"Im alten Ägypten sahen die Menschen ihre Seele als Vogelgestalt.
Dabei ist "Ka" der Doppelgänger der Seele - die Wesensseele, der/die im Jenseits schwebt,
und "Ba" der menschenköpfige Seelenvogel - die Exkursionsseele hier auf Erden, der/die
im Innersten eines Menschen wirkt. Stirbt dieser Mensch, so verlässt
der Seelenvogel [Ba] den toten Körper."
[(1) S.9]

Der Seelenvogel (Ba - Exkursionsseele, Unser unzerstörbarer Geist, Ursubstanz) der Ägyptischen Mythologie.
Bezeichnung für einen bestimmten Aspekt des Seelischen, der sich trotz einer engen Bindung an den Körper
von diesem ablösen und entfernen kann. Solche Seelen, die den Körper verlassen und eigenständig agieren,
werden in der Ethnologie und Religionswissenschaft „Freiseelen“ [Ka, Ba] genannt.
[ergänzt/ Quelle: WiKi]

Als "Geistprinzip" kannten die Ägypter Ba, was vielerlei Bedeutungen hatte, etwa "leuchtender Stern"
oder "Öffnung", "Loch", und häufig wurde Ba auch als Vogel dargestellt. Der Vogel ist bei fast allen
Völkern ein Symbol für den Geist, der gerade den Körper verlässt und gilt zudem als Träger der
Lichkraft
. Neben Licht bedeutet Ba zusätzlich Feuer oder innerstes Wesen, etwas Geistiges,
Unzerstörbares, und es verlässt den Körper durch ein Loch im Kopf, die Fontanelle. Wenn
Ba den Körper verlässt, stirbt der Mensch, schläft ein oder wird bewusstlos. Es ist Ba,
das den Körper lebendig macht, das in den Himmel, das Lichtland, zurückkehrt
und selbst ein Lichtgeist ist! Modern gesprochen ist Ba Lichtenergie, Photon
,
Ursubstanz und Grundbaustein unseres Daseins, unser Ur-Wesen."
Aus: Holger Kalweit: "Liebe und Tod - Vom Umgang mit dem Sterben"
Der Geist im Lichthimmel. Die Geist-Dimension. Geist-Paradoxien
Geist-Stoff - der Stoff der Welt Seite 231f. KOHA 2006


Der Seelenvogel

"Die Seele - sie lebt in uns, um und über uns und verbindet uns mit der Erde und dem Himmel.
So groß, ja so groß ist die Seele - und dennoch haben sie nur wenige Menschen gesehen.
Und diese wenigen, die die Seele erblickt haben, waren erstaunt: Die Seele erschien ihnen
nicht in Riesengestalt, sondern als kleiner weißer Vogel.


Aber eigentlich ist es nicht überraschend - denn tief im Innern der Seele wohnt tatsächlich ein Vogel, der Seelenvogel -
er hat listige Augen, einen roten Schnabel, weiße Federn und steht - bevorzugt - auf einem Bein, manchmal auf dem rechten,
manchmal auf dem linken. Sein Gesicht hat ziemliche Ähnlichkeit mit einem menschlichen Antlitz - das wussten schon
die alten Ägypter.


Die alten Ägypter wussten auch, dass der Seelenvogel schon lange vor der Geburt in die kleine Menschenseele hineinschlüpft
und darin bleibt, in harten und glücklichen Zeiten. Erst mit dem Tode verlässt der Seelenvogel den menschlichen Körper
durch das linke Ohr und fliegt mit bedeckten Augen zum Himmel hoch ...



Eine Darstellung des Ba-Seelenvogels aus dem Ägyptischen Totenbuch.
Stirbt dieser Mensch, so verlässt der "Ba" - Seelenvogel den toten Körper

[ergänzt/Quelle: WiKi]

Lieber Seelenvogel - woher kommst du, was tust du,
wohin gehst du nach meinem Tod?


Der Seelenvogel lächelt: "Ihr Menschen müsst immer fragen ... immer Erklärungen haben ..."

Und - nach einer Pause - fährt er fort zu reden:
"Die kosmische Seele schickt mich zu dir, damit deine Seele nicht verloren geht ... Und was ich tue?
Ich esse nicht, ich schaue nur ... und wenn du weinst, dann kommen auch mir die Tränen,
und wenn du lachst, dann kichere ich mit. Du siehst - du bist nicht allein, immer bin ich bei dir...
Und ich helfe dir, wenn du willst, glasklare Gedanken zu fassen und leuchtend-rote Liebe zu spüren.

Und nach deinem Tode?
Da trage ich fliegend deine Seele in den Kosmos zurück,
wo sie sich glücklich auflösen wird ..."

Ich: "Was machst du, wenn ich böse bin?"

Seelenvogel: "Dann helfe ich dir - richtig - böse zu sein ..., richtig heißt:
auch im Böse-Sein die Liebe nicht ganz zu verlieren ..."


Ich: "Und wenn ich glücklich bin?"

Seelenvogel: "Dann freu ich mich mit dir, und gleichzeitig sorge ich dafür,
dass dein Glück begrenzt ist ..."


Ich: "Warum denn das?"

Seelenvogel: "Du sollst Mensch bleiben und Begrenztheit erfahren. Wenn du die menschlichen Grenzen
aufheben möchtest, dann musst du mit mir - mit mir - fliegen ..."


Ich: "Das heißt wohl - nur im Sterben werde ich meine Grenzen lösen ...
Bist du, lieber Seelenvogel, bist du unsterblich?"


Seelenvogel: "Sterblich - unsterblich - was heißt das schon ... willst du wirklich immer leben, ewig und ewig so weiterleben ... du ruhst
all-nächtlich in deinem Tiefschlaf ... der Tiefschlaf ist ein kleiner Tod, traumlos ist der Tiefschlaf, die Versuchung des Sterblichen ...
du wagst es - oder du freust dich gar darauf, jede Nacht probeweise das Tor des Todes zu durchschreiten, indem du dich in den
endlosen See des Tiefschlafs hinein sinken lässt ... der all-nächtlich erfahrene kleine Tod im Schlafe gehört zum Gezeitenwechsel
des Lebens ... Tag und Nacht ... Sonne und Mond ... Leben und Tod ... Tätigsein und ewig scheinende Ruhe ...
Was sagt dein Herz jetzt?"


Ich: "Ich weiß nicht."

Seelenvogel: "Das ist eine kluge Antwort ..."

Ich: "Kennst du all meine Geheimnisse?"

Seelenvogel: "Ich bin dein Geheimnis - ich, dein Seelenvogel, bin dein Geheimnis ...
hüte es gut, dein Geheimnis ..."




"With a little help from my friends"

"Bei lang währenden psychischen Leiden oder in akuter Krise, bedarf es manchmal helfender Personen,
die dazu beitragen, dass seelische Wunden wieder verheilen. Ob es sich bei diesen helfenden Personen
um professionelle Helfer oder um engagierte Freunde handelt, gleichermaßen stellt sich die Frage:


Welche Haltungen und Aktivitäten sind in der Rolle als Helfer förderlich?


Die Antwort ist einfach: Wenn der Seelenvogel rebelliert, schreit, weint, keine Freunde hat,
sich scheu zurückzieht oder total verrückt spielt, dann kann ich
- als Helfer, Begleiter -


einengend sein: den Seelenvogel (wieder) domestizieren und in den Käfig sperren
(vergleichbar dem Vorgehen der klassischen Psychiatrie), oder ich kann


befreiend wirken: dem Seelenvogel in Würde, liebevoll begegnen ... Dies ist das Entscheidende,

es bedeutet im einzelnen:

sich einfühlen in den Seelenvogel des anderen Menschen, in sein Tun und seine Laune,
ihn annehmen und ernst nehmen, so, wie er sich gebärdet, ausgesandte Symbole erkennen und versuchen, sie zu verstehen,
seinen Wunsch nach - vielleicht radikaler - Änderung erahnen und ihn dabei unterstützen, seine inneren Kräfte zu entdecken und
zu entfalten, ihn gewähren lassen, soweit er anderen nicht schadet und sich selbst nicht ruiniert, den Werde-Prozess des Seelenvogels
wahrnehmen und seine Wandlung begleiten - Katharsis - ein anderer Vogel - Phönix - kreierte sich in radikaler Wandlung selbst ...


Bei dieser einfühlsamen Zuwendung eines Therapeuten oder natürlichen Helfers entsteht eine Atmosphäre, die auch als
"therapeutisch-liebevolle Anteilnahme" benannt werden könnte, was im Christentum der Nächstenliebe ähnlich kommt ...


Das Entscheidende am Erfolg einer (professionellen) Psychotherapie ist ein möglichst großes Vertrauensverhältnis
zwischen Klient [Karl Rogers (1902-1987] und Therapeut, von untergeordneter Bedeutung ist die Methodik (ob Psychoanalyse
oder Verhaltenstherapie, Gestalt- oder Gesprächstherapie, Bioenergetik oder Systemische Therapie - extrem exotische Verfahren
seien mal ausgenommen). Ein solch "großes Vertrauensverhältnis" kann selbstverständlich auch von einem natürlichen Helfer
aufgebaut werden ...



Entscheidend sind die Grundprämissen therapeutischen Handelns:


Die Würde des Menschen achten, einfühlsam Anteil nehmen und
den anderen in seinem So-Sein akzeptieren und Hoffnung geben


Einschränkend sei, wenn der Klient Gewalt übt gegen Mitmenschen, z.B. sexuellen Missbrauch, psychische oder physische Folter.
Hier muss der Helfer kraft seiner Autorität entsprechend intervenieren und den Klienten keineswegs in seinem So-Sein bestärken,
sondern ihn zu anderen Maßnahmen führen.


Selbstheilungs-Kräfte mobilisieren und die ureigene Lebensphilosophie
herauskristallisieren


Den Menschen als soziales und potentiell liebevolles Wesen fördern

Therapeutisch-kreative Distanz üben, um Abhängigkeit zu vermeiden
und Raum zu geben für Selbstregulierung


Das Ziel der Psychotherapie klar und plastisch beschreiben und
problem-spezifische Methoden und Übungen zur Selbstregulierung
anbieten...


Doch nochmals sei betont:

Die jedem Menschen innewohnenden Kräfte der Selbstregulierung versuchen, einen gestörten Seelenvogel
wieder in ein inneres Gleichgewicht zu bringen. Das nach einer Krise gewonnene "neue" Gleichgewicht kann
von dem ursprünglichen Zustand weit entfernt sein - und ist alles andere als stabil, denn der Mensch ist ständig
wechselnden Erschütterungen ausgesetzt, etwa durch seine Mitmenschen, durch Umwelteinflüsse, durch
das "innere Verarbeiten" seiner Sinneseindrücke. Diese wechselnden Gezeiten und Stürme im Seelenleben
sind natürlich - und natürlich ist auch, wenn man dabei - falls nötig - Hilfe erfährt durch seine Mitmenschen ..."
[(1) S.80-83]



"Zu Anfang einer Therapie ist es wichtig, die Frage nach der individuellen Lebensphilosophie
und der geheimen eigenen Religion des Klienten zu stellen. Hieraus erwächst eine gewisse Reifeprüfung
für den Therapeuten, denn er muss gewillt sein, einen anderen Menschen auf seinen wagnisreichen Wegen und
Irrwegen zu begleiten, auch wenn er meint, es besser zu wissen aufgrund seiner Erfahrungen. Doch ein Besser-Wissen
in Bezug auf den Klienten soll es in der Therapie nicht geben, es würde nicht nur das Spektrum des Klienten
beschneiden, sondern auch - global - die weite Fülle des Lebens beengen und begrenzen.


Nebenbei bemerkt:
Genau diese Beengungs- und Begrenzungsstrategie verfolgt die klassische Psychiatrie, indem sie -
"wissenschaftlich" begründet - vorgibt, alles zu wissen über das Gesund-Sein und Krank-Sein der Psyche ..."
[(1) S.115]

"Die Menschen haben vergessen, dass sie als schöpferische "Künstler des Lebens" geboren wurden ...
Das Leben eines Künstlers des Lebens spiegelt jedes Bild wider, das er aus der unerschöpflichen Quelle
seines Unbewussten erschafft. Jede seiner Taten ist Ausdruck seiner Originalität, Schöpferkraft und
lebendigen Persönlichkeit. In ihm gibt es keine Konventionalität, keine Konformität, keine hemmende
Motivierung. Er bewegt sich so, wie es ihm gefällt. Sein Verhalten ist wie das des Windes, er bläst,
wie er mag. Sein Ich ist nicht in seiner fragmentarischen, begrenzten, gehemmten egozentrischen
Existenz eingekerkert; er hat sein Gefängnis verlassen."

Daisetsu Teitaro Suzuki
(1870-1966)
Ein bekannter japanischer Autor von Büchern
über den Zen-Buddhismus.



Aus dem "Patienten-Dasein" zum Therapeuten werden

"Sie erinnern sich: Der Seelenvogel schreit in Angst, Verzweiflung, Verwirrung,
er fühlt sich wertlos und elendiglich ...


Als professioneller oder natürlicher Therapeut kann man den Seelenvogel in einen Käfig sperren -
irgendwann wird der Seelenvogel sich beruhigen: die brachiale Domestizierung ist der bequemste Weg.
Und hinzu kommt: Manche Seelenvögel lassen sich sogar gerne einsperren.


Oder: Man kann - als professioneller oder natürlicher Therapeut - dem Seelenvogel zur Freiheit verhelfen,
dies ist selten einfach, oft bedarf es einer großen Hingabe, einem freund-lichen Einfühlungsvermögen
und einer am Du-orientierten grenzenlosen Phantasie.


Versuchen sie folgendes Paradoxon zu erspüren:
Nur aus einer psychischen Extremlage, ohne die gängigen Werktage der Logik, kann sich ein Mensch
geistig-seelisch in eine höhere Ebene entwickeln. Eine Methode des Zen besteht darin, den Schüler in eine
existentielle Ausnahmesituation zu bringen, aus der er sich nur ohne Logik - irr-rational - befreien kann.


Ein Mensch in psychischer Krise ist in einer ungemein privilegierten - und gleichermaßen leidvollen - Situation,
in der er existentielle Grenzerfahrungen durchleben "darf", einen Ausweg jenseits der Vernunft finden muss
und so eine höhere Stufe in Richtung auf die Ur-Seele - das Selbst, das "Göttliche" - erklimmen kann.
Dieses soeben bezeichnete Selbst enthält im Kern Erlösendes.


Der Therapeut ist dabei kein Therapeut im schulmedizinischen Sinne. Er ist ein "Meister", der gleichzeitig
diesen Titel ablehnt, weil er weder Hybris will noch Besserwisserei - ein Meister, der seine eigene Psyche
wie auch seine eigene soziale Umgebung meistert und dem Klienten das Existentielle widerspiegeln kann:
das menschliche Leben in seiner extremen Vielfalt - das Leben - eben -... Das Sein ...

Aber es gibt auch als Behandlungsweg eine Psychologie ohne Seele, geschaffen für die, die keine höheren Bedürfnisse
(dies ist nicht wertend gemeint) haben, sondern lediglich - wieder oder zum ersten Mal - im Alltag funktionieren oder von Symptomen
frei sein wollen. Dies ermöglicht ein Weiterleben mit weniger Sorgen, ein Eintauchen in das all-bekannte Leben der Alltäglichkeit,
das wenig Einsamkeit bringt und viele erfreuliche Ablenkungen. Dies kann bedeuten, sich halbwegs gemütlich einzurichten in dieser Welt,
wo man gelernt hat, die Widrigkeiten des Alltags zu ertragen, ohne sie zu hinterfragen, und wo man die geheimnisvolle Tür zum Sein
nur eine Handbreit oder gar nicht öffnet.

"Das Ich, das "ich möchte dies - ich möchte das" sagen kann, und das Ich, das will - ist eine schwache Kreatur;
es muss sich am Ende verständigen mit dem hartnäckigen, dem zähen Ich: das stumm ist, das niemals redet,
das nicht argumentiert; und in manchen Menschen vielleicht der Wächter ist - doch in Menschen meiner Art
der dumpfe, der unerbittliche, der unüberwindliche Geist der Mittelmäßigkeit ... Da war eine Tür, und ich konnte
sie nicht öffnen. Ich reichte nicht bis an die Klinke. Warum konnte ich mein Gefängnis nicht verlassen?
Was ist die Hölle? Die Hölle ist man selbst, allein. Die anderen Gestalten darin sind nur Projektionen.
Da ist nichts, wovor und nichts, wohin man fliehen könnte. Man ist immer allein. Man ist immer allein."


Thomas Stearns Eliot
(1888-1965)
"Cocktailparty" (1949) - Komödie in 3 Akten
1948 Literatur-Nobelpreis


Aufbauend auf den Prägungen der Psychomatrix (z.B. während der Kindheit) und einer genetisch-neuralen Schablone
(als angeborene Gegebenheit = Basisequipment) erwächst bewusst oder instinktiv die individuelle Lebensphilosophie, die
eigene, geheime Religion, die individuelle Antwort gibt (oder geben kann) auf die Frage, warum ich auf dieser Erde bin.
Erfahrungsgemäß übersteigt dabei die eigene geheime Religion in ihren Inhalten und ihrer Tragweite die (in den
Industrieländern) staatstragende philosophische Ideologie des Konsumismus.


Die meisten psychischen Konflikte und so genannten psychischen Krankheiten sind letztendlich fundamentalistische Antworten
oder fundamentalistische Widersprüche bezüglich der individuellen Lebensphilosophie, der eigenen geheimen "Religion".
Um irgendeine "psychische Krankheit" - ob Depression oder so genannte Psychose - zu verstehen, muss man zuerst in
den Tempel der privaten Lebensphilosophie eintreten. Es ist wenig ergiebig zu versuchen, eine "psychische Krankheit"
zu heilen, bevor man nicht die private Lebensphilosophie des betroffenen Menschen erkundet hat."


"Freundlich-einfühlsame Anteilnahme bei gleichzeitig therapeutisch-kreativer Distanz
und Stimulierung der Selbstheilungskräfte."


"Empathie (im Sinne von einfühlendem, nicht wertenden Verstehen),
positive Wertschätzung, Sich-sorgen, emotionale Wärme und
Echtsein im therapeutischen Verhalten"


"Empathie - Achten - Echtsein"

""Heil" im Sinne von Annehmen des Weltlichen und Kosmischen, dessen, was ist,
des eigenen Da-Seins, wie es ist, und dabei in einem - traurigen oder fröhlichen -
Gelassen-Sein leben ..."


"Der "Patient" hilft sich selbst und hilft dem andern.
Er wird zum Therapeuten des eigenen Ich und
zum Therapeuten des ihn umgebenden Du."




