeten und angeblich kranken Patienten umgedeutet werden, dann lässt sich dies nicht mehr mit dem Wunsch rechtfertigen, nichts versäumen zu wollen. Hinter solchen Milliardengewinnen steckt kalte Berechnung, die auch über Leichen geht. Am einfachsten lassen sich angeblich Kranke heute mithilfe von Normwerten aus dem Hut zaubern. Wie dieser Trick funktioniert, wird an den Beispielen Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin deutlich ... Das Einzige, was sich jedoch im Vergleich zu früher geändert hat, ist die Absenkung der Normwerte, umfangreichere Blutuntersuchungen und die Tatsache, dass die Menschen immer älter und die Älteren immer mehr werden. Dies führt zwar zu mehr Diagnosen, aber in Wirklichkeit ist das Risiko, zuckerkrank zu werden, für einen 50-Jährigen von heute nicht höher oder niedriger als für einen 50-Jährigen vor 100 Jahren ... Der amerikanische Arzt und Buchautor H. Gilbert Welch [siehe folgend] hat nachgerechnet, wie viele neue Patienten – oder besser gesagt Kunden – die Senkung der Normwerte dem Gesundheitsmarkt in den USA gebracht hat.


Zusammenhang der Normwertabsenkung und Patientenzahl in den USA

Effect of Lower Diagnostic Thresholds (Cutoffs) on the Number of "Diagnosed" Americans
(Einwohner USA: ~317,3 Millionen/2013)

"They [experts, physicians] tend to either ignore or downplay the major pitfall of this strategy:
treating those who will not benefit!"
[p16]

"Und sie [die medizinischen Expertengremien] neigen dazu, das Hauptproblem dieser Strategie
[Normwertabsenkung] entweder zu ignorieren oder herunterzuspielen: Die Behandlung
von Menschen, die nichts davon haben."
[S.44]

Alter Wert

Neuer Wert

Patientenzahl mit altem Wert

Patientenzahl mit neuem Wert

Neue
Patienten

Zuwachs
in %

Blutzucker 140 mg/dl

126

11 687 000

3 378 000

1 681 000

14%

[Ruhe-]Blutdruck 160/100 mmHg

140/90

38 690 000

52 180 000

13 490 000

35%

Cholesterin 240 mg/dl

200

49 480 000

92 127 000

42 647 000

86%

Oteoporose T-score 2,5

2

8 010 000

14 791 000 6 781 000 85%


"Wie Sie sehen, erhöhen die geänderten Grenzwerte die Zahl der für krank (und behandlungsbedürftig) erklärten Menschen drastisch. Ob das für die Betroffenen gut oder schlecht war, ist eine schwierige Frage. Aber es ist keine Frage, dass es gut fürs Geschäft war. Diese Änderungen vergrößerten nämlich den Markt für Therapien erheblich - und ebenso die damit erzielten Profite. Es gibt weitverbreitete Bedenken gegen die Unabhängigkeit der Experten, die für die besprochenen Krankheiten Grenzwerte festlegten ... Seien wir fair. Viele dieser Experten mögen gutgläubige Menschen sein, die alles tun wollen, was sie können, damit niemand übersehen wird, der von einer Diagnose profitieren könnte. Aber die Tatsache, dass so viel Geld im Spiel ist, verleitet sie möglicherweise dazu, den Nutzen zu überschätzen und den Schaden einer Überdiagnose zu unterschätzen. Derartige Entscheidungen wirken sich auf so viele Menschen aus, dass sie nicht von Konzernen beeinflusst werden dürfen, die daran verdienen ... Das gängige ärztliche Ethos verlangt, sich auf den möglichen Nutzen für wenige zu konzentrieren und die Folgen für den Rest herunterzuspielen. Darum suchen die medizinischen Experten nach Menschen, deren höheres Risiko glaubhaft ist, und empfehlen dann den anderen Ärzten, genau diese Patienten zu identifizieren und zu behandeln. Aber wenn wir das Für und Wider abwägen, sollten wir die besten Daten nutzen, die uns zur Verfügung stehen, und die stammen aus randomisierten Studien ... Es ist leicht, die Forderung aufzustellen, dass Regeln und Zahlen geändert werden müssen, um neu zu definieren, was als abnorm gilt. Man kann immer geltend machen, dass dadurch möglicherweise ein paar Menschen mehr geholfen wird. Meist ist die Diskussion an dieser Stelle zu Ende. Doch selbst kleine Änderungen können Millionen Menschen zu Patienten machen. Sie können zu einer Explosion von Überdiagnosen ["wenn Ärzte Abnormalitäten entdecken, die weder Symptome noch frühen Tod verursachen" siehe unten] und somit zu einer Explosion von Behandlungen [und Explosion von Nebenwirkungen] führen. Selbst wenn einige davon profitieren, sollten wir nicht zahlreiche Menschen leichtfertig für krank und behandlungsbedüftig erklären. Kleine Nachteile einer Therapie werden schon deshalb vergrößert, weil ihnen so viele Menschen ausgesetzt sind. Manche versticken sich ... in ein Gewirr aus Diagnosen und Therapien. Und wir alle müssen uns über eine paradoxe Strategie wundern, die Gesundheit fördern will, indem sie mehr Menschen dazu bringt, sich für krank zu halten. Leider kann uns keine wissenschaftliche Methode oder mathematische Gleichung eine eindeutige Antwort auf die Frage geben, was wir als normal definieren sollen. Aber die Praxis zeigt, dass die Mediziner unablässig damit beschäftigt sind, diese Definition einzuengen. Das wird besonders offenkundig, wenn wir Ärzte die Regeln ändern. Doch dieser Prozess hat auch eine noch heimtückischere Seite: Manchmal ändert der technische Fortschritt [Sonographie, Röntgen, CT, MRT, PET u.v.a.] die Regeln für uns ... Bildgebende Verfahren helfen uns sehr Anomalien zu finden, die Menschen krank machen. Aber sie sind auch immer häufiger in der Lage, Anomalien bei Menschen zu entdecken, denen es gut geht ... mehr Diagnosen und mehr Patienten. Manchen wird vielleicht geholfen, andere werden Opfer von Überdiagnosen - das heißt, ihnen wird mitgeteilt, man habe bei ihnen eine Anomalie festgestellt; aber von dieser Anomalie ist nicht zu erwarten, dass sie sich verschlimmert, Symptome verursacht oder zum Tod führt ... Wir sehen zu viel ... Weitere Tests - einschließlich neuer CT-Aufnahmen - enthüllen noch mehr zweideutige und überraschende Befunde. Und mehr Befunde führen letztlich zu mehr Behandlugnen, obwohl viele auf Überdiagnosen beruhen ... Mehr sehen, mehr entdecken, mehr tun ... Doch selbst wenn Sie tatsächlich Symptome haben, ist die Gefahr von Überdiagnosen durch bildgebende Verfahren beträchtlich. Angenommen, Sie haben Knieschmerzen, und eine MRT enthüllt einen Knorpelschaden - einen Riss im Meniskus. So wie es verführerisch sein mag zu behaupten, eine Sinusitis sei die [alleinige] Ursache von Nebenhöhlenbeschwerden, ist es auch sehr verführerisch, [einzig und allein] den Meniskusschaden für Ihre Schmerzen verantworlich zu machen. Aber viele Menschen - immerhin 40% [1] - ohne Knieschmerzen haben Meniskusrisse. Mit anderen Worten: Beschädigte Knorpel lösen oft keine Symptome aus. Es kann also durchaus sein, dass Ihr Meniskusschaden nicht die Ursache Ihrer Symptome ist, zumal es für Knieschmerzen noch viele andere Ursachen gibt: Arthritis, Sehnentzündung und Muskelzerrungen, um nur einige zu nennen. Wenn der beschädigte Knorpel Ihre Symptome nicht verursacht, dann ist eine Diagnose, die das behauptet, eine Überdiagnose ... eine neuere (Schlaganfall)Studie, in der Mediziner bei über 2000 [asymptomatischen] Menschen - ohne klinische Schlaganfalldiagnose - Gehirn-MRTs vornahmen ... Mehr als 10% dieser gesunden Teilnehmer hatten einen Schlaganfall erlitten. Die Forscher sprachen von stummen Schlaganfällen [2] ... Was mich verblüffte war die Feststellung, dass es bei 7% der Teilnehmer unter fünfzig Jahren Anzeichen für einen Schlaganfall gab (bei 50-59a: 8%, 60-69a: 10%, 70-89a: 15%) ... Bildgebende Verfahren entdecken immer mehr Anomalien und immer subtilere Abweichungen und verschieben so den diagnostischen Grad der Anomalien ... Je mehr wir sehen, desto weniger bedeutet die typische Anomalie, die wir entdecken ... Das Grundproblem verdeutlicht ein Experte für fraktale Geometrie [3], der die täuschend einfache Frage stellte: "Wie viele Inseln umgeben Großbritanniens Küste?" Es gibt keine einzige korrekte Antwort, denn die Antwort hängt davon ab, wie viele Inseln Sie sehen. Die Zahl der Inseln steigt mit der Auflösung der Karte, die man verwendet ..." [S.56, 58, 67-69, 72-78] [1] Kornick J, Trefelner E, McCarthy S, Lange R, Lynch K, Jokl P.: "Meniscal abnormalities in the asymptomatic population at MR imaging" Radiology. 1990 Nov;177(2):463-5; Englund M, Guermazi A, Gale D, Hunter DJ, Aliabadi P, Clancy M, Felson DT: "Incidental meniscal findings on knee MRI in middle-aged and elderly persons" N Engl J Med. 2008 Sep 11;359(11):1108-15; [2] Das RR, Seshadri S, Beiser AS et al.: "Prevalence and correlates of silent cerebral infarcts in the Framingham offspring study" Stroke 2008 Nov;39(11):2929-35; [3] Benoît B. Mandelbrot (1924-2010): "The fractal geometry of nature" W. H. Freeman and Co. San Francisco 1982, Neubearbeitung New York 1983

"Not surprisingly, we get more diagnoses today than we did in the past. In fact, we are in the midst of an epidemic of diagnosis. Again, the conventional wisdom tells us that this is good: finding problems early saves lives because we have the opportunity to fix small problems before they become big ones. [The logic goes something like this: more diagnosis means more treatment, and more treatment means better health. This may be true for some.
(p XIV)] What's more, we believe there are no downsides [disbenefits] to looking for things to be wrong. But the truth is that diagnosis is a double-edged sword. While it has the potential to help some, it always has a hidden danger [More diagnosis may make healthy people feel more vulnerable - and, ironically, less healthy. (p XIV)]: overdiagnosis - the detection of abnormalities (Incidentalomas) that are not destined to ever bother us. [And more diagnosis leads to excessive treatment - treatment for problems that either aren't that bothersome or aren't bothersome at all. Excessive treatment, of course, can really hurt you. "Excessive diagnosis" may lead to treatment that is worse than the disease. (p XIV)]" [Aus: Welch: Introduction. p XII] Seeing too much [p.32] The cycle of seeing more, finding more, and doing more (More scanning, A vast reservoir of abnormalities) [p.35] Switching from clinical diagnosis to scanning [p.41]


What is overdiagnosis? Overdiagnosis occurs when individuals are diagnosed with conditions that will never cause symptoms or death.
It's the Detection of an asymptomatic "abnormality" or "condition" that EITHER
a) will never progress (or will, in fact, regress)
OR
b) will progress slowly enough that the patient dies of other causes before symptoms appear.

Note: Overdiagnosis is typically a side-effect of what we`ve been taught to believe is right way to practice medicine: Detect and treat disorders before they cause problems.

The conundrum: (Das Rätsel, Die schwierige Frage)
Clinicians can never know who ist overdiagnosed at the time of diagnosis.
Overdiagnosis can only be confirmed in an individual if that individual is a
) never treated (or forgoes treatment) and b) goes on to die from some other cause.

But we do know that if we make more and more diagnoses in a healthy population, we are more likely to overdiagnose.

Thus we tend to treat everybody - thereby producing the major harm of overdiagnosis:
treatment that cannot help (because there is nothing to fix)
treatment that can only lead to harm


Then there is the word disease. Although the word has a wide range of interpretations, its origins are quite specific. Dis- means "without" and ease requires "no explanation". A synonym for disease might be discomfort. Although there are other perfectly legitimate definitions, in this book disease will refer to a condition that a person experiences - a sickness, an illness, a disorder that produces symptoms.
The word
abnormality will serve a distinct purpose. I will use it to describe findings that are considered abnormal in the medical profession yet are not experienced by the individual. Some of the most familiar abnormalities - high blood pressure, high cholesterol - will sometimes be referred to as conditions to distinguish them from diseases."

"Lowering the cutoff [threshold] for what is considered abnormal not only turns a large number of people
into patients but also produces patients with the mildest form of the condition ... In fact, the relationship
"Treatment Benefit <-> Spectrum of Abnormality" applies to all of medical care."
[Welch p22]

"Nutzen der Behandlung <-> Spektrum der Anomalie"
Bei geringeren Abweichungen von der Norm ist die Gefahr von Störungen geringer als bei erheblichen Abweichungen.
Menschen mit milderen Anomalien profitieren von einer Behandlung weniger als jene mit schweren Anomalien.
Mildere Anomalien sind häufiger und führen daher mit größerer Wahrscheinlichkeit zu Überdiagnosen.
Diesen Menschen nützt eine Behandlung nichts, sie kann ihnen nur schaden.
In der Regel nimmt der Nutzen einer Behandlung erst mit
der zunehmenden Schwere der Anomalie zu!"
(S.34f, 86)


Abildung 2.1
zeigt, wie sich die Neudefinition des Diabetes - der Grenzwert/der Grad der Anomalie wurde nach unten verschoben (ADA 1997: Nüchtern BZ ≤126mg%) -
auf den Nutzen der Diabetes Behandlung auswirkt. Das gleiche Muster - "Reservoir von Anomalien" - gilt auch für die arterielle Hypertonie, Hypercholesterinämie, Osteoporose
und Krebs (bei sehr langsam wachsenden Karzinomen, bei nicht-progressiven Karzinomen, Präkanzerosen) u.v.a. This graph shows that changing the cutoff for diabetes
from the previous fasting blood sugar level of 140 to the current level of 126 means that those with a milder form of the disease benefit less from treatment.


"But the real downside of accepting all these changes in the rules of diagnosis is that it is a slippery slope ["Argument der
schiefen Ebene"] that is turning more and more of us into patients. Too many of us are already on too many medications.
To be sure, some people may feel safer having their potential problems diagnosed and treated. For some, that may make
the treatment side effects and hassle factors seem worth it. But this sense of being safer is partly the product of powerful
messages that have systematically overstated the benefit of the diagnosis and treatment of mild abnormalities
(and largely said nothing about the potentials harms). Thus, the sense of being safer
is likely an exaggerated [extreme] view of the reality."


"Aber der wahre Nachteil all dieser Änderungen der Diagnoseregeln [Senkung der Grenzwerte, Überdiagnosen, Überbehandlung,
Abnormalitäten/Anomalien, asymptomatische Zufallsbefunde/Inzidentalome usw.] besteht darin, dass sie uns auf eine schiefe Ebene
bringen und immer mehr Menschen zu Patienten machen. Zu viele Menschen nehmen bereits zu viele Medikamente. Natürlich fühlen sich
manche Menschen sicherer, wenn ihre potentiellen Probleme diagnostiziert und behandelt werden. Manche nehmen dafür vielleicht sogar
Nebenwirkungen und den Aufwand in Kauf. Aber dieses Sicherheitsgefühl basiert zum Teil auf den Aussagen einflussreicher Leute, die
den Nutzen der Diagnose und Behandlung leichter Anomalien systematisch übertreiben (und kaum etwas über mögliche Nachteile sagen).
Deshalb ist das Gefühl, auf der sicheren Seite zu sein, wahrscheinlich ein Zerrbild der Wirklichkeit. ("Gute Absichten mit bösen Folgen") ...
Wir fühlen uns von Zufallsfunden [asymptomatischen Zufallsbefunden, Inzidentalomen] unter Druck gesetzt. Und wir fühlen uns verpflichtet,
sie zu untersuchen, obwohl wir befürchten, nicht im eigentlichen Interesse des Patienten zu handeln. Wir wissen, dass diese [asympto-
matischen Zufalls]Funde viele unnötige Sorgen und hohe Kosten verursachen, und wir wissen zudem, dass blutigere Eingriffe [Biopsien,
Operationen] die Folge sind, verbunden mit einem realen Risiko: Sie können dem Patienten schaden oder ihn das Leben kosten.
Einerlei, wie selten das vorkommt, es kommt vor. Das Risiko, durch eine Leberbiopsie zu sterben, mit der wir ein Inzidentalom genauer
untersuchen wollen, ist etwa gleich hoch (ungefähr 1 Todesfall auf 1 oder 2 von 1000 Biopsien [1]) wie das geschätzte Risiko, dass
das Inzidentalom ein tödliches Karzinom ist ... Mit Ausnahme der Lungenknoten bei Rauchern [1,8 - 3,6%] können weniger als 1%
dieser Inzidentalome tödliche Karzinome sein. In über 99% aller Fälle brauchen wir also nichts zu unternehmen [2] ..."
Immer mehr Ärzte bekennen sich dazu, dass es meist umsichtiger ist, Inzidentalome zu beobachten, als sie sofort
operativ zu entfernen ... Inzidentalome ... eine Nebenwirkung hochauflösender bildgebender Verfahren [CT, MRT usw.] ...
Die Wahrheit ist: Es fällt uns sehr schwer, etwas zu ignorieren, was wir entdeckt haben,
selbst wenn dies die richtige Entscheidung wäre
...
"
Welch p 27, S.61f, 44, 158, 160, 168f, 271f, 274; [1] Robert P. Myers, Andrew Fong, Abdel Aziz M. Shaheen. "Utilization rates, complications
and costs of percutaneous liver biopsy: a population-based study including 4275 biopsies" Liver International Volume 28,pp 705–712, 2008
[2] Tabelle 7.1: Risiko für einen durchschnittlichen 50-jährigen, dass ein Inzidentalom ein tödlicher Krebs ist. Welch S.160
CD Furtado et al.: "Whole-body CT screening: spectrum of findings and recommendations in 1192 patients" Radiology 237 (2005):385-94
SJ Swensen et al.: "Screening for Lung Cancer with Low-Dose Spiral Computed Tomography"Am J Respir Crit Care Med 165 (2002):508–513
Steven Woloshin, Lisa M. Schwartz, H. Gilbert Welch: "The Risk of Death by Age, Sex, and Smoking Status in the United States:
Putting Health Risks in Context" JNCI 100 (2008): 845-853

Patienten mit den größten Anomalien [Abweichungen]
erzielen mit größter Wahrscheinlichkeit
einen Nettonutzen.

Patienten mit den kleinsten Anomalien
erzielen mit größter Wahrscheinlichkeit
einen Nettoschaden.


In Abbilding 12.2. folgend wird dieser Grundsatz durch die schattierten Flächen zwischen den Linien dargestellt.
Das ist ein einfaches Prinzip. Bei schweren Anomalien müssen wir handeln, weil ein Nettonutzen wahrscheinlich ist.
Bei leichten Anomalien kann die beste Strategie jedoch darin bestehen, nichts zu unternehmen, weil sonst ein
Nettoschaden droht - vielleicht ist es sogar besser, gar nicht erst nach leichten Anomalien zu suchen.

[Welch S.270]




Man sollte meinen, alle Ärzte würden diesen Zusammenhang verstehen. Aber das ist nicht der Fall ...
Sobald jemand entschieden hat, dass eine Gruppe mit niedrigem Risiko [leichte Anomalie] den gleichen Nutzen
haben muss wie eine Gruppe mit hohem Risiko [schwere Anomalie], ist der Weg für mehr Diagnosen bereitet
[Problem der exzessiven Extrapolation].
Und wenn Ärzte dem Aufruf folgen, was sie meist tun, ist auch der Weg
für weiteren Schaden bereitet. Da "mehr Diagnosen" immer bedeuten, dass wir auch bei Menschen mit geringeren Anomalien -
die seltener zu Symptomen oder zum Tod führen - Diagnosen stellen, produzieren wir oft Überdiagnosen. Und da wir nicht wissen,
bei wem eine Überdiagnose vorliegt, neigen wir dazu, alle zu behandeln. Patienten, die Opfer einer Überdiagnose wurden, können
von einer Behandlung nicht profitieren; sie können nur Schaden erleiden. Deshalb ist ein Nettoschaden bei "neuen" Patienten,
die dank zusätzlicher Diagnosen identifiziert wurden, viel wahrscheinlicher als bei den Patienten, die vor der Diagnoseflut
untersucht wurden. Mehr Diagnosen setzen einen Kreislauf in Gang, der sich selbst verstärkt [positive Rückkoppelung] und
Ärzte veranlasst, noch mehr zu diagnostizieren ... Mehr Diagnosen, die darauffolgende "Epidemie" ["Häufung von Kranken"] und
die Behauptung, dass Früherkennung [Screening] Leben retten kann, führen dazu, dass auch die Bevölkerung mehr Diagnosen
einfordert. Sie wurde ja entsprechend präpariert und von Ärzten, Politikern, Medien und vielleicht sogar von ihren Müttern mit
Aussagen über den Wert der Untersuchung überschüttet. Die Menschen werden nicht ermutigt, solche Behauptungen
kritisch zu prüfen, und niemand hat ihnen beigebracht, wie man beurteilt, ob diese Aussagen solide Wissenschaft
oder lediglich Propaganda sind.
Daher werden immer mehr Menschen untersucht, und überraschenderweise
fördern auch die Untersuchungsergebnisse weitere Untersuchungen ..."
[Welch S.271f, 274] [GG(4)]

"Informiert ratlos sein ist allemal besser,
als sich ahnungslos in falscher Sicherheit
wiegen."