"Betrachtung der sechs inneren und äußeren Grundlagen des Bewusstseins"
Bewusstseinvorstellung aus dem europäischen 17. Jahrhundert
[Bildquelle: Wikipedia]
Robert Fudd
(1574-1651)
Arzt und Philosoph


"Der universale Raum dehnt sich grenzenlos aus - ist überall, hoch oben in den Sternen oder in unserem Zimmer.
Ausgehend von diesem Gleichnis, bitte ich Sie, sich vorzustellen, dass das "Seelische", das ich "Ur-Seele" nenne,
über-all ist, im Kosmos und hier auf erden, in allen Lebewesen und wohl auch in den Dingen. Die Ur-Seele -
vergleichbar dem Raum - erfüllt alles - und erfüllt natürlich auch Sie und Ihre Persönlichkeit - die Ur-Seele ist
das transpersonale Sein, ist das "höhere Selbst" und im weiteren sinne - "Göttliches".


Ein winziger Teil der Ur-Seele löst sich gewissermaßen und inkorporiert sich in einem Einzelwesen,
zum Beispiel in einem Menschen. Ähnlich ist es, wenn der unendliche Raum auch einen tönernen Krug füllt:
Der Raum in dem Kruge unterscheidet sich vom allumfassenden Raum nur durch seine Begrenztheit.
Ebenso unterscheidet sich die Individual-Seele (das "kleine Selbst") von der Ur-Seele
einzig durch ihre Begrenztheit ..."
[(1) S.39]

"Bei manchen Lebewesen - oder bei allen? - kristallisiert sich inmitten des Meeres der "Individual-Seele"
eine kleine Insel des Bewusst-Seins. Man ist nicht nur die eigene Existenz, sondern man kann gewissermaßen
auch daneben stehen und seine eigene Existenz - wie von außen - betrachten. Bewusst-Sein. Ein weiterer Schritt
führt zum Ich-Bewusstsein, Ego-Bewusstsein.


Die genetisch-neurale Schablone ist das Basis-Equipment der Psycho-Matrix (1).
Die Psycho-Matrix erfährt aber von Anbeginn ihres Seins dauernde und zahllose Prägungen
und Konditionierungen, die allmählich zum Aufbau von relativ selbständigen Matrix-Einheiten -
so genannten Ego-Bausteinen - führen. Der Mensch verfügt nicht nur über ein "Ego",
sondern über viele Egos.


Beispiel: die kleine C. sieht am Gartentor ihre Freundin (Wahrnehmung, Außenreiz) und freut sich
(die Wahrnehmung gelangt ungefiltert zur Psycho-Matrix und hat eine Stimmung erzeugt).
In Sekundenschnelle werden noch andere Instanzen der seelischen Matrix berührt (Denken, Gedächtnis, Imagination,
soziales Empfinden etc.), schließlich wird unter den vielen Egos eine Auswahl getroffen und dem "kindlichen Spiel-Ego"
der Auftrag erteilt zu reagieren. Die kleine C. ruft: "Komm rein, wir können vielleicht baden gehen und dann Eis essen."
Alsdann wird das "kindliche Vernunft-Ego" mobilisiert und C. sagt weiter: "Ich frag' gleich den Papa ..."


Siehe ZITATE: Friedemann Schulz von Thun / Mein Inneres Team >>>

Auch ohne Außenreize ist die Psycho-Matrix in eine ständige Selbstbeschäftigung vertieft, die einzelnen Instanzen der Matrix
"reden" dauernd angeregt miteinander und stimmen Prägungen und Reaktionsmuster untereinander ab. Wenn vorher von
mehreren Egos gesprochen wurde, dann auch deshalb, weil dadurch sichtbar wird, dass der Mensch nicht nur über eine
Persönlichkeit, nicht nur über ein Ego verfügt, sondern eine ganze Horde von Egos dirigieren muss. Das bewusste
Kennenlernen dieser Teil-Persönlichkeiten ist nicht nur für Menschen mit psychischen Störungen nützlich,
sondern kann auch von "Normalen" auf sehr kreative Weise im Alltag gewinnend eingesetzt werden.
Viele Mitglieder unserer Leistungsgesellschaft schaffen sich jedoch immer neue, besonders gut funktionierende Ichs,
die - rekordsüchtig - auf noch mehr Großtaten, Arbeits-output und glänzende Auftritte getrimmt werden. Im vielleicht
winzigen Moment einer kleinen Erleuchtung ahnt man dann, dass dies nicht der Sinn des Lebens sein kann und spürt
eine unbestimmte Sehnsuchz nach einem Zustand, wo man - einfach - ohne diese multiplen Egos glücklich sein kann.


Wahrnehmungen, Empfindungen und Erfahrungen stürmen durch den mentalen Filter [individueller + sozialer Filter (1)] hindurch
und ergießen sich auf die diversen psychischen Matrices; diese sprechen sich dann schnell untereinander ab, einer oder
mehrere Ego-Bausteine erhalten den Auftrag zu reagieren, meist in Form eines konditionierten Reflexes.


Doch die Menschen (und auch die Tiere, vielleicht auch die Pflanzen) müssen nicht nur reflektorisch handeln, sie können auch
tief im Innern der Seele eine bewusste, ein-malige Entscheidung wählen: ein schöpferisches Unikat (!), anstelle des serienmäßigen
und ubiquitär vorhandene Reflexverhaltens. Das Ergebnis des Reflex-Verhaltens ist eine einfache Re-aktion (wobei "einfach" nicht
abwertend gemeint ist). Das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, einer getroffenen Wahl (!) ist schöpferisch und zeigt sich
als selbständige Handlung. Nehmen wir einen einzigen, beliebigen Alltag unseres Lebens: Wie oft handeln wir reflektorisch,
in Re-aktion - wie oft handeln wir aus bewusster, freier Entscheidung, in einem selbständigen Tun?


Die Wahrnehmung haben wir als wichtiges Geschehen beschrieben, durch das die psychischen Matrices in Bewegung geraten.
Die Wahrnehmung ist vielfältig: Sehen, Hören, Riechen, tastendes Spüren, Schmecken, Temperatur und Lage empfinden,
Tasten - und der siebte Sinn - und so weiter. Die Wahrnehmung ist - wie sollte es anders sein - kein objektiver Vorgang:
Jeder sieht die Welt mit anderen Augen, jeder erlebt eine andere Realität!
Was wir wahrnehmen, ist nur eine Illusion, ist nicht die Realität,
sondern ein - subjektiv vor gefärbtes - Abbild.
"[(1) S.46-48]

(1) Während der frühen Kinderjahre baut sich - spezifisch für jede gesellschaftliche Kultur - ein "sozialer Filter" auf, der gewissermaßen die Psycho-Matrix
umhüllt. Dieser Filter erwächst aus den Normen, Geboten und Gepflogenheiten einer menschlichen Kultur, aus ihren Wertvorstellungen, moralischen und
religiösen Kategorien: Was ist gut, was ist böse? Was darf ich immer, was darf ich ausnahmsweise, was darf ich nie? Wer ist liebenswert, wer ist ab-
zulehnen? Was darf ich anschauen, was darf ich sagen und was nicht? Wann werde ich gelobt, wann bestraft? Welches Verhalten wird erwünscht?
Was ist wichtig im Leben? Was ist logisch, was ist unvernünftig? Was tut mir gut und darf in mich eindringen? Wovor muss ich mich schützen,
weil es mich verletzen könnte? Welche Märchengestalten sind wahr? Gibt es Dämonen, Kobolde, Schutzengel, Heilige, Götter?

Parallel zu diesem sozialen Filter ersteht ein "individueller Filter" aus eigener Erfahrung; als Beispiel möge eine kindliche Erfahrung dienen:
Werktags gibt es auf strenge Anweisung der Mutter nie Eiscreme, also wird die Versuchung einer Werbetafel mit Eiscreme an Werktagen gar nicht
erst richtig in das Bewusstsein (Teil der Psycho-Matrix) vordringen. Somit entsteht auch kein bewusster Konflikt zwischen Lust und Verbot.
Der soziale und der individuelle Filter lassen sich - der Einfachheit halber - als "mentaler Filter" zusammenfassen.
Alle Wahrnehmungen (auftretende Reize, Informationen) und Empfindungen (X) können nur dann bis zur Psycho-Matrix vordringen,
wenn sie vom mentalen Filter durchgelassen werden. Der mentale Filter hat eine Schutz- und Auswahlfunktion. Bestimmte elementare,
für das (Über)Leben essentielle Empfindungen/Wahrnehmungen wie Durst, Hunger, Schmerz und sexuelle Lust durchlaufen offenbar
mühelos das Filtersystem und werden uns bewusst, ebenso wie Empfindungen von entstehenden Gefahren. Subtilere affektive Empfindungen, wie z.B.
eine liebevolle Atmosphäre, eine feindselige Spannung oder die Empfindung beim Anblick des aufgehenden Vollmondes durchqueren bei manchen den
mentalen Filter, bei andern nicht oder nur teilweise. Dies hängt davon, wie der mentale Filter vom jeweiligen gesellschaftlichen Kulturkreis und vom Elternhaus
geformt wurde. Rigide, ängstliche Eltern verdichten das Filtersystem ihres Kindes (z.B. durch unzählige Verbote), was dazu führt, dass das Kind sich weniger
Wahrnehmungen und Empfindungen bewusst wird: Die Psycho-Matrix eines solchen Kindes kann somit weniger Eindrücke sammeln. Gleichgültige oder oft-
abwesende Eltern
schaffen bei ihrem Kind ein unvollständiges, "durchlöchertes" Filtersystem und somit eine mangelhafte Schutzfunktion. Aufgeschlossene,
unbeschwerte Eltern
, die vielleicht noch zusätzlich eine glückliche Atmosphäre schaffen, machen den mentalen Filter ihres Kindes grundsätzlich durchgängiger
und offener: Das Kind muss gegen "normale" Reize und Informationen keine unnötigen Barrikaden errichten, denn es hat gelernt, schädigende Außenreize zu
erkennen und abzuwehren. die Psycho-Matrix eines solchen freien Kindes sammelt reichhaltige Eindrücke, das Reservoir für Wahrnehmungen,
Empfindungen und Erfahrungen wird gefüllt.

Das ["geistige"] mentale Filtersystem kann ganz oder teilweise ausgeschaltet werden:
dies geschieht durch bestimmte Drogen, am eindruckvollsten durch Psychedelika (das bekannteste ist LSD), auch durch
Psychostimulantien (wie Ecstasy oder Crack, weniger durch Kokain) und - dosisabhängig - durch Euphorika (wie Alkohol, Opium,
Cannabis). Ebenso kann sich das Filtersystem auflösen in extremen psychischen Zuständen (rasende Angst bis Panik), unter
extremen Umweltbedingungen
, z.B. einsam in der Hitze der Wüste, so genannter Reizentzug oder - im Gegenteil - durch Reizüberflutung,
z.B. exzessive Techno-Disco. Das Gros von Wahrnehmungen (z.B. das Hören eines Liedes, Riechen einer Speise) oder Empfindungen
(Spüren einer angenehmen Atmosphäre) oder Erfahrungen (z.B. das anerkennende Lächeln eines Mitmenschen nach einer bestimmten
Leistung) durchqueren den mentalen Filter und erreichen die Psycho-Matrix, ohne dass wir uns dieses Vorgangs unbedingt bewusst werden.
So sammeln wir ständig - unbewusst - Informationen und Eindrücke und speichern sie. Was alles in unseren Archiven und Vorratskammern
des Gehirns lagert, hat so unvorstellbare Ausmaße erreicht, dass keiner von uns dies annähernd überblicken könnte. Hinzu kommen noch
die bereits beschriebenen, gewissermaßen prähistorischen Empfindungen aus unserer Pränatalzeit."
[(1) S.43-45]

(X) Empfindung wird hier nicht im Sinne der üblichen psychologischen Terminologie verwendet, sondern im Sinne von Wahrnehmen einer Atmosphäre, Wahrnehmen (Spüren)
der Stimmung eines anderen Menschen, Wahrnehmen (Spüren) von Liebe, oder der "siebte Sinn" im Wahrnehmen von Gefahren, Chancen oder über-sinnlichen Gegebenheiten.




Mehrere Tore zur Innenwelt

"Wenn wir Erde und Kosmos betrachten, so ist das psychische Phänomen nur ein - eigentlich nicht abgrenzbarer -
Teil des kosmischen Phänomens. Man kann sich vorstellen, dass sich - ähnlich der unendlichen Ausbreitung des "Raums" -
auch eine Ur-Seele unendlich verbreitet, überall ist. Von dieser Ur-Seele (die wir auch das "höhere Selbst" nennen können)
grenzt sich die Individual-Seele ab, die Individual-Seele eines Menschen oder einer Katze, gewissermaßen das "kleine Selbst";
die Individual-Seele wird eigenständig und bleibt dennoch verbundener Teil der allumfassenden Ur-Seele. Man muss sich
klarmachen, dass die Individual-Seele mit all ihren Mannigfaltigkeiten der einzige "geistige Teil" des Kosmos ist, der für uns
unmittelbar erfahrbar wird und somit unerlässliche Bedingung einer allgemeinen kosmischen Erfahrung ist.
Unsere Individual-Seele ist nicht nur das Tor zur Innenwelt, sondern darüber hinaus das einzige Fenster,
durch das wir die universale Welt, das Kosmische schauen können.

An unserer Individual-Seele können wir unendlich viele Facetten entdecken und betrachten. Für diesen Facettenreichtum
der Seele haben sich im Verlaufe der letzten 100 bis 200 Jahre aus dem Bereich der Psychologie eine Reihe von Begriffen
entwickelt, die weitgehend auch sprachlich Allgemeingut geworden sind: Mit diesen Begriffen werden letztendlich
unfassbare, dennoch erfahrbare Zustände der Individual-Seele umschrieben.

Bitte lesen Sie die folgende Darstellung von unten nach oben:

Wahrnehmbare Facetten der Individual-Seele:
Liebe
Weisheit, Vision
Bezogen-Sein zum Kosmischen, zum "Göttlichen"
Todähnlicher Tiefschlaf
Trance, Ekstase, Meditation
Archetypisches Seelenleben
Reservoir individueller Wahrnehmungen
und Empfindungen
(so genanntes Unbewusstes)
Reservoir für (zum Teil verdrängte) Erlebnisse
und Erfahrungen
Träume
Instinkt, Intuition
Bewusstsein
Ich-Bewusstsein und Ego-Bausteine
Imagination
Willensvorgänge
soziales Empfinden, innere Sensibilität
Erotik
Gefühle
Gestimmt-Sein (von Melancholie bis Euphorie,
von Gelassenheit bis Wut oder Angst...)
Denken, Gedächtnis
Triebe (zum Beispiel Sexualität, Aggression)
Sinneswahrnehmung
Psychomatrix und mentaler Filter
Lebensenergie


Die Psyche wirkt auf den Körper ein - dabei entstehen
sichtbare Reaktionen und spontanes Tun:


- sich ziel-gerichtet bewegen im Sinne von Tätig-sein
(angreifen, fliehen, mitgehen, bei-sich-bleiben)

- sprechen, auch in der Zeichensprache

- Ausdruck (Gesichtsausdruck, Körperhaltung) zeigen
(z.B. Traurigkeit, Angst oder Liebe)

-
Wärme oder Kälte ausstrahlen

Einige der oben genannten psychischen Gegebenheiten werden auch unter dem Begriff "Geist", bzw.
geistige Funktionen subsumiert, wobei "Geist" als ein von Körper und Psyche unterschiedlicher Wesenteil des Menschen
gesehen wird (früher auch als Geist-Seele-Körper-Verhältnis bezeichnet).


Manche Psycho-Theoretiker definieren dann vier "geistige" Funktionen: Aufnahme (input), Speicherung, Verarbeitung
und Ausgabe (output) von Informationen. Die Informationsaufnahme erfolgt durch Augen, Ohren und die anderen Sinnesorgane,
gespeichert wird im Gedächtnis, die Informationsverarbeitung wird gemeinhin Denken genannt, als Träger von Informations-output
fungieren vor allem die gesprochene und geschriebene Sprache, auch die Zeichensprache.


Der Mensch als Informations-gesteuertes Wesen - anders verhält es sich in der philosophischen und religiösen Begriffswelt:
Hier spielt "Geist" (lateinisch: spiritus) als immaterielles Wesen eine eigene Rolle. Wo wird vom "göttlichen Geist" gesprochen und vom -
den verschiedene Religionen eigenen - "rein geistigen Wesen" (Götter, Heilige, Engel), die allesamt in ihrem Sein nicht an Materielles
gebunden sind. Nun kann auch der Seele des Menschen eine Geistnatur zuerkannt werden, wenn man davon ausgeht, dass die Seele
sich zwar mit dem Leib verbindet, aber auch ohne ihn existieren kann. Nicht nur beim Tod des individuellen Körpers, sondern auch im
intuitiven Erleben und/oder im Bezogen-sein zum Kosmisch-Göttlichen kann sich die (Individual-) Seele vom Körper loslösen und geistiges Sein
erreichen. Ob außer den Menschen-, Tier- und Pflanzen-Seelen noch andere "irdische Geistwesen" ("verirrte Seelen", Spukgeister, Dämonen,
Naturgeister, elfen usw.) die Erde beleben, wissen wir nicht, können wir aber erahnen. Die Existenz "irdischer Geistwesen" lässt sich mit den
üblichen wissenschaftlichen Methoden nicht ergründen; doch lässt sich ebenso wenig beweisen, dass sie nur Hirngespinste sind.


Bei der - psychologischen - Betrachtung des menschlichen Da-seins ist eine Trennung der Begriffe "Geist" und "Psyche" artifiziell
und keineswegs zweckdienlich; so wird der Terminus "Geist" in diesem Buch selten, und wenn, dann als Synonym für Psyche
(oder Seele) verwendet.


Um einige der oben erwähnten Facetten der Individual-Seele veranschaulichen zu können, gebe ich ein einfaches Beispiel:
An einem späten Sommernachmittag ziehen Wolken auf, ich ahne (ahnen und intuieren), es wird in nächster Zeit regnen ...
Tatsächlich höre ich alsbald ein leises seltsam-platschendes Geräusch (Sinneswahrnehmung) ... Ich höre, spüre, sehe, taste,
schmecke meine Um-welt, doch diese Sinneswahrnehmungen bedeuten mir nur, dass da etwas Sinn-erregendes (Sinnliches) ist,
es sagt mir aber primär nicht, was es ist ... Nach Bruchteilen von Sekunden erkenne ich das seltsam-platschende Geräusch als beginnenden
Regen - diese Erkenntnis entspringt einem Vorgang, den wir Denken nennen (in unserem Beispiel ein sehr schnell, fast gleichzeitig mit den Sinnes-
eindrücken einsetzendes Denken). Das Denken (mit Hilfe des damit verbundenen Gedächtnisses) übermittelt mir, was hinter des Sinneswahrnehmung
steckt ... Und der Regen erzeugt eine Stimmung, zum Beispiel: "Ach ja, der Sommer geht zu Ende, bald beginnen die grauen Tage ... Melancholie ..."
(Gestimmt-sein) ... Mein kleiner Sohn fragt: "Kommt der Regen vom lieben Gott?" (einfaches Bezogen-sein zum Kosmisch-Göttlichen) ... Ich lächele,
stimme ihm zu und behalte meine recht abstrakte mit Zweifeln besetzte Gottesvorstellung für mich (Weisheit), dann betrachte ich meinen kleinen Sohn
mit beschützenden Gefühlen, die tief aus dem Herzen kommen (soziales Empfinden ... Liebe ...) ... Ich trete hinaus ins Freie und spüre den inzwischen
heftigen Regen und genieße ihn - ich schließe die Augen, atme weit und ruhig, Gedanken vergehen, die Sinne verrauschen, ich vermische mich mit
dem Regen (Trance) ... und verschwebe in zeitloser Leichtigkeit ...


Ein einfaches Beispiel, doch auch die Seele wirkt in ihrer Einfachheit, im Sinne von Einheit:
Dies bedeutet, dass die Seele keine Teile hat, in die sie sich zerlegen ließe.
Wir können die Seele lediglich von vielen Seiten beschauen und für das Gesehene passende Begriffe suchen
(Fühlen, Intuition, Bewusstsein etc.) und dabei den ein-fachen Reichtum unserer Seele bestaunen.
Wenn Psycho-logen die unterschiedlichen Facetten der Seele besehen,
dann analysieren sie und konstruieren theoretische Gebilde."




Die Entdeckung der individuellen Lebensphilosophie

"... Schmiede dir deine, schmieden sie sich ihre eigene Philosophie, werden Sie zum Religionsgründer
in eigener Angelegenheit... Willst du deine individuelle, ganz private - auch atheistische - Religion lieben,
oder willst du dich einer weit verbreiteten religiösen Richtung anschließen? Alle Religionen mit Millionen Anhängerschaft -
die Religionen der Christen, Mohammedaner, Hindus, Konfuzianer, Buddhisten, Taoisten, Schintiisten, die Religion der so
genannten Naturvölker etc. - all diese Religionen beziehen sich auf eine oder mehrere Gottheiten oder auf gottähnliche
Prinzipien. Alle Religionen haben ihre Propheten und Priester, die zwischen dem Gott-Prinzip und dem Menschen vermitteln:
Wohin willst du - als einzelner - dich wenden? Sokrates soll gesagt haben: "Ich weiß, dass ich nichts weiß."


Ratlosigkeit befiel auch den einzelnen, der in Systemen des dialektischen und historischen Materialismus lebte -
in den ehemals so genannten sozialistischen Staaten - Religion und Ideologie sind Geschwister geworden: statt Jesus, Buddha
oder Mohammed kamen Marx, Lenin und Mao-tse-tung als verbindliche Wegweiser, statt Priester wirkten Parteifunktionäre -
allesamt in Diensten eines "höheren Prinzips".


Die modernen Priester des heute herrschenden Konsumismus sind Showmaster, Politiker, Formel-1-Rennfahrer, erfolgreiche (Pop)Musiker
und Schauspieler - wie Priester sind sie von einer anderen Welt, in der Welt des sagenhaften Luxus, und sie sprechen - wie echte Priester -
zum gemeinen, kleinen Volk. Lassen Sie sich durch die Ideologie des herrschenden Konsumismus verführen?


Die Götterkreaturen der Religionen und die Ersatzgötter der Ideologien, von Marxismus bis Konsumismus, sind allesamt Produkte
der menschlichen Hirnphantasien ... atheistischer oder theistischer Glaube - was bekümmert dies das Universum?
Bestenfalls schenkt es den Menschen ein kosmisches Lächeln.

Die eigene Lebensphilosophie finden heißt, die Innenräume seiner Seele erforschen und bereit sein,
über diejenige Realität hinauszugehen, die man mit Händen oder menschlichen Begrifflichkeiten fassen kann ...


Was tun?

Das Leben so zu akzeptieren, wie es ist (was ein Engagement für eine bessere Welt nicht ausschließt), auch akzeptieren,
dass der einzelne keine eigene - im Sinne von "Eigen-sein" - Seele hat, nur eine Individual-Seele als reversible Ausstülpung
einer Ur-Seele. Die Individual-Seele zeigt wohl kein eigenständiges Weiterleben nach dem Tode. Mit dem Tode geht der Mensch
ein in ein allumfassendes Ganzes und verliert dabei seine Individualität, die er eigentlich nie gehabt, sondern die er sich nur
eingebildet hat... Das Akzeptieren der individuellen, psychischen Gegebenheiten kann für den einen Teil der eigenen
Lebensphilosophie sein. Für den anderen kann eine Änderung der Persönlichkeitsstruktur zum Lebensplan, zur eigenen
Lebensphilosophie, gehören.


Das Zauberwort, um den richtigen weg zu finden, heißt in-sich-hineinhorchen.
Diesen Prozess kann ein Therapeut intensivieren, er kann ihn aber auch behindern, indem ein Klient
zu sehr vom Therapeuten abhängig gemacht wird, oder indem durch eilfertig verordnete Psychopharmaka
das eigentliche wesentliche verschleiert wird."
[(1) S.118-121]



"Des Menschen Seele gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es.
Zum Himmel steigt es.
Und wieder nieder
zur Erde muss es.

Ewig wechselnd.

Seele des Menschen,
wie gleichst Du dem Wasser!

Schicksal des Menschen,
wie gleichst Du dem Wind!


Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
„Der berühmteste deutsche Dichter“




Das Ich

"In den ersten Meetings vollzieht sich der Aufbau der Persönlichkeit des Klienten - sehr praktisch
gesehen - mit Hilfe einer Vermehrung der Ich-Stärke, d.h. einer Erforschung und Stärkung der bewussten
Persönlichkeit. Auch dies geschieht auf natürliche und spontane weise millionenfach ohne Therapeuten.

Ablehnenswert ist es, wenn erfolgssüchtige Psycho-Trainer ein bis zur Rücksichtslosigkeit
wachsendes Mega-Ich bei ihren Kunden aufbauen.

Das Ich erkennen
Ich-Stärke aufbauen
und schließlich
diese Ich-Stärke ablegen
wie ein lästiges Gewand?


Ich-Stärke - kennen Sie das? Vermissen sie das? Wollen Sie Ich-Stärke erreichen oder überwinden?

Ich-Stärke umfasst ein sehr breites Spektrum und ist eine globale Wesensbeschreibung,
die folgendes bedeuten kann:

Ich bin aktiv und zwar eigen-mächtig; ich habe Durchsetzungsvermögen; ich bin mir meiner selbst bewusst;
ich pflege Autonomie - weitgehende Selbständigkeit - ich kann die Stürme des Lebens weitgehend autark meistern,
ich habe Ansprüche an andere, und ich erfülle in Maßen die Anforderungen meines sozialen Umfelds; Ängste,
Depressionen, psychosomatische und sexuelle Störungen kann ich - fast immer - souverän überwinden. Ich
gewinne immer mehr Selbstachtung, und ausgehend von meiner inneren Kraft kann ich mich auch - wohldosiert -
anderen gegenüber in meinem Fühlen und Denken öffnen. Ich setze mich durch und bin mir - selbstbewusst -
meiner enormen Fähigkeiten und Ressourcen bewusst. Ich habe eine persönliche Ausstrahlung und bin - obwohl
selbstkritisch - sicher auf meinem Weg. Ich bin zufrieden bis glücklich und weiß um den Sinn meines Lebens


Manche Menschen können sich mit den eben geschilderten Eigenschaften gut identifizieren,
bei anderen erweckt diese Aufzählung Frustrationen, weil es scheinbar an vielem "mangelt".

Wie geschieht - praktisch gesehen - der Aufbau von Ich-Stärke und Selbst-Bewusstsein
in einem therapeutischen Meeting?


Allein schon das Erleben einer Situation, die von den Grundprämissen therapeutischen Handelns getragen ist
(Anteilnahme, Akzeptiert-werden in seinem So-sein etc.), vermehrt Ich-Stärke. Hinzu kommen - als Stichworte aufgeführt -
folgende förderliche Maßnahmen:

Ich Bewusstes Wahrnehmen positiver Erlebnisse; betontes Erkennen kleiner und großer Leistungen; sich die Vielzahl
der eigenen positiven Eigenschaften mehrmals pro Tag präsent machen; sich selbst loben und belohnen für, auch kleine, Erfolge;
sich immer wieder klarmachen, dass man alle Energien, Erfahrungen und Fähigkeiten (Ressourcen), um sein Leben zu meistern,
in sich trägt; das internalisierte Bild meiner Persönlichkeit, das Selbstbild, größer werden lassen; bestimmte Eigenschaften
(z.B. Melancholie) nicht länger mehr negativ bewerten, sondern als reiche Quelle nützen; Angst überwinden, oder als hilfreiche
Begleiterin akzeptieren; die individuelle Energiebilanz aufstellen und für mehr Energiezufluss sorgen; nahe und ferne Ziele konstruieren,
die einen positiven Sog ausüben; die "Power-Übung" in das eigene Repertoire aufnehmen; aus Autoaggression ein gesundes Maß
an Fremd-Aggression entwickeln (ohne den anderen zu verletzen); lernen, unterschiedliche Stimmungen (freudig bis nachdenklich sein)
bewusst herbeizuführen; die Kunst der Autosuggestion kreativ für sich einsetzen; sich üben in der souveränen Kommunikation mit anderen;
gleich-mütig (= gleichen Mutes), nicht gleichgültig werden; Leidenschaften entdecken; sich in Liebe erleben etc.


Die meisten wollen Ich-Stärke gewinnen, um noch glanzvoller zu funktionieren,
um die Grenzen der Aufnahmefähigkeit und Leistung aufzuheben.


Die immer schnelleren Verkehrsmittel sind Symbol für immer schnellere Lebensläufe, wer mithalten will, von dem wird eine Beschleunigung
seiner intellektuellen Fähigkeiten verlangt. Flexibilität - z.B. als Arbeitnehmer - ist längst Selbstverständlichkeit geworden, das exponierte eigene Ich
muss sich messen lassen an den Ichs der anderen Personen, die zum Vorbild deklariert werden. Gefühle von Ich-Geborgenheit in Tradition,
Glauben, Natur und Familie sind in der aktuellen Welt aufgeblähter Ich-Stärken wie verstaubte Antiquitäten. Status- und erfolgsorientierte Armani-Yuppies
mit Laptop und einem 10.000-$-Abend im Fünf-Sterne-Restaurant - für zu viele Menschen ist dies Inbegriff von Ich-Power und wird dilettantisch
nachgeahmt durch das Rumtragen von Handys und Visa-Cards. Ich - Ich - Ich - der Sog des luxuriösen, leichten Lebens wird durch wunderbare,
zu-Herzen-gehende Werbung, der neuen Massenreligion, vielfach verstärkt: Das allseits strahlende Ich!

Ist dieses Ich anstrebenswert?

Mit der Ich-Stärke ist es wie mit äußerem Reichtum:
Ein bescheidener Reichtum erleichtert das Leben,
exzessiver Reichtum bringt Übel für andere
und letztendlich auch für sich selbst.

In unserer Konkurrenzgesellschaft, eingebettet in die Ideologie des Konsumismus, mag ein merkliches Maß
an Ich-Stärke überlebensnotwendig sein. Ein Lebenskünstler kann seine Ich-Stärke schöpferisch-für-sich
und einfühlsam-für-andere leben, kann all-einig sein und eins-sein mit seiner Welt.

Aus der Ich-Stärke kann kreative Auflehnung, Freiheit, Mannigfaltigkeit und Leidenschaft erwachsen -
gleichzeitig mit einer tiefen Moral in der Beziehung zum anderen, womit sich das Ich
wie von selbst zurücknimmt. Ich nenne dies den "moralischen Eroberer" geistiger Werte.

Gegensätzliches geschieht, wenn in Power-workshops (geleitet von verirrten Psycho-Trainern) mit Turbo-Effekt
rücksichtslos Ellbogen-kämpfen geübt wird und Mega-Ichs hochtrainiert werden - Selbstverwirklichung um jeden Preis:
dies sind zynisch-rabiate "selbst-süchtige Eroberer" materialisierter Werte.

An sich sind die Grenzen zwischen einem moralischen Eroberer und einem selbst-süchtigen Eroberer ziemlich klar,
doch gehört es zur Aufgabe eines Psychotherapeuten, mangelnde Ich-Stärke bei einem Klienten nicht nur aufzubauen,
sondern auch die Grenze zur selbst-süchtigen Ich-Stärke erkennbar zu machen. Überdies sollte offensichtlich werden,
dass - um gut zu überleben - nicht dauernd Ich-Stärke demonstriert werden muss, vielmehr ist richtiger:
Ich-Stärke ablegen, um wahrlich zu leben."
[(1) S.121-125]

"Gesundheit bedeutet, dass man sein Ich fallen lässt, seine Habgier abstreift,
nicht mehr der Erhaltung und Mehrung des Ich nachjagt, das man ist,
und sich selbst im Sein und nicht im Haben, bewahren,
begehren, benutzen erlebt ..."

Erich Fromm
(1900-1980)
Deutscher Psychoanalytiker, Philosoph
und Sozialpsychologe

"Ps
ychische Störungen und psychische Leiden sind Ausdruck dafür,
dass die gegenwärtige Situation unerträglich ist und einer Änderung bedarf.

Diese Änderung kann im individuellen oder sozialen Bereich sein, oder auch beide erfassen.
Von einer individuellen Änderung kann man auch dann sprechen, wenn das, was bisher abgewehrt wurde
(z.B. melancholische Stimmung, Angstattacken) akzeptiert wird als Teil der eigenen Persönlichkeit.
Gewöhnlich versteht man aber unter Änderung: etwas anders machen als bisher,
eine neue Lösung finden, eine Wandlung herbeiführen.

Das Herbeiführen überraschender irr-rationaler, paradoxer Problem-Lösungen gibt es im Management, in der Politik,
selten in der Pädagogik, im Buddhismus und anderen Glaubensrichtungen, in Technik, Kunst und der Therapie der Psyche.
Es ist dies das blitzartige Herausspringen aus dem einförmigen Kreislauf des Alltags und - damit einhergehend - das Erobern
einer neuen Bewusstseinsebene
. Mystisches Erleben gehört hierzu, ebenso Erleuchtung, satori, visionäres Wahrnehmen und
paradoxes Heilwerden. Fragen nach dem Warum, Wann, Wer, Woher, Wie werden nicht gestellt,
alles konzentriert sich auf die Gegenwart und - im Falle des paradoxen Heilens - zusätzlich
auf das psychische Problem und seine Lösung."
[(1) S.143]



"Das ICH, der Kern unseres so hoch eingeschätzten Wachbewusstseins,
das den Maßstab für Normalität bestimmt und die Normen eines allgemeinen Konsensus
darüber festsetzt, dieses ICH, das sich als WIR so ungeheuer ernst nimmt und meint, den
Lauf der Dinge durch seinen Willen, seine Kontrolle und sein Wissen bestimmen zu können,
dieses ICH ist nur eine Insel im Meer des UNBEWUSSTEN. Nein, es ist nicht einmal eine Insel,
kein Festland, es ist ein kleines Boot auf hoher See, und nicht einmal das im eigentlichen Sinn,
sondern nur der Steuermann, der das Boot zu lenken versucht.

Wäre es für einen Steuermann richtig, das Meer zu verachten, auf dem er fährt?
Wäre es angemessen, auf die Mittel, die die Reise ermöglichen, herabzuschauen, und
sich darüber erhaben zu dünken? Wäre es von Vorteil, die unmittelbare Umgebung
zu hassen und sich zu gut dafür zu sein, die Reisebedingungen einzuschätzen?


Die Figur, die im Hintergrund enthalten ist, tritt aus diesem heraus, aber sie verlässt ihn nicht.

Das ICHbewusstsein tritt heraus aus der ununterschiedenen Fülle des Unbewussten und macht
einen Unterschied. Aber noch ist das ICH so ängstlich, dass es bei jeder Bewegung des Geistes
fürchtet, die Anstrengung des Heraustretens und Unterscheidens wäre umsonst gewesen,
der Unterschied wieder aufgelöst.

Das ICH muss sich abgrenzen, um sich nicht zu verlieren.

Das ICH ist von Angst so sehr überflutet, dass es starr wird
und sich in einem viel größeren Sinn abgrenzen muss,
als es unbedingt nötig wäre.
Das ICH verachtet seine Herkunft, wie der Sohn, der auszog,
etwas Besseres zu werden. Die Zeit für eine Versöhnung steht an.

Durch Achtung, im wahren Doppelsinn des Wortes, gelingt es jedoch viel besser,
sich mit den Bedingungen des Lebens vertraut zu machen.

Der bewusste Einsatz von Trance und Autosuggestion kann dazu beitragen,
uns diese Achtung zu lehren und zu einer wahren Ökologie des Geistes zu führen.

Kay Hoffmann
(b.1949, Philosophin)
„Das Arbeitsbuch zur Trance“ p173
Nachwort: Trance - Versöhnung mit dem Unbewussten.
Hugendubel 1996 (1994
)



Psychotherapie zwischen Seelsorge und Prostitution

"Nicht vergessen sollte man, dass es sich bei einer Psychotherapie um eine künstliche Beziehung handelt und dass der Therapeut
sich für seine Zuwendung honorieren lässt: ein bezahlter Freund. Ist die Psychotherapie die geistige Variante der leiblichen Prostitution?

Auch die Prostituierten (ob weiblich oder männlich) lassen sich für ihre - körperliche - Zuwendung bezahlen, sie stehen zeitlich nur
begrenzt zur Verfügung und erlauben dem Kunden ungewöhnliches (sexuelles, aber auch psychisches) Verhalten; gewöhnlich geht es
den Kunden nach der "Behandlung" besser als vorher. Auch in der Psychotherapie soll sich der Klient so verhalten, wie er sich sonst
seiner Umgebung nicht zeigen kann oder will (z.B. traurig, ängstlich, weinerlich); auch die therapeutische Zuwendung ist zeitlich limitiert,
der Klient sollte sich danach (nicht immer, aber meist) besser fühlen als vorher.

Sowohl in einer Psychotherapie wie in der Prostitution darf der Klient/der Kunde Schwächen zeigen: In der Psychotherapie sind dies
mangelndes Selbstwertgefühl, seltsame Phobien, Ticks oder Lebensängste etc., in der prostituierenden Körpertherapie werden manchmal
ähnliche Schwächen sichtbar und zusätzlich Frigidität, Impotenz oder Perversionen behandelt. Sowohl die Prostituierte wie auch der Therapeut
versuchen, sich während der Klientenzentrierten Behandlung in ihrer Persönlichkeit zurückzunehmen und verschweigen - mit Rücksicht
auf den Klienten - eigene Wünsche, Vorstellungen und Lebensansichten. Beide - Psychotherapeut und Prostituierte - nehmen bei frei zahlenden
Kunden Honorare, die deutlich über dem Facharbeiterlohn liegen, wobei gute Prostituierte - den Straßenstrich ausgenommen - unvergleichlich
mehr verdienen als gute Therapeuten. Doch sei zugestanden, dass die Prostituierte sich erheblich mehr in die Arbeit einbringen muss
und unvergleichlich mehr Risiken eingeht. Der psychotherapeutische Beruf ist dagegen risikoarm. Im Gegensatz zum Psychotherapeuten
kann eine Prostituierte gemeinhin nicht mit Krankenkasse abrechnen - doch auch hier gibt es Ausnahmen: Einige wenige Sexualtherapeuten
(vor allem in Nordamerika) haben in ihrem Team sehr wohl Prostituierte, die gewissermaßen den praktischen Teil der Therapie übernehmen,
versteckt taucht diese intime Dienstleistung auf den psychologischen und ärztlichen Honorarabrechnungen auf.