Dr. med. Christian Euler
Präsident des Österreichischen Hausärzteverband (ÖHV)
Aus: DAM Ausgabe 6/2013 Seite 32

Aus: Prof. Dr. H. Gilbert Welch (M.D., M.P.H.), Dr. Lisa Schwartz, Dr. Steve Woloshin: „Overdiagnosed: Making People Sick in the Pursuit of Health“ Chapter 2 "We Change the Rule - How Numbers Get Changed to Give You Diabetes, High Cholesterol, and Osteoporosis" Table 2.1 p 23. Figure 12.2 p 173 Beacon Press 2012; “Die Diagnosefalle: Wie Gesunde zu Kranken erklärt werden” Kapitel 12: Behalten Sie den Überblick. Morgenvisite. Abbildung 12.2. S. 270. Übersetzung: Martin Rometsch, 1. Auflage RIVA 2013"This book examines the possibility that American medicine now labels too many of us as "sick"." (pp XIV, XVI), www.youtube.com/watch?v=C-DnznA0m9k, Abbildung 2.1 Welch p.18, S.48) aus: "We Change the Rules - How Numbers Get Changed to Give You Diabetes, High Cholesterol, and Osteoporosis" pp15-31. Quelle: http://dartmed.dartmouth.edu/winter10/html/changing_the_rules.php
Gerd Gigerenzer (b.1947, dtsch.Psychologe, Kognitionspsychologe): (1) „Das Einmaleins der Skepsis - Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken“ ("Calculated Risks: How to Know When Numbers Deceive You" New York:Simon & Schuster 2002, (2) “Reckoning with risk: Learning to live with uncertainty“ London: Penguin 2002) BVT 7.Auflage 2011, 2004 (2002), (3) „Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“ (“Gut feelings: The intelligence of the unconscious“ New York: Viking u. London: Allen Lane/Penguin 2007) GOLDMANN 2008 (2007), (4) „Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ ("Risk Savvy – How to Make Good Decisions" New York: Penguin 2013) btb Verlag 4.Auflage 2014
Siehe Gerd Gigerenzer in INFOS: "SIC-Syndrom", "Überdiagnose", "Vorlaufzeit-Bias", "Fakten u. Fiktionen über Krebs-Screening" in Statistik Glossar & Allerlei >>>
Gerd Gigerenzer, Sir John A. Muir Gray (Hrsg.): „Bessere Ärzte, bessere Patienten, bessere Medizin. Aufbruch in ein transperentes Gesundheitswesen“ („Better doctors, better patients, better decisions: Envisioning health care 2020“ The MIT Press Cambridge 2011) Mit einem Vorwort von Günther Jonitz, Strüngmann Forum Reports, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2013
Thomas K. Bauer, Gerd Gigerenzer, Walter Krämer:„Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“ CAMPUS 2014
Lasse T. Krogsbøll, Karsten Juhl Jørgensen, Christian Grønhøj Larsen, Peter C. Gøtzsche: "General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease: Cochrane systematic review and meta-analysis" BMJ. 2012 Nov 20;345:e719
Odette Wegwarth, Lisa M. Schwartz, Steven Woloshin, Wolfgang Gaissmaier, Gerd Gigerenzer: „Do Physicians Understand Cancer Screening Statistics? [5-Jahres Überlebensrate, Sterberate] A National Survey of Primary Care Physicians in the United States“ Ann Intern Med. 2012 Mar 6;156(5):340-9
Siehe Zitate: Karl Kraus: Die Diagnose
>>>


"Die Tabelle macht deutlich, dass allein die Absenkung des Cholesterinlevels von 240 auf 200mg/dl in den USA [Einwohner: 317 Millionen (2012)] über 42 Millionen gesunde Menschen zu Patienten gemacht hat, die als Kunden nun fettarme Nahrungsmittel, Ernährungsberatung und Fitnessprogramme konsumieren sollen. Und weil all diese Maßnahmen nachweislich den Cholesterinspiegel dauerhaft gar nicht senken können, werden den Patienten dann Medikamente verordnet. Hier geht es um einen Milliardenmarkt ... Wenn man davon ausgeht, dass der Hauptrisikofaktor eines Menschen, im Laufe seines Lebens eine Gefäßerkrankung zu entwickeln, der ist, überhaupt geboren zu sein, könnte man auch den Cholesterinspiegel insgesamt als Risikofaktor definieren. Dann ist alles über null ein Risiko, und die Ernährungsberatungsbranche und Pharmaindustrie können uns alle als Kunden begrüßen. Im Ernst, sie arbeiten daran."

Aus: Gunter Frank (b.1963, deutscher Arzt, Buchautor): „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Teil I: Schlechte Medizin in der täglichen Behandlung. Kapitel: Millionenfache Fehlbehandlungen: Alltag in deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern. Der Trick mit den Normwerten. Seite 22-25. KNAUS 5.Auflage 2012. [1] H. Gilbert Welch (M.D., M.P.H.), Lisa Schwartz, Steve Woloshin: „Overdiagnosed: Making People Sick in the Pursuit of Health“ Beacon Press 2012

Prof. em. Dr. med. Frank. P. Meyer [b.1936] - ehemaliger Institutsdirektor der Klinischen Pharmakologie an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg - schreibt: „Prähypertensiv“ - noch gesund oder schon krank?“ Hessisches Ärzteblatt, 64 (9), 444 - 446, 2003.
Auszugsweise [Meine Ergänzungen]:

"Besonders makaber sind diese "Grenzwertspielereien"
[<130/<80 normal (vorher optimal), <130/<85 prähypertensiv (vorher normal), <140/<90 prähypertensiv (vorher hochnormal), <160/<100 Hypertonie Std. I, <180/<110 Hypertonie Std.II] deshalb, weil die Grenzwerte für alle Menschen zwischen 18 Jahren und 100 Jahren gelten, was völlig unbiologisch und unphysiologisch ist [1] ...

In einer frühen großen Meta-Analyse (Collins et al. 1990) [2] wurden die Leser schlichtweg gelinkt ...
Bei genauer Betrachtung ist das Ergebnis ernüchternd. Aus den 42 %
[Schlaganfall] und 14 % [Koronare Herzkrankheit] von Collins et al. [2] werden [absolute] 1,07 % [Schlaganfall] bzw. 0,56 % [Koronare Herzkrankheit]. Das entspricht NNT- [Number Needed to Treat] Werten von 93 bzw. 178! Mit anderen Worten, wenn 93 Patienten oder 178 Patienten über 5 Jahre antihypertensiv behandelt werden, lässt sich nur 1 Schlaganfall bzw. 1 koronare Herzkrankheit verhindern! ...

Aus der sehr häufig zitierten Lennart et al. HOT (Hypertension Optimal Treatment) -Studie [3] geht eindeutig hervor, dass bei 50- bis 80-jährigen Frauen und Männern eine Senkung des Blutdrucks <160/<90 mm Hg keinen zusätzlichen Benefit (große kardiovaskuläre Ereignisse, nicht tödliche und tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle, kardiovaskuläre Mortalität) mehr bringt. Bei Werten ≤ 120/75 mm Hg nehmen in dieser Altersgruppe die Risiken sogar wieder zu. Das ist seit 1998 bekannt. Die Daten aber interessieren nicht. Pharmakologen, Internisten, Marketingexperten machen weiter wie bisher...

"Werden die Studienergebnisse in relativen oder absoluten Zahlen wiedergegeben? In einer großen Studie (HOT-Studie [3]) wird die Minderung des Herzinfarktrisikos durch eine Absenkung des unteren (diastolischen) Wertes unter 90 mm/Hg mit 28 Prozent angegeben. Damit wird die Aussage verbunden, dass ein Blutdruck von 160/95 zu hoch sei und dieser mindestens auf 140/90 abgesenkt werden sollte. Die Angabe "28 Prozent" erweckt den Eindruck, dass mit dieser Maßnahme bei jedem vierten Patienten das Herzinfarktrisiko gesenkt werden könnte. Da der Blutdruck vieler Menschen in diesem Bereich liegt, bedeutet dieses Ergebnis Millionen zusätzlicher Tablettenverordnungen und Milliardenumsätze. Aber es ist wieder einmal eine relative Zahlenangabe, die absolute Risikominderung beträgt nämlich nur 0,37 Prozent. Das hört sich schon deutlich weniger beeindruckend an. Wenn man sich die Studie noch genauer anschaut, findet man tatsächlich den Hinweis, dass die Gesamtsterblichkeit bei einer Senkung des unteren Blutdruckwertes unter 90 mm/Hg um absolute 0,3 Prozent steigt. Obwohl also eher von einem Gesamtschaden auszugehen ist, wird diese Studie weiter als Rechtfertigung für eine intensive Blutdrucktherapie verwendet ...
Wie viele Patienten müssen behandelt werden, damit bei einem die gewünschte Wirkung oder eine schwere Nebenwirkung eintritt?
... Nehmen wir als Beispiel die bereits erwähnte HOT-Studie. Bei ihr ergab sich eine absolute Risikominderung für einen Herzinfarkt um 0,37 Prozent, wenn man den unteren Blutdruckwert medikamentös unter 90 mm/Hg absenkt. Nun muss man 100 durch 0,37 teilen und erhält die Zahl 270. Das ist die NNT [number needed to treat] für diese Studie. 270 Patienten mussten in dieser Studie behandelt werden, damit ein Patient vor einem Herzinfarkt geschützt wird. Das bedeutet, ein Patient wurde durch die Therapie geschützt und 269 hatten nur die Nebenwirkungen zu erwarten. Und die führten sogar dazu, dass die Therapiegruppe ein geringgradig erhöhtes absolutes Sterberisiko von 0,3 Prozent aufwies. Oder umgerechnet in eine NNK (number needed to kill) von 333. Die medikamentöse Senkung des unteren Blutdruckwertes unter 90 mm/Hg schützt zwar einen von 270 Patienten vor einem Herzinfarkt, führt aber insgesamt dazu, dass ein Patient von 333 durch diese Therapie verstirbt.
Wenn Ihnen Ihr Arzt vorschlägt, Ihren Blutdruck unter 160/90 mm/Hg abzusenken, sollte er Ihnen solche Zahlen nennen. Sie können dann viel realistischer entscheiden, ob Sie die Chance nutzen wollen, einer von 270 zu sein, der durch die Therapie vor einem Herzinfarkt geschützt wird, und gleichzeitig das Risiko eingehen wollen, einer von 333 zu sein, der an dieser Therapie verstirbt. Es ist offensichtlich, dass die meisten Patienten eine solche Therapie ablehnen würden. Leider werden meist immer noch relative Zahlen für die Beratung benutzt, mit Absicht. Denn mit der irreführenden Behauptung, das Herzinfarktrisiko um 28 Prozent senken zu können, entscheiden sich die meisten Patienten für diese Therapie. Studien haben unterschiedliche Beobachtungszeiten. Um sie besser vergleichen zu können, sollte sich eine NNT auf ein Jahr beziehen. Da die erwähnte HOT-Studie 3,8 Jahre dauerte, muss man die NNT von 270 noch mit 3,8 multiplizieren. Das bedeutet: Um einen Patienten pro Jahr durch die dort getestete Blutdrucksenkung vor einem Herzinfarkt zu schützen, müssen in diesem Jahr 1026 Patienten behandelt werden ..." Aus: Dr. med. Gunter Frank: "Gebrauchsanweisung für ihren Arzt - Was Patienten wissen müssen" II. Faktencheck. Wie Sie den allgemeinen Nutzen einer medizinischen Empfehlung überprüfen können, Checkliste, Teil 2: Fragen zur Qualität der erhaltenen Antworten, Punkt 7: Werden die Studienergebnisse in relativen oder absoluten Zahlen wiedergegeben? Seite 68f; Punkt 8: Wie viele Patienten müssen behandelt werden, damit bei einem die gewünschte Wirkung oder eine schwere Nebenwirkung eintritt? 2. Auflage KNAUS 2014

Sidney Port et al.
(2000) [4] fanden bei einer Neubewertung der Daten der Framinham-Studie ..., dass es alters- und geschlechtsabhängige Schwellenwerte des systolischen Blutdrucks gibt, die erst überschritten werden müssen, damit das Risiko für den Patienten zunimmt, nahm auch davon kaum jemand Kenntnis. Die Faustregeln zur Bestimmung der Schwellenwerte lauten für Männer: 120 + 2/3 des Alters und für Frauen: 114 + 5/6 des Alters ...

Bei der Einführung der
"Prähypertension" beriefen sich die Autoren des JNC 7 Report [1] vor allem auf die epidemiologischen Aussagen von Vasan et al. (2001) [5 ] zu den Framingham-Daten. Entgegen allen Regeln der Epidemiologie (Immich 1991) [6] wurden keine Altersklassen von 5 Jahren Breite gebildet, sondern lediglich 2 Gruppen "35 bis 64 Jahre" und "65 bis 94 Jahre", damit war der Einfluss des Alters auf den Blutdruck praktisch eliminiert. Auf andere Limitationen ihrer Aussagen wiesen Vasan et al. [5] selbst hin. Die Anmerkungen von Port et al. [4] wurden völlig ignoriert.

Die Schaffung von "Prähypertensiven"
[RR <140/<90] ist mit m.E. der erste Schritt, um aus Gesunden "Präpatienten" zu machen, die bei passender Gelegenheit zu Patienten mutiert und pharmakotherapiert werden."

[1, 2] R Collins, R Peto, S MacMahon et al.: "Blood pressure, stroke, and coronary heart disease" The Lancet, Volume 335, Issue 8692, Pages 765 - 774, 31 March 1990
[3] Lennart Hansson, Alberto Zanchetti, SG Carruthers et al.: "Effects of intensive blood-pressure lowering and low-dose aspirin in patients with hypertension: principal results of the Hypertension Optimal Treatment (HOT) randomised trial" The Lancet 1998, Vol. 351 No. 9118 pp 1755-1762
[4] Sidney Port et al.: "Systolic blood pressure and mortality" The Lancet, Volume 356, Issue 9230, Pages 682 - 683, 19 August 2000 ["... the threshold for hypertension is age and sex dependent ... Since the 80th percentile is about 10 mm Hg higher than the 70th, the previous rules of thumb show that the cut-off value for hypertension should be 120+(2/3)(age) for men and 114+(5/6)(age) for women ... Our results do, however, show that treatment based solely on systolic blood pressure exceeding 140 mm Hg is not justified."] www.math.ucla.edu/~scp/publications/mortality.PDF
[5] Ramachandran S Vasan et al.: "Assessment of frequency of progression to hypertension in non-hypertensive participants in the Framingham Heart Study: A cohort study" Lancet 2001; 358:1682-86
[6] Prof. Dr. med. Herbert Immich (1917-2002), ehemals Heidelberger Ordinarius für Biomathematik: "Nicht Experten zählen, sondern Fakten." in Buch: "Paradigma Epidemiologie" Selbstverlag, St. Peter-Ording 1991


Die heilsamen Effekte der moderaten Bewegung (100 Schritte pro Minute oder 3000 Schritte in 30 Minuten!) - Bewegung als Heilmittel:
William Evans, Irwin H. Rosenberg, Jacqueline Thompson: "Biomarkers: The 10 Keys to Prolonging Vitality" Touchstone; Reprint edition 1992 (1991)
Jörg Blech: "Die Heilkraft der Bewegung - Wie Sie Krankheiten besiegen und Ihr Leben verlängern" FISCHER 2014 überarbeitete Neuauflage des Titels „Heilen mit Bewegung“ 2007, "Die Krankheitserfinder – Wie wir zu Patienten gemacht werden" FISCHER 2003, "Die Psychofalle - Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht" FISCHER 2014

Romualdo Belardinelli, Demetrios Georgiou, Leonard Ginzton, Giovanni Cianci, Augusto Purcaro: "Effects of Moderate Exercise Training on Thallium Uptake and Contractile Response to Low-Dose Dobutamine of Dysfunctional Myocardium in Patients With Ischemic Cardiomyopathy" Circulation. 1998;97:553-561

Rainer Hambrecht, Anamaria Wolf, Stephan Gielen, Axel Linke, Jürgen Hofer, Sandra Erbs, Nina Schoene, Gerhard Schuler: "Effect of Exercise on Coronary Endothelial Function in Patients with Coronary Artery Disease" N Engl J Med 2000; 342:454-46

Volker Adams, Karsten Lenk, Axel Linke, Dominik Lenz, Sandra Erbs, Markus Sandri, Attila Tarnok, Stephan Gielen, Frank Emmrich, Gerhard Schuler, Rainer Hambrecht: "Increase of Circulating Endothelial Progenitor Cells in Patients with Coronary Artery Disease After Exercise-Induced Ischemia" Arterioscler Thromb and Vasc Biol, 2004;24:684-690

Marcus Sandri, Volker Adams, Stephan Gielen, Axel Linke, Karsten Lenk, Nicolle Kränkel, Dominik Lenz, Sandra Erbs, Dierk Scheinert, Friedrich Wilhelm Mohr, Gerhard Schuler, Rainer Hambrecht: "Effects of exercise and ischemia on mobilization and functional activation of blood-derived progenitor cells in patients with ischemic syndromes: results of 3 randomized studies" Circulation. 2005;111:3391-3399

Massimo F. Piepoli, C Davos, DP Francis, AJ Coats: "Exercise training meta-analysis of trials in patients with chronic heart failure (ExTraMATCH)" BMJ. 2004 Jan 24;328(7433):189

Bente Klarlund Pedersen, Bengt Saltin (1935-2014): "Evidence for prescribing exercise as therapy in chronic disease" Scand J Med Sci Sports. 2006 Feb;16 Suppl 1:3-63 und "Exercise as medicine - evidence for prescribing exercise as therapy in 26 different chronic diseases" Scand J Med Sci Sports. 2015 Dec;25 Suppl 3:1-72

Axel Linke, Volker Adams, Paul Christian Schulze, Sandra Erbs, Stephan Gielen, Eduard Fiehn, Sven Möbius-Winkler, Andreas Schubert, Gerhard Schuler, Rainer Hambrecht: "Antioxidative Effects of Exercise Training in Patients With Chronic Heart Failure Increase in Radical Scavenger Enzyme Activity in Skeletal Muscle" Circulation 2005,111(14):1763-70

David K. Cundiff, Diana Diao, Francois Gueyffier, James M. Wright: "Benefits of antihypertensive drugs for mild hypertension are unclear" Cochrane Hypertension Group 15.August 2012, DOI: 10.1002/14651858.CD006742.pub2, www.cochrane.org/CD006742/HTN_benefits-of-antihypertensive-drugs-for-mild-hypertension-are-unclear

Hochdrucktherapie 2014: PHARMAINFORMATION - Medizinische Universität Innsbruck: Unabhängige Information für Ärzte/Innen. Jahrgang 29/Nr.3 Sept.2014 "Im Gegensatz zu manchen Empfehlungen in der Vergangenheit, die bis zu "the lower the better" gingen, sind die neuen Richtlinien etwas zurückhaltender ..." www.i-med.ac.at/pharmakologie/pharmainfo/info29-3.html

"Es gibt keine medizinische Norm
So viel nur, um die
Fragwürdigkeit einer Standardisierung im lebendigen Bereich [„offener, dissipativer, selbst-regulierender, biokybernetisch vernetzter, chaotischer (nicht -linearer) lebendiger Systeme"] zu betonen. Auch in der Medizin gibt es in diesem Sinne keine Norm. Das lässt sich an den Messdaten jeder Klinikkartei [Patientenkartei] deutlich ablesen. Denn gerade durch die modernen medizinischen Meßmethoden und das dadurch mögliche große statistische [biometrische] Material trat inzwischen deutlich zutage, dass die Schwankungsbreite der Daten des gesunden Menschen viel größter ist, als früher angenommen. Weder für den Blutdruck, noch für die Konzentration eines Hormons im Blut, noch für den Cholesteringehalt oder den Hämoglobinwert gibt es „feste“ Daten. Genau so wenig wie für Gewicht, Körpergröße, Hautfeuchtigkeit oder was auch immer. Nirgendwo gibt es einen feststehenden einzelnen Messwert, der an sich als normal zu betrachten wäre. Höchstens MESSBEREICHE [nach der "Normal-" Verteilungstheorie nach Carl Friedrich Gauß (1777-1855, dtsch. Mathematiker, Physiker, Astronom; mit Median (Zentralwert, Mittelwert, 50%), Ober-Median (25%) und Unter-Median (25%)].