Der katholische Priester im Beichtstuhl ist das andere Extrem, das an die Tätigkeit des Psychotherapeuten erinnert: Der religiös Gläubige
(entsprechend dem Klienten) öffnet sein Herz und schüttet all die Bedrängnisse und Kümmernisse aus, sein schlechtes Gewissen wie seine Angst
vor Verwirrung, Hoffnungslosigkeit und Tod. Wer Probleme hat mit dem Sich-Öffnen, der wird vom Seel-Sorger - ähnlich vom Seelen-Therapeuten -
behutsam dazu gebracht, seine Emotionen und Gedanken fließen zu lassen. Der Seelsorger praktiziert eher eine Ultra-Kurztherapie und muss sich -
ähnlich wie der ärztliche Kurz-Therapeut - zum Ende der Sitzung ein kompaktes, zur Problemlösung führendes, Finale einfallen lassen. Bei beiden,
Seelsorger wie Psychotherapeut, spielt die Lebensphilosophie, bzw. die religiöse Überzeugung eine entscheidende Rolle. Am Ende der Beichte steht
zunächst das Buße-Üben - vergleichbar der Aufforderung mancher Therapeuten, bestimmte (z.B. verhaltenstherapeutische) Übungen zu absolvieren.
Diesem Ritual folgt beim Seelsorger der Absolution: "Ego te absolvo a peccatis tuis, in nomine Patris, et Filii et Spiritus sancti, amen." [Ich spreche dich
frei von deinen Sünden...] Auch der Therapeut befreit durch seine empathische, wertschätzende Haltung den Klienten von großer Last. Seelsorger und
Therapeuten zeigen gleichermaßen den Weg, der über die engen Grenzen nur-materiellen Seins hinausführt ...

Bei allen genannten seelen-/körperlich-therapeutisch Tätigkeiten - wenn sie differenziert und reflektiert arbeiten - erscheinen immer wieder Zweifel
über den wirklichen Sinn dieses beruflichen Tuns. Alle drei Berufe geben unterschiedliche Formen von "Liebe" - dennoch hat sich das moralische Elend
auf Erden eher noch vergrößert - sollen die drei genannten Berufe - trotzdem - einen gewissen Mut zum Weitermachen beibehalten?
" [(1) S.194-196]



"Was die Psychiatrie als Geisteskrankheit verfolgt,
ist in Wirklichkeit ein Sammelsurium spiritueller Fähigkeiten.


Ein Mensch nach einer irreal-visionären Krise ["Schizophrenie"] kann wieder zur grauen,
aber bequemen Normalität zurückkehren und seine spirituellen Fähigkeiten brachliegen lassen
(wozu viele durch die Psychiatrie genötigt werden), oder er erkennt neue Dimensionen
seines Da-Seins. Das geht dann über Selbst-Heilung weit hinaus ...

Irreal-visionäre ["psychotisch-schizophrene"] Fähigkeiten sind in jedem und könnten gelebt werden,
aber für den Normalbürger ist dies ein gefährliches Wagnis, weil es das System, in dem er lebt
und woraus er seine Sicherheit bezieht, fundamental erschüttert.
Wer aber über die Grenzen der gegenwärtigen Erkenntnis hinauswachsen will, braucht Mut
zur existentiellen Neugierde, Mut, verschüttete Fähigkeiten wiederzuentdecken und
zum eigentlichen Wesenskern vorzudringen, eine andere Form von Bewusstsein
zu erobern ... Haben Sie den Mut eines spirituellen Eroberers?"
[(1) S.247]



"Die Wissenschaft der Zukunft braucht Mut,
Absurdes in ihr Repertoir mit aufzunehmen.

Folgende Rechnung scheint einfach: 1+1 = 2
Und dennoch kann auch ein anderes Ergebnis heraus kommen -
Sie erinnern sich vielleicht an dieses Beispiel: 1+1 = 0
Ich nehme einen Apfel und esse ihn. Dann nehme ich einen
weiteren Apfel, verzehre auch diesen. Das heißt: 1+1 = 0.
Objektivität gibt es nicht."




"Die meisten psychischen Konflikte und Krisen, selbst Grenzsituationen unseres Seins
werden ohne professionelle Intervention überwunden, mit Hilfe
der eigenen Selbstregulierungskräfte und manchmal -
zusätzlich - mit Hilfe einfühlsamer Freunde ...

Gehen wir von einer Ur-Seele aus, dann entsteht - sobald sich von der Ur-Seele "Etwas" abgrenzt -
in diesem "Etwas" eine Individual-Seele. Unser Körper mit seinen Organen und Neurotransmittern
wird zum sichtbaren Teil der Seele. Der wesentliche Unterschied zwischen Individual-Seele und Ur-Seele
liegt darin, dass sich erstere als abgetrenntes Einzelwesen erfahren kann,
als "in-die-Welt-geworfene" Existenz, das Allein-sein spürt.
[(1) S.267]

Aus: Josef Zehentbauer: „Abenteuer Seele. Psychische Krisen als Chance“
Auszugsweise aus Seite 9, 56f, 80-83,99-100, 46-48, 43f, 39, 17-21, 106,107,108,111,112,
115, 118-121, 121-125, 143, 194-196, 247, 263, 267, 269 ALBATROS 2012 (2000)
[Meine Ergänzungen]



"Ein Mensch, der Heute unter Depressionen leidet und sich an einen Psychiater wendet, bekommt wahrscheinlich
folgende Worte zu hören:
"Sie leiden an einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Ihr Serotonin-Wert
ist zu niedrig. Das lässt sich gut mit Medikamenten behandeln."
Mit einem Rezept in der Hand verlässt dieser
Mensch kurze Zeit später die Praxis. Manche sind erleichtert über die biochemische Erklärung und dass es
Tabletten dagegen gibt.
Diese Menschen wären erstaunt zu erfahren, dass die "Serotonin-Theorie der Depression"
(von Alec Coppen 1967, britischer Psychiater) bereits seit vielen Jahren widerlegt ist ...
[S.143]
Die [biochemische Erklärung der Depression] Hypothese vom Transmittermangel ["Monoamin-Mangel Hypothese":
Serotonin, Noradrenalin, Dopamin,
aus den 60-iger Jahren d. 20. Jhd.] wird der unendlichen Komplexität unseres Gehirns
nicht gerecht, erklärt der Depressionsforscher [Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult.] Florian Holsboer [b.1945]:
"In unserem Gehirn
befinden sich Milliarden unterschiedliche Zellen; diese in ihrer Funktion, sowohl im Zellinneren, als auch in ihrer Wechsel-
wirkung untereinander zu begreifen, ist eine Aufgabe, der gegenüber das Verständnis des Weltalls auch nicht schwerer
zu sein scheint"
(1). Allein für Serotonin gibt es mindestens 14 unterschiedliche Rezeptoren. Die Signalübertragung lässt
sich sowohl präsynaptisch als auch postsynaptisch beeinflussen. Die Rezeptoren können innerhalb von Millisekunden
dynamisch herauf- und herunterreguliert werden. Hinter diesem Rezeptoren-System sind noch weitere "second Messenger"
geschaltet, die auf den Informationsfluss einwirken. Die biochemische Signalübertragung [durch sog. Botenstoffe (Trans-
mittersubstanzen)] ist zudem nicht der einzige Kommunikationsweg unserer Nervenzellen. Impulse werden auch elektrisch
weiter geleitet. Die elektrische Kommunikation der Nervenzellen lässt sich mit Tabletten [Psychopharmaka] nicht beein-
flussen. In Irland und Schweden haben die staatlichen Arzneimittelbehörden auf diese Erkenntnisse reagiert. In beiden
Ländern ist es den Pharmakonzernen verboten zu behaupten, ihre Mittel würden ein chemisches Ungleichgewicht im
Patienten korrigieren (2). Die Hypothese, Depressionen seien eine rein organische Erkrankung, kann sich negativ
auf den Patienten auswirken.
Wird diese Auffassung einem Depressiven vermittelt, entbindet es ihn vom Aufarbeiten
der Schwierigkeiten, die die Depression ausgelöst haben. Er glaubt, mit der Einnahme von Medikamenten genug
gegen seine Erkrankung unternommen zu haben. Langzeitstudien haben immer wieder gezeigt, dass Patienten,
die ihre Erkrankung rein medikamentös behandeln, insgesamt länger krank sind und ein deutlich höheres
Rückfallrisiko haben (3) ... In einem Interview (4) vom März 2015 sagt Holsboer: "Diagnosen in der Psychiatrie
sind beliebig, weil sie keine objektiven Laborergebnisse enthalten. Man hat kein Röntgenbild, keine Blutwerte,
es sind auf verbaler Kommunikation basierende Einschätzungen. Diagnosekriterien ändern sich alle zehn
Jahre." (4)
... Für die Zulassung eines Medikaments müssen Hersteller eigentlich Dosisfindungsstudien
einreichen. In diesen soll die minimale Dosis bestimmt werden, bei der das Medikament noch wirksam ist.
Bei allen Antidepressiva mussten die Gutachter einräumen, dass "eine minimale effektive Dosis für Anti-
depressiva nicht festlegbar"
sei". Wenn die Depression durch biochemische Vorgänge definiert wäre,
wäre auch die Festlegung einer Minimaldosis für Antidepressiva möglich ..."
Aus: Peter Ansari, Sabine Ansari: „Unglück auf Rezept - Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen“ Psychopharmaka.
Die Biochemie der Depression ist unbekannt S.63f, 66, 67f. Psychiater. Die Serotonin Lüge S.143,
Vorwort Prof.em.Dr.med. Bruno Müller-Oerlinghausen
Klett-Cotta 2016, www.depression-heute.de
(1) Florian Holsboer: "Biologie für die Seele - Mein Weg zur personalisierten Medizin" S. 51 C.H.Beck 2009
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Florian Holsboer: www.holsboer.de/index2.php?include=inc/show.php&id=4
(2) Anna V. Zetterqvist, Shai Mulinari: "Misleading Advertising for Antidepressants in Sweden:
A Failure of Pharmaceutical Industry Self-Regulation" PLoS ONE 8(5): e62609
(3) Evelyn M. van Weel Baumgarten: "Treatment of depression related to recurrence:
10-year follow-up in general practice" J Clin Pharm Ther. 2000 Feb;25(1):61-6
http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.525.1506&rep=rep1&type=pdf
(4) Anja Reichelt: "Airbus-Absturz: Er muss eine Psychose gehabt haben" Interview mit Florian Holsboer
Bunte online 28. März 2015 www.bunte.de/psyche/airbus-absturz-er-muss-eine-psychose-gehabt-haben-119010.html



"Das Buch ["Chemie für die Seele" (2)] ist ein Aufruf, der konventionellen Psychologie und Psychiatrie zu misstrauen,
und den Potentialen und Kräften der eigenen Selbst-Erkenntnis und Selbst-Heilung zu vertrauen."
Man kann - wie ein moderner Galileus Galilei - die Lehrgebäude von Psychologie und Psychiatrie auf den Kopf stellen:
Das dann entstehende Gegenteil kommt den tatsächlichen Gegebenheiten etwas näher. "Depression" ist nicht primär ein Übel,
das vertrieben werden muss, sondern ist (wenn auch manchmal leidvolle) Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod, ist überdies
Fundgrube für Tiefgang und Kreativität ... "Schizophrenie" ist eine Erfindung der Psychiater und erinnert an Hexenverfolgung
und Inquisition; diese Diagnose ist eine arrogante Verdrängung von ungewöhnlichen Wahrnehmungen und eine Verleugnung
des Visionären ... "Angst" ist eine notwendige Begleiterin unseres Wissens um den Tod ... "Neurosen" sind Verhaltensweisen,
die man in einer Lebensphase (ob Kindheit oder Erwachsenenalter) erlernt hat und die dem Durchschnittsdenken wider-
sprechen; "Neurosen" hat jeder, der markante psychische Eigenheiten zeigt und sich vom grauen Alltag abhebt ...


Ein radikales Umdenken ist nötig:
Um sein Ich und seine Seele zu erforschen, muss man über die bloße Psychologie hinausgehen
und den Mut zur absoluten Subjektivität haben. Die üblichen Wissenschaften gehen von außen
an das Objekt "Seele" heran und bleiben deshalb Außenseiter."
[S.264]

Die in diesem Buch (2) präsentierten Grundlagen einer neuen - zum Umdenken auffordernden - Psychotherapie
erwachsen aus den Strömungen der humanistischen Psychologie [Erich Fromm], der existentiellen Philosophie
[Psychiatrie: Rollo May, Irvin D. Yalom] und des Zen-Buddhismus. Diese radikal auf die Selbstheilungskräfte-
beruhende Psychotherapie wendet sich nicht nur an professionelle Psychotherapeuten, sondern auch an
Nicht-Spezialisten, an "natürliche Helfer", vor allem ist der "Therapeut-in-uns" angesprochen, gewissermaßen
der beste Therapeut, der in jedem von uns ist und der Selbstregulierung und Selbstheilungskräfte entfaltet ...


Letztendlich liegt das Geheimnis darin, unsere Seele nicht zu bekämpfen,
sondern sie anzunehmen, zu schätzen und zu lieben ... dann wird
aus dem psychischen Reifungsprozess ein individueller Beitrag
zur globalen Sehnsucht nach einer gerechteren, friedlichen Welt ...


Ein neues Zeitalter hat begonnen: die Raumfahrt in den eigenen Kosmos,
in den Kosmos der eigenen Seele. Sie können daran
teilnehmen - tun Sie's"
[S.269]

Siehe auch ZITATE: Friedemann Schulz von Thun / Mein Inneres Team >>>



Dr. med. Josef Zehentbauer
(b.1945)

Josef Zehentbauer, verheiratet, vier Kinder, Dr. med., langjährige Tätigkeit als Allgemeinarzt und Psychotherapeut in einer psychosomatisch
orientierten Gemeinschaftspraxis in München. Früher ärztliche Tätigkeit in Afrika (Nigeria) und Indien (Kalkutta), mehrjährige Arbeit in der Neurologie,
in verschiedenen psychiatrischen Kliniken und der Akutstation einer Nervenheilanstalt sowie gemeinsame Projekte mit Franco Basaglia (1924-1980, ital.Psychiater)
und anderen Exponenten der "Kritischen Psychiatrie" Italiens. Mitarbeit an Fernseh- und Rundfunksendungen zum Thema Psychopharmaka. Zahlreiche Veröffent-
lichungen, Vorträge und Seminare über Psychiatrie, Psychopharmaka/Psycho-Drogen, Medizinkritik, Psychotherapie und alternative Heilverfahren.
(1) Josef Zehentbauer: „Abenteuer Seele. Psychische Krisen als Chance“ ALBATROS 2012 (2000)
(2) Josef Zehentbauer: „Chemie für die Seele.Psyche, Psychopharmaka und alternative Heilmethoden“ 11. teilweise aktualisierte Auflage mit
einer Ergänzung zu den neuesten Antidepressiva und atypischen Neuroleptika. Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 2010 (1986)
www.josef-zehentbauer.de; www.antipsychiatrieverlag.de/verlag/titel/zehentbauer.htm


Wer hat Angst vor dem Psychopharmaka Absetzen?
pdf >>>
Ärztliche Beratung und psychotherapeutische Gespräche beim Absetzen von Dämpfungs-
und Beruhigungsmitteln. Dr.med. Josef Zehentbauer - Arzt und Psychotherapeut München



"Seinen 33. Geburtstag [2007] wird der Sänger Robbie Williams [b.13.II.1974] nicht vergessen. An diesem Tag lässt er sich in eine Klinik
in Arizona einweisen. Sie ist spezialisiert auf den Entzug von Antidepressiva. Trotz mehrerer Versuche hatte er es nicht geschafft,
sein Antidepressivum aus eigener Kraft abzusetzen. Über viele Jahre nahm Robbie Williams das Medikament Venlafaxin [ein SNRI (1)]
ein. Noch in seiner drei Jahre zuvor erschienenen Biografie (2) lobte er das Antidepressivum als lebensrettend. Doch über die Jahre
nimmt er an Gewicht zu. Als er den Spott der Medien nicht mehr ertragen kann, versucht er Venlafaxin loszuwerden. Viel zu spät erkennt
er seine körperliche Abhängigkeit. Er bezeichnet diese Erfahrung als Höllenqual. "Der Tod muss schon drohend bei mir anklopfen,
damit ich so etwas auf mich nehme. Robbie Williams geht nicht in die Entzugsklinik, wenn sein Leben nur ein bisschen außer Kontrolle
geraten ist"
(3), beschreibt er dem Magazin "Stern" [2009] seinen Entzug.

"Die medikamentöse Therapie führt in die Abhängigkeit. Das ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Psychiatrie. Den Patienten fällt
es schwer, die Mittel abzusetzen, weil dies Entzugssymptome [5a] auslöst. Es ist unglaublich, dass führende Psychiater diese Tatsache
seit vielen Jahrzehnten bestreiten [5b] und dass die meisten von ihnen heute noch entschieden leugnen, dass SSRIs (4) abhängig machen
können. (Aber Patienten sind nicht so leicht zu täuschen wie Psychiater; sie wissen allzu gut, dass die Medikamente, auch SSRI,
zu einer Abhängigkeit führen" [5c,d])"
, schreibt der [dänische] Arzt Peter Gotzsche (5) 2016.

Die Lüge von nicht abhängig machenden Antidepressiva erfanden die Marketingstrategen der Pharmakonzerne. Durch geschickte
Propaganda hat sie sich in den Köpfen der Psychiater festgesetzt und ihren Platz auf dem Lehrplan der Universitäten gefunden.
Depression-Heute - www.depression-heute.de - liegen Berichte von Ärzten vor, die beklagen, während des Studiums gelernt zu haben,
SSRIs (4) hätten kaum Nebenwirkungen und eine Absetzproblematik existiere nicht. In diesem Glauben haben sie selber zu Antidepressiva
gegriffen ...
Grundsätzlich wird an Universitäten, in psychiatrischen Krankenhäusern und in deutschen Arztpraxen eine Absetzproblematik
geleugnet
. Das gelingt deshalb so einfach, weil die Symptome denen einer psychischen Erkrankung stark ähneln. Beim Absetzen gerät
der Gehirnstoffwechsel durcheinander, wodurch die psychische Krankheit ausgelöst werden kann, gegen die das Medikament ursprünglich
eingenommen wurde. Es können auch Panikattacken, Depersonalisierung, hypomanische Phasen oder Ängste erstmals auftreten. Häufig
vergehen viele Monate nach dem Einnehmen der letzten Tablette, bis die Probleme beginnen. Das macht es den Ärzten und Patienten schwer,
zwischen
Absetzsymptomen und einer psychischen Erkrankung zu unterscheiden. Dabei ist es eigentlich ganz leicht. Wenn ein Patient in
einer gesunden, stabilen Phase die Medikamente absetzt [auszuschleichen beginnt!] und dann Symptome auftreten, ist davon auszugehen,
dass es sich um
Absetzsymptome handelt, nicht um die Erkrankung. Man kann ein Absetzsyndrom auch gut an plötzlich auftretenden
körperlichen Symptomen erkennen , wie zum Beispiel grippeartigen Schmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, elektrischen Entladungen
im Gehirn, Schwindel oder Schlafstörungen. Oft erlebt der Patient beim Absetzen Symptome, die er vorher nicht kannte. In dieser schweren
Zeit benötigt er Unterstützung vom behandelnden Arzt. Stattdessen wird ihm meist geraten, die Medikamente wieder einzunehmen ... [Cave:
die Absetzsymptomatik muss nicht sofort, sondern kann zeitverzögert erst Wochen bis Monate, sogar nach einem Jahr, erst auftreten!]

Ein Patient mit Absetzschwierigkeiten [1957 erstmals durch Prof. Dr. med. Roland Kuhn (1912-2005) bei Imipramin beschrieben; s.u.] ist
mit seinen Problemen allein. Er durchleidet höllische seelische und körperliche Qualen. Seine Probleme sind absetzbedingt, doch keiner
glaubt ihm.
Nahezu jeder professionelle Helfer, den er wegen seinen Beschwerden aufsucht ... erklärt ihm, seine "Grunderkrankung" sei
zurückgekehrt
. Es wird ihm dringend geraten, mit der weiteren Einnahme der Medikamente fortzufahren. Oft erhält der Absetzwillige nach
einem gescheiterten [Ausschleich- u./o. Absetz-] Versuch noch mehr Medikamente, als er zuvor eingenommen hat. So wird der Boden
bereitet für eine häufig jahrelange Odyssee, an deren Ende der schundene Patient steht, der aus einer Mischung von Resignation und
Angst bereit ist, quälende Nebenwirkungen ein Leben lang in Kauf zu nehmen ...

Die modernen Antidepressiva haben ein Krankheitsbild hervorgebracht, das es vorher nicht gab: das SSRI-Absetzsyndrom. Seit 2001
wird es systematisch beschrieben. Es bildet eine eigenständige Diagnose [Y 49.2] im Klassifikationshandbuch der Medizin, dem
ICD-10 (6) [- Unerwünschte Nebenwirkungen bei therapeutischer Anwendung von Arzneimitteln, Drogen oder biologisch
aktiven Substanzen
(Y40 - Y59): www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2016/index.htm].
Damit kann jeder Arzt in Deutschland die Begleitung des Patienten beim Absetzen mit den Krankenkassen abrechnen.

Symptome des SSRI-Absetzsyndrom
Symptoms of SSRI Discontinuation Syndrome
♦ Kopfschmerzen ♦ Muskelschmerzen ♦ Stromschlagartige Empfindungen im Körper/Gehirn ("brain zaps")
♦ Grippeartige Schmerzen ♦ Fieber ♦ Schweißausbrüche ♦ Schüttelfrost ♦ Gleichgewichtsstörungen
♦ Übelkeit ♦ Erbrechen ♦ Durchfälle ♦ Rastlosigkeit, Hyperaktivität (Akathisie) ♦ Erhöhte Reizbarkeit
♦ Verwirrung ♦ Aggressivität, erhöhte Gewaltneigung ♦ Panikattacken ♦ Dauerhafte Schlaflosigkeit
♦ Stimmungsschwankungen ♦ Selbstverletzendes Verhalten ♦ Selbstmordgedanken
♦ Selbstmordversuche


Die Symptome sind so schwerwiegend, dass die Patienten sie nicht aushalten können und stattdessen die Medikamente
weiter einnehmen.
Viele Ärzte raten auch deswegen zu einer lebenslangen Einnahme, weil sie bereits schlechte Erfahrungen
gemacht haben, wenn Patienten ihr Medikament weglassen
. Insgesamt nimmt dadurch der Anteil an Langzeitkonsumenten
stetig zu. In Amerika nehmen 11% der Bevölkerung [USA: 318,9 Millionen Einwohner (2014)] dauerhaft Antidepressiva ein,
das sind 30 Millionen Menschen (7). Antidepressiva sind dort die am zweithäufigsten verschriebenen Medikamente. Die
Menschen werden ihre Mittel nicht wieder los. 60% nehmen die Medikamente bereits seit mehr als 2 Jahren, 14% seit
über 10 Jahren. Durch den dauerhaften Gebrauch gibt es in den USA aber nicht weniger depressive Menschen. Ihre
Zahl steigt weiterhin rasant. Aktuell nehmen auch immer mehr Kinder und Jugendliche dauerhaft Antidepressiva.
Dabei gibt es weltweit keine zuverlässige Studie, die den Medikamenten nach einem Jahr Einnahme noch eine
Wirksamkeit gegen Depressionen bescheinigt
(8). Bereits nach zwei Jahren kam es vermehrt zu Rückfällen
bei Menschen, die dauerhaft auf Antidepressiva eingestellt waren (9) ...

In Deutschland vermeiden die niedergelassenen Psychiater und die Krankenhausärzte das Wort "Entzug" im
Zusammenhang mit Antidepressiva
. Das widerspricht nicht nur dem Empfinden der Patienten, sondern auch dem
aktuellen Forschungsstand. Immer mehr Wissenschaftler sind der Auffassung, Absetzerscheinungen von SSRIs
sind aufgrund der Schwere der Symptomatik und ihrer Gefährlichkeit vergleichbar mit denen von Schlafmitteln
[Hypnotika, Benzodiazepine] und Opiaten (10). Der italienische Professor Giovanni Fava (10) empfiehlt,
den Begriff Absetzsyndrom zu streichen und von Entzug zu sprechen, um Patienten das Risiko
von SSRIs bewusst zu machen ...



2002 veröffentlichte der amerikanische Psychologie Professor Irving Kirsch [b.1974, Harvard Medical School]
die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Forschung (12). In den 1990er Jahren hatte er als klinischer Psychologe
vielen seiner depressiven Patienten empfohlen, Antidepressiva einzunehmen. Als er 1995 seine erste
Untersuchung
über den Placebo-Effekt bei Depressionen
begann, ging er davon aus, Antidepressiva seien eine etablierte Medika-
mentenklasse, die Placebo überlegen sind. Diese Einschätzung sollte sich im Lauf seines Lebens drastisch ändern:
"Erst akzeptierte ich die herkömmliche Sichtweise von Antidepressiva, dann widersprach ich und schließlich lehnte ich
sie vollständig ab"
(13). Für seine Berechnungen untersuchte er die Wirksamkeit von vier Therapiezweigen: Medikamente,
Psychotherapie, Placebo und keine Behandlung
. Er fand 38 Studien mit mehr als 3000 schwer depressiven Patienten,
die für die Erstellung einer Meta-Studie geeignet waren (14). Die erste Überraschung seiner Analyse war der deutliche
Unterschied in der
Wirkung von Placebo-Behandlung und keiner Behandlung. In beiden Gruppen hatten die Patienten
keinen Wirkstoff [Verum] erhalten. Dennoch zeigte sich
unter Placebo eine dreimal so hohe Besserungsrate wie bei
Patienten ohne Behandlung
...

Nach Kirschs Untersuchung sind 75% der Wirkung des Medikaments auf den Placeboeffekt zurückzuführen. Damals
glaubte er noch, die restlichen 25 % der Wirkung würden durch den chemischen Wirkstoff zustande kommen ...
Kirsch fand keinen Unterschied in der Wirkstärke der alten Antidepressiva und der neueren SSRIs ...

Die Pharmahersteller reagierten empört auf Kirschs Analyse.
Die Unterschiedlichkeit der Medikamente sei nicht berücksichtigt worden,
jedes antidepressive Medikament wirke anders, und man könne auch in der Dosierung variieren.

Ein Kollege, Thomas J. Moore [The George Washington University School of Public Health and Health Services],
riet Kirsch daraufhin, seine Untersuchungen auf die
Zulassungsdaten der Pharmakonzerne auszuweiten. Er
solle sich dafür auf den "Freedom of Information"-Akt berufen und Einsichtnahme bei der FDA (15) fordern ...
Hier reichen Pharmakonzerne ihre eigenen Studien ein, um eine Zulassung für neue Medikamente zu beantragen. Kirsch
erhielt die Erlaubnis, Einsicht in diese Daten zu nehmen ... Die FDA hatte die Studien bereits vorsortiert und bewertet.
Inadäquate und schlecht kontrollierte Studien fielen bereits im Vorfeld heraus. Übrig blieben nur große, aussagekräftige
Studien, die einen
einheitlichen Bewertungsmaßstab verwendeten. Die Pharmakonzerne mussten die klinischen Besserungen
in einem normierten Maß darstellen:
der Hamilton-Skala ... 0 bis 7 Punkte: keine Depression. 8 bis 13 P.: Leichte Depression.
14 bis 18 P.: Mittelschwere Depression. 19 bis 22 P.: Schwere Depression. 23 P. und darüber: Sehr schwere Depression

Mit diesem Bewertungsmaßstab soll der
Verlauf einer Therapie in Zahlen festgehalten werden ...

Erstaunt stellte ... [Kirsch] fest, nur die positiven Studien waren in wissenschaftlichen Journalen publiziert. Die Pharma-
konzerne hatten fast die Hälfte ihrer Studien der Öffentlichkeit vorenthalten
. Dadurch hatten die Psychiater ein verzerrtes
Bild [publication bias (1)] von der Wirksamkeit der Medikamente bekommen ...
Kirschs Analyse war revolutionär, da sie
sowohl die veröffentlichten als auch die unveröffentlichten Studien der Pharmaindustrie einbezog ... Ihm war aufgefallen,
dass die Wirkung der Antidepressiva an das Auftreten von Nebenwirkungen gekoppelt war. Alle Patienten, bei denen die
depressiven Symptome nach der Gabe eines Medikaments [Verum] zurückgegangen waren, hatten über
Nebenwirkungen
geklagt. Diese Patienten [sog. Verum-Gruppe] errieten demnach, dass sie ein [echtes] aktives Medikament erhalten hatten.
Eine Doppelverblindung [sog. Randomisierte kontrollierte Studie/Doppelblind-Studie], bei der sowohl Arzt als auch Patient
nicht wissen, ob ein Medikament [Verum] oder ein Placebo gegeben wird, ist deshalb in diesem Bereich schwierig.

Als Kirsch diese Gedanken öffentlich vorstellte, luden ihn italienische Antidepressiva-Forscher an die Universität von Verona
ein. Ihr Institut verfügt über umfangreiche Studien mit dem Medikament Paroxetin [GSK]. Falls Kirsch Recht habe, sagten
sie, müsste sich der Eigeneffekt der Medikamente auf null bewegen, wenn man die Patienten ausschließt, bei denen Neben-
wirkungen aufgetreten waren. Genau das traf ein. Es war der Moment, in dem Kirsch seine Ansicht über die chemische
Wirkung der Antidepressiva revidierte
. Fortan glaubte er nicht mehr, Antidepressiva könnten eine Depression chemisch
heilen ...
Bei der neuen Untersuchung lag der Anteil des Placeboeffekts an der Wirkung bei 82% ...

Eine weitere Überraschung ... Kirsch wies nach, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Patient sein Medikament niedrig
oder hoch dosiert
erhält. Aus den Unterlagen der FDA ging hervor, dass ein Antidepressivum in der niedrigsten Dosis eine
Besserung um 9,57 Punkte auf der Hamilton Skala erreicht. Gab man das Medikament in Höchstdosis, wurden 9,97 Punkte
erreicht. Das galt für sämtliche untersuchten Antidepressiva. Die Placebos kamen auf 8 Punkte.
Die Besserung verstärkt
sich also nicht, wenn das Medikament in einer höheren Dosis gegeben wird
.

Im Jahr 2008 untersuchte Kirsch die FDA-Daten erneut (16). Ihn beschäftigte die Frage, ob Antidepressiva bei unterschiedlich
schwer eingestuften depressiven Patienten unterschiedlich wirken
. Er stellte fest,
Patienten mit leichten, mittelschweren und
schweren Depressionen profitieren nicht von der Behandlung mit Antidepressiva
. Ein Unterschied machte sich nur bei den
10% sehr schwer depressiven Patienten [Hamilton-Wert: 28 Punkte und darüber] bemerkbar ... Zusammenfassend kommt
Kirsch zu dem Schluss, moderne Antidepressiva seien nichts anderes als "Extra-Starke-Placebos" [aber dafür mit
potentiell unangenehmen und potentiell lebensbedrohlichen Nebenwirkungen! (2)] ...

Obwohl die [Pharma-] Konzerne bislang keine einzige Studie einreichen konnten, in der Patienten von einer Medikation
über Jahre profitierten, empfehlen Ärzte oft genug eine lebenslange Einnahme
. Das mag einerseits an den Schwierig-
keiten beim Absetzen liegen, andererseits an der geschickten Beeinflussung der Ärzte durch die Pharmakonzerne ...

In Finnland (3) gibt es eine staatliche Klinik, in der die Patienten mindestens ein halbes Jahr lang keine Diagnose erhalten.
Oftmals wird gar keine Diagnose vergeben. Dieses innovative Konzept heißt "Offener Dialog" [Open Dialogue]. Er sieht jeden
Fall als einmalig an und verzichtet auf standardisierte Vorgaben. Jeder Patient wird individuell behandelt. Die Angehörigen
werden in den Heilungsprozess einbezogen. Diese psychiatrische System wurde in den 80er Jahren entwickelt und
erzielt weltweit die besten Langzeitergebnisse bei psychiatrischen Patienten (3). Die Patienten erhalten wenige bis gar
keine Medikamente, die Krankenhausaufenthalte werden vermieden oder sind deutlich kürzer, und ein hoher Anteil
der Patienten erreicht wieder die volle Erwerbsfähigkeit.
Diagnosen sind immer subjektiv gefärbt und abhängig von Kultur,
Zeit, Mode und Gesellschaftsordnung
. Aus diesem Grund erhält ein Patient bei verschiedenen Ärzten unterschiedliche -
bisweilen sogar widersprüchliche - Diagnosen.
Der finnische Ansatz, zunächst auf eine Diagnose zu verzichten,
erscheint sinnvoll (3). Er
wird dem Umstand gerecht, dass es mit unserem heutigen Wissen unmöglich ist,
exakte psychiatrische Diagnosen zu stellen
. Genauso unpräzise wie die Diagnosestellung erfolgt
auch die Auswahl des "richtigen" Medikaments ...

Das Vorgehen der Pharmakonzerne gleicht einer systematischen Gehirnwäsche. Bis heute halten sich die mittlerweile
mehrfach widerlegten Versprechungen der Pharmakonzerne aus den 90er Jahren. Noch immer glauben Hausärzte,
Psychiater und Patienten, es gäbe wirksame Medikamente zur Beseitigung von Depressionen und diese
hätten kaum Nebenwirkungen ...

Die Zukunft der Antidepressiva lässt sich am ehesten am Verhalten der Pharmaindustrie ablesen. Ein Konzern
nach dem anderen [GlaxoSmithKline, AstraZeneca, Pfizer, Merck, Sanofi, Novartis, Bristol-Myers Squibb, zieht
sich, seit 2010, oder ] hat sich aus der Antidepressiva Forschung [bereits] zurückgezogen ... Sie scheinen ein-
gesehen zu haben, dass sich eine Depression nicht gezielt medikamentös beeinflussen lässt ...
Es hat sich im
Lauf der Jahre herausgestellt, dass alle antidepressiven Medikamente [der ersten als auch der zweiten Generation]
gleichartig wirken und sich ihre Wirkung kaum von der Reaktion auf Placebo unterscheidet
... Durch sorgfältige
öffentliche Forschung haben sich weitere Schwierigkeiten aufgetan. Die Effizienz der Medikamente musste
immer weiter nach unten korrigiert werden. Spätestens seit den Veröffentlichungen von Irving Kirsch, David Healy,
Jan Fawcett, Erick H. Turner sowie der STAR-D-Studie ist es für die Pharmakonzerne nahezu unmöglich geworden,
eine hohe Wirksamkeit ihrer Medikamente zu behaupten. Gleichzeitig wird es
immer schwieriger, das hohe Ab-
hängigkeitspotential und die zum Teil lebensbedrohlichen Absetzerscheinungen von Antidepressiva zu leugnen
..."

Aus: Peter Ansari, Sabine Ansari: „Unglück auf Rezept - Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen“ Patient. Die Qualen beim Absetzen S.46 - 50,
S.54f, 57. Psychopharmaka. Antidepressiva sind unwirksam S.83-92. Pharmaskandale. Lügen bei der Zulassung von Antidepressiva S.130,
Psychiater. So diagnostizieren Psychiater eine Depression S.169, Pillenhistorie. Der Siegeszug der Antidepressiva S.208. Perspektive. Weshalb
die Ära der Antidepressiva endet S.225, 226, 227f, Lügen haben kurze Beine. Lüge: Antidepressiva sind die beste Therapie S.246,
Vorwort Prof.em.Dr.med. Bruno Müller-Oerlinghausen Klett-Cotta 2016, www.depression-heute.de

(1) Siehe auch "publication bias", "Placebo", "Doppelblind", ", "Randomisierung", "Design" usw. unter INFOS: Statistik Glossar & Allerlei >>>
(2) Simone Schächtele, Thomas Tümena, Karl-Günter Gaßmann, Martin F. Fromm, Renke Maas: "Umsetzung von Rote-Hand-Briefen -
Eine Analyse von Medikationsdaten aus einer großen Kohorte geriatrischer Patienten" Deutsches Ärzteblatt, Jg. 111, Heft 15, 11. April 2014
www.aerzteblatt.de/pdf/111/15/m255.pdf
Brian L. Strom: "How the US Drug Safety System Should Be Changed" JAMA. 2006 May 3;295(17):2072-5
http://courses.washington.edu/pharm309/StromJAMA.pdf
Lisa Cosgrove, Steven Vannoy, Barbara Mintzes, Allen F.Shaughnessy: "Under the Influence: The Interplay amongIndustry, Publishing,
and Drug Regulation" Account Res. 2016;23(5):257-79
(3) Jaakko Seikkula, Birgitta Alakare, Jukka Aaltonen: "The Comprehensive Open-Dialogue Approach in Western Lapland: II. Long-term stability of acute
psychosis outcomes in advanced community care" Psychological, Social and Integrative Approaches 3(3):192-204, October 2011 [siehe Links]
Sami Timimi: "No more psychiatric labels: Why formal psychiatric diagnostic systems should be abolished" International Journal of Clinical
and Health Psychology, Volume 14, Issue 3, Pages 208-215, 2014
OPEN DIALOGUE: An alternative Finnish approach to healing psychosis (COMPLETE FILM): www.youtube.com/watch?v=HDVhZHJagfQ
[Meine Ergänzungen]



"Zusammenfassend möchte ich sagen,
dass wir viel zu wenig wissen, wie manche Krankheiten
ohne ärztliche Eingriffe verlaufen
, und daß wir, soweit wir es wissen,
diese Kenntnis in autistischer Weise (1) von unserem medizinischen
Überlegungen absperren, statt sie zur Basis unserer therapeutischen
Handlungen und Forschungen zu machen
.