"Man braucht im Leben nichts zu fürchten, man muss es nur verstehen.
Jetzt ist es an der Zeit, mehr zu verstehen, damit wir weniger fürchten!"

Marie Sklodowska Curie
(1867-1934)
Polnisch-französische Physiko-Chemikerin, Doppel-Nobelpreisträgerin
1903 Nobelpreis für Physik (Forschung zur Radioaktivität)
1911 Nobelpreis für Chemie (Entdeckung von Polonium u. Radium)
Aus: Gerd Gigerenzer: "Risiko - Wie man die richtigen Entscheidungen trifft"
["Risk Savvy. How to Make Good Descisions" Penguin 2013] Teil I: Die Psycho-
logie des Risikos. Kapitel 4: Warum fürchten wir, was uns höchstwahrschein-
lich nicht umbringt? S.94 btb 4.Auflage 2014




Aus: www.psychobionik.de
"Wenn auch kein wirkliches System sich in einem so ideal chaotischen Zustand (1+1=2) befindet, wird die Gauß-Verteilung
("symmetrische Glockenkurve") allgemein in Forschung, Industrie und vielen anderen Bereichen für statistische Zwecke
verwendet und gilt näherungsweise für viele leblose Systeme ... Die wichtigste Wahrscheinlichkeitsverteilung von Mess-
werten, aus einem ideal kohärenten System, ist jedoch die logarithmische Normalverteilung ("asymmetrische Kurve, mit
nach links verschobenen Gipfel"), denn sie bezieht sich auf lebende Systeme (1969, Prof.Lothar Sachs (b.1929), dtsch.
Mathematiker) und auf das Konzept der Harmonie (Kohärenz) ...
Tatsächlich befindet sich ein reales System immer zwischen
diesen drei idealen Zuständen ["ideal chaotisch" (1+1=2, Gauß Verteilung), "ideal kristallin" (1+1=1, Delta Verteilung),
"ideal kohärent" (1+1=3, Log-Verteilung)].
Daher ist auch die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Messwerte aus einem
realen System immer zwischen den drei angeführten typischen Verteilungen; "mathematisch" berechnet und
graphisch dargestellt, als Harmonie-/Kohärenzpyramide, im sog. "unendlich-dimensionalen Funktionsraum"
n. David Hilbert (1862-1943, dtsch. Mathematiker in Göttingen) ..."
Aus: Changlin Zhang [b.1943, chinesischer Prof. f. Biophysik an den UNIs Hangzhou u. Siegen]: „Der unsichtbare Regenbogen
und die unhörbare Musik. Die Entdeckung der Zusammenhänge zwischen elektromagnetischen Wellen in Lebewesen und den Wirkungen
von Akupunktur, Klangtherapie und anderen komplementären Heilmethoden“ Teil 5 Harmoniemessung. 2. Messungen am unsichtbaren
Regenbogen. 2.2. Drei idealtypische Energieverteilungen (Chaos, Kristall, Harmonie), 2.3 "Unendlich-dimensionaler Raum" und "Harmonie-
pyramide" (n. David Hilbert) S.191-197 Traumzeit-Verlag 2010 ("Invisible Rainbow: A Physicist's Introduction to the Science
behind Classical Chinese Medicine" North Atlantic Books 2016)

"Ganz gleich, ob in der Kriminalistik oder Medizin, die modernen Risikotechnologien (oder aktuarischen, also versicherungsmathematischen Technologien,
wie Jonathan Simon [b.1959, US-amerik. Soziologe, Kriminologe, Rechtswissenschaftler] schreibt [A]) gehen nicht mehr von konkreten Menschen aus ...
Statistische Wahrscheinlichkeiten haben eine [mathematisch] sehr präzise, aber [auf den Einzelnen bezogen, eine sehr] begrenzte Aussagekraft.
Sie sagen etwas darüber aus, was in einer langen Serie gleichartiger Experimente oder Ereignisse geschieht - aber sie sagen nicht voraus, wie
ein Einzelexperiment ausgehen wird.
Per definitionem beziffern Wahrscheinlichkeiten Häufigkeiten in Grundgesamtheiten, machen jedoch keine
Vorhersagen über den Einzelfall ... Kluft zwischen Einzelfall und Serie ... Den frühen Statistikern des 19. Jahrhunderts war diese Kluft zwischen
dem Berechenbaren und dem Konkreten, zwischen den Gesetzmäßigkeiten von Populationen und dem Einzelnen noch bewusst ...
verstanden sie ihre Mitmenschen noch nicht als Risikoprofile
... Der belgische Mathematiker [Lambert Adolphe Jacques] Quetelet
[1796-1874] ... erfand den Durchschnittsmenschen (L'homme moyen"), eine statistisch konstruierte Normalität ... warnte ... ausdrücklich davor,
von den statistischen Gesetzen irgendwelche Rückschlüsse auf einzelne Menschen zu ziehen: "Diese [statistischen] Gesetze haben, eben nach
der Art ihrer Ermittlung, nichts Individuelles mehr an sich, und deshalb wird man sie nur unter gewissen Einschränkungen auf die Individuen
anwenden können. Jede Anwendung, die man auf einen einzelnen Menschen machen wollte, wäre im Wesentlichen falsch, ebenso wie
wenn man nach den Sterblichkeitstabellen den Zeitpunkt feststellen wollte, wann eine bestimmte Person sterben müsste"
(B) ...

Wandert das Risiko aus der Statistik in die Arztpraxis oder ans Krankenbett aus, verwandelt es sich grundlegend: Ärzte (und Patienten)
[fehl-]interpretieren Risikofaktoren als objektive, klinische Krankheitszeichen ("objective clinical signs of disease")(C) ...
Solche "klinischen Risiken" sind strenggenommen keine richtigen Risiken, wie Lorna Weir [Prof. f. Soziologie, York Universität/
Toronto](D) betont, weil sich die Zukunft eines einzelnen Patienten gar nicht berechnen lässt; sie beruhen auf einer Vermischung un-
vereinbarer Denkweisen, nämlich die Feststellung von Risikofaktoren einerseits und Diagnose von Normalität und Anormalität andererseits:
"Clinical risk comprises an unstable amalgam of incompatible forms of reasoning"(D) ... Die Risko-Attestierten gehen dann beispielsweise
davon aus, dass sie das vorhergesagte Schicksal treffen wird - so wie Frauen, denen ein hohes Brustkrebsrisiko attestiert wurde ...
Patienten, denen ein Risiko bescheinigt wird, wähnen sich daher oft am Rande des Abgrundes. Sie fühlen sich nicht mehr gesund ("Risiko
behaftete Gesunde": "präsymptomatisch Kranke", "gesunde Kranke") und meinen, sich auf direktem Weg zu einer beängstigenden Erkrankung
zu befinden ... Obwohl sie kerngesund sind, verwandelt das Risikoattest ihren Körper in eine Quelle latenten Unheils (Quelle eines erschre-
ckenden "Leidens an einer Vorhersage", "Leidens am Noch-Nicht", "Leidens am Zustand Ich-bin-noch-nicht-krank", "Leidens an Risiko-
Angst") ... Diese Art und Weise der Aussage, die Rede in spekulativen Möglichkeiten ("Versuch der Vorwegnahme/-hersage der Zukunft",
"Konstrukt von Probabilitäten"), nennt die Grammatik den Modus irrealis, die Unwirklichkeitsform. Sie bezeichnet das, was nur
vorgestellt, möglich, spekulativ und fantastisch ist ... Wer im Modus irrealis lebt, kann nicht bei Sinnen bleiben und wird von
Experten und technischen Apparaten abhängig ..."
Aus: Silja Samerski (b.1970, deutsche Soziologin, Biologin, Philosophin): "Die Entscheidungsfalle - Wie genetische Aufklärung die Gesellschaft entmündigt"
Glossar: Risikoprofil S.138, 3 Die informierte Entscheidung. Wie genetische Berater ihre Klienten zur Selbstbestimmung befähigen 3.2 Zweite Verwandlung
der Person: Klienten als Risikoträger 3.2.1 Ein folgenreiches Missverständnis: Risiko als Diagnose S.68, Anmerkungen: Nr. 84 S.158f, 3.2.3 Die pathogenen
Auswirkungen ärtzlich attestierter Risiken S.75,76, 3.2.4 Leben im Modus irrealis (Unwirklichkeitsform) S.80f, 3.2.5 Das genetische Risiko S.84f Wissen-
schaftlicheBuchGesellschaft 2010. (A) Jonathan Simon: "The Ideological Effects of Actuarial Practices" p.790 Law and Society Review, 22 (4): 771-800.
(B) Francois Robert Ewald: "Der Vorsorgestaat" (L'Etat-providence 1986) S.196 Suhrkamp 1993.(C) Sandra M. Gifford (1986): "The Meaning of Lumps:
A Case Study of the Ambiguities [Mehrdeutigkeiten] of Risk" S.222. In: Craig Robert Janes, Ron Stall, Sandra M. Gifford (Hg.) "Anthropology and
Epidemiology: Interdisciplinary Approaches to the Study of Health and Disease" Dordrecht Reidel Publishing Company pp 213-246. (D) Lorna Weir:
"Pregnancy, Risk and Biopolitics: On the Threshold of the Living Subject" S.19 Routledge 2006
Siehe INFOS: Silja Samerski in Statistik Glossar & Allerlei
>>>
Prof. Gerd Gigerenzer:
"Über ärztliche Risikokompetenz - on risk literacy" www.youtube.com/watch?v=zdOBJW2zlKU
Aufzeichung des Vortrages von Prof Gerd Gigerenzer am 13.01.2016 an der Charité Berlin mit Moderation von Prof Karl Max Einhäupl
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer: "Risiko, Entscheidungen und Intuition (Daimler Financial Services)" www.youtube.com/watch?v=3gYkWKL4yNU


Es ist immer das Zusammenspiel aller Stoffe, Kräfte und Wirkungen, das zu einem stabilen oder instabilen Gleichgewicht führt, das gesund oder nicht gesund ist. Und was für den einen ein zu hoher Wert ist, mag für den anderen viel zu niedrig sein. Und so wird auch ein und dieselbe Urlaubsart für jeden wieder einen völlig anderen Erholungswert besitzen. Je nach der individuellen Konstitution [körperlichen Verfassung]. Dem einen bringt ein Hobby Entspannung und ein Flirt strengt ihn an. Ein anderer lässt sich von seinem Hobby tyrannisieren, während der Flirt für ihn ein wichtiges Erfolgserlebnis ist ... [AA] Vester: Phänomen Stress 1997, S.272 Rat suchen - Illusion der Gewissheit >>>

"Das vegetative System wird vom vegetativen Nervensystem [VNS] mit seinen Hauptkomponenten Nervus Sympathikus und Nervus Vagus (auch Nervus Parasympathikus genannt) kontrolliert. Die vegetative Regulation, die gemeinsam mit der hormonellen Regulation das Gleichgewicht des gesamten inneren Milieus eines Körpers (Homöostase) aufrecht erhält, ist faktisch das Ergebnis der "antagonistisch-synergistischen Funktionen" von Sympathikus und Vagus [Parasympathikus]. Diese regulative "Gegenspielerfunktion" beider Nerven besteht darin, dass der Sympathikus größtenteils aktiviert und der Vagus [Parasympathikus] deaktiviert. Beispielsweise bewirkt der Sympathikus eine Erhöhung des Blutdrucks RR⇑, der Vagus [Parasympathikus] hingegen eine Senkung RR⇓ (Tabelle 5-3)

Das vegetative Nervensystem [VNS] steht über dem Hypothalamus [Teil des Zwischenhirns] und über dem limbischen System [emotionales Gehirn] mit neurokortikalen Funktionen in Wechselbeziehung. Dieser Komplex von Zentralnervensystem [ZNS] und vegetativem Nervensystem [VNS] bis hin zur extrazellurlären Matrix [ECM, Interstitium, "Grundsystem" n. Alfred Pischinger (1899-1983) Wien; und PGSS (Perineurales Gleichstrom Steuerungs-System = Neuroglia + Schwann'sche Zellen) n. Robert O. Becker (1923-2008) 1994] wird als "Neurovegetativum" bezeichnet ... Das vegetative Nervensystem ist im Organismus ubiquitär verteilt. Es unterliegt der Kontrolle des Zentralnervensystems [ZNS] - seine Nervenfasern (Axone) enden auch frei in der extrazellulären Matrix [ECM], wo sie als "Synapse auf Distanz" funktionieren. In Folge dessen finden sich in der extrazellulären Matrix auch alle wesentlichen Transmitter [Botenstoffe] ... Das vegetative Nervensystem unterliegt einer rhythmischen Hierarchie und folgt insbesondere auch dem circadianen Rhythmus [Chronobiologie].



Tabelle 5-3: Beispiele zur Regulation der Homöostase/-dynamik durch das vegetative Nervensystem.
Wirkung der beiden "Gegenspieler" Nervus Sympathikus und Nervus Vagus (Parasympathikus)
auf verschiedene Organe.

Nicht immer befinden sich bei allen Menschen die beiden Komponenten des vegetativen Regulationssystems Sympathikus und Parasympathikus im vollständigen Gleichgewicht. Es gibt Menschen, bei denen konstitutionell der Sympathikus - bei anderen der Parasympathikus - (Vagus-)tonus überwiegt, ohne dass Krankhaftigkeit vorliegt. So werden folgende vegetative Reaktionstypen unterschieden: NORMOTONIKER (Indifferente), VAGOTONIKER, SYMPATHIKOTONIKER und AMPHOTONIKER (nach beiden Seiten neigenden). "Der VAGOTONIKER hat den Vorteil, dass er bei Anforderungen und Belastungen einen größeren Regulationsbereich als der Sympathikotoniker besitzt und unter Stresseinfluss adaptationsfähiger ist. Manchmal benötigt er sogar Stress, um sein Aktivierungsniveau auf ein "normales Niveau" zu bringen. Der SYMPTAHIKOTONIKER wird gewöhnlich als stressempfindlich eingeschätzt." [August Wilhelm von Eiff (1921-1998), dtsch. Internist, Forschungsschwerpunkte: VNS, Psychosomatik, Stresswirkung, Bluthochdruck]

Am Beispiel der ["natürlichen"] Stressreaktion soll die Reaktivität des vegetativen Systems in Abhängigkeit von der vegetativen Individualität [physiologische vegetative Regulationstendenzen: Sympathikotoniker (Sp>Ps), Vagotoniker (Ps>Sp), Amphotoniker (Sp<->Ps), Normotoniker (Sp~Ps)] aufgezeigt werden. Prof. Dr. Hans Siedeck [1908-1999, Innere Medizin] beschrieb [Wien 1955] den vegetativen Dreitakt beim Stress und unterschied in drei verschiedenen Phasen. Die [ergotrope sympathikotone] Alarmphase als Hauptphase des Stressgeschens geht mit einem steilen Anstieg der Aktivität der Sympathikusfunktion einher, d.h. es treten gesteigerte Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen auf. Danach folgt eine [trophotrope parasympathikotone] Erholungsphase. Sie geht einher mit dem Abklingen der Erregung der Sympathikusfunktion. Durch Einfluss des Parasympathikus kommt es zur Ruhestellung und zum Übergang in die Ausgangslage [parasympathikotone Vorphase, "Ruhe vor dem Sturm"]. Dieser Dreitakt des Vegetativums unter Stresseinfluss garantiert nach Siedeck eine ökonomische Arbeitsweise des Organismus und bewerkstelligt auf diese Weise die Adaptation ... Somit ist ein vegetativer Dreiphasenablauf ein Krierium für den Gesundheitszustand des Menschen bzw. für den Abschluss eines Krankheitszustands oder für den Therapieeffekt. Diese Erkenntnisse fanden bisher in der medizinischen Diagnostik noch keine Beachtung"
[S.108, 110]



Abb. 5-3: Der vegetative Dreitakt des Stresses nach Siedeck:
Bei gehäuftem und verstärktem Stressoreneinfluss kann
die Erholungsphase aufgeschoben werden

Dieser [physiologische vegetative Reaktions-] Vorgang kann pathologisch entgleisen, wenn es bei verstärkten und gehäuften Reizen zur Aufhebung der Erholungsphase kommt. Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen wurde noch deutlich, dass bei Sympathikotonikern und Vagotonikern der vegetative Dreitakt unter Stresseinfluss mit beträchtlichen Unterschieden verläuft [Vester 1976]. Beim Sympathikotoniker fehlt in diesem vegetativen Dreitakt die parasympathische Vorphase und die Erholungsphase verringert sich. Sie wird bei häufigeren Stressreizungen sehr schnell eliminiert. Der Vagotoniker dagegen hat unter Stress eine übersteigerte Vorphase. Die Alarmphase nach Siedeck tritt verspätet auf oder fehlt völlig. Aus den Gesetzmäßigkeiten des Siedeck'schen vegetativen Dreitakts lässt sich erklären, dass bei der chronischen Verlaufsform des Stresses beim Vagotoniker andere pathologische Prozesse verursacht werden als beim Sympathikotoniker. [siehe Tabelle 5-3]

"Für unseren Organismus und seine Anpassungsfähigkeiten hatte sich dabei die technische Entwicklung in gefährlicher Weise überstürzt; viel zu rasch, als dass unsere biologische Natur hätte mithalten können. Denn der menschliche Organismus und seine hormonellen Regulationsprogramme wurden schließlich in den Äonen der Menschheitsgeschichte genetisch verankert und damit praktisch ausschließlich im Rahmen einer völlig anderen Lebensweise. Gegenüber der Entwicklung unserer genetischen Anlagen – inklusive der uns hier beschäftigenden Stressreaktion – haben unsere modernen Technologien, Wirtschaftsformen, Großstädte, kurz alles, was unsere heutige Zivilisation geschaffen hat, nicht im mindesten vergleichbare Ausleseprozesse oder gar eine entsprechende Garantiezeit aufzuweisen.

Man darf sich daher durchaus fragen, was an unserer Zivilisation vielleicht wirklich falsch ist, was für uns nicht taugt. Die Stressreaktion als traditionelle Methode der Anpassung an Umweltreize, Umweltgefahren und Umweltänderungen scheint zwar angesichts der psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen der modernen Gesellschaft für den Menschen nicht mehr brauchbar zu sein, andererseits können wir jedoch unser Genprogramm nicht sinnvoll ändern.

Wir sahen schon, dass dieses Dilemma nur eine einzige Konsequenz haben kann: Wir dürfen nicht die menschliche Struktur in eine zunehmende naturwidrige Welt hineinpressen, sondern müssen unsere technische Umwelt und unsere Lebensweise den eingeborenen biologischen Gegebenheiten anpassen. Hier muss eine Langzeitplanung einsetzen, die mit allen Lebensbereichen abgestimmt ist und die … für den Berufsstress, nun auch bei Familie, Alter, Erholung, Erziehung und so weiter in gleicher Weise ansetzen muss wie bei der Arbeit.

Die Anpassung unserer Zivilisation an die biologischen Gegebenheiten heißt durchaus nicht: zurück zur Primitivität, zurück zur Steinzeit. Selbstverständlich müssen wir immer entsprechende Hilfstechniken einsetzen; denn wir sind zu schwach, um uns bei der heutigen Bevölkerungszahl ohne Technik auf diesem Planeten behaupten zu können. Aber Technik an sich kann ja etwas Wunderschönes sein. Auch die belebte Natur nutzt, wie eben betont, Technologien aller Art. Die Schwierigkeiten (und auch das Schöne unseres Menschseins) liegen einfach in unserer Doppelnatur. Nämlich darin, dass wir zum einen voll und ganz als biologische Wesen in der Natur verhaftet sind und doch gleichzeitig aufgrund unserer auffallenden Unvollkommenheit und Unfixierbarkeit (zumindest gegenüber den so vollkommenen und spezialisierten Tieren) darauf angewiesen sind, uns von der Natur zu befreien ...

Vielleicht ist es der wachsende Stress, von unserer hochtechnisierten Zivilisation erzeugt, der uns am ehesten zur Besinnung bringt und uns hilft, all das zu ändern, was inzwischen gegen die ewigen Gesetze des Lebens, gegen die Gesetze überlebensfähiger (biokybernetisch vernetzter) Systeme verstößt.