Wir verschreiben den Patienten auf Rezepten und den Ärzten in
Lehrbüchern eine Menge Mittel, von denen wir nicht wissen, ob sie
nötig oder nützlich, ja oft nicht recht, ob sie schädlich sind und stellen
sie häufig nebeneinander, ohne den relativen Wert derselben zu kennen.

Und was das Schlimmste ist, wir tun nicht alles Erdenkliche, um
aus diesem Zustande herauszukommen. Deshalb ist es keine
Entschuldigung, wenn man sagen wollte, man könne nicht anders,
oder wenn man vom Verlangen des Patienten nach Trost redet; das
"ut aliquid fieri videatur" (2) scheint mir höchstens entschuldbar als
Notbehelf im einzelnen Falle, als allgemeiner Grundsatz aber
unwürdig der Wissenschaft und ihrer Vertreter ..."


Paul Eugen Bleuler
(1857-1939)
Schweizer Psychiater (Zürich)
"Schizophrenie-Forscher"
("Mb.Bleuler")

Aus: „Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin und seine Überwindung“
B. Vom Autismus in Behandlung und Vorbeugung S.17 SPRINGER 5.Neudruck der
5.Auflage1962 (1921, 1.Auflage 1919). (1) gr.autos = selbst, "auf sich selbst bezogen"
(2) ut aliquid fieri videatur = „Um es so aussehen zu lassen (Um den Anschein
zu erwecken), es werde etwas getan“



"Vor vielen Jahren, bevor der massive Missbrauch von Psychopharmaka begann, war die Depression
eine selbstlimitierende Krankheit, die meist innerhalb weniger Monate vorbei war. Selbst heute dauert
eine durchschnittliche, unbehandelte Depression nur drei Monate ... (5) [5e]

Unsere verrückte Gesellschaft ignoriert die Tatsache vollständig, dass unsere
verschreibungspflichtigen Medikamente nach Herzkrankheit und Krebs
die dritthäufigste Todesursache sind ... (5) (11)

"Die Pharmakonzerne bestimmen nicht nur das Land, die Klinik, die Ärzte und die Teilnehmer, sie gestalten
auch das Design der Studie. Der Aufbau muss wissenschaftlichen Standards genügen. Dennoch lässt die
Durchführung viel Spielraum. Die Bewertung ist immer eine subjektive Einschätzung des durchführenden Arztes.
Er entscheidet zum Beispiel, ob eine auftretende [Symptomaik] Nebenwirkung durch das Medikament oder die
Krankheit des Patienten verursacht wurde. Ebenso erfolgt die Einschätzung der Besserung anhand von subjektiven
Berwertungs-Skalen ...
Die Verblindung [sog. Randomisierte kontrollierte Studie/Doppelblind-Studie [(1) oben]
funktioniert nur theoretisch.
Die Patienten können anhand der Nebenwirkungen erkennen, ob sie sich in der
Medikamentengruppe [Verum] befinden. Dieses Wissen beeinflusst den Heilungsprozess (13). Die Hoffnung,
ein neues Wundermittel zu erhalten, löst eine Heilerwartung aus, die sich positiv auf die Gesundung auswirk.
In der Placebogruppe passiert das Gegenteil. Durch das Ausbleiben von Nebenwirkungen vermuten die Patienten,
keinen Wirkstoff zu erhalten. Dies senkt ihre Hoffnung auf Besserung und wirkt sich negativ auf den Gesundungs-
prozess aus.
Es ist schwierig, die Menschen während der gesamten Studie zu täuschen. Gerade Antidepressiva
verursachen typische Symptome [Nebenwirkungen] wie Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit
und Schwindel. Die Teilnehmer berichten dem [Studien] Arzt darüber, wodurch dieser Hinweise erhält, ob der
Patient ein Placebo oder die zu testende Substanz [Verum] bekommt ...
Der [dänische] Bestsellerautor
und Arzt Peter Gotzsche (55) hat über viele Jahre Zulassungsstudien durchgeführt.
Heute bemüht er sich
um neue Richtlinien und Mindeststandards ... Die Auswertung der Studien findet beim Auftraggeber statt.
Die beteiligten Ärzte haben anschließend keinen Einblick und auch keinen Einfluss mehr.
Peter Gotzsche
hält es für verwerflich, dass "die einzigen Personen auf der Welt, die sämtliche Daten zu Gesicht be-
kommen, Firmenvertreter sind."
(55) ... "Der Unterschied zwischen einer ehrlichen und weniger ehrlichen
Datenanalyse kann auf dem Weltmarkt Milliarden von Euros ausmachen.""
(55)... (17)

Menschen denen es gelungen ist, Psychopharmaka loszuwerden und zu einem normalen Leben
zurückzukehren, bezeichnen sich oft als
"Psychiatrie-Überlebende". Das ist ein sehr treffender
Begriff. Einer von ihnen, der Rechtsanwalt Jim Gottstein [5f], gibt Patienten diesen Rat: "Sie müssen
die Verantwortung für Ihre geistige Gesundheit und für Ihr Verhalten übernehmen. Sie müssen lernen,
Ihre Symptome zu erkennen. Sie müssen lernen, was gut für Sie ist." ...


"Wann werden die Psychiater endlich akzeptieren, dass wir es mit empfindsamen menschlichen Wesen
mit einer heiklen psychischen Balance zu tun haben, nicht mit Maschinen zum Herumpfuschen, und dass
Selbstorganisation und Selbstmanagement integrale Bestandteile der Definition des Lebens sind? Ein echter
und dauerhafter Wandel ist nur möglich, wenn wir einem Menschen helfen, die schmerzhafte Arbeit
und Veränderung in sich selbst zu bewerkstelligen."
(Ivor Browne) (5) [5g]

"Psychopharmaka sind viel, viel gefährlicher, als die Ärzte, die sie verschreiben, Ihnen gegenüber jemals
zugeben würden. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie meisten Menschen niemals Psychopharmaka einnehmen
würden, wenn sie wüssten, wie gefährlich sie wirklich sind, und ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass die meisten Ärzte
aufhören würden, sie zu verschreiben, wenn sie auch nur die leiseste Vorstellung davon hätten, wie gefährlich sie sind.
Wie kommt es, dass so viele Menschen nichts über Psychopharmaka wissen? Nun, die Wahrheit ist, dass alle
ihre Informationen von den Pharmaunternehmen bekommen."
(Peter Breggin) (5) [5h] ...

"Anstatt zu versuchen, die Patienten zu verstehen, hat sich die Psychiatrie zu einer Checklistenübung (55.1)
["Ausfüllen standardisierter Fragebögen", "Standardisiertes u./o. strukturiertes Interview"] entwickelt, die man
ebenso gut einer Sekretärin oder den Patienten selbst [PHQ-9 u.a.] überlassen könnte. Diagnosen werden oft
nach einem Gespräch selbst gestellt, das zehn oder fünfzehn Minuten dauert. Dann bekommen die Patienten
zu hören, dass sie bis ans Ende ihres Leben ein Medikament einnehmen müssen, um ein "chemisches
Ungleichgewicht" im Gehirn zu beseitigen."
(Peter. C. Gotzsche) (55)

"Die DSM-Definitionen [Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders] suchen den gemeinsamen Nenner
bei allen von einer bestimmten psychischen Störung Betroffenen und müssen daher alles Individuelle und Abweich-
ende ausblenden. Sie können unmöglich Faktoren der Persönlichkeit und des Umfeldes berücksichtigen, so etwa
die Frage, ob die depressiven Symptome eine verständliche Reaktion auf einen Verlust, eine schreckliche Lebens-
lage oder auf psychologische Konflikte sind oder ob sie mit der Persönlichkeit der Betroffenen zu tun haben ... Das
DSM muss einfach bleiben, aber die Psychiatrie muss es nicht ... Allerdings war die Vorgangsweise des DSM
viel zu einflussreich und beherrscht inzwischen das Fachgebiet, wie wir es nicht beabsichtigt hatten. Aus einer
nuancierten Psychiatrie ist eine Checklisten-Psychiatrie geworden, die individuelle Unterschiede einebnet und
maßgeschneiderte Therapien vereinheitlicht ... Wir vergessen gern die Einsicht des Hippokrates, der meinte,
wichtiger als die Frage, welche Krankheit ein Mensch habe, sei die Frage, welche Art Mensch von einer
bestimmten Krankheit befallen werde. Natürlich ist es immer das Beste, aufmerksam für beides zu sein.
Die Diagnostik nach dem DSM hat ihren Platz bei jeder Begutachtung, aber sie erzählt uns nicht die
ganze Geschichte." ... Das Fehlen biologischer Tests ist ein gewaltiger Nachteil für die Psychiatrie.
Es bedeutet, dass alle unsere Diagnosen auf subjektiven Urteilen beruhen, die naturgemäß
fehlbar sind." ...
(Allen J. Frances: unter weiterf.Lit.)

"Wenn Psychiater und Psychologen neue seelische Störungen ins Leben rufen, dann sitzt die Pharmaindustrie
gleichsam mit am Tisch.
So ist es zuletzt gewesen, als die Kernmannschaft von 160 Experten das DSM-5 [Allen
J. Frances: "Normal" 2013 unter weiterf.Lit.] geschrieben hat. Mehr als die Hälfte dieser DSM-Autoren mussten
einräumen, dass sie finanziell mit der Industrie verbunden sind:
Rund 70% von ihnen arbeiten als Berater oder Redner
für pharmazeutische Firmen und nahmen von diesen dafür Honorare an.
Der Leiter der Taskforce David Kupfer war Eli Lilly
and Company, Forest Pharmaceuticals, Pfizer, Johnson & Johnson, Servier Amerique, Hoffmann-LaRoche, Lundbeck,
Novartis und Solvay Wyeth zu Diensten. Der ... Dresdner Psychologe Hans-Ulrich Wittchen, Mitglied der Arbeitsgruppe
für Ängste, Zwangsstörungen und Dissoziative Störungen, arbeitete für Firmen wie Organon, Pfizer, Novartis und Servier.

Die Nähe der Industrie war besonders groß bei den Psychiatern und Psychologen, die sich mit Störungen befassten,
die typischerweise pharmakologisch behandelt werden.
Bei den psychologischen Störungen waren 83% der Gruppen-
mitglieder finanziell mit der Industrie verbunden, bei den Schlafstörungen waren es 100%.

Das ist eine Seelsorge für die Industrie. Sie steht für eine Denkweise, die sich im DSM-5 widerspiegelt. Ein Mensch mit psych-
ischen Problemen hat demnach ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn - das man mit Psychopharmaka behandeln kann.

"Die finanziellen Verstrickungen der DSM-Autoren seien besorgniserregend", sagt der Arzt und Sozialwissenschaftler David
Klemperer [b.1953] von der Hochschule Regensburg.
Er erforscht, wie finanzielle Anreize das Verhalten von Medizinern
verändern. Generell sei der Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte immer wirksam
. Eigentlich müssen sie ein besonderes
Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten haben.
Aber wenn sie für Nebentätigkeiten persönliche Honorare von Firmen an-
nehmen, dann verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit und ihre Unabhängigkeit. Sie könnten die Medikamente ihrer finanziellen
Partner bevorzugen und deren Wirksamkeit verzerrt darstellen.
Und sie könnten versucht sein, die Verbreitung von Krank-
heiten aufzubauschen oder s
ogar neue Syndrome zu erfinden. Besonders heikel bewertet Klemperer die Zusatzeinkünfte
der DSM-Autoren.
Er sagt: "Sie bewerten ja nicht nur Medikamente, sondern sie bestimmen, wie seelische Störungen
definiert werden."


Wie stark der Einfluss der Pharmafirmen auf die Nervenheilkunde ist,das könne man kaum ermessen, urteilen unab-
hängige Forscher im Fachblatt European Psychiatry. Das
"Konstruieren neuer Diagnosen oder das Herabsetzen der
Schwellen bereits bestehender Diagnosen, um den Markt für psychopharmakologische Behandlungen aufzublähen"(1)
,
dürfte ganz gewiss dazugehören. Zahlungen von Pharmafirmen an Ärzte gibt es in vielen Bereichen der Medizin.
Aber in nur wenigen sind sie derart selbstverständlich geworden wie in der Nervenheilkunde. Es sind die Psychiater,
die einer Studie aus Minnesota zufolge die höchsten Zuwendungen aus der Industrie kassieren. Und auch in
Deutschland ist gerade die Elite des Fachs mit den Konzernen verflochten. Von 37 Leitern der Kliniken
für Psychiatrie an deutschen Universitätskliniken nahmen offenbar mindestens 35 auf ihrem Berufsweg
finanzielle Zuwendungen von Pharmafirmen an (2) ...

Wenn Psychiater und Psychologen von angesehenen Universitäten erst einmal auf den Lohnlisten pharma-
zeutischer Unternehmen stehen, dann ist ihre Unabhängigkeit gefährdet.
Sie entzaubern sich. Sie machen
sich angreifbar. Die Kollegen lästern hinter vorgehaltener Hand und spotten über die
"Mietmäuler". Die
Industrie nennt sie lieber "Meinungsbildner".
Diese sollen den Interessen ihrer Auftraggeber dienen, sprich:
den Firmen Glaubwürdigkeit verleihen, die öffentliche Meinung über Krankheiten beeinflussen und für hohe
Verschreibungszahlen sorgen.
Gerade in der Psychiatrie können Meinungsbildner Gold wert sein, zumal
Psychopharmaka zu den Medikamentengruppen gehören, die am meisten Umsatz machen ...

Von diesen Zahlungen haben Bürger kaum eine Vorstellung - und auch nicht von den Nachteilen, die sich
daraus für sie ergeben könnten, wenn sie an einen
industrienahen Psychiater [Arzt] geraten. Ein Arzt ist
dem Patienten verpflichtet - ein Meinungsbildner [Mietmaul] seinem Auftraggeber.
Das ist ein Interessens-
konflikt, der zu einer schlechteren Versorgung führen kann:
Der von der Industrie alimentierte Mediziner lobt
und verschreibt womöglich Medikamente, für die er sich sonst niemals eingesetzt hätte.
Dabei spielen auch
psychologische Aspekte eine wichtige Rolle. Selbst wenn ein betreffender Meinungsbildner seine Auftrag-
geber in der Industrie persönlich nicht besonders mag, fühlt er sich ihnen verbunden.

Diese Verbundenheit beeinflusst nicht zuletzt die öffentliche Meinung über Themen der Seelenheilkunde.
Gerade die Leiter der Abteilungen für Psychiatrie werden von Journalisten gerne um Einschätzungen gebeten
und vergleichsweise häufig in den Medien zitiert.
Dass die meisten dieser Experten in Wahrheit befangen
sind, das bleibt so gut wie immer unerwähnt.
Ihre Nähe zur Industrie bedeutet nicht in jedem Fall, dass diese
Meinungsbildner gegen ihre innere Überzeugung sprechen. Aber sie führt dazu, dass Zweifel unterdrückt
werden, wie folgende Überlegung zeigt. Wenn ein bestimmtes Psychopharmakon wegen schlimmer Neben-
wirkungen zu Recht in die Diskussion geriete, dann wird ein Psychiater, der mit der Herstellerfirma finanziell
verbunden ist, das Mittel vielleicht nicht unbedingt verteidigen. Aber er wird mit öffentlicher Kritik daran
zurückhalten und lieber auf Tauchstation gehen, wenn ihn Journalisten um eine Einschätzung bitten."
(Jörg Blech "Die Psychofalle" 2014 S.63ff, S.68f, 70f)
(1) Brian C. Pilecki , J.W. Clegg, Dean McKay: "The influence of corporate and political interests
on models of illness in the evolution of the DSM" Eur Psychiatry 2011 Apr;26(3):194-200
(2) Jörg Blech: "Seelsorge für die Industrie" Der Spiegel Nr.20/2011
www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522323.html

Offenlegung von Zahlungen an die Ärzteschaft durch die Pharmaindustrie = Disclosures:
www.ti-austria.at
Die European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA):
Europäischer Dachverband der nationalen Verbände forschender Pharma-
unternehmen sowie einzelner Pharmaunternehmen.
http://transparency.efpia.eu
http://transparency.efpia.eu/the-efpia-code-2
www.terrapinn.com/conference/evidence-us

"Die Psychiatrie muss auf den Erfahrungen
der Betroffenen beruhen; sonst ist sie
keine "empirische" Wissenschaft."

Dorothea Sophie Buck Zerchin
(b.1917)
Deutsche Bildhauerin, Autorin
Mit 19 Jahren (1936) "erkrankt" sie an Schiziphrenie;
Opfer des totalitären NS-Regimes - Zwangssterilisation
Dorothea Sophie Buck Zerchin: „Auf der Spur des Morgensterns – Psychose als Selbstfindung“
Hrsg. Hans Krieger; mit Anhang: „Wie es weiterging“ erzählt von D.S. Buck Zerchin
PARANUS 5. Auflage 2014 (1990)

"Depressive Menschen sind keine kranken Menschen. Vielmehr sind es Menschen, die sich auf eine überfordernde Weise
ans Leben angepasst haben und jetzt darunter leiden und zu zerbrechen drohen, und zwar so sehr, dass dieses Leiden
Krankheitswert hat. Mit anderen Worten: auch wenn die Depression keine Krankheit ist, bringt sie für die Betroffenen
oder den Betroffenen ein hohes Maß an Leiden mit sich. Dass es sich bei der Depression um keine Krankheit im her-
kömmlichen Sinn handelt ["ein belastetes, schwieriges, freudloses und anstrengendes Leben" (S.35)], ist für mein
Depressionsverständnis wichtig und zentral. Für viele mag das tröstlich klingen, nicht krank, sondern "normal" zu sein.
Andere wiederum sind enttäuscht. Wenn man krank ist, dann hat man etwas, dann weiß man, woran man ist. Und es
gibt Ärzte, die dafür zuständig sind, und Medikamente, die es für einen richten.

"Depression bedeutet depressive Entwicklung und ist immer mit einer zunehmenden Überforderung und Ermüdung
verbunden. Geradezu zwangsläufig hat eine solche Entwicklung, die weder krank noch abnorm ist, eine wachsende
Isolierung und Einsamkeit
zur Folge. Aber es gibt Wege, diesen Zustand zu verändern, Wege, die alle gehen können
und die zum Ziel führen ..."
(1. S.10)

"Leiden, Schmerz, Trauer und ebenso die Depression sind menschliche Erlebensformen und keine krankhaften Zustände.
Es so zu sehen bedeutet, unbelastet und vorurteilsfrei an den jeweiligen Menschen heranzugehen ... Krankheit gehört
wie die Gesundheit zum Leben ... Depressives Erleben ist leidvolles, aber auch normales und gesundes Erleben.
Gesund ist gesund und krank ist krank und beides sind urmenschliche Lebensformen. So, wie Gesundheit nicht
einfach die Kehrseite der Krankheit ist, so ist die Krankheit nicht einfach die Abwesenheit von Gesundheit.
Und mit Krankheit hat nicht zu tun, was normale und selbstverständliche Entwicklungen hervorbringen.
Krankheit ist eine Abweichung von selbstverständlichen und gewohnten Abläufen und Zuständen,
häufig verbunden mit Schmerzen und Leiden. Auch wenn sie dazu führt, dass die Betroffenen sich
überfordern und vernachlässigen und immer mehr leiden, stellt die Depression
eine solche Abweichung nicht dar ...
(1. S.11f)

"Depressive Menschen sind über Jahre geformte Persönlichkeiten mit einem sehr beschwerlichen Leben,
das die Betroffenen unter schwierigsten Bedingungen bestmöglich zu leben versuchen. Eine Persönlichkeits-
entwicklung
, auch eine depressive, ist kein pathologischer Vorgang ["So, wie ich bin, ist es nicht richtig, ist es
nicht normal. Ich bin nicht normal, ich bin nicht wie die anderen, ich bin daneben"
(1. S.12)] und die Persönlichkeit,
die sich daraus entwickelt hat, ist nicht krank ..."
(1. S.13)

"Menschen, die sich depressiv entwickeln, haben sich in ihrer Kindheit aufgrund ihrer persönlichen Disposition
und ihrer Auseinandersetzung mit der damaligen Familien- und Lebenssituation ["mangelnde Sicherheit, Verläss-
lichkeit, Wärme und Geborgenheit", "familiäres Klima ständiger Unsicherheit und diffuser Bedrohung", "Erfahrung
der Brüchigkeit", "Angst", "mangelnde Verbundenheit mit dem Leben"] bestimmte Verhaltensweisen angewöhnt und
diese gelernt
. -
"Den Eltern geht es nicht gut, wir sind ihnen eine Belastung. Wir müssen alles tun, damit es ihnen
besser geht."
Mögliche Ursachen dieser elterlichen Überforderung: eheliche Spannungen, finanzielle Dauersorgen,
Arbeitslosigkeit, krankes oder behindertes Geschwisterkind, Todesfälle in der Familie, allgemeine Unzufriedenheit
mit Leben, Beruf, Wohnsituation, lieblose und kalte Erziehung (2. S.32)  - Dazu gehören etwa:
sich übergehen und
überfordern, hart und verständnislos mit sich umgehen, nicht Nein sagen können: "Jetzt oder nie", "Alles auf
einmal", "Alles oder nichts", oder auch, sich keine Bedeutung zu geben, Gefühle des Ungenügens, der Verun-
sicherung, Angst und Einsamkeit
= depressive Muster: "so handeln und denken müssen" = "Zwang". Sie haben
diese Verhaltensmuster in ihrer persönlichen Entwicklung geübt und perfektioniert und sich dabei ständig überfordert
und erschöpft. Deswegen ist die Depression aber noch lange kein krankhaftes Erleben, sondern Ergebnis und Ausdruck
eben dieser in der Kindheit gelernten Überlebensstrategie [depressive Entwicklung = "latent depressiver Mensch",
eine Anpassungsleistung über viele Jahre oder Jahrzehnte! - "verborgen und noch Kraft zum Funktionieren" - "Sie
laufen auf Eis, ohne zu wissen, wann es einbricht"]. (2. S.22) ... Das ist ihre Lebensauffassung und darin fühlen
sie sich jeden Tag von Neuem bestärkt ... "sie sind nach außen gut aufgestellt, ausgeglichen und voller Kraft,
innerlich aber fühlen sie sich unsicher, schlecht und kraftlos
(2. S.30) ... Irgendetwas kann die Depression sichtbar
["manifest" - "offensichtlich, leer und kraftlos"] werden lassen, allmählich oder plötzlich. "Der letzte Strohhalm
lässt das Kamel zusammenbrechen!"
(Englisches Sprichwort) ... Und vielfach lässt sich mit einem auslösenden
Ereignis /((innere und/ oder äußere Erlebnisse/Stressoren) ein Zusammenhang herstellen ..." (1. S.14)

"Depression bedeutet depressive Entwicklung und damit chronischer Stress, der im Laufe der Zeit
zunehmend körperliche Spuren hinterlässt ..." (1. S.15)

"Depressive Menschen würden zum Beispiel sich und ihr Leben folgendermaßen beschreiben:
"Ich arbeite nur, es geht immer weiter wie bisher, nichts ändert sich. Ich habe keine Ruhe, die Gedanken kreisen fortwährend
und landen immer beim "worst case", dem schlimmstmöglichen Ausgang. Ich muss nur funktionieren und fühle mich nie frei
und gelöst. Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, sein eigener Herr und Meister zu sein und selber entscheiden zu
können, kenne ich nicht. Ich mache alles ohne Feuer und Begeisterung und muss mich immer wieder von neuem aufraffen,
bin ständig mit der Frage beschäftigt, mache ich es richtig, schaffe ich es. Zufriedenheit kenne ich nicht, alles kostet unendlich
viel Energie, ohne dass sich das auszahlt oder dass es mir besser geht." ...

"Nichts ist richtig, alles ist nicht so, wie es für mich richtig wäre. Nichts ist recht, nichts genügt, nie ist etwas genug und gut.
Immer gibt es etwas, was ich zu bemängeln habe. Nie ist etwas so, dass ich mit mir zufrieden bin. Mir passt es nicht,
wie ich bin, wie ich denke und mein Leben handhabe. Ich gefalle mir nicht. Ich mag nicht mehr, alles ist mir zu viel.
Ich mache nur noch das Nötigste und ich habe immer Angst, Angst, nicht zu genügen, nicht fertig zu werden und
keine Kraft mehr zu haben. Ständig gehen diese Gedanken in meinem Kopf herum."
(2. S.29)

In meiner therapeutischen Tätigkeit erfahre ich jedoch immer wieder von Neuem, dass man die Depression verstehen
kann, dass es sich um nachvollziehbare Schritte handelt, die zu dpressiven Zuständen führen. Aus diesem Verständnis
heraus lassen sich dann nachvollziehbare Wege ableiten, wie man aus der Depression aussteigen kann, ob zusammen
mit professioneller Hilfe und Unterstützung oder allein. Aussteigen bedeutet, neue Verhaltensweisen zu lernen. Die bis-
herigen haben diese Menschen dorthin geführt, wo sie heute stehen, und zu dem gemacht, was sie heute sind. Lernen
aber heißt Umlernen, heißt auch, neue Gewichte setzen, neue Einstellungen finden. Das jedoch ist nur möglich, weil
die alten Denk- und Verhaltensmuster nicht gottgegeben oder angeboren waren, sondern so gelernt wurden. Das so
zu sehen ist deshalb wichtig, weil viele depressive Menschen von Fachleuten im Glauben gelassen oder gar bestärkt
werden, mit diesem Leiden und mit diesem Schmerz weiterhin leben zu müssen, und die einzige Erleichterungs-
möglichkeit darin besteht, bis ans Lebensende Medikamente zu schlucken.


Mein Ansatz unterscheidet sich von dieser Sichtweise grundlegend: Der depressive Mensch soll wissen,
dass er nicht krank ist, dass er nicht weiter leiden muss und dass es darum geht, sich zu verstehen und
nachzuvollziehen, weshalb welche Schritte beim Ausstieg wichtig und erfolgreich sind. Wissen, warum
man etwas tut, und warum man es gerade so macht, gibt Sicherheit und Vertrauen. Nachvollziehbar
und einleuchtend sollen die Schritte des Ausstieges sein, und die Folgerungen daraus palusibel,
logisch und umsetzbar. Vor allem aber müssen die vorgeschlagenen Schritte bringen, was sie
versprechen. Sonst nützen die besten Erklärungen nichts ...

Der Ausstieg
(Generalthema: "Jetzt geht es um mich."; "Veränderung", "Lernen einer neuen Einstellung",
"Sichaneignen eines neuen Umgangs mit sich selbst") ist nicht nur beschwerlich und erfordert viel Ausdauer
und Geduld, sondern es ist auch spannend, neue Gefühle bei sich wahrzunehmen und auszuhalten, zu
erfahren, wie das Selbstbewusstsein wächst und die Angst vor Rückschlägen immer kleiner wird ...

Das eigentliche Geheimnis jedes erfolgreichen Ausstieges lautet:
"Die depressiven Muster sind erworbene und
gelernte Verhaltensweisen. Der depressive Mensch kann sie daher aus eigener Kraft verändern"
(1. S.192) ...
Sich ernst nehmen, auf sich hören und das tun, was für einen stimmt ... kleine Schritte, kleine Portionen, immer
wieder die Rückfrage, ob der Schritt und das Maß und der Zeitpunkt stimmen ...
Die Ungeduld wird zu einem riesigen
Problem: "Jetzt bin ich schon so lange drin und dran und bin noch nicht weiter" ... es geht um Langsamkeit und Zeit-
haben"
(S.21) ... "ZULASSEN - ANNEHMEN - DAZUSTEHEN und AUSHALTEN, ohne gleich etwas unternehmen,
verändern oder etwas dagegen tun zu wollen"
(1. S.194) ... "Jetzt geht es um mich - Was will ich, was tut mir gut,
was brauche ich jetzt und was traue ich mir im Moment zu?"
(1. S.196) ...Vergiss dich nicht
und kümmere dich um dich! ...


"
Ziel des Ausstieges ist es, immer weniger am Leben zu leiden, vermehrt sein eigenes Leben zu leben
und zufriedener zu werden, mit der Zeit immer mehr fähig zu werden, den Augenblick auszukosten und
sogar zu genießen ... Der depressive Mensch muss nichts. Er entscheidet und er ist maßgebend ..."
(1. S.23)

"Kinder in der Familie und der Einzelne in der Gesellschaft [müssen] wieder Werte wie Fairness,
Gerechtigkeit
und Respekt erfahren. Je mehr eine Gesellschaft sich in diese Richtung entwickelt,
umso weniger Menschen werden eine depressive Entwicklung einschlagen."
(1. S.24)

Lern- und Merksätze:
als die "Leitplanken des Ausstieges", geben den Rahmen und die Richtung an, wie Leuchttürme und Orientierungspunkte, an denen Sie
sich halten und orientieren, sich an ihnen aufrichten, sich neu finden, sammeln und motivieren können ... sich versöhnen mit der eigenen
Fehlerhaftigkeit, Ängstlichkeit und Empfindlichkeit, und nur soviel machen, wie im Moment geht, es gibt kein Müssen und keinen
Zwang, sich ernst nehmen, auf sich hören und das tun, was für einen stimmt, durch sie holen Sie sich Verständnis, Trost
und Orientierung ... Sie bestimmen ihren Weg ganz allein ...
"Du musst nichts. Es kommt auch nicht darauf an, möglichst viel zu lernen und zu verändern. Alles, was du tust,
genügt, wenn es für dich stimmt. Und du allein weißt, was für dich stimmt. Erlaube dir, so zu denken und danach
zu handeln. Es geht um dich, du bist gefragt und auf dich kommt es an. Das ist Thema des Ausstieges und Thema
deines neuen Lebens. Mache, was du gerne machst, was du dir zutraust und was dich freut. es ist dein Weg und dein
Leben. Du entscheidest, wo es langgeht" ...
"
Niemand ist der Depression ausgeliefert, und ein anderes Leben ist
möglich!"
... "Es geht zuerst um mich und dann um den Weg. Zuerst komme ich. Ich will mich nicht vergessen,
mich nicht übergehen und mich auch nicht überfordern. Ich muss nicht etwas Bestimmtes lernen und eine neue
Strategie anwenden, sondern im Moment ganz einfach versuchen, das zu machen, was mir möglich ist und mir hilft.
Das zu lernen und irgendwann einmal auch zu leben ist meine Aufgabe. Das sind die Schritte aus der Depression,
anders geht es nicht." ... ""Jetzt geht es um mich." Ich muss nicht irgendwelchen Anforderungen genügen und auch
nicht bestimmte Kriterien erfüllen. Alles, was ich mache, wenn ich es machen will und es mir guttut, ist gut und
richtig."
... ""Jetzt geht es um mich" Es geht darum, dass ich mir mit Respekt und Achtung begegne und sorgfältig
mit mir umgehe. Es ist mein Leben und ich will es so leben, dass es für mich stimmt und ich die Verantwortung
dafür übernehmen kann. Ich habe nur dieses eine Leben und das will ich auf eine gute Weise leben." ... ""Jetzt
geht es um mich" Jetzt will und darf ich mich wichtig nehmen und auf mich schauen. Deshalb will ich achtsam
und verlässlich mit mir umgehen und mir all das erlauben, was mir guttut, mich stärkt und bestätigt. Es geht
darum, dass ich mich nie mehr aus den Augen verliere und mich in meinen Gedanken und Handlungen
einbeziehe" ... "Stimmt diese Fromulierung, passt sie zu mir, bringt sie etwas in mir zum Erklingen,
kann ich etwas mit ihr anfangen? Bin ich jetzt sicherer, trittfester auf dem Weg und auch ruhiger? Und:
Verstehe ich damit besser, was mit dem Geschriebenen gemeint ist, macht es mir den Weg und die
einzelnen Schritte verständlicher und machbarer? Verstehe ich mich besser, werde ich sorgfältiger und
aufmerksamer zu mir, geduldiger und zuversichtlicher für den Weg und die zu machenden Schritte?" ...
"Mache, was du willst und kannst. Sich das zu erlauben, daran zu glauben und im Alltag umzusetzen
ist die schwierige Aufgabe, die der depressive Mensch für den Ausstieg zu leisten hat und die mit
Sicherheit zum Ziel führt." ... "Menschen sind depressiv, die ihr Leben lang geleitet sind, das zu machen,
was andere von ihnen erwarten, die immer auf die andern ausgerichtet sind, die sich zurückstellen, sich
übergehen, sich nicht spüren und nicht ernst nehmen, die ständig im Gefühl leben, etwas zu müssen,
und sich deshalb ständig verpflichtet fühlen. Sie geraten in einen Zustand ständiger Überforderung und
zunehmender Erschöpfung, den man als Depression bezeichnet." ... "Ich will meine Müdigkeit ernst nehmen,
sie nicht bagatellisieren und gering schätzen. Ich möchte lernen, auf die Signale des Körpers zu hören,
und mich bemühen, sie zu verstehen und danach zu handeln. Ich möchte nicht die immer gleichen Fehler
und Unterlassungen wiederholen und auch dem Körper nicht mehr die Erholung, die er braucht, vorenthalten.
Ich weiß, da habe ich große Fehler gemacht. Ich kann nicht ungestraft den Körper schwächen und gleichzeitig
Höchstleistungen von ihm verlangen. In Zukunft will ich mit ihm und nicht gegen ihn arbeiten. Ich will lernen,
geduldig mit mir zu sein, mir und dem Körper Zeit geben, ihn nicht immer antreiben und über ihn verfügen.
Damit, dass ich lerne, den Körper zu achten und meine Ungeduld und Rastlosigkeit zu zügeln, nehme ich
eine wichtige Weichenstellung in Richtung Veränderung und Ausstieg aus der Depression vor."
(2. S.14ff,19,21f,24,26)

"Es geht wesentlich darum, dass der depressive Mensch sich einen Wert gibt, sich selbst als wertvoll
erlebt und dieses Erleben auch wirklich, tief und ganzheitlich spürt und lebt.
Sich wertvoll zu fühlen
kann das Gefühl und das Bewusstsein von sich selbst verändern. Sie/Er kann spüren:
"Ich bin jemand, ich bin jetzt jemand anderes als vorher, auch wenn die anderen dies nicht feststellen können.
Ich bin ich und erlebe mich als mich selbst, als jemand, der einen Wert hat, der zu sich stehen und sich den
anderen als der, der er ist, zeigen kann und will. Ich bin jetzt jemand, der auf sich baut, auf sich zählt und mit
dem auch die anderen rechnen müssen. Ich bin nicht mehr so pflegeleicht und möchte trotzdem geschätzt und
anerkannt werden, ich habe meine Meinung und ihr sollt sie auch wissen, ich möchte ernst genommen werden,
wenn ich einmal etwas nicht spüre, etwas nicht verstehe, wenn ich kompliziert, langsam oder schwierig bin.
Ich bin auch nicht immer ausgeglichen und geduldig, manchmal bin ich gereizt, in schlechter Stimmung,
und ich möchte, dass auch das seinen Platz haben darf."
...
(3. S.234f)
(1. + 2. +3. Josef Giger Bütler: weiterf.Lit.)