Distress induzierte Krankheitsbilder beim "Sympathikotoniker" (links) und "Vagotoniker" (rechts) pdf >>>
Aus [AA] Frederik Vester: "Phänomen Stress" 1996, S.66/67


Nun, was ist eigentlich Stress?
Dieser längst zum Schlagwort gewordene Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich ANSPANNUNG, VERZERRUNG, VERBIEGUNG, vor allem auf dem Gebiet der Materialprüfung, etwa von Metallen und Glas. In der Biologie wurde es 1950 von dem ungarisch-kanadischen Mediziner Hans Selye (1907-1982) [BB] eingeführt, wo etwas sehr Ähnliches damit gemeint ist: nämlich
die Belastungen, Anstrengungen und Ärgernisse, denen ein Lebewesen täglich durch Lärm, Hetze, Frustrationen, Schmerz, Existenzangst und vieles andere ausgesetzt ist. Kurz, ebenfalls Anspannungen, Verzerrungen und Anpassungszwänge, bei denen man seelisch und körperlich unter Druck steht. Damit kommt dem Begriff Stress [BB], der etwa seit 1970 in unseren allgemeinen Sprachgebrauch Eingang fand, zunächst etwas eindeutig Negatives zu. Stress bedroht die Gesundheit, das Wohlbefinden, man scheut und fürchtet ihn als Überanstrengung, als Überbelastung. Gleichzeitig scheint er ein unvermeidbares Problem zu sein, mit dem wir in unserer modernen Zivilisation ununterbrochen konfrontiert werden, ja, in dosierter Form scheinen wir ihn sogar zu brauchen. Diese (Stress-) Zweideutigkeit seiner positiven und negativen Wirkung ließ dann auch bald Begriffe wie EUSTRESS (anregender Stress, "Leistungsstress" positive Stimulation) und DISTRESS (negativer, überlastender, pathologischer, zerstörender Stress, "Konfliktstress") entstehen, um den unterschiedlichen Reaktionen eines Lebewesens gerecht zu werden, die gleichwohl auf demselben Mechanismus basieren. Doch hier liegt bereits eine Herausforderung: nämlich mit dem Stress fertig zu werden, mit oder trotz Stress leben zu lernen. Denn so wie heute leben wir trotz allen Fortschritts keineswegs in der besten aller Welten

Stress … ist ein lebenswichtiger Vorgang, der seit Urzeiten untrennbar mit dem Leben verbunden ist. Stress ist also von Haus aus zunächst etwas ganz Natürliches, ein seit Millionen Jahren in allen höheren Tierarten und auch im Menschen eingebauter ["automatisch" ablaufender Warn-, Schutz-, Notfall-] Verteidigungsmechanismus. Bei Gefahr mobilisiert er in Sekundenschnelle alle Energiereserven für eine extreme Muskelleistung [Wettkampf, Jagd, Angriff, (Berufs-, Konkurrenz-, Existenz-) Kampf, Flucht usw.]. Er dient so zur blitzschnellen Vorbereitung auf Flucht oder Angriff. Auslöser sind dabei ganz bestimmte Alarmsignale aus der Umwelt. Zum Beispiel eine rasche Bewegung, ein Schatten, ein ungewöhnliches Geräusch, ein Schmerz oder der plötzliche Anblick eines Feindes (Angst). In all diesen Fällen ist ein biologisch verankerter Mechanismus am Werk, seit langem tief in uns einprogrammiert: im vorgeschichtlichen Menschen, dem Jäger und Sammler der Steinzeit [vor ca. 2,6 Millionen Jahren!] ...

Wenn der Stressmechanismus und seine Folgen also ursprünglich sehr nützlich sind, so liegt doch der große Unterschied [zu den Jägern und Sammlern der Steinzeit] zu unserer heutigen Stresssituation darin, dass es sich nicht mehr wie in alten Zeiten oder wie in der freien Wildbahn um einen kurzen Alarmzustand handelt, um eine vorübergehende Notbereitschaft mit langen Erholungs- und Entspannungsphasen dazwischen, sondern immer mehr um einen DAUERALARM ["Entartung des lebensrettenden Warn-, Schutz-, Notfall-, Verteidigungsmechanismus = Eustress"], um ein wahres TROMMELFEUER VON UMWELTREIZEN, um einen ZUSTAND STÄNDIGER und IMMER NEUER ERREGUNG.

Die Stressreize, die so genannten
DAUER-/STRESSOREN [Für den Körper ist es völlig egal, ob die stressauslösenden Reize materieller Art sind (Schmerzen durch eine Verletzung, Fraktur oder Verbrennung), oder ob sie aus psycho-sozialen Konflikten stammen. Z.B.: physikalischer-, akustischer Stress: chronischer Lärm; Luft- u. Umweltverschmutzung, allgemeine Hektik, optischer Stress (Bildschirmarbeit, Fernsehen usw.), sozialer Dichtestress: chronischer Raum- u. Platzmangel durch Übervölkerung - Überschreiten der "kritischen Räume" (Dichteschwellen, -grenzen) n. Wilhelm Schäfer (1912-1981), Isolationsstress ("Soziale Vereinsamung", Langeweile, Gefühl überflüssig zu sein, Mangel an körperlichen u. psycho-sozio-emotinalen Kontakten, Wohnsilos, Heime, Altersheime, Gefängnisse ect.), täglicher Konflikte-, Verhaltens-, Angst-, Informations-, Gedanken-, psychischer Stress: familiäre u. /o berufliche Konfliktsituationen, Zeit- u./o. Terminterror-, -druck, wirtschaftliche Unsicherheit, Existenzangst, Angst vor Veränderung, Konfrontation mit dem Unbekannten, chronische Sorgen, chronischer Streit usw.] haben nicht zuletzt durch unsere zunehmende Bevölkerungsdichte sowohl an Zahl als auch an Stärke und Dauer so zugenommen, dass die Anpassungsfähigkeit unseres Organismus überfordert [Adaptationssyndrom = Allgemeines Anpassungssyndrom (AAS) n. Hans Selye: Alarmreaktion, Widerstandsstadium, Erschöpfungsphase] wird. Die Erholungsphasen werden immer kürzer, die Spannung summiert [eigentlich potenziert] sich und lässt unsere körperlichen und seelischen Funktionen kaum mehr zur Ruhe kommen ...

Als Gesamtfolge der nicht abgebauten Stressreaktionen erscheint damit ein eindrucksvolles Krankheitspaket, von dem sich jeder das seinem vegetativen Reaktions-/Konstitutionstyp (siehe oben) entsprechende aussuchen kann: Herz- und Gefäßerkrankungen [Arterienverkalkung, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck] Thromboseneigung, Denkblockaden, verminderte Immunabwehr und dadurch Infektionsanfälligkeit, Stofwechselstörungen, Ulcus Colitis [Magen- u. Darmgeschwüre], Konzentrationsschwäche, gestaute Aggressionen, Neurosen, Asthma und erhöhte Krebsdisposition ...

Schon viel ist geholfen, wenn wir uns den einen kleinen Punkt klarmachen, dass der so gefürchtete Stress nicht gleich Anstrengung (Leistung) ist - ein verbreiteter Irrtum in der Volksmeinung ... Denn durch den so genannten "Stress", wie er durch reine Anstrengung entsteht, werden auch bis zur Leistungsgrenze kaum Schäden verursacht. Hier baut der Mensch eben die mobiliserte Energie [durch die Bewegung] gleich wieder ab. In völliger BEWEGUNGSLOSIGKEIT dagegen, zum Beispiel, wenn er aggressiv hinter dem Lenkrad sitzt oder wenn er vor dem Fernsehschirm aufgeregt einen Krimi verfolgt [Dominanz von "Scheinbewegungen" im beruflichen und freizeitlichen Alltag], dann ist es mit dem Abbauen aus, und die Belastung des Körpers beginnt. Hans Selye nennt diese Verzerrung des Stressmechanismus daher auch nicht gerne Stress, sondern DISTRESS, also verkehrten, falschen Stress ("Konfliktstress"). Denn genau das, was auf der einen Seite heute unserem Körper solche Schwierigkeiten macht und uns auch seelisch belastet, ist lediglich eine pervertierte Form des gleichen uralten Regulationsmechanismus, der Mensch und Tier über Millionen Jahre überleben ließ ...

Claude Bouchard, Roy J. Shephard, Thomas Stephens, John R. Sutton: "Exercise, Fitness, and Health: A Consensus of Current Knowledge" Human Kinetics Publishers 1990
Agathocles Tsatsoulis, Stelios Fountoulakis: "The protective role of exercise on stress system dysregulation and comorbidities" Ann N Y Acad Sci. 2006 Nov;1083:196-213
James F. Fries: "Aging, natural death, and the compression of morbidity" Bull World Health Organ 2002; 80(3): 245–250, www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2567746/pdf/11984612.pdf
Eliza F. Chakravarty, Helen B. Hubert, Vijaya B. Lingala, James F. Fries: "Reduced Disability and Mortality Among Aging Runners - A 21-Year Longitudinal Study"Arch Intern Med. 2008 Aug 11;168(15):1638-46. http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.500.9705&rep=rep1&type=pdf
Xuemei Sui, Michael J. LaMonte, James N. Laditka, James W. Hardin, Nancy Chase, Steven P. Hooker, Steven N. Blair: "Cardiorespiratory Fitness and Adiposity as Mortality Predictors in Older Adults"
JAMA. 2007 Dec 5; 298(21): 2507–2516
Jörg Blech: „Die Heilkraft der Bewegung - Wie Sie Krankheiten besiegen und Ihr Leben verlängern“ FISCHER 2014 überarbeitete Neuauflage des Titels „Heilen mit Bewegung“ 2007 ("Healing through Exercise: Scientifically-Proven Ways to Prevent and Overcome Illness and Lengthen Your Life: How Exercise Can Cure Illness and Lengthen Your Life" Da Capo Lifelong Books 2009)

Unser Gehirn besitzt zwei neuronale Stresssysteme – zusätzlich zum „klassischen“ Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-System HHN-System ... - ein zweites Stresssystem [das Default Mode Network = DMN-System, „Ruhezustandsnetzwerk“, „Unruhestresssystem“, „Reiz- und Gefahrensuchsystem“, „Auf der Hut sein“, „Auf dem Sprung sein“; n. Marcus E. Raichle et al. 2001], das nicht dann aktiv wird, wenn konkrete Aufgaben zu erledigen sind, sondern dann, wenn eine diffuse, breite und zugleich flache Wachsamkeit gefordert ist. Es handelt sich um ein Reiz- und Gefahrensuchsystem, welches in der Fachliteratur [fälschlicherweise] als „Default Mode Network“ (DMN) [„abgeschalteter Zustand des Gehirns“, "Ruhezustandsnetzwerk"] bezeichnet wird.
Die Forscher kamen diesem System auf die Spur, als sie sich erstmals dafür interessierten, was das Gehirn eigentlich tut, wenn es scheinbar nichts tut. Die Antwort lautet: Wenn uns keine konkreten Aufgaben fordern, schaltet unser Gehirn in einen Zustand der unspezifischen Wachsamkeit. In diesem Zustand achtet das Gehirn auf eine breite Palette von möglichen Reizen, die völlig planlos entweder aus dem eigenen Inneren oder aus der Außenwelt kommen könnten. Reize, die uns im Zustand des Nichtstuns aus dem eigenen Inneren erreichen, sind (überwiegend sorgenvolle) Gedanken über das, was wir erlebt haben oder was noch auf uns zukommen könnte. Die Wachsamkeit gegenüber Reizen aus der Außenwelt dient der Wahrnehmung von möglichen, aber noch unbekannten Gefahren.

Bei diesem neu entdeckten „Unruhe-Stresssystem“ [Default Mode Network-, DMN-System] geht es also nicht um die Bewältigung einer konkreten, bereits erkennbaren Gefahr (in diesem Falle würde das „klassische“ Stresssystem - HHN-System aktiv werden), sondern um
diffuse Wachsamkeit gegenüber einer möglichen Herausforderung, von der unklar ist, ob sie überhaupt eintritt und von der man nicht weiß, welcher Art sie sein könnte. Die Existenz eines auf Reiz- und Gefahrensuche spezialisierten Systems in unserem Gehirn ist evolutionär sinnvoll: Über Jahrmillionen lebten die evolutionären Vorfahren des Menschen in der Savanne [den weiten Ebenen] und anderen gefährlichen, weil mit Raubtieren besiedelten Biotopen [Lebensräumen]. Auch dann, wenn unsere Vorfahren keiner konkreten Tätigkeit nachzugehen hatten, war eines doch immer zu tun: wachsam zu sein und auf potenzielle Gefahren zu achten. Immer musste mit etwas Unangenehmen gerechnet werden, von dem man aber nicht wusste, ob es sich überhaupt zeigen und gegebenenfalls welcher Art es sein würde.

Eine ganz ähnliche Situation bietet sich heute an vielen Arbeitsplätzen - sog. „Multitasking“: Die gleichzeitige Beschäftigung mit mehreren Dingen, mit dem E-Mail-Account, mit dem Handy, mit dem Internet, mit der zu alledem oft mitlaufenden Musik und die breite Aufmerksamkeit, die viele Internetspiele erfordern -, wo es nicht mehr darum geht, sich auf eine bestimmte Sache – ähnlich wie ein Handwerker auf die Bearbeitung seines Werkstückes – zu konzentrieren und die Arbeit gut zu machen, sondern immer auf dem Sprung zu sein für etwas, von dem man aber noch nicht weiß, was es konkret sein wird. Volle Konzentration auf eine bestimmte Sache könnte hier nur schaden. Dies ist der Grund, warum der Berliner Philosoph Byung-Chul Han so recht hatte, als er die Situation von Erwerbstätigen an vielen modernen Arbeitsplätzen mit der Situation wilder Tiere in der freien Wildbahn verglich ...
Wir sollten die kostbare Zeit unseres Privatlebens nutzen, möglichst oft zu fokussieren: auf ein Buch, ein Brettspiel, das Spiel mit einem Kind, auf das Spielen eines Musikinstruments, auf Musik oder auf ein Gespräch. Auch der Sport bietet solche Fokussierungsmöglichkeiten, zum Beispiel beim Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Yoga. Sobald wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren, schaltet sich das Unruhe-Stresssystem ab ...
Die Arbeit muss an den Menschen angepasst sein, nicht umgekehrt ..." Aus: Joachim Bauer: „Arbeit – Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht“ 2 Arbeit trifft Gehirn: Die neurobiologische Klaviatur der Arbeit. Das "klassische" Stresssystem. Die Bedeutung der individuellen Bewertung von Stress S.42, Das „Unruhe-Stresssystem“ (Default Mode Network) S.44f; 7 Personale, betriebliche und politische Perspektiven und die Bedeutung der Erziehung. Innere Einstellung und Verhalten am Arbeitsplatz S.180 Karl Blessing Verlag 1. Auflage 2013

Unsere moderne Berufsstruktur ist jedoch so kompliziert geworden, dass man das Ergebnis nur noch selten so wie ein Handwerker vorweisen kann. Den beruflichen Erfolg kann der Mann heute also fast nur noch indirekt durch die Höhe des Einkommens, ja oft erst durch eine Gehaltsaufbesserung – nicht einmal durch das Gehalt selbst – demonstrieren. Es zählt nicht mehr das, was man in der Arbeit geleistet hat, sondern in erster Linie die durch die Arbeit gewonnene erhöhte KAUFKRAFT. Der Scheck im Pelzgeschäft, die Automarke, all das, was man sich leisten kann. So entsteht dann die Sucht, immer mehr zu verdienen. Die Folge des finanziellen Aufstiegs ist weiterer Zwang zum beruflichen Fortkommen bis zur Grenze der geistigen Begabung und Anpassungsfähigkeit. Doch das heißt mehr leisten, mehr Verantwortung, Angst zu versagen, steigender Stress ...

Stress braucht Urlaub, Arbeit nicht – Halten wir also noch einmal grundsätzlich fest, dass das Verlangen nach Urlaub und Erholung eine ausgesprochene Zivilisationsfolge ist, die nicht durch normale körperliche Arbeit entsteht, sondern durch die gewaltige Reizüberflutung und Stressbelastung unserer Zivilisationsgesellschaft.

"Urlaubsbedürftig, urlaubsreif wird man nicht durch die Arbeit (sinnvolles Schaffen), sondern durch die zivilisationsbedingte Lebensweise. Die Ursachen der Erholungsbedürftigkeit sind falsche Lebens-, Verhaltens- und Haltungsweisen, wie sie vor allem die Verstädterung mit sich bringt (Alltagszwänge, Verhaltensdruck, Hast, Eile, Umweltverschmutzung)." Prof. Dr. med. Anton M. Hittmair (1892-1986) Ordinarius für Innere Medizin UNI Innsbruck. Anton M. Hittmair: „Wann ist man urlaubsreif“ Die Kapsel (Zschr. d. R.P. Scherer GmbH) 19, 616 (1966)

Damit ist klar, dass wir in keinem Fall URLAUB als Faulenzen verstehen dürfen, sondern versuchen sollten, die gerade im Anfang des Urlaubs nicht ausbleibenden typischen URLAUBSSTRESSOREN wie mangelndes Erfolgserlebnis, beginnende Frustration, Nervosität, Lebensangst und so weiter durch
BEWEGUNG umzusetzen. Erscheint uns körperliche Tätigkeit – und seien es nur Treppensteigen oder ein Lauf an frischer Luft – nach psychischer Erschöpfung und einem gestressten Tag zu anstrengend, dann sollten wir sie eben nicht als Anstrengung ansehen, sondern als AUSTOBEN angestauter Verspannungen. Vielfach kann uns schon allein diese gedankliche Umdeutung plötzlich Lust dazu verschaffen. Abgesehen davon, dass BEWEGUNG für das Training von Herz und Gefäßen unerlässlich ist, werden wir überrascht sein, wie schnell uns ein kräftiges Rennen, ein Nachlaufspielen mit unseren Kindern, das Erklettern eines hohen Baumes von unseren Ängsten befreit – und uns nicht zuletzt durch die körperliche Ermüdung in einen erquickenden Schlaf fallen lässt …" [AA] Vester: Phänomen Stress 1997 S.15, 19, 24, 46, 49f, 146, 153, 220, 260


Blitzschnell bereit - für kurze Zeit: Folgen von kurz- (Eu-) und langfristigem (Di-) Stress pdf >>>
Prof. Dr. Ulrike Ehlert Psychologisches Institut – Klinische Psychologie u. Psychotherapie Uni Zürich
www.psychologie.uzh.ch/fachrichtungen/klipsypt/team/ulrikeehlert.html


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Abb. 5-4: Veränderungen des vegetativen Dreitakts des Stresses in Abhängigkeit
von den extrem vegetativen Reaktionslagen (Sympathikotonus und Vagotonus)


Stressabbau/-vermeidung - Die Biologie der entstressenden Bewegung - MUSKELAKTIVITÄT - körperliches Training - BEWEGUNGSARMUT - fehlender Stressabbau
Leider scheuen wir gerade dann, wenn wir gestresst sind, die körperliche Anstrengung, die wir ja irrtümlich so oft mit Stress gleichsetzen, und kommen dann zu einem ganz falschen Verhalten, verharren in Bewegungslosigkeit, statt einfach loszurennen. Doch die Anstrengung, von der wir uns erholen müssen, die wir im Beruf erlitten haben, ist nicht körperlicher, sondern [neurovegetativer] nervlicher Art. Die ständigen optischen Reize des Alltags, Scheinbewegungen wie das Autofahren, gaukeln uns nur körperliche Bewegung vor, und aus einem reinen Missverständnis heraus glauben wir, unser Bewegungssoll erfüllt zu haben ...

Was bringt nun die MUSKELAKTIVITÄT ("sinnvolle, individuell angepaßte Bewegung im Alltag"), was bringt körperliches Training für die Biologie unseres Organismus? Dazu brauchen wir nur … die Nachteile der Bewegungsarmut umzukehren: Die Muskulatur wird besser durchblutet, die abgelagerten Stoffwechselprodukte werden rascher abtransportiert, die Gefäße erweitern sich, neue und Reservegefäße bilden sich aus, Herzarbeit und Atmung werden ökonomischer, das Blut in den Arterien und Venen zirkuliert besser, die Sauerstoffversorgung aller Organe einschließlich des Gehirns (!) steigt an. Durch die Nahrung aufgenommene Kalorien werden durch die allgemeine Stoffwechselmobilisierung rascher verbrannt, das Körperfett reduziert sich, die Blutgerinnungsbereitschaft nimmt ab. Mit einem Satz, all das passiert, was der natürlichen Abreaktion des Stress dient und seine schädlichen Auswirkungen eindämmt.

Für die beiden Stresstypen [2-gegensätzlichen vegetativen Reaktionstypen] heißt das folgendes: Beim Sympathikotoniker wird alles, was den Sympathikus erregt hat, mehr oder weniger neutralisiert. Das vegetative Gleichgewicht, durch den Daueralarm permanent in die [ergotrope] Sympathikusphase des Stressgeschehens verlagert, wird wiederhergestellt, die vom Vagus beherrschte [trophotrope] Erholungsphase kann sich wieder einschalten. Beim Vagotoniker bewirkt ein dosiertes Körpertraining eine günstige Umstimmung, indem das starke Überwiegen des Parasympathikus [Vagus] ausgeglichen wird und die Gefahr der für den Vagotoniker typischen Krankheiten wie Magengeschwüre, Darmkrämpfe und kollapsartige Zustände vermindert wird.


Für beide Konstitutionstypen bedeutet nicht zuletzt das mit solchen Tätikeiten ("individuell angepasster Körperaktivität") verbundene ERFOLGSERLEBNIS einen zusätzlichen Antistress-Impuls. Schon allein der Erfolg, sich zu solchen Übungen und Tätigkeiten durchgerungen – und vielleicht sogar etwas Übergewicht verloren zu haben, bedeutet eine Verstärkung der mit den Sexualhormonen zusammenhängenden positiven Seiten unserer psycho-hormonellen Struktur. Genauso wie ja umgekehrt ständige Frustrationserlebnisse oder das Gefühl, nichts gegen die täglichen Belastungen zu tun (Bewegungsmangel, Lärm, Isolation, Monotonie, Sinnlosigkeit, mangelndes Erfolgserlebnis, Frustation u.a.) zusätzliche psychische Stressoren sind, die, sobald sie uns ins Bewusstsein dringen, den bestehenden Stressphasen weitere hinzufügen ..
.

Bei der Suche nach dem, was uns heutzutage so übermäßig belastet, machen wir es uns daher sicher zu leicht, wenn wir der
ARBEIT die meiste Schuld geben und irrtümlicherweise glauben, mit mehr Freizeit und Urlaub sei es getan. Denn das Arbeiten selbst ist das allergeringste Risiko für jene stressbedingten Herz-Kreislaufstörungen. Das zeigen die niedrigen Zahlen bei den "Freiberuflichen", die im Allgemeinen weit mehr als die Üblichen 40-Stunden-Woche arbeiten, dafür aber ihre
ERFÜLLUNG AM ARBEITSPLATZ finden. Diese Erfüllung am Arbeitsplatz, die Einsicht in den Sinn der Arbeit, das Gefühl, ganz gleich auf welcher Stufe etwas Wertvolles und Nützliches geleistet zu haben, sind ERFOLGSERLEBNISSE, welche weit mehr wiegen als das Gefühl, eine bestimmte, im Grunde ja immer nur relative Sprosse auf irgend einer beruflichen Leiter erreicht zu haben, und sie bringen auch weit mehr Freude, Gesundheit und Erholung, als es je von verkürzter Arbeitszeit oder von der Freizeit allein erwartet werden kann ...

Nein sagen können heißt, sich nicht von allem verlocken lassen, nicht alles mit sich machen lassen, wenn es einem nicht entspricht. Viele Menschen haben jedoch
Angst und Hemmungen, falsche Anforderungen der Umwelt zurückzuweisen, oder sie neigen aus Trägheit dazu, einfach alles zu akzeptieren. Diese Haltung lässt frühzeitig altern und macht zum seelischen Krüppel. Es beginnt damit, den Mumm (Mut) zu haben, eine Zigarette abzulehnen, ein Glas Whiskey abzulehnen, zu sagen, dass man dieses oder jenes nicht kann. So etwas befreit, entspannt und macht einen stark, dann vielleicht auch einmal eine Beförderung auf einen Posten abzulehnen, der einem nicht entspricht und einen kaputtmachen würde ..." [AA] Vester: Phänomen Stress 1997, S.188, 191f, 249

Aus: Karl Hecht (Prof. em. für Neurophysiologie u. für experimentelle und klinische pathologische Physiologie der Charite, Humboldt Universität Berlin; b, 1924), Elena Hecht-Savoley (b.1934, russische Diplomphilosophin, -pädagogin): „Kompendium Naturmineralien – Regulation – Gesundheit – Urmineral Silizium – Natur-Klinoptilolith-Zeolith und andere Naturwirkstoffe – Antworten auf aktuelle Fragen zum wissenschaftlichen therapeutischen Handeln“ IFGÖT-Reihe Band 1. 5 Grundfunktionen der vegetativen Regulation und der extrazellulären Matrix. 5.5 Zum vegetativen Nervensystem + Tabelle 5.3 [bearbeitet]: Beispiele zur Regulation der Homöostase durch das vegetative Nervensystem. Wirkung der beiden "Gegenspieler" Nervus Sympathikus und Nervus Vagus (Parasympathikus) auf verschiedene Organe. Seite 77-80. 5.6 Individualität des vegetativen Regulationssystems Seite 80. 5.7 Der vegetative reaktive Dreitakt des Stresses [Hans Siedeck, 1955 Wien] + Abb. 5-3 [bearbeitet]: Der vegetative Dreitakt des Stresses nach Siedeck: Bei gehäuftem und verstärktem Stressoreneinfluss kann die Erholungsphase aufgeschoben werden + Abb. 5-4 [bearbeitet]: Veränderungen des vegetativen Dreitakts des Stresses in Abhängigkeit von den extrem vegetativen Reaktionslagen (Sympathikotonus und Vagotonus) Seite 80-82. 6.6 Vegetative Umschaltungsprozesse und pathophysiologische Aspekte bei chronischen Erkrankungen Seie 108 SCHIBRI-Verlag 2008 [1] Aus: www.beobachter.ch/leben-gesundheit/medizin-krankheit/artikel/stress-und-koerpersymptome_koerper-im-alarmzustand
Hans Siedeck (1955): "Über die zeitlichen Verhältnisse der phasenförmigen Reizbeantwortung nach Pyrogeninjektion" V. Neurovegetatives Symposion In Wien. Erster Tag (30. August 1954) Acta Neurovegetativa March 1955, Volume 11, Issue 1, pp 94-99
[AA] Frederic Vester (1925-2003, dtsch. Biochemiker, Systemforscher, Umweltexperte): "Phänomen Stress: Wo liegt sein Ursprung, warum ist er lebenswichtig, wodurch ist er entartet?" 1 Menschendichte und Verkehr. Die Entartung eines lebensrettenden Mechanismus. Stress ist nicht gleich Anstrengung S. 15 u. 19. Von der Notbereitschaft zum Daueralarm S. 24. Stress und Organismus. Fünf Krankheitsfolgen der entarteten Stressreaktion S. 46. Der Krankheitszoll des "Distress" S.49f. 3 Berufsstress – Technik, Lärm, Bewegung. Technik und Bionik. Zivilisation ohne Garantiezeit S.146f. Der Organismus als vertrauter Start für neues Planen S153. Eine Welt voller Scheinbewegung. Biologie der entstressenden Bewegung S. 188, Arbeitsbedingungen, die Milliarden sparen. Die Neinsage-Therapie S.191f. 4. Familie und Zusammenleben. Umwelt, Hormone und Krankheit. Familie und Herzinfarkt S. 220. 5 Urlaub und Erholung. Arbeitsflucht, Freizeitpathologie und das vegetative System S.250.Urlaub als Zivilisationserscheinung. Stress braucht Urlaub, Arbeit nicht S.260. Urlaub und Typenvielfalt. Es gibt keine medizinische Norm S. 272. dtv 1998 (1976)
[BB] Hans Selye (1907 Wien-1982 Montreal, Kanada): „Stress beherrscht unser Leben – Das Standardwerk des Pioniers der Stressforschung“ (The Stress of Life 1956) HEYNE 1991 (1957), „Stress - Bewältigung und Lebensgewinn“ PIPER 1974, „Einführung in die Lehre vom Adaptationssyndrom“ (The Story of the Adaptation Syndrome) THIEME 1953
Ludger Rensing, Michael Koch, Bernhard Rippe, Volkhard Rippe: „Mensch im Stress: Psyche, Körper, Moleküle“ Softcoverausgabe SPRINGER Spektrum 2013 (2005) [Meine Ergänzungen]
Robert O. Becker (1923-2008, US-amerikanischer Orthopäde,Spezialist für Elektrotherapie, Prof. an Upstate Medical Center der State University of New York, Medical Center der Louisiana State University): "Der Funke des Lebens - Heilkraft und Gefahren der Elektrizität" (Cross Currents 1990) PIPER 1994, "Heilkraft und Gefahren der Elektrizität – Die Chancen der Energiemedizin und die Gefahren des Elektrosmog" SCHERZ 1993
Alfred Pischinger (1899-1983), Hartmut Heine (b.1941), Otto Bergsmann (1922-2004), Felix Perger (1921 -1993): "Das System der Grundregulation – Grundlagen für eine medizinbiologische Theorie der Medizin“ 8. Auflage HAUG 1990 (1975)
Hartmut Heine (b.1941): "Lehrbuch der biologischen Medizin - Grundregulation und Extrazelluläre Matrix" HAUG 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2014 (1991), "Lehrbuch der biologischen Medizin – Grundlagen und Systematik" HIPPOKRATES 1991
Meine "unvollständige" Literaturliste >>>


Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Dörner
(b.1933, Mediziner, Sozialpsychiater, Hamburg) schreibt:
"Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch, rehabilitativ und präventiv manipulierungsbedürftig halten, um „gesund leben“ zu können. Dies gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon ganz gut, im Bereich der psychischen Störungen aber noch besser, zumal es keinen Mangel an Theorien gibt, nach denen fast alle Menschen nicht gesund sind ..." Aus: Klaus Dörner: "Gesundheitssystem - In der Fortschrittsfalle" - Man kann unendlich viel für seine Gesundheit tun. Das hat aber nicht viel, oft sogar gar nichts damit zu tun, ob und in welchem Maße man sich als gesund empfindet - und Letzteres zählt. Aus: Deutsches Ärzteblatt, Jg.99, Heft 38, 20.9.2002 www.aerzteblatt.de/archiv/32976

"Der Arzneimittelexperte Prof. Dr. med. Peter Sawicki [b.1957, Internist, Diabetologe], ehemals Leiter des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), hat die Studien zum Cholesterin überprüft.
"Der Effekt der Cholesterinsenkung ist so gut untersucht wie kaum etwas in der Medizin. Man kann sagen, dass gesunde Menschen bezüglich einer Lebensverlängerung nicht davon profitieren. Man kann aber auch sagen, dass Menschen, die einen Herzinfarkt schon hatten oder die eine Herzkranzgefäßerkrankung haben, schon einen Nutzen davon haben; sie leben länger. Es sind aber nicht so viele. Es müssen 100 Menschen behandelt werden, damit 2 länger leben [NNT]. Nur ist auch nicht belegt, dass diese Menschen tatsächlich durch Cholesterinsenkung ihr Leben verlängern. Vielmehr gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Statine, also die Präparate, die das Cholesterin senken, auch an anderen Stellen des Stoffwechsels wirken [pleiotrope Effekte]. Und es könnte gut sein, dass das Cholesterin gar nichts damit zu tun hat." Sein Fazit: "Man hat früher gedacht, das Cholesterin wäre der Hauptbösewicht beim Herzinfarkt. Diese Meinung mussten wir in den letzten Jahren revidieren. Es ist nicht so." Offenbar spielt das Cholesterin im Essen auch gar nicht die wesentliche Rolle: "Es ist nicht belegt, dass die Menge des Cholesterins, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen, tatsächlich ursächlich verantwortlich ist für Erkrankungen. Das meiste Cholesterin [~97% (1)] wird ja in der Leber hergestellt. Und dies bedeutet, dass der Körper Mechanismen besitzt, um sich vor einem Cholesterinmangel zu schützen, weil Cholesterin ja ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil unseres Körpers ist." Cholesterin wird zur Stabilisierung der Zellwand gebraucht und zur Produktion von Hormonen [Sexual-/Nebennierenrinden Hormone], auch bei der Produktion von Vitamin D. Wenn er zu wenig Cholesterin hat, kann der Körper weniger Vitamin D produzieren. Manche Organe enthalten viel Cholesterin, das Herz besteht zu 10% daraus, das Gehirn zu 20%, die Nebennieren bis zu 50%. Der Körper achtet daher sorgfältig und wirksam auf seine Cholesterinwerte. Warum also gegen den Körper kämpfen? Der Heidelberger Arzt und Autor Dr. med. Gunter Frank ("Lizenz zum Essen" Piper 2008) sagt: "Es geht wieder einmal um sehr viel Geld. Der weltweite Umsatz mit Diät-, Margarine- und Fettersatzproduktion ist gigantisch, und medikamentöse Cholesterin-senker sind die umsatzstärksten Medikamente der Welt." Aus: Hans Ulrich Grimm: „Vom Verzehr wird abgeraten. Wie uns die Industrie mit Gesundheitsnahrung krank macht“ Seite 192f DROEMER 2012. Hans Jürgen Holtmeier (1927-2014, Prof.em.Dr., FA f. Innere Medizin, UNI Freiburg, Ernährungsphysiologe Stuttgart): "Cholesterin – Zur Physiologie, Pathophysiologie und Klinik" SPRINGER 1996 [Meine Ergänzungen]

"Wie wär`s mit einem gesundheits-Check? Das ist zurzeit sehr en vogue, vermittelt es doch das gute Gefühl, man könne das Risiko für Herzinfarkte, Krebs oder Schlaganfälle exakt berechnen und durch geeignete Maßnahmen umgehend verringern. Dazu werden verschiedene Risikofaktoren abgefragt, meist beginnend mit Alter und Geschlecht. Und da fängt dann auch schon das Dilemma an, denn die meisten chronischen Krankheiten häufen sich im Alter. Spätestens ab Mitte 50 kassiert der Leser daher automatisch Minuspunkte. Auch sind Männer meist schlechter dran als Frauen, sodass schon das Ankreuzen der Geschlechterfrage bei männlichen Teilnehmern für weitere Negativpunkte auf dem Risiko-Konto sorgt. Sehr beliebt sind auch Fragen wie "Fühlen Sie sich manchmal müde und abgespannt?"oder "Leiden Sie gelegentlich unter Kopfschmerzen?". Bei derart vagen Formulierungen muss man förmlich "ja" ankreuzen - und weitere Risikopunkte sammeln. Folglich findet sich der um seine Gesundheit bemühte Zeitgenosse unversehens in einer Risikogruppe wieder und glaubt, nun dringend etwas für seine Gesundheit tun zu müssen. Damit hat der Fragebogen das Ziel erreicht, denn augenscheinlich geht es bei diesen pseudomedizinischen Tests darum, möglichst vielen Menschen eine bestimmte Diät, Vitaminpillen, L-Carnitin oder gar Hormonpräparate anzudienen.

Besonders pikant:
Britische Forscher fanden heraus, dass sogar die bislang weitgehend akzeptierte Ermittlung des Infarktrisikos anhand verschiedener Risikofaktoren (Framingham Risk Score) das tatsächliche Risiko um 50% überschätzt! [Peter Brindle, Jonathan Emberson, Fiona Lampe, Mary Walker, Peter Whincup, Tom Fahey, Shah Ebrahim: "Predictive accuracy of the Framingham coronary risk score in British men: prospective cohort study". BMJ 327:1267 (2003). "The Framingham equations used in current risk scoring methods over-predict the risk of mortality from coronary heart disease and all fatal and non-fatal coronary heart disease events by 47% and 57%, respectively, compared with observed events in a representative sample of British men. The relative degree of over-prediction was similar at all levels of individual risk."]

Das größte Problem üblicher Checklisten ist jedoch, dass sowohl die Fragen als auch die Bewertung der Antworten von den Vorstellungen der Verfasser über die Ursachen der jeweiligen Erkrankungen geprägt sind. Zum Beispiel von der Vorstellung, dass Fett und Cholesterin unsere Adern verstopfen und so zum Herzinfarkt führen.

Diese Ansicht ist vielen von uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie unser generelles Verständnis von gesunder Ernährung dominiert: fett- und cholesterinarm muss sie sein. Doch damit kann man ganz schön daneben liegen. Kostprobe gefällig?

Dann beantworten Sie doch bitte einmal die folgenden Fragen:
► überschreitet Ihr Cholesterinspiegel die magische Grenze von 200 mg/dl?
► Achten Sie deswegen besonders auf das Fett im Essen?
► Kaufen Sie Magermilchjoghurt und fettarmen Käse?
► Haben Sie Ihr Salatöl schon gegen eine Flasche Light-Dressing ausgetauscht?
► Sind Schweinefleisch und Butter in Ihrem Haus längst tabu?
► Langen Sie dafür bei Kartoffeln, Nudeln und Brot mit gutem Gewissen kräftig zu?


AUSWERTUNG: Wenn Sie diese Fragen überwiegend mit ja beantwortet haben, dann folgen Sie exakt den Empfehlungen vieler Ernährungsberater und Fachgesellschaften zur Verhütung von Herzinfarkt und Schlaganfall - und Sie machen vermutlich alles falsch."
Aus: Ulrike Gonder: „Fett!: Unterhaltsames und Informatives über fette Lügen und mehrfach ungesättigte Versprechungen“ 6 Fette - Krankheiten. Seite 111f. HIRZEL  4.aktualisierte Auflage 2009 (2004)

"Auch heute sind Gesundheitsempfehlungen schon omnipräsent. Sie dringen immer tiefer in unsere Lebenswirklichkeit ein, sei es der Privatbereich, der öffentliche Raum von Supermarkt bis Restaurant oder die Arbeit, Schule und sogar der Kindergarten. Sie zielen immer eindringlicher auf unsere Essenswahl, unsere Freizeitgestaltung und das Einkaufsverhalten.
Sündigen wir, vergehen wir uns an Gesundheit und Gesellschaft. Dies wird uns in immer drastischeren Bildern vermittelt. Infolgedessen gibt es immer mehr Menschen, die andere, die in der Öffentlichkeit gesundheitsschädliches Verhalten zeigen, öffentlich maßregeln. Wenn eine schwangere Frau öffentlich raucht, dann weiß sie, dass ihr Verhalten nicht optimal für ihr Baby ist. Ich finde es auch nicht gut, und wäre sie meine Patientin, würde ich sie in der Sprechstunde darauf ansprechen. Es ist aber dennoch ihr Recht zu rauchen. Genauso wie es ihr Recht ist, einen Sportwagen zu fahren, bergzusteigen, Ski zu fahren, Fußball zu spielen, in einem gefliesten Bad zu duschen oder Holz zu spalten. Auch das sind Tätigkeiten, bei denen man sich potentiellen Gesundheitsgefahren aussetzt. Wer dieses Recht anzweifelt, verlässt den Boden einer lebenswerten, freien Gesellschaft.

Die Raucherin öffentlich anzupöbeln bis hin zu Handgreiflichkeiten, ist aber heute weitgehend akzeptiert und findet sogar Beifall der Umstehenden. Wenn diese Frau dann noch eine Cola in der Hand hält und dabei einen Hamburger verzehrt, droht ihr verbale Lynchjustiz. Doch geht es solchen Kämpfern für eine gesunde Gesellschaft wirklich um die Gesundheit des Babys? Oder suchen sie eher nach einem Grund, sich über andere erheben zu können, um sie zu demütigen?

Seit vor etwa 60 Jahren infolge der Framingham-Studie [Beobachtungsstudie in der Stadt Framingham/Massachusetts/USA, Beginn 1948] ein neuer Gesundheitsbegriff etabliert wurde, lässt sich Gesundheit anhand definierter Normwerte beurteilen. Sie erscheint dadurch jederzeit überprüf- und korrigierbar.
Wer dagegen verstößt und diesen künstlichen Normen nicht entspricht, gilt als jemand, der die Abweichung aufgrund seines ungesunden Lebenswandels selbst verschuldet hat. Wer solche Schwäche zeigt, dem wird sehr nachdrücklich nahe gelegt, wieder auf den rechten Weg zurückzufinden, da er sonst mit Sanktionen zu rechnen habe. Und diese beschränken sich nicht mehr nur auf öffentliche Ächtung und Vermittlung eines schlechten Gewissens, inzwischen werden für gesundheits-schädigendes Verhalten schon handfeste gesellschaftliche und staatliche Strafen verhängt. Das geht von höheren Versicherungspolicen über schlechtere Karrierechancen bis hin zum staatlichen Berufsverbot ...

Geht es also wirklich um Gesundheit? Bis auf das Rauchen haben alle anderen klassischen Risikofaktoren von Fett über Übergewicht bis zu Bewegungsmangel in den großen Studien, die den Studien-TÜV [EbM 1a, 1b, kontrollierte Studien] bestanden haben, keinerlei bedeutsamen Einfluss auf den Gesundheitszustand und das Krankheitsrisiko eines Menschen belegen können ...
Fest steht jedoch für mich, dass der Einfluss von Risikofaktoren auf die allgemeine Volksgesundheit maßlos übertrieben wird ...

Bereit sein, aus Fehlern zu lernen - Gute Handwerker nehmen eigene Fehler zur Kenntnis und überlegen sich, wie sie es das nächste Mal besser machen können. Das verbessert auch die zukünftige Treffsicherheit intuitiver Einschätzungen ... Dazu braucht man einen guten Selbstzugang mit der Bereitschaft, negative und unangenehme Erlebnisse bei der Neubewertung der eigenen Bildergalerie in der rechten Gehirnhälfte [Gefühls-Selbst, Intuition, emotionales Erfahrungsgedächtnis, Adaptives Unbewusstes] zuzulassen. Menschen, die dies gut können, entwickeln sich zu reifen, differenzierten Persönlichkeiten, die ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen. Dank dieses realistischen Selbstbezugs, der sich auf viele wirklichkeitsgeprüfte Gefühlsbewertungen begründet, können sie sich besser in andere Menschen einfühlen und in unübersichtlichen, komplexen Situationen eine gute Bauchentscheidung treffen. So weit, so gut.
Misserfolge und Fehleinschätzungen einzugestehen ist jedoch nicht einfach. Besonders, wenn man sich an den Glanz des eigenen Selbstbildes zu sehr gewöhnt hat. Jeder von uns hat dies vermutlich schon einmal erlebt und kennt seine eigenen Verdrängungsmechanismen, um Unangenehmes nicht in die eigene Gefühlswelt eindringen zu lassen. Es gehört viel Disziplin und Reife dazu, sich seinen Fehlern und Irrtümern zu stellen.