(1) SNRI: Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
(2) Robbie Williams, Chris Heath: "Feel: Robbie Williams" Rowohlt 2004
(3) www.stern.de/kultur/musik/robbie-williams-im-stern-interview--ich-bin-sehr-gluecklich--3447792.html
(4) SSRI: Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
(5) P.C. Gotzsche: "Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen - Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich
aufs Spiel setzen“ („Deadly Psychiatry and Organised Denial“ ArtPeople 2015) Abhängigkeit von Psychopharmaka S.247, Das Absetzen von Psycho-
pharmaka. Die schlimmste Arzneimittelepidemie aller Zeiten S.265, 267, Wie soll man vorgehen S.273, Tödliche Psychiatrie und Sackgasse.
Wie viele Menschen sterben durch Psychopharmaka S.317, Zwangsbehandlung und zwangsweise Unterbringung müssen verboten werden
S.323 RIVA 1. Auflage 2016, www.deadlymedicines.dk/http://www.deadlymedicines.dk
(55) Peter C. Gotzsche: „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert“
Übersetzung: Martin Rometsch ("Deadly Medicines and Organised Crime: How Big Pharma has Corrupted Healthcare" Radcliffe 2013)
5. Klinische Studien: ein gebrochener Gesellschaftsvertrag mit Patienten S.104, S.99, 17. Die Psychiatrie, das Paradies der Pharma-
industrie. Der Schwindel mit dem chemischen Ungleichgewicht s.303f, 1. Auflage RIVA 2015
(55.1) Paul Rodney McHugh, Phillip Richard Slavney: "Mental illness--comprehensive evaluation or checklist?" N Engl J Med. 2012 May 17;366(20):1853-5
[5a] Peter Roger Breggin:"Psychiatric Drug Withdrawal: A Guide for Prescribers, Therapists, Patients and their Families" Springer 2013 http://breggin.com
[5b] Margrethe Nielsen, Ebba Holme Hansen, Peter C. Gotzsche: "What is the difference between dependence and withdrawal reactions? A comparison of
benzodiazepines and selective serotonin re-uptake inhibitors" Addiction. 2012 May;107(5):900-8
[5c] Lars Kessing, HV Hansen, K. Demyttenaere, P. Bech: "Depressive and bipolar disorders: patients' attitudes and beliefs towards depression
and antidepressants" Psychol Med. 2005 Aug;35(8):1205-13
[5d] John Read, C. Cartwright, K. Gibson :"Adverse emotional and interpersonal effects reported by 1829 New Zealanders while taking antidepressants"
Psychiatry Res. 2014 Apr 30;216(1):67-73
[5e] Michael A. Posternak, D.A. Solomon, A.C. Leon, T.I. Mueller, M.T. Shea, J. Endicott, M.B. Keller: "The naturalistic course of unipolar major depression
in the absence of somatic therapy" J Nerv Ment Dis. 2006 May;194(5):324-9
[5f] RA Jim Gottstein: http://akmhcweb.org/recovery/jgrec.htm
[5g] Ivor Browne: "The Writings of Ivor Browne: Steps Along the Road, the Evolution of a Slow Learner" Atrium, Cork University Press, 2013
[5h] Peter Breggin: "Psychiatric Drugs: More Dangerous Than You Ever Imagined" Video 2014 unter CEP- The Council for Evidence-based Psychiatry:
http://cepuk.org/2014/11/12/video-psychiatric-drugs-dangerous-ever-imagined-dr-peter-breggin
(6) www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2016/index.htm
(7) Laura A. Pratt, Debra J. Brody, Qiuping Gu: "Antidepressant Use in Persons Aged 12 and Over: United States, 2005–2008"
National Center for Health Statistics (NCHS) Data Brief No.76 Seite 1 -8 October 2011
(8) W. Coryell, J. Endicott, G. Winokur et al.: "Characteristics and significance of untreated major depressive disorder" Am J Psychiatry
Band 152, Nr. 8, August 1995, Seite 1124-1129
Ian Colman, Kiyuri Naicker, Yiye Zeng, Anushka Ataullahjan, Ambikaipakan Senthilselvan, Scott B. Patten: "Predictors of long-term prognosis
of depression" CMAJ. 2011 Nov 22; 183(17): 1969–1976
G.E. Simon, D. Goldber, B.G. Tiemens, T.B. Ustun, : "Outcomes of recognized and unrecognized depression in an international primary care study"
Gen Hosp Psychiatry. 1999 Mar-Apr;21(2):97-105

(9) Keith S. Dobson, Steven D. Hollon, Sona Dimidjian, Karen B. Schmaling, Robert J. Kohlenberg, Robert Gallop, Shireen L. Rizvi, Jackie K. Gollan,
David L. Dunner, Neil S. Jacobson: "Randomized Trial of Behavioral Activation, Cognitive Therapy, and Antidepressant Medication in the Prevention
of Relapse and Recurrence in Major Depression" J Consult Clin Psychol. 2008 Jun; 76(3): 468–477
Steven D. Hollon, R.J. DeRubeis, R.C. Shelton, J.D. Amsterdam, R.M. Salomon, J.P. O'Reardon, M.L. Lovett, P.R. Young, K.L. Haman, B.B. Freeman, R. Gallop:
"Prevention of relapse following cognitive therapy vs medications in moderate to severe depression" Arch Gen Psychiatry. 2005 Apr;62(4):417-22
"Pillen lösen keine Probleme ... Medikamente könnten womöglich einen Patienten stabilisieren, aber sie reichten nicht aus, das Leiden zu überwinden.
Gerade Menschen mit moderaten Depressionen erleiden nach Absetzen von Antidepressiva häufig Rückfälle ... 76 Prozent innerhalb eines Jahres.
Nach einer kognitiven Verhaltenstherapie erlitten dagegen nur 31 Prozent einen Rückfall. Ähnlich große Unterschiede beobachten Psychologen
immer wieder: Nach guten Verhaltenstherapien erleiden nur halb so viele Patienten einen Rückfall wie nach der Einnahme von Pillen gegen
Depressionen ... Liegt es daran, dass die Medikamente das Grübeln [Sinnieren, Ruminieren] unterdrücken - und es dem Patienten auf diese
Weise erschweren, sein Problem zu lösen? Wenn es also so ist, dass Depressionen einen Sinn haben und die gängigen Medikamente
[Psychopharmaka] nicht recht wirken, dann liegt die Erklärung auf der Hand: Die Medikamente stören einen Vorgang, der auch nützliche
Seiten hat - das Grübeln. Ebenso würde dies erklären, warum die Bilanz der Antidepressiva so durchwachsen ist. Die klinische Wirksamkeit
liegt in vielen Fällen kaum höher als der Effekt von Scheinmedikamenten (Placebos), weshalb etliche Psychiater Antidepressiva nur zur
Behandlung wirklich schwerer Depressionen empfehlen. Mediziner bauschten Daten aus Studien zur Wirksamkeit dieser Mittel [Antidepressiva]
auf, um die angebliche Wirksamkeit besonders groß erscheinen zu lassen. Das ging so: Die positiven Effekte präsentierten sie in Fachartikeln -
während sie die negativen in der Schublade verschwinden ließen [sog. "Publikationsbias" n. Theodore Sterling (1959)]. So ist ein Zerrbild ent-
standen: 94 Prozent der veröffentlichten Studien bescheinigen den Antidepressiva eine bessere Wirksamkeit als Placebos. Doch wenn man
[die] unveröffentlichte Studien hinzunimmt, dann zeigen nur 51 Prozent der Daten einen Vorteil für das Antidepressivum. Eine sorgfältige
Analyse von Daten aus Studien [ (X) Pigoott et al. 2010] der staatlichen Gesundheitsbehörde FDA in den Vereinigten Staaten von Amerika
ergab ein ernüchterndes Bild: Demnach wirken Antidepressiva nicht nennenswert besser als Tabletten aus Zucker [Placebos]."
Aus: Jörg Blech: "Die Psycho-Falle" S.Fischer 2014 S.178ff [Meine Ergänzungen]
(X) H. Edmund Pigott, Allan M. Leventhal, Gregory S. Alter, John J. Boren: " Efficacy and Effectiveness of Antidepressants: Current Status of Research"
Psychother Psychosom 2010;79:267–279

(10) Giovanni Andrea Fava, Alessia Gatti, Carlotta Belaise, Jenny Guidi, Emanuela Offidani: "Withdrawal Symptoms after Selective Serotonin Reuptake
Inhibitor Discontinuation: A Systematic Review" Psychother Psychosom. 2015 Feb 21;84(2):72-81
(11) Jörg Zittlau: "So gefährlich sind die beliebtesten Medikamente" Die Welt, 19.3.2015
www.welt.de/gesundheit/article138568439/So-gefaehrlich-sind-die-beliebtesten-Medikamente.html
(12) Irving Kirsch, Thomas J. Moore, Alan Scoboria, Sarah S. Nicholls: "The Emperor's New Drugs: An Analysis of Antidepressant Medication Data
Submitted to the U.S. Food and Drug Administration" Prevention and Treatment, Volume 5, Article 23, posted July 15, 2002
(13) Irving Kirsch: "The Emperor's New Drugs: Exploding the Antidepressant Myth" Random House Group 2009
(14) Irving Kirsch, Guy Sapirstein: "Listening to Prozac but Hearing Placebo - A Meta-Analysis of Antidepressant Medication"
Prevention and Treatment, Volume 1, Article 2a, posted June 26, 1998
(15) FDA = Food and Drug Administration = Die staatliche Arzneimittelbehörde in den USA
(16) Irving Kirsch, Brett J. Deacon, Tania B. Huedo-Medina, Alan Scoboria, Thomas J. Moore, Blair T. Johnson: "Initial Severity and Antidepressant Benefits:
A Meta-Analysis of Data Submitted to the Food and Drug Administration" PLoS Med. 2008 Feb;5(2):e45
(17) Peter Ansari, Sabine Ansari: „Unglück auf Rezept - Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen“ Pharmaskandale. Lügen bei der Zulassung
von Antidepressiva S.124f, Vorwort Prof.em.Dr.med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Klett-Cotta 2016, www.depression-heute.de
[Meine Ergänzungen]

"Was bei Heinrich Hoffmanns [1809-1894, dtsch.Psychiater] Zappelphilipp ["Der Struwwelpeter" 1846 (1845)] als
Unart galt, wurde entlang seinem theoretischen Deutungsweg zur Neuropathie, zur Psychopathie, zur Neurasthenie,
zum Kinderfehler, zum Hirnschaden, wurde zweierlei Neurosenkonzepten unterworfen, als Krankheit, Störung und
Behinderung bezeichnet und endet vorläufig bei den Genen und der Neurotransmitter-Chemie."

Prof.Dr.med. Eduard Seidler (b.1929, deutscher Medizinhistoriker): "Von der Unart zur Krankheit - "Zappelphilipp" und ADHS"
S.243, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 101, Heft 5, 30. Jänuar 2004. www.aerzteblatt.de/studieren/archiv/40288/
Zappelphilipp-und-ADHS-Von-der-Unart-zur-Krankheit

Paul W. Andrews, J.Anderson Thomson: "The bright side of being blue: Depression as an adaptation for analyzing complex problems" pdf >>>
[AR = Analytical Rumination Hypothesis = "Grübelsucht" = Ruminieren verbunden mit einer analytischen Denkarbeit]
Psychological Review 2009

Prof. Dr. med. Asmus Finzen (b.1940, Prof. f.Sozialpsychiatrie, Wissenschaftspublizist):
"Neuroleptika für Kinder? Ein Lehrstück" Soziale Psychiatrie 1/10 pdf >>>

Jörg Blech (b.1966, dtsch. Wissenschaftsjournalist): "Schwermut ohne Scham" Der Spiegel 6/2012 pdf >>>

Prof. Dr. rer. nat. Kerstin Konrad et al.: "Hirnentwicklung in der Adoleszenz [12. bis 24.Lj.]- Neurowissenschaftliche Befunde
zum Verständnis dieser Entwicklungsphase"
Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110, Heft 25, 21. Juni 2013 pdf >>>

Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann et al.: "Erwachsenwerden ist schwer - Psychische Störungen in der Adoleszenz" pdf >>>
Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110, Heft 25, S.432-443, 21. Juni 2013

PD Dr. Thomas Bock, Dorothea Buck, Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Susanne Heim, Cornelia Schäfer, Eva Schmitt, Prof. Dr. Peter Stolz, Ursula Zingler :
"Verständnis und Behandlung von Psychosen" - "Es ist normal, verschieden zu sein!" erstellt im Dialog von Psychoseerfahrenen, Angehörigen und
Therapeuten/Wissenschaftlern in der AG der Psychoseseminare (Hrsg.) pdf >>>

Jörg Blech (b.1966, dtsch. Wissenschaftsjournalist): "Heilen mit dem Geist - Meditieren, Yoga, positives Denken" Der Spiegel 21/2013 pdf >>>

"Wenn der Mathematikdidaktiker [Prof. Dr.] Wolfram Meyerhöfer [b.1970, Paderborn] in einer Grundschule
[Altersstufen von sechs bis zwölf Jahren] Praktika betreut, dann erlebt er bei jedem zweiten Besuch dieselbe
Szene: "Der betreuende Lehrer begrüßt mich und weist dann auf verschiedene Schüler der Klasse.
'Die beiden
dort haben Rechenschwäche, die dort LRS [Lese-Rechtschreibschwäche, Legasthenie], die beiden dort
haben ADHS [Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung], und der dort ist lernbehindert.'
Was zwischen
den Zeilen als eigentliche Botschaft des Lehrers bei mir ankommt, ist:
'Diese Schüler sind krank, ich als Lehrer
kann nichts dafür, wenn sie etwas nicht können.'
" (1) Dafür würden sie schließlich von der Medizin therapiert.
Und genau das löst nicht das Problem. Denn die meisten Entwicklungsverzögerungen von Schülern gehen
nicht auf eine hirnorganische Störung zurück, sondern auf eine "Anregungsarmut", wie es der Berliner Kinder-
arzt Ulrich Fegeler [b.1948] ausdrückt. Die Kinder stammen oftmals aus sozial schwierigen Familien, in denen
sie nicht ausreichend gefördert werden. Wenn engagierte Lehrer die Eltern auf mögliche Defizite in der Familien-
struktur hinweisen und Vorschläge machen, dann wird ihnen das selten gedankt. Da bleibt häufig nur der Ausweg
in die Medizin: Statt den Eltern und Kindern zu helfen, dichtet man den Kindern eine psychische Krankheit an."
Aus: Jörg Blech (b.1966, dtsch. Wissenschaftsjournalist): „Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht“
Kapitel 6: Das letzte normale Kind. DMDD [Disruptive Mood Dysregulation Disorder n. Ellen Leibenluft], ODD [Oppositional
Defiant Disorder] und ADHS [ADHD: Attention Deficit Hyperactivity Disorder] - jedem Kind seine diagnostische Heimat,
S.124, FISCHER 2014
(1) Wolfram Meyerhöfer: "Vom Konstrukt der Rechenschwäche zum Konstrukt der nicht bearbeiteten stofflichen Hürden (nbsH)"
Pädagogische Rundschau 2011, 65.Jhg, S.401-426. https://lama.uni-paderborn.de/fileadmin/Mathematik/MathematikDidaktik/
Personen/Meyerhoefer/Meyerh%C3%B6fer_2011_Heft4_P%C3%A4dagogischeRundschau_401-426.pdf

LINKS:
OPEN DIALOGUE: An alternative Finnish approach to healing psychosis (COMPLETE FILM):
www.youtube.com/watch?v=HDVhZHJagfQ

www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/psychopharmaka/wie_man_von_psychopharmaka_herunterkommt.html
www.kulturkritik.net/psychiatrie/absetzen/text_absetzen.html
Harm Reduction-Leitfaden zum risikoarmen Absetzen von Psychopharmaka - The Icarus Project und Freedom Center:
http://soziale-inklusion.com/data/documents/HarmReductionLeitfadenzumrisikoarmenAbsetzenvonPsychopharmaka1EdOnline.pdf

Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP e.V.): "Neuroleptika reduzieren und absetzen -
Eine Broschüre für Psychose-Erfahrene, Angehörige und Professionelle aller Berufsgruppen":
www.paranus.de/datei_upload/PDF_News/DGSP_ReduktionNeuroleptika_2014_web.pdf

www.mind.org.uk/information-support/drugs-and-treatments
www.mind.org.uk/information-support/drugs-and-treatments/medication-stopping-or-coming-off#.WE01qbLhA-M
www.mind.org.uk/information-support/drugs-and-treatments/medication-stopping-or-coming-off/making-the-decision-to-come-off/#.WE02_LLhA-M

www.btpinfo.org.uk/withdrawing-from-antidepressants
http://www.btpinfo.org.uk/withdrawing-from-antidepressants
https://rxisk.org/guide-stopping-antidepressants
http://akmhcweb.org/recovery/jgrec.htm
www.mindfreedom.org
www.psychrights.org
http://psychintegrity.org
http://cepuk.org
https://ssristories.org
http://recoveringfrompsychiatry.com

http://carlatpsychiatry.blogspot.co.at
www.depression-heute.de
www.leitlinien.de/nvl/depression
www.deutsches-kinderbulletin.de

Ärztliche Fortbildung ohne Pharma-Einfluss: www.mezis.de
www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2672
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ):
www.akdae.de


Von allen Tyranneien dürfte eine Tyrannei, die aufrichtig das Wohl des Opfers
zum Ziel hat, die bedrückenste sein. Es wäre besser, unter Räuberbaronen zu leben
als unter allmächtigen moralischen Wichtigtuern. Die Grausamkeiten eines Räuber-
barons ermattet vielleicht gelegentlich, und seine Habgier könnte irgendwann befriedigt
sein. Diejenigen, die uns zu unserem eigenen Wohl quälen, werden uns hingegen
immer quälen, weil sie die Billigung ihres Gewissens haben."
[in (5)]

"Of all tyrannies, a tyranny exercised for the good of its victims may be the most oppressive.
It may be better to live under robber barons than under omnipotent moral busybodies. The
robber baron’s cruelty may sometimes sleep, his cupidity may at some point be satiated;
but those who torment us for our own good will torment us without end,
for they do so with the approval of their consciences."
["God in the Dock - Essays on Theology and Ethics" (1948)]
Clive Staples Lewis

(1898 -1963)
Nordirischer Schriftsteller
Literaturwissenschaftler
"Die Chroniken von Narnia"
(1934-1954)


Weiterführende Literatur
Peter Lehmann (b.1950, Dr.h.c, Dipl.-Soz.Päd; Hg.): „Psychopharmaka absetzen. Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressive, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern“
Vorworte von Pirkko Annelie Lahti (b.1941, finn. Psychiaterin) und Loren Richard Mosher (1933-2004, US Psychiaterin) Antipsychiatrieverlag 3. aktualisierte und erweiterte Auflage 2008 u.
4. aktualisierte und erweiterte Auflage 2013; „Der chemische Knebel. Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen“ Mit einem Geleitwort von Jeffrey Moussaieff Masson (b.1941, US Psycho-
analytiker). Antipsychiatrieverlag 6. Auflage 2010 (1986), „Der chemische Knebel. Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen“ Mit einem Geleitwort von Jeffrey Moussaieff Masson
(b.1941, US Psychoanalytiker). Antipsychiatrieverlag 6. Auflage 2010 (1986)
Florian Holsboer: "Biologie für die Seele - Mein Weg zur personalisierten Medizin" C.H.Beck 2009
Joachim Bauer (b.1951, dtsch. Internist, Psychotherapeut, Psychiater, Molekular-Neurobiolge): „Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess“ HEYNE 2010 (2008),
„Lob der Schule. Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern“ HEYNE 3.Auflage 2010 (2007), „Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene
steuern“ 16. Auflage PIPER 2010 (2004), “Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone” HEYNE 18.Auflage 2012 (2005),
„Prinzip Menschlichkeit - Warum wir von Natur aus kooperieren“ [oder „Die Entdeckung des Social Brain“] 7. Auflage HEYNE 2014 (2006), „Arbeit - Warum unser Glück von ihr
abhängt und wie sie uns krank macht“ 1. Auflage Karl Blessing Verlag 2013 u. KINDLE 2013, „Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“
Wilhelm Heyne Verlag 3.Auflage 2013 (2011), „Selbststeuerung - Die Wiederentdeckung des freien Willens“ Karl Blessing Verlag 2.Auflage 2015
Franco Basaglia (1924-1980, ital.Psychiater): „Was ist Psychiatrie?“ (Che cos'è la psichiatria?1967) Suhrkamp 1981 (1973)
John Virapen (b.1943, PhD Psychologie, Ex-Eli Lilly Geschäftsführer Schweden): „Nebenwirkung Tod – Korruption in der Pharma-Industrie.
Ein Ex-Manager packt aus“ MAZARUNI 4.Auflage 2008
Siehe zu John Virapen auch ZITATE:
Jörg Dietrich Hoppe: Ärzte sollten sich nicht >>>
Astrid Randerath, Christian