WAS HAT DIES MIT MEDIZIN ZU TUN? Sehr viel.
Fehlt die Fähigkeit zur Selbstkritik, führt dies zu einer Entfremdung von der Wirklichkeit und dem Aufbau einer Scheinwelt, in der diagnostische Verfahren und Therapien ständig falsch eingesetzt werden, obwohl längst klar ist, dass man Patienten dadurch schadet. Doch anstatt dies zuzugeben, werden lieber neue Scheinkrankheiten erfunden, um den weiteren Einsatz solcher Behandlungen zu rechtfertigen, die dann aufgrund ihrer Nebenwirkungen erst recht Probleme erzeugen. Klingt abenteuerlich, doch in der Medizin kommt es vielleicht leichter als in anderen Fachgebieten zu Persönlichkeitsentwicklungen, die in Selbstüberschätzung und Wirklichkeitsverlust bis hin zu Narzissmus münden." Aus: Dr. med. Gunter Frank: „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Teil III: Die gesellschaftlichen Auswirkungen schlechter Medizin. Kapitel: Auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur: Wie mit Gesundheitsmoral Menschen diskriminiert werden. Seite 219ff. KNAUS 5.Auflage 2012 u. "Gebrauchsanweisung für Ihren Arzt - Was Patienten wissen müssen" III. Faustregeln: Wie Sie den Nutzen einer medizinischen Empfehlung für sich selbst einschätzen können. Intuition und Erfahrungswissen in der Medizin. Bereit sein, aus Fehlern zu lernen. S. 113f. 2. Auflage KNAUS 2014. Siehe INFOS: Statistik Glossar & Allerlei >>> Vorsorgeuntersuchung - Gesundenuntersuchung - Gesundheitscheck

"Doch ein verantwortungsvoll handelnder Arzt darf heute nicht mehr blind auf die Seriosität von
medizinischen Hochschulen und die wissenschaftliche Zuverlässigkeit von Studien, Leitlinien
und Fortbildungen vertrauen, sonst setzt er seine Patienten unnötigen Gefahren aus.
Zu eng sind mittlerweile die Verflechtungen von medizinischem Establishment
und Pharmaindustrie. Das ist die verstörende Wahrheit ...
(1)

Gute Medizin besteht nicht in therapeutischem Aktionismus, sondern in einer guten Aufklärung
über die tatsächlichen (absoluten) Chancen und Risiken einer Therapie und in einer einfühlsamen,
individuellen und gemeinsamen Entscheidung mit dem Patienten über die weiteren Schritte.
Das schafft Vertrauen in den Arzt und Schutz vor gefährlicher Übertherapie.
Eine solche Medizin ist das Gegenteil von Nihilismus, sie ist ehrlich,
engagiert, patientenorientiert und glaubwürdig."
(2)

Aus: Gunter Frank: (1) "Gebrauchsanweisung für Ihren Arzt - Was Patienten wissen müssen"
IV. Das Ziel: Aufbau einer partnerschaftlichen Arzt-Patienten-Beziehung. Das traditionelle Arzt-
Patienten-Bild fördert Fehl- und Übertherapie. Seite 152f, KNAUS 2. Auflage 2014
(2) "Schlechte Medizin: Ein Wutbuch" Fazit. Seite 269. KNAUS 5. Auflage 2012
Siehe: Informierte Entscheidung unter Statistik >>>

www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/
patientenrechte_patientencharta.htm


Kalorienverwertung >>>
Warum Mollige weniger Kalorien essen als Dünne, und warum das keiner glauben wil
l.
Gunter Frank: „Lizenz zum Essen: Warum Ihr Gewicht mehr mit Stress zu tun hat als mit dem, was Sie essen“ PIPER 2008

Die physiologischen und psychologischen Auswirkungen von Mitgefühl und Ärger
pdf >>>
Eine 30 Personen Studie zum sekretorischen Immunglobulin A Spiegel (s-IgA = schützender Antikörper A auf den Schleimhäuten) in Speichelproben.
Glen Rein (Ph.D.), Mike Atkinson, Rollin McCraty, M.A.: “The Physiological and Psychological Effects of Compassion and Anger” Journal of Advancement in Medicine, Vol. 8, No. 2 Summer 1995.

"S-IgA ist ein Antikörper (Abwehrstoff), der im Eiter an-zutreffen ist und unsere oberen Atmwege sowie den Magen-Darmtrakt und die Ausscheidungswege vor Infektionen schützt. Essenz dieser Arbeit war die Feststellung, dass
"ein höherer s-IgA Spiegel mit einer Abnahme des Vorkommens infektiöser Erkrankungen der oberen Atemwege einhergeht." Die Zusammenfassung des Artikels konstatierte als Fazit, dass "Ärger eine signifikante [bedeutende, nicht durch Zufall entstandene] Zunahme der Störungen auf der Stimmungs-ebene sowie der Pulsfrequenz bewirkte, jedoch keine Zunahme der s-IgA-Werte. Positive Emotionen dagegen bewirken eine signifikante Erhöhung der s-IgA-Werte. Bei Untersuchungen der Auswirkungen über einen Zeitraum von sechs Stunden konnten wir beobachten, dass Ärger, im Gegensatz zu freundlicher Zuwendung, eine signifikante Hemmung von s-Ig-A ein bis fünf Stunden nach dem emotionalen Erlebnis hervorrief". Weitere Studien verweisen auf die Auswirkungen spezifischer emotionaler Qualitäten auf Bluthochdruck, dekompensierte (unausgeglichene) Herzinsuffizienz (Ödeme, Atemnot) und Herzkranzgefäßerkrankungen."

Aus: Gregg Braden: „Der Jesaja Effekt. Das verborgene Wissen von Prophezeiungen und Gebeten alter Kulturen neu entschlüsselt“ Kapitel 8:
Die Wissenschaft vom Menschen. Geheimnisse des Gebets [Gedanke » Emotion » (Herz-)Gefühl] und der Heilung. Seite 221 KOHA 2009


"Mit Begeisterung messen junge Sanitäter und Ärzte die Sauerstoffsättigung ihrer voll verkabelten Notfallpatienten, den Blick starr
auf die diversen Monitore gerichtet. In beiden Ellenbeugen des Patienten sitzen Venenzugänge. Den Kurvenbildern und Messwerten entsprechend
werden Injektionslösungen in die Venflons gespritzt. Bis alle am Bildschirm dargestellten Werte in Ordnung sind.
Daneben steht ein älterer Arzt und lächelt.
Er sieht seinem Patienten ins Gesicht, betrachtet die Farbe der Lippen, den Blick der Augen und fühlt mit einer Hand den Puls. Er beurteilt die Qualität
und Geschwindigkeit des Pulses, spricht mit dem Patienten, legt die Hand auf seine Stirn, "be-handelt" ihn. Für ihn ist nicht jeder Fall ein Notfall.
Er berührt und beruhigt seinen Patienten. Verwendet seine Sinne. Er senkt den Sauerstoffverbrauch durch Sympathie und Empathie und seine
beruhigende Ausstrahlung. Er beurteilt den Erfolg seiner Maßnahmen anhand des Befindens des Patienten und nicht anhand
der am Bildschirm gezeigten Werte und Linien ..."


Aus: Günther Loewit (b.1958, Österr. Arzt): „ Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Moderne Medizin - entmenschlichte Medizin?
Maschinenmedizin und Be-Handlung. Auszugsweise aus Seite 146f HAYMON 2.Auflage 2013 www.guenther-loewit.at


"Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung
grundlegender menschlicher Bedürfnisse
oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens,
die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung
unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist"

"Gewalt ist in das System eingebaut und äußert sich
in ungleichen Machtverhältnissen und folglich
ungleichen Lebenschancen"


Johann Galtung
(b.1930)
Norwegischer Mathematiker, Soziologe und Politologe
Gründungsvater der Friedens- und Konfliktforschung
1959 Gründung des PRIO - Peace Research Institute Oslo, das
erste universitär verankerte Friedensforschungsinstitut Europas

"Unter Gewalt ist eine Handlung oder Drohung
zu verstehen, die grundlegende menschliche Bedürfnisse
- Wohlbefinden, Überleben, persönliche Identität
und Freiheit -
beeinträchtigt, einschränkt oder
deren Befriedigung verhindert"


Prof. DDr. med. Rolf Dieter Risch
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Bonn
Abteilung für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie der LVR-Klinik Bonn
"Gewalt ist das Versäumnis einer Betreuungsperson,
die Grundbedürfnisse des alten Menschen
zu befriedigen beziehungsweise ihn/sie
vor einem Schaden zu schützen"


National Research Council 2003
"Fehlendes Wissen über das Krankheitsbild Demenz
und seine Folgen führen zu Fehleinschätzungen
und Überforderungen, die eskalieren und
Gewalthandlungen auslösen können"


Broschüre: Gewalt erkennen. Fragen und Antworten
zu Demenz und Gewalt. BMASK 2010
"Gewalt lebt davon,
dass sie von anständigen Menschen
nicht für möglich gehalten wird.


Jean Paul Sartre
(1905-1980)
Französischer Romancier, Dramatiker, Philosoph, Publizist

1964 Nobelpreis für Literatur, obwohl er seine Ablehnung
angekündigt hatte und diese dann auch aufrechterhielt.

Ziel muss es sein, dass das Thema
Gewalt gegen ältere Menschen
(in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens)
in der Öffentlichkeit offen angesprochen und diskutiert
werden kann, ohne dass die Fakten generell geleugnet
und als unwahre Behauptungen zurückgewiesen werden.
Wenn sich die Gesellschaft dieser Problematik stellt,
eröffnen sich Chancen auf eine Verbesserung.


Aus: "Gewalt erkennen - Ältere Menschen in Institutionen" Seite 4,7,8,11,23,31. BMASK, Abteilung V/6 2012. Prof. DDr. med. Rolf Dieter Risch: Keine Gewalt gegen Niemand?
In: Thema: Gewalt hat viele Gesichter, Wien, Pro Senectute Österreich (Hrsg.) 2009, Nr.6. Johan Galtung: "Kulturelle Gewalt", In: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemberg (Hrsg.):
Aggression und Gewalt. Stuttgart: 1993. Johan Galtung: "Strukturelle Gewalt: Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung" Reinbek: Rowohlt, 1975. National Research Council: Elder Mistreatment:
Abuse, Neglect, and Exploitation in an aging America. Washington D.C: The National Academies Press 2003
.

Ageismus: eingedeutschte Fassung des im anglo-amerikanischen Raum geprägten Begriffs Ageism bzw. Agism, Altersfeindlichkeit als
Form sozialer Diskriminierung, die sich in einer negativenWahrnehmung des Alters niederschlägt und auf Basis dieser Wahrnehmung
den Alterungsprozess, das Altsein und damit die davon betroffene Bevölkerungsgruppe stigmatisiert.
(Quelle: WiKi)


Gewalt erkennen - Fragen und Antworten zu Gewalt an älteren Menschen pdf >>>
www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/6/7/0/CH2228/CMS1314964723243/gewalt_erkennen2010_internet_1.pdf

G
ewalt erkennen - Ältere Menschen in Institutionen
pdf >>>
www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/3/2/0/CH2275/CMS1314805959138/gewalt_erkennen._aeltere_menschen_in_institutionen_.pdf

Gewalt erkennen - Fragen und Antworten zu Demenz und Gewald pdf >>>
www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/6/7/0/CH2228/CMS1314964723243/demenz-broschuere_letzfassung_9.7.2010.pdf

Übergriffe, Gewalt und Aggression gegen ältere Menschen - Erfahrungen von Expertinnen und Experten in österreichischen Beratungs- und Hilfseinrichtungen
www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/6/7/0/CH2228/CMS1314964723243/uebergriffe,_gewalt_und_aggression_gegen_aeltere_menschen.pdf

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz - Die österreichische SeniorInnen- und Freiwilligenpolitik

www.bmask.gv.at/site/Soziales/Seniorinnen_und_Senioren/Alternsbilder_und_Gesellschaft


"Nicht da ist man daheim,
wo man seinen Wohnsitz hat,
sondern da, wo man
verstanden wird"

Christian Morgenstern
(1871-1914)
Deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer



Krankheit
ist weder Grausamkeit noch Strafe,
sondern einzig und allein ein Korrektiv;


ein Werkzeug,
dessen sich unsere eigene Seele bedient,
um uns auf unsere Fehler hinzuweisen,
um uns von größeren Irrtümern zurückzuhalten,
um uns daran zu hindern,
mehr Schaden anzurichten


und uns auf den Weg der Wahrheit und des Lichts
zurückzubringen, von dem wir nie hätten abkommen sollen.


Denn das was wir als Krankheit bezeichnen
ist nur
das körperliche Endresultat
des anhaltenden Wirkens
tiefer liegender Kräfte
.
[Somatisierung]

Dr. med. Edward Bach
(1886-1936)

Englischer Arzt, Bakteriologe, Immunologe, Pathologe,
Homöopath, Begründer der Bach Blüten Therapie





Bild: WIKI

Asklepios - Äskulap ist in der griechischen Mythologie der Gott der Heilkunst. In manchen Büchern wird der griechische Gott auch mit der Person
des ägyptischen Universalgelehrten und Arztes Imhotep (um 2700 v. Chr.) als Übertragung in das hellenistische Weltbild identifiziert. Dargestellt
wurde Asklepios meist als bärtiger Mann, der sich auf einen Stab (Äskulapstab) stützt, der von einer Schlange (Äskulapnatter) umwunden wird.
Asklepios soll zu seinen Lebzeiten, bei Wanderungen oder auf dem Weg zu Kranken, immer eine Äskulapnatter dabei gehabt haben, die sich um
seinen Wanderstab ringelte. Seit Menschengedenken gilt die Schlange als ein bedeutendes mystisches Wesen; im Altertum wurde sie schließlich
zum Symbol der Heilkunde. Ihre Charakteristika "Verjüngung durch Häutung", "Scharfsichtigkeit und Wachsamkeit" sowie "Heilkraft" (Heilmittel aus
Schlangenfleisch) machten sie zum Sinnbild ärztlicher Tugenden und zeigten so die Vorzüge der Medizin. Auch zur Bedeutung des Äskulapstabes
gibt es viele Theorien. Einerseits wird der Stab als Zepter oder Herrschaftssymbol verstanden, andere Forscher vertreten die Ansicht,
er wäre ein einfacher Wanderstab, den Asklepios stets bei sich trug. Da er als Verbindung zwischen Himmel und Erde
betrachtet wurde,hatte schon der Stab allein magische Kräfte.

Hygieia oder Hygeia (die Gesundheit) ist in der griechischen Mythologie die Tochter des Asklepios. Sie ist eine Göttin der Gesundheit und gilt
als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene wurde von ihrem Namen abgeleitet. Meist wird Hygieia mit einem Füllhorn voller Früchte
dargestellt. Der Eid des Hippokrates beginnt mit den Worten
"Ich schwöre bei Apollo und bei Asklepios und bei Hygeia und allen Göttern
und Göttinnen ..."


Panakeia (Panacea; „alles-heilend“) war in der griechischen Mythologie eine Tochter von Asklepios (lateinisch Aesculap) und die Schwester
von Hygieia (lateinisch Valetudo). Die Göttin der Medizin und Zauberei. Sie war die Personifizierung des Heilens durch Heilpflanzen.
Nach ihr bezeichnet man mit Panazee ein mythisches Universalheilmittel.



Medizin
ist Empirie,
die Lehre von den Erfahrungen,
und nicht Naturwissenschaft.

Medizin ist Erfahrungsheilkunde,
ergänzt durch technische Methoden,
um die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose
zu sichern.

Medizin ist Heilkunst,
ein ärztliches Handwerk.

Jeder Heilungsvorgang
findet im Individuum selbst statt,
und daher ist jeder Heilungsweg
individuell
.

Meine Gestalt ist mehr
als die Art und Weise,
wie ich zusammengesetzt bin.

Ich habe einen Leib,
aber ich bin nicht er.

Dieser Leib ist nur
die Verankerung in der Materie,
ich reiche weit über ihn hinaus.


„Das Leben ist die Kindheit unserer Unsterblichkeit"

Johann Wolfgang von Goethe

"Ich bin der festen Überzeugung, dass die Beziehung zwischen Patienten und den Menschen,
die sich mit Pflege und Behandlung beschäftigen, eine sehr große Auswirkung
auf die Genesung der Patienten hat ...


Oft ist es nur das Zuhören oder ein aufmunterndes Wort,
die den Heilungsprozess unterstützen und beschleunigen können ...

Wenn der Technik und den Medikamenten zu viel Bedeutung beigemessen wird,
bleibt der Patient als Mensch auf der Strecke. Die Technik kann noch so perfekt sein,
das Medikament noch so wirkungsvoll, aber eines kann die Technik und auch
das Medikament nicht:
Mitgefühl, Liebe, Zuneigung, Aufmerksamkeit
geben.

Um Menschen mit ihren Sorgen, ihrem Schicksal, ihren Sichtweisen zu verstehen,
muss man mit dem Herzen des Kranken fühlen und das kann man nur durch
eine liebevolle Verbindung und Zuwendung.


Ich weiß, dass man nur das geben kann, was man selbst hat.

Jemand, der selbst massiv mit Ängsten, Zwängen, Frust, Stress, Schuldgefühlen,
Neid, Eifersucht in seinem Leben zu tun hat, darf sich nicht wundern,
wenn der therapeutische Effekt ausbleibt.


Menschen, die in sich selbst ruhen, die Hoffnung, Liebe, Freiheit, Vertrauen ausstrahlen,
werden sicher ein besseres therapeutisches Resultat erzielen als jene,
die selbst noch mit Zweifeln und Unausgeglichenheit zu kämpfen haben.


Wenn ich selbst im Fluss bin und der Zufluss kosmischer Energie ungehindert stattfinden kann,
wird mein Energiepotential wie eine Quelle sein, die immer wieder Wasser spendet."


Aus: Martin Weber: „Der Mensch im Gleichgewicht. Gesundheit neu gedacht mit Herz, Logik und Intuition“
Kapitel: "Zwischenmenschliche Beziehungen und Therapie-Erfolge" Seite 186f.
ENNSTHALER 2. Auflage 2009


Siehe Zitate:
Karl Hermann Spitzy: Der Beruf des Arztes >>>
Asmus Finzen: Warum werden unsere Kranken wieder gesund? >>>


"Heilen manchmal,
lindern oft,
trösten immer"


Alte Definition des Arztberufs
LM Payne: "Guérir quelquefois, soulager souvent, consoler toujours"
Br Med J. 1967 October 7; 4(5570): 47–48.


"Der Patient geht aufgrund seiner Erkrankung in der Arzt-Patient-Beziehung
ein Abhängigkeitsverhältnis [Behandlungsvertrag] ein, daher ist es
ärztliche Pflicht, dieser Tatsache durch besonders korrektes
und standesgemäßes Verhalten gerecht zu werden.

Aber moderne Patienten verwechseln oft ihre Patientenrechte
mit einem garantierten Recht auf Genesung, auf kurze Wartezeiten
und umfassende Gratisversorgung."

Aus: Günther Loewit (b.1958, österreichischer Arzt): „Der ohnmächtige Arzt. Hinter den Kulissen des Gesundheitssystems“
Kapitel: Die verwaltete Medizin. Unterkapitel: Die Macht der Juristen. Ein todsicheres Geschäft.
Auszugsweise aus Seite 126 HAYMON 2010 [Ergänzungen]

Misstrauische Patienten, unerfüllbare Vorgaben
Gesundheit um welchen Preis? >>>



"Der Arzt schuldet nicht einen Heilungserfolg.
Er schuldet vielmehr ein fachgerechtes Bemühen
mit dem Ziel der [konsekutiven Selbst-] Heilung
oder Linderung von Beschwerden."

Dr. med. Artur Wechselberger
(b. 7.XI.1952)
Präsident der Ärztekammer für Tirol (s
eit 1990)
Von 2012 bis 2017 Präsident der Österreichischen Ärztekammer
www.aektirol.at


Aus: Artikel "Doppelt aufklären!" in Österreichischer Ärztezeitung/10.IV.09,
anlässlich der 1.Tagung der Plattform Patientensicherheit, www.plattformpatientensicherheit.at/,
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ethik und Recht in der Medizin UNI Wien
www.univie.ac.at/ethik-und-recht-in-der-medizin/


Körper - Psyche - Geist - Emotion - Umfeld
Vernetzung - Synergetik - Synchronität


Synchron-Netzwerk
Der Mensch als synchrone Einheit ist eingebettet in ein größeres Ganzes, in sein Umfeld.
Die Einheit und Interaktion des Universums/Kosmos mit dem Menschen.
Genauso wie unser Umfeld und die Realität uns Menschen beeinflussen, erschaffen wir gleichzeitig
unsere Realität durch unser Erleben und Denken und durch unsere Wahrnehmung der Realität.
Unser Denken beeinflusst unsere Realität.

Wie Bewusstseinsfelder auf Materie einwirken können, hat Dr. Masaro Emoto (b.1943, japanischer Wasserforscher)
mit Versuchen mit Wasserkristallen, in seinem Buch „Message from Water“, ausführlich beschrieben
Siehe: Resonanz Psychologie: MindLINK TEST
>>>

Bio-psycho-soziale Krankheitsmodell

(1976) George Libman Engel (1913-1999) US-amerikanischer Psychiater
Erkennt an, dass eine einfache mechanische Ursache zur Erklärung chronischer und der meisten
anderen Krankheiten zu kurz greift. Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden.

Der Mensch ist Teil umfassender Systeme und selbst wieder ein System aus vielen Subsystemen.
Eine Hierarchie von Systemen, die nach kybernetischen Prinzipien mit Programmen
aus Regulation und Gegenregulation, Steuer- und Rückmeldevariablen funktioniert.
Der Mensch als ganzes System interagiert direkt mit seinem Umfeld.
Meist finden diese "Reiz-Reaktionen" auf der unbewussten Ebene statt.


Erweiterte Bio-psycho-sozial-mental-physische Krankheitsmodell
Theorie der Organischen Einheit - Organic-Unity-Theory - Body-Mind-Unity-Theory nach Aviel Goodman (1992)
Prof. Dr. Josef Wilhelm Egger UNI-Klinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie Graz
pdf >>>

Dieser Ansatz spricht von rein psycho-physischen Ereignissen ("der Wirklichkeit an sich";
die als solche prinzipiell nicht erfahrbar ist.) - nach der Theorie der Leib-Seele Identität
von Baruch de Spinoza [1632-1677] - und bildet die Person mit "ihren individuellen Erfahrungen"
(Ereignis als privates Erlebnis) und "ihren physiologischen Körper/Gestalt und molaren Verhalten"
(objektivierbare Ereignisse) ab.




"Die "Regelbildungsmaschine" in unserem Kopf liebt monokausale Zusammenhänge,
mit multikausalen hat sie schon gewaltige Schwierigkeiten. Ganz schwer wird es daher,
wenn Ursache und Wirkung überhaupt nicht erkennbar gekoppelt sind. Deswegen macht uns
der Zufall (oft "blind" genannt) unsicher und ängstlich. Daher glauben wir lieber nicht an ihn,
sondern an eine obskure "Vorbestimmung" ... selbst deterministische Systeme garantieren
keineswegs "ordentliches" und vorhersagbares Verhalten. Zufall nennen wir ein Ereignis,
dessen Eintreten wir nicht vorhersagen können."


Aus: Jürgen Beetz: „Denken – Nach-Denken – Handeln. Triviale Einsichten, die niemand befolgt“
Seite 208. ALIBRI 2010


"Unser Gehirn reduziert die komplexe Umwelt auf einfache Annahmen und konstruiert daraus
ein ebenso einfaches Weltbild. Mit der Wirklichkeit hat all das nur bedingt zu tun ...

Das Gedächtnis spielt eine zentrale Rolle bei der Konstruktion unseres einfachen Weltbildes.
In dessen Zentrum stellen wir unser "Ich". Von ihm glauben wir, es verfüge über einen
freien Willen und die Macht, die Welt nach eigenen Ideen zu ändern ...

Auf der Grundlage unseres einfachen Weltbildes entwickeln wir einfache Regeln.
Mit deren Hilfe gelingt es uns immer wieder, komplexe Situationen zu meistern
und schnelle Entscheidungen zu treffen ...

Wir sind überzeugt, dass die Welt nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip funktioniert:
Wir müssen nur das eine tun, um das andere zu erreichen.
Und tatsächlich funktioniert das auch immer wieder ...

Immer wieder greifen wir auf unsere einfachen Regeln zurück. Komplexe, vieldeutige
oder unklare Verhältnisse erfüllen uns mit Unbehagen - gerne ignorieren wir sie ...
Einfache Regeln sind sehr hilfreich, haben aber nicht nur Vorteile. Immer wieder
geraten sie in Konflikt mit den komplexen Strukturen unserer Umwelt ...
Indem wir unsere
einfachen Regeln ohne Rücksicht auf die konkrete Situation anwenden, erreichen wir immer wieder
das Gegenteil des Geplanten
... Die Wirksamkeit unserer einfachen Regeln verführt uns dazu,
sie immer wieder anzuwenden und solcherart zuviel des Guten zu tun. Mit dem Ergebnis,
dass wir ein weiteres Mal das Gegenteil des Geplanten erreichen ...

Die Verhältnisse mögen kompliziert sein, doch sie organisieren sich aufgrund nachvollziehbarer Regeln
selbst. So folgt auf jede Aktion eine Reaktion, auf diese folgt wieder eine Reaktion und auf diese
wieder eine ...
Weil unser Leben ambivalent organisiert ist, sollten wir uns damit anfreunden,
die widersprüchlichsten Eigenschaften in uns zu vereinen.
Zum Beispiel, ebenso mächtig
wie machtlos zu sein ... Oft kommt es zum Konflikt zwischen unseren einfachen Regeln
und den Ambivalenzen des Lebens. Dann finden wir uns mit paradoxen Aufforderungen konfrontiert,
die wir enttäuschen, wenn wir sie erfüllen - und erfüllen, wenn wir ihnen nicht entsprechen ..."

Aus: Christian Ankowitsch: „Mach’s falsch, und du machst es richtig. Die Kunst der paradoxen Lebensführung“
1.Kapitel: "Einfache Regeln" Seite 18-72, 5.Kapitel: "Paradoxe Verhältnisse" Seite 178-224ROWOHLT 2011


"Multikausalität chronischer Krankheiten"
"Vielursachen" - "Bedingungen" - "Synergismen" - "Gegebenheiten"

Konstitution
individuelle Reagibilität - Reaktionsfähigkeit
angeborene / erworbene Veränderungen - Umweltbelastungen - Alltagsnoxen
Biometerologische Belastungen - Wetter und Mensch
Elektrosmog - Elektromagnetische Feldbelastungen
Geopathogenität - Standortbelastungen
Infektiöse Noxen
Beruf und Arbeit
Urlaubsgewohnheiten
Sport
Störfeld Standort
Zahn- / Kiefer Störfelder
Silent Inflammation - "nicht erkannte" Entzündungen
als Schrittmacher chronischer Erkrankungen
Immunologische Vorgänge
Allergische Geschehen
Ernährung - Stoffwechsel
Mangelzustände
Genussmittelabusus
Hormonelle Gegebenheiten
Psychische Belastungen
u. v. a. m


Ein harmonisches, gesundheitsförderndes und angstfreies Umfeld,
ob Familie, Beruf, Bekannte und Freunde, Arbeitsplatz oder Wohnung,
ist extrem wichtig für die vollkommene "Heilung einer Krankheit".

Oft wird (Selbst-) Heilung und natürliche Besserung
von verängstigten Patienten mißverstanden.


Die Angst vor einer Krankheit, der Diagnose Krebs oder AIDS
oder die Angst vor einer Operation oder Chemotherapie
kann jede Aussicht auf "Selbst-Heilung" unterdrücken.


Die Diagnose einer Erkrankung ist dabei nicht unbedingt "richtig" oder "falsch".
Sie ist einfach nur unvollständig, da sie andere Möglichkeiten nicht mit einbezieht.


In der Quantenphysik existiert im gleichen Augenblick ein anderer Ausgang/
eine andere Möglichkeit, bei dem der schlechte Gesundheitszustand, die Krankheit
oder Störung nicht präsent sind. Jede Möglichkeit existiert bereits.
Jeder Ausgang ist real. Der Unterschied zwischen verschiednen Ausgängen
ist nur eine Frage der Perspektive.
Der Akt, in unserem Leben
neue Entscheidungen zu treffen, ist die Technologie, die es uns erlaubt,
neue Möglichkeiten auszuwählen! Wenn wir aus dem Wissen heraus
fühlen und leben, dass die neuen Bedingungen/Möglichkeiten bereits präsent sind,
stimmen wir uns auf das Ergebnis unserer neuen Wahl ein
. [
Gregg Braden]

"Wirklichkeit ist keine starre Realität,
sie ist voller Möglichkeiten – und sie ist in uns.
Sie kann von uns geändert und neu gestaltet werden.“


Prof. Hans-Peter Dürr
(geb. 1929, Prof., PhD, Dr. phil. h. c)
Deutscher Physiker, Schüler und Freund von Werner Heisenberg,
Träger des Alternativen Nobelpreises (1995)

Siehe ZITATE: Karl Kraus - Wie es einem Patienten wirklich geht
>>>
Hans Peter Dürr - Erfahrung bedeutet beides >>>
Siehe INFOS: Rat suchen - Die Illusion der Gewissheit >>>
Statistik Glossar -> unter Placebo/Nocebo
>>>

"Die Symptombeschreibenden Diagnosebegriffe der Medizin,
wie zum Beispiel Depression, Tinnitus, Ekzem, Angststörung,legen
dem Laien nahe, dass es sich um einheitliche Krankheitsbilder handle,
obwohl hier oft sehr unterschiedliche Ursachen vorliegen.
Sie können also in die Irre führen, da sie vom ursächlichen Denken und Behandeln ablenken.
So kann eine Depression durch einen Vitamin- und Mineralstoffmangel, eine Trauma Erfahrung
seelischen Stress, eine Durchblutungsstörung oder eine Mischung dieser oder anderer Ursachen
ausgelöst werden. In jedem Fall wäre eine individuell angepasste Behandlung gefragt:
Gabe von [hypoallergenen orthomolekularmedizinischen] Nahrungsergänzungsmitteln, Psychotherapie,
Durchblutungsfördernde Medikamente und Maßnahmen. Darüber hinaus können eine Durchblutungsstörung,
Stress oder Vitaminmangel auch zu anderen Symptomen führen, etwa Tinnitus oder einem Ekzem der Haut.
Die Behandlung wäre dann dieselbe, wie bei einer so verursachten Depression.
Logisch wäre daher eine Medizin, die nach Ursachen sucht und diese behandelt.
Da die Reaktionen auf diese Ursachen individuell unterschiedlich sind, sollte
mit Methoden behandelt werden, die individuelle Reaktionsweisen berücksichtigen,
wie zum Beispiel Homöopathie, die Akupunktur oder die Neuraltherapie -
und nicht nach beschreibenden Diagnosen.
Therapien, die sich nur an Symptomen orientieren, haben oft Nebenwirkungen und
verstärken das Risiko für Chronifizierung.Therapien, die sich an Ursachen orientieren,
leiten Selbstheilungsvorgänge ein und ermöglichen [Selbst-] Heilungen."

Aus: Dr. med. Sonja Reiz: "Seelische Beschwerden - Körperliche Ursachen"
Schwachstellen der Medizin: Wenn Diagnosen in die Irre führen.
Seite 13. GU 2007


Input Matrix Output
Sinnvolles Biologisches Sonderprogramm (SBS)
Bewältigungsstrategie
Somatisierung



"Organismen, psychische Systeme und soziale Systeme
können aus systemtheoretischer Sicht als

autopoietische Systeme
"Selbstregulierende Systeme"
klassifiziert werden, die "autonom", "strukturdeterminiert"
und "operationell geschlossen" sind.

Mit diesen Begriffen soll gesagt sein, dass solche Systeme
sich durch ihre internen und externen Operationen selbst als Einheiten erschaffen
und gegenüber ihren Umwelten abgrenzen. Der Organismus kreiert die Grenze gegenüber seiner
Umwelt durch biologische Prozesse, die Psyche wird durch psychische Operationen konstituiert,
und soziale Systeme erschaffen sich und ihre Grenzen durch Kommunikationen.

"Autonom" soll heißen, dass keines dieser Systeme - weder die Psyche noch der Organismus
und auch nicht das Kommunikationssystem - von Ereignissen in den jeweiligen Umwelten
im Sinne einer geradlinigen Ursache-Wirkungs-Beziehung determiniert werden kann.
Es kann lediglich "gestört" werden. [Perturbation, perturbieren]
Was immer in der Umwelt geschieht, es kann das autopoietische System nur aus dem
Gleichgewicht bringen, eine Krise induzieren und im Extremfall für seine Desintegration sorgen.
Die Reaktion des Systems auf derartige Störungen ist durch seine internen Strukturen determiniert,
dass heißt, sie folgt einer dem System eigenen inneren Logik.
Das Verhalten autopoietischer Systeme wird daher niemals von ihren Umwelten oder anderen Systemen
einem traditionellen geradlinigen Kausalitätsverständnis entsprechend verursacht oder bestimmt.
Umwelt und Interaktionspartner begrenzen lediglich den Freiraum,
innerhalb dessen solche Systeme störungsfrei funktionieren können."

Aus: Fritz B. Simon: „Die Kunst, nicht zu lernen – Und andere Paradoxien in Psychotherapie, Management, Politik …“
Seite 17f. CARL AUER 4.Auflage 2007


"Als sich die Erkenntnisse der Physik veränderten - 1925 mit der Akzeptanz der Quantenphysik [1],
hätten sich auch alle Wissenschaftsfelder, die auf der Physik aufbauen, verändern müssen.
Manche taten es. Die Mathematik veränderte sich, ebenso die Chemie.

Doch die Biowissenschaften taten es nicht.

Viele Biowissenschaftler arbeiten und lehren bis zum heutigen Tag auf
der Grundlage einer mechanischen Weltsicht (Isaac Newton's, 17.Jhd),
statt das Universum, unsere Welt und unsere Körper
als Energiefelder zu sehen,die sich fortwährend
in einem Tanz miteinander befinden.
Aus: Gregg Braden: „Der Realitäts-Code. Wie Sie Ihre Wirklichkeit verändern können“
Seite 101. KOHA 5.Auflage 2011

[1] Die moderne Quantenmechanik fand ihren Beginn im Jahr 1925 mit der Formulierung der Matrizenmechanik durch Werner Heisenberg (1901-1976, 1932 Nobelpreis für Physik),
Max Born (1882-1970, 1954 Nobelpreis für Physik) und Pascual Jordan (1902-1980). Wenige Monate später erfand Erwin Schrödinger (1887-1961, 1933 Nobelpreis für Physik)
über einen völlig anderen Ansatz – ausgehend von (Louis-Victor Pierre Raymond)De Broglies (1892-1987, 1929 Nobelpreis der Physik) Theorie der Materiewellen–
die Wellenmechanik und die Schrödingergleichung. Kurz darauf konnte Schrödinger nachweisen, dass sein Ansatz der Matrizenmechanik äquivalent ist.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Quantenphysik

"Alles, was man für Beweise hält,
stützt sich auf Beobachtungen von Zusammenhängen,
sind lediglich KORRELATIONEN
.

Diese Korrelationen sagen aus, dass beim Auftreten
einer bestimmten Infektionskrankheit immer ein bestimmter Virus vorzufinden ist,
dass bei einem kriminellen Jugendlichen die Familienverhältnisse bestimmte Züge aufweisen,
dass bei einer bestimmten neurotischen Störung immer Mutterprobleme vorzufinden sind.
Diese Korrelationen stimmen noch, denn sie sagen nur aus, dass immer,
wenn das eine auftritt, das andere auch zu finden ist.

Hier folgt nun der beliebte nächste Schritt in der Wissenschaft, der völlig unwissenschaftlich ist:
Aus dem beobachteten "immer wenn, dann auch" macht man
unter der Hand ein "deswegen - weil".

Doch genau diese Transformation der Ergebnisse stimmt nicht mehr.
Dass bei einer bestimmten Krankheit bestimmte Viren anwesend sind, sei unbestritten,
aber über den daraus abgeleiteten Glauben, diese Viren seien die Ursache der Krankheit,
werden spätere Generationen genauso herzhaft lachen, wie wir
über die Scheibentheorie der Erde."

Aus: Thorwald Dethlefsen (b.1946): „Schicksal als Chance. Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen.“
III. Die Polarität der Wirklichkeit: Die Projektion der Schuld. S77, GOLDMANN 1985 (1979)


Die Begriffe "Krankheit" und "Gesundheit" müssen daher neu definiert werden, da es diese
als reine statische Zustände oder Gegensatzpaare im Sinne von "entweder bin ich krank
oder ich bin gesund", im Grunde nicht gibt.

"Krankheit" und "Gesundheit", die zwei Pole eines lebendigen,
ganzen und selbst regulierenden Menschen.

"Krankheit" und "Gesundheit" sind dynamische Prozesse und Abläufe in einem komplex-lebendigen
Gesamtsystem Mensch, die für uns als "Betrachter" als "ungünstig" oder als "günstig" erscheinen; dem
Gesamtorganismus geht es aber vielmehr um die Erhaltung dieses komplexen dynamischen Gleichgewichtes
zwischen diesen beiden scheinbaren statischen Gegensätzen (Homoeodynamik).
Krankheits-Symptome zeigen ein "Aus-dem-Gleichgewicht" und "Aus-der-Einheit" sein an.

Daher sind sog. Krankheiten - "ungünstige" Outputs des biologisch lebendigen Systems Mensch -
nicht "auszurotten", sondern wir können nur die Bedingungen, die zu sog. Krankheiten führen,
beeinflussen, verändern oder beseitigen.

Was will die sog. Krankheit - das Output - dem Kranken beibringen?
Was will der Betroffene möglicherweise nicht lernen?

Eine Therapie muss den von der Krankheit - den vom Output -
beabsichtigten Lernprozess ersetzen, sonst
kann diese niemals Heilung induzieren.


Der Mensch vergesse eines nicht:
Auch Unwägbares hat Gewicht.

Eugen Roth
(1895-1976)
Deutscher Lyriker und Dichter


Die Gesundheit ist ein kostbares Gut, nur sie ist es eigentlich wert,
dass man dafür seine Zeit, seine Arbeit und sein Geld,
ja sogar sein Leben einsetzte,
ist doch ohne sie das Leben für uns eine Last;
ohne sie verliert alles seinen Glanz und seine Kraft:
Genüsse, Lebenserfahrung, Wissenschaft und Tugend.


Michel de Montaigne
(1533-1592)
Frz. Politiker, Philosoph, Begründer der Essayistik




"Wenn physische Grundbedürfnisse
nicht erfüllt werden, erkrankt der Mensch.
Er wird genauso krank,
wenn er seine spirituellen Grundbedürfnisse nicht erfüllt.
Wenn er aber seinen Hunger nicht wahrnimmt,
wird er auch nichts zu essen suchen.
Er wird an Mangelerscheinungen erkranken und sterben.
Der Mensch kann an einer ganz anderen Stelle krank
sein als die Symptome sagen.
Schmerzen in der Brust sind vielleicht Hinweis,
dass er nach dem Lebenssinn fragt.
So können Schmerzen im Bauch ein Alarmsignal sein,
den Sinn unseres Lebens zu erforschen".


Aus: Willigis Jäger OSB/ Ko-un Rōshi (b. 1925)
Deutscher Benediktinermönch und Zen-Meister
„In jedem Jetzt ist Ewigkeit – Worte für alle Tage“
herausgegeben von Christoph Quarch
KÖSEL 2003



Krankheit als Problemlösung - Diffuser Begriff Krankheit
"Gegen zeitgemäße Gesundheitsstörungen wie Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht),
Burn-out oder das "Ritzen" als Akt der Selbstverstümmelung [SVV, Selbstverletzendes Verhalten]
werden laufend neue Behandlungsmethoden eingeführt.

Kompetenzzentren, Spezialambulanzen, Psychiater und Psychologen, psychosoziale Dienste, Fürsorge
und Bundessozialamt. Esoteriker und Energetiker und Magnetheiler, Heilpraktiker, Komplementärmediziner
und Schamanen. Alle kümmern sie sich um die Gestrandeten. Die Medizin beginnt "Binge Eating Disorder"
(Kontrollverlust bei der Nahrungsaufnahme) als eigenes Erkrankungsbild anzuerkennen und entsprechende
Therapieschemata auszuarbeiten, Konsensuspapiere zu produzieren.

Jeder, der mit dem Leben, wie es die westliche Gesellschaft bietet,
nicht mehr zurechtkommt, kann mit einer Krankheit bedient werden
.

Damit ist sichergestellt, dass sich nicht die Gesellschaft,
sondern nur die Medizin ändern muss.


Später wird man das "medizinischen Fortschritt" nennen.

Denn jeder Bürger hat das Recht auf eine Krankheit. Und sollte es gelingen, diese Krankheit zu heilen, oder
sollte sie sich nicht mehr als zweckdienlich erweisen, hat der Patient das Recht auf eine neue Diagnose.

Eine neue Krankheit und die Hoffnung auf deren Heilung erscheinen oft - auch wenn sich solche Überlegungen
natürlich nicht im bewussten Bereich abspielen - als die beste Lösung zur Bewältigung einer Lebenskrise.
Ein neuer Lebenszweck. Inhalt.

Dazu kommt, dass Krankheit häufig eine Auszeit bedeutet.
Vorübergehende Ruhe. Ein Entkommen, einstweilen.

Und schließlich bedeutet Krankheit auch Aufwertung, bedeutet eine medizinische Behandlung, Aufmerksamkeit,
Fürsorge. Besonders in Schichten mit niedrigem Familieneinkommen und ständiger materieller Überforderung
sind Krankheiten und damit auch Behandlungen besonders häufig. Es hat den Anschein,
als würde das Sozialprestige mit der Anzahl der Arztkontakte steigen
.

Und nichts unterstreicht den Wert einer Krankheit mehr als der nicht ohne Stolz gesagte Satz:
"Wir haben ins Spital müssen". Denn das Spital ist schon längst
zum Gotteshaus der neuen Kirche "Wellness" geworden ...

Einzelne Beschwerden eines Menschen werden als SYMPTOME, mehrere zusammengehörige Symptome als
SYMPTOMKOMPLEXE oder SYNDROME bezeichnet, die sich auf eine gemeinsame Ursache zurückführen lassen,
werden im medizinischen Sinn als KRANKHEIT bezeichnet. Und erst dann, wenn ein Mensch sich krank fühlt
beziehungsweise eine Krankheit erkannt worden ist, kann man von einem PATIENTEN sprechen.

Das Verständnis für diese Begriffe ist insofern wichtig, als viele Betroffene Symptome mit Krankheit verwechseln -
und ein hoher Prozentsatz von Symptomen viel schneller wieder verschwinden, als eine wirkliche Krankheit
diagnostiziert werden kann. Vor allem aber ist wichtig: Krank ist, wer sich krank fühlt. Das heißt, auch der
scheinbar kerngesunde Mensch kann durchaus krank sein - denken wir nur an all die verschiedenen Formen
psychischer Erschöpfung und Entgleisung. Krank aus dem Blickwinkel des Zeitgeistes ist aber in unseren Tagen
auch, wer nicht den Vorgaben der modernen Medizin und einer scheinbar perfekten Gesellschaft entspricht."

Aus: Günther Loewit (b.1958, österreichischer Arzt, Schriftsteller): „Der ohnmächtige Arzt. Hinter den Kulissen des Gesundheitssystems“
Kapitel: Das Leben als Wirtschaftsgut. Unterkapitel: Das Geschäft mit der Gesundheit. Krankheit als Problemlösung. Seite 44f
Kapitel: Das Geschäft mit der Krankheit. Unterkapitel: Diffuser Begriff Krankheit. Seite 58. HAYMON 2010 [Ergänzung]




Was eigentlich ist Gesundheit?

Bin ich gesund, wenn ich nicht krank bin?

Das Wort gesund ist germanischen Ursprungs und bedeutet stark oder kräftig.
Vom römischen Satirendichter Juvenal (Decimus Iunius Iuvenalis, 1./2.Jh. n.u.Z) stammt die Weisheit
„Mens sana in corpore sano“, dass „Das einzige, um das wir die Götter bitten sollen, ist,
dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen möge"
. Damit wird der Gesundheitsbegriff
vom rein Körperlichen hinaus zum Psychoemotionalen (Seelischen, Geistigen) erweitert.


"In Begriffen wie "Heiler", "Therapeut", "Behandler" usw. steckt immer unterschwellig
oder explizit die Erwartung, dass Gesundheit "gemacht" wird, dass das Heilwerden
also - gegen Bezahlung - delegierbar sei.

Genau das ist jedoch ein fataler Trugschluss und in vielen Fällen genau das entscheidende Heil-Hindernis!
Als Berater können wir aber sehr kompetent die Schritte aufzeigen und den Weg weisen, der dann vom Klienten
oder Patienten zu gehen ist.


So sind wir als Ärzte/Therapeuten nur Vermittler von Gesundheit, nicht aber "Gesundmacher".
Das Heilwerden geschieht aus den eigenen Quellen des Kranken,
zusammen mit den Energien der höheren Macht/des Kosmos.

Der chemische Begriff "Katalysator" passt hier ganz gut. Er besagt, dass manche chemische Reaktionen
die Anwesenheit einer besonderen Substanz, eben des Katalysators, erfordern, der aber in der Reaktion
nicht verbraucht oder verändert wird. Der Katalysator im Auspuff, der die Abgase unschädlich(er) macht,
ist ein Beispiel dafür."


Aus: Andreas Diemer (Arzt, Physiker): „Die fünf Dimensionen der Quantenheilung“ Seite 17. MensSana 2011

Das Wort "Therapeut" leitet sich vom altgriechischen Wort "therapeutes" ab,
und bedeutet „der Diener, der Aufwartende, der Wärter, der Pfleger“.


Therapieren heißt "zur Heilung hin begleiten"
und der Therapeut ist die Person, die
aktiv und passiv beim Begleiten des Kranken,
über dessen Selbstheilung wacht.

Die so genannte Krankheit
als das Projekt der Selbstheilung.


"Auf jeden Fall müssen die Menschen wissen,
dass Lust und Freude, Lachen und Scherzen,
Traurigkeit und Sorgen, Dysphorie und Weinen
nicht aus dem Nichts kommen ...
sondern durch das Gehirn"

"Über die heilige Krankheit"
Hippokrates von Kos
460-375 v.Chr.




"Eine Gesundheit an sich gibt es nicht,
und alle Versuche, ein Ding derart zu definieren, sind kläglich missraten.
Es kommt auf dein Ziel, deinen Horizont, deine Kräfte, deinen Antrieb, deine Irrtümer und namentlich
auf die Ideale und Phantasmen deiner Seele an, um zu bestimmen, was selbst für deinen Leib Gesundheit
zu bedeuten habe. Somit gibt es unzählige Gesundheiten des Leibes; und je mehr man dem Einzelnen und
Unvergleichlichen wieder erlaubt, sein Haupt zu erheben, je mehr man das Dogma von der "Gleichheit der Menschen"
verlernt, um so mehr muss auch der Begriff einer Normal-Gesundheit, nebst Normal-Diät, Normal-Verlauf der Erkrankung
unseren Medizinern abhanden kommen"


Friedrich Wilhelm Nietzsche
(1844-1900)
Deutscher Klassischer Philologe, Philosoph
Die fröhliche Wissenschaft (1882-1887)

zit. n. Till Bastian: „Krankheit auf Rezept? Die populären Irrtümer der Medizin“
Seite 7. ROWOHLT 2001




Die offizielle - "statische" - WHO Definition von Gesundheit:
Verfassung der Weltgesundheitsorganisation vom 22. Juli 1946


Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit
oder Gebrechen. Der Besitz des bestmöglichen Gesundheitszustandes bildet eines der Grundrechte jedes menschlichen Wesens, ohne
Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Anschauung und der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.“

"In der Medizin hat man allerdings mit solch einer Definition erhebliche Probleme.
Wie kann man die geistige oder seelische und vor allem die soziale Gesundheit objektiv messen?
Sobald die Symptome sich körperlich niederschlagen, wird die Prüfung schon einfacher. Dann ist man sehr schnell wieder im Bereich der körperlichen Gebrechen.
Diese unüberbrückbaren Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass man in der medizinischen Forschung den Begriff Gesundheit meist sehr viel eingeschränkter benutzt.
Im Prinzip geht es hierbei primär um das Vorhandensein oder die Abwesenheit von physischen und psychischen Krankheiten. Betrachtet werden Krankheitslast,
also das Auftreten von Erkrankungen in einer Bevölkerung, wie auch die Sterblichkeit durch einzelne Erkrankungen, die Gesamtsterblichkeit durch alle Erkrankungen
zusammen genommen und schließlich auch die Lebenserwartung generell. Außerdem misst man Risikofaktoren, also Einflüsse, die nach dem Dosis-/Wirkungsprinzip
die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krankheiten erhöhen und Schutzfaktoren, die umgekehrt das Risiko mindern. Das macht die Epidemiologie.
Die Diagnosestellung von Krankheit oder Todesursachen bereitet den Epidemiologen einige Schwierigkeiten. Es kommt sehr darauf an, wer auf welche Weise
nach welchem Kriterium eine Diagnose stellt. Es gibt erhebliche Abweichungsmöglichkeiten, die technologisch, aber auch schon kulturell bedingt sein können.
So hat man beispielsweise in Japan nicht an Herzinfarkt zu sterben. Das ist unter der Würde. Hirninfarkt ist dagegen in Ordnung.
Es stellt sich die Frage, welche Todesursache ein japanischer Arzt auf den Totenschein schreibt, wenn er dem Verstorbenen gewogen ist?
Kann ein Arzt bei uns ohne Obduktion immer genau feststellen, woran ein Mensch gestorben ist?
Je einheitlicher die Kriterien und je weiter verbreitet standardisierte Verfahren in der Welt herangezogen werden, desto aussagefähiger wird das Messen.
Die vielen Unsicherheiten haben jedenfalls dazu geführt, dass man in der Epidemiologie und in der klinischen Forschung als höchstes Kriterium,
als entscheidende Begutachtungsgröße die Gesamtsterblichkeit heranzieht. Denn tot oder nicht tot, das lässt sich ziemlich eindeutig diagnostizieren.
Außerdem kommt bei allen Therapien immer die berechtigte Überlegung ins Spiel, ob eine bestimmte Anwendung in einem Bereich zwar Linderung
oder Ausheilung bewirkt, aber gleichzeitig durch unerwünschte Nebenwirkungen in anderen Bereichen der Gesundheit schadet?
Was nützt ein besonders deutlich gesenkter Blutzuckerspiegel, wenn die Patienten dafür vermehrt versterben?
Was nützt eine Senkung der Herzinfarktrate, wenn bei den therapierten Patienten gleichzeitig die Krebshäufigkeit steigt?

Am relevantesten für die Beurteilung einer präventiven oder therapeutischen Maßnahme ist deshalb
die gesamte Sterblichkeit an allen Todesursachen,
natürlich nur
innerhalb eines definierten Zeitraumes betrachtet, denn sterben müssen wir bekanntlich alle einmal ... Der Mensch entwickelt meist
einen ungeheuren Überlebenstrieb, wenn es mit ihm bergab geht. Hauptsache leben! Egal wie! ... Was ist Ihr angestrebtes Ziel? Wollen sie länger leben?
Oder lieber auf ein paar Jährchen verzichten, aber immer gesund bleiben und zum Schluss ganz schnell ohne Qualen sterben? Oder ist es nicht doch ihr Ziel,
möglichst gesund und dennoch möglichst lange zu leben?
... Wenn Sie sich jetzt Ihres Zieles bewusst geworden sind, darf ich Ihnen verkünden:
Mehr Vitamin D und sie können zumindest länger leben! Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie jetzt sofort anfangen, sich um einen
ordentlichen Vitamin-D-Status zu kümmern, werden sie in den nächsten zehn Jahren eine geringere Wahrscheinlichkeit haben,
das Zeitliche zu segnen, als wenn Sie so weitermachen wie bisher!"

Aus: Nicolai Worm: „Heilkraft D - Wie das Sonnenvitamin vor Herzinfarkt, Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten schützt" 2. Auflage Systemed 2010 (2009)

Gesundheit nach Viktor von Weizsäcker

(1886-1957), Deutscher Mediziner. Begründer der psychosomatischen Medizin und der Medizinischen Anthropologie)
Viktor von Weizsäcker: Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Peter Achilles, Dieter Janz, Martin Schrenk, Carl Friedrich von Weizsäcker.
Bd.8: "Soziale Krankheit und soziale Gesundung" Suhrkamp 1986


"Die Gesundheit eines Menschen ist eben nicht ein Kapital, das man aufzehren kann, sondern sie ist überhaupt nur dort vorhanden,
wo sie in jedem Augenblick erzeugt wird. Wird sie nicht erzeugt, dann ist der Mensch bereits krank"


Bio-chemisch-psycho-soziale - systemische - Gesundheit nach Thure von Uexküll

(1908-2004, Internist, Mitbegründer der psychosomatischen Medizin)
Thure von Uexküll, Wofgang Wesiack (1924-2013): „Theorie der Humanmedizin-Grundlagen ärztlichen Denkens und Handelns“
URBAN & SCHWARZENBEG 3.Auflage 1998


"Erzeugen von Wirklichkeit und Erzeugen von Gesundheit gehen Hand in Hand; Gesundsein vollzieht sich als ständiger Auf- und Umbau
der konkreten Beziehungen zwischen Lebewesen und Umgebung, welche die Befriedigung der vitalen Bedürfnisse ermöglichen.
Daher stellt die Summe der geglückten Beziehungen zwischen einem Lebewesen und seiner Umgebung (Bedürfnisbefriedigung
und Selbstverwirklichung) eine befriedigende individuelle Wirklichkeit für den Menschen dar. Auf den kürzesten Nenner gebracht,
ist also allgemeines Gesundsein das Meistern des Auf- und Umbaus der individuellen Wirklichkeit -
allgemeines Kranksein gestörte Wirklichkeitsbildung"


Dynamisch - funktionell - vegetativ - energetischer Gesundheitsbegriff nach Wilhelm Reich

(1897-1957 in Lewisburg, Pennsylvania, USA, in einem Gefängnis, verfolgt wegen seiner unkonventionellen Heilmethoden)
Psychiater [Sigmund Freud Schüler (1856-1939 London) bis 1930 in Wien], Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologe.
Mehr Infos unter Original Orgon Akkumulator Therapie >>>


"Gesundheit ist die Fähigkeit eines Lebewesens, in rhythmischer Pulsation (Oszillation, Schwingung von Sympathikus/Parasympathikus)
zwischen Zuständen des Gerichtetseins auf die umgebende äußere Welt und der Orientierung auf innere Zustände des Organismus
hin- und her zu schwingen".


Gesundheitsbegriff nach der TCM - Traditionell Chinesischen Medizin


"Gesundheit ist ein Zustand des Gleichgewichts zwischen den Kräften der Natur - Yin und Yang. Dabei kommt es darauf an, dass ein Organismus
auf äußere und innere Reize so reagieren kann, dass das Gleichgewicht zwischen den Kräften sich möglichst schnell wieder herstellen kann.
Gesundheit stellt somit einen Zustand der Flexibilität dar. Kurzzeitige Symptome können dem Ausgleich zwischen Yin und Yang dienen
und sind somit nicht zwingend als ungesund zu werten.


ECIWO Gesundheitsbegriff nach Prof. Dr. Yingqing Zhang (1947-2004, chinesischer Biologe)
ECIWOs = Embryo containing the information of the whole organism = Fraktal; Diapause = Entwicklungsstopp
siehe Leistungen: Neuraltherapie >>> unten unter Somatotopie

"Gesundheit ist ein Zustand, bei dem eine ungestörte Kommunikation zwischen gesunden ECIWOs besteht. Ein ECIWO ist dann gesund,
wenn er - dem biologischen Bauplan des Gesamtorganismus entsprechend - seine Aufgaben wahrnehmen kann und sich innerhalb seiner,
durch den Körper festgelegten Grenzen bis zur individuellen Diapause entwickelt. Gesundheit bedeutet also Reaktions- und Entwicklungsfähigkeit."


Aus: Christian Scheweling (b.1971, dtsch. Heilpraktiker): „ECIWO und Embryo-System-Akupunktur - Neue Ansätze in der Medizin, Biologie
und Krebstherapie nach Prof. Zhang und Dr. Tee Tong Ang (b.1943)“ Joy Verlag, 1.Auflage 2008.


Konstruktivistisch-systemtheoretische Krankheits- und Therapietheorie nach Prof. Dr.med. Fritz B. Simon (b.1948)
Deutscher Psychiater, Psychoanalytiker und Familientherapeut. Führender Vertreter der systemischen Therapie (auch: Systemische Familientherapie) und zählt zur Heidelberger Schule.
Er gründete 1983 die Internationale Gesellschaft für systemische Therapie - IGST www.igst.org


"Berücksichtigt man, dass lebende Systeme selbst reparierend sind und auf alle Verstörungen (Pertubationen: Störungen und Anregungen
zur Weiterentwicklung zugleich) durch Umweltereignisse mit Gegenregulationen reagieren, so sind die der Symptombildung zugrunde liegenden
generierenden Mechanismen immer als Versuche zu bewerten, ein Gleichgewicht aktiv wiederherzustellen.
Im Rahmen längerer Krankheitsprozesse diagnostizierte Über- oder Unterfunktionen sind also nicht einfach das passive Resultat eines Zuwenig
oder Zuviel, das durch eine von außen kommende Kraft kontrolliert oder kompensiert werden könnte. So paradox es klingen mag: Das vom
Beobachter feststellbare Ungleichgewicht ist häufig eine Form des Gleichgewichts, d.h. das Resultat eines komplexen Gegenregulations- und
Adaptationsprozesses, der zu einem neuen relativen Gleichgewicht geführt hat.
Dies führt nahezu zwangsläufig zu "paradoxen" (paradox: Reaktionen, die den Erwartungen entgegengesetzt sind) Resultaten von Interventionen,
die sich am mechanischen Gleichgewichtsmodell orientieren. Was aus der Sicht des Beobachters als Ungleichgewicht bewertet wird, ist aus der
Sicht des Systems bereits wieder eine Form des Gleichgewichts.
Jeder Versuch, in einer kontrollierenden oder kompensierenden Weise zu intervenieren, ist dann für das System eine Pertubation, d.h. eine neue
Störung des Gleichgewichts, die mit Gegenregulationen beantwortet wird. So kommt es, dass paradoxe therapeutische Effekte erzielt werden.
Beruhigungsmittel wirken dann anregend, die Tasse Kaffe vor dem Zubettgehen wirkt Schlaf fördernd, der "Upper" macht "down" und der "Downer"
macht "high".Und hilfreich gemeinte Interventionen werden zur Ursache von Katastrophen.
Dabei muss zwischen akuten und chronischen Symptombildungen unterschieden werden: Im Fall der Chronifizierung kann man davon ausgehen,
dass ein neues, mit dem Überleben vereinbartes Gleichgewicht erlangt worden ist, das heißt, die Störung des Systems hat nicht akut zu seiner
Desintegration, zum Tod geführt.

Autopoietische Systeme (Autopoiese: Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems) unterscheiden durch ihre Operationen
ja nicht zwischen gesund und krank, sondern lediglich zwischen lebend und nicht-lebend.

Treten die Symptome akut auf, so kann der Beobachter, der zwischen krank und gesund unterscheidet, nicht sicher sein, ob es dem Organismus
gelingt, die Gleichgewichtsstörung zu kompensieren und sich autonom und innen gesteuert weiterhin als lebend zu unterscheiden. Daher ist es
in solchen Notfällen häufig die einzig lebenserhaltende Interventionsform, vorübergehend kompensatorische und kontrollierende Funktionen
zu übernehmen, da das System autonom nicht mehr lebensfähig ist. Wenn die Atmung aussetzt, das Herz nicht mehr schlägt, so sind außen
gesteuerte Aktivitäten erforderlich, um die nötigen regulativen Maßnahmen sicherzustellen ...
Nehmen wir die Beseitigung des Symptoms als Therapieziel, so müssen Interventionen so gestaltet sein, dass entweder
1.) die bisherigen Prozesse (Netzwerke von Interaktionen), die zur Symptombildung und -erhaltung führen, gehemmt oder gestört werden;
oder 2.) neuartige Prozesse (Netzwerke von Interaktionen), die zur Symptombildung führen, erregt oder etabliert werden.
Dabei sollte aber klar sein, dass die Auflösung alter und die Kreation neuer Interaktionsmuster daran gebunden ist,
bislang schon bestehende Muster zu nutzen und eventuell neu zu kombinieren.

Um all dies auf eine Formel zu bringen: Nur solche Interventionen können eine therapeutische Wirkung entfalten, die für das betreffende System
sinnvoll ("Sinn" heißt in diesem Zusammenhang: Das System verfügt über Schemata auf bestimmte Klassen von Ereignissen zu reagieren)
oder sinnstiftend sind, das heißt, Therapie ist immer Kommunikation.

Doch Kommunikation ist natürlich für ein System wie die Zelle, in dem sie sich auf die biochemische Ebene beschränkt, etwas ganz anderes
als für ein System wie die menschliche Psyche oder für soziale Systeme wie die Familie, in deren Therapie es weniger metaphorisch
um Sinn und Sinnstiftung geht."

Aus: Fritz B. Simon: „Die andere Seite der Gesundheit – Ansätze einer systemischen Krankheits- und Therapietheorie“
Seite 98f u. 102; Carl Auer Systeme Verlag 2.Auflage 2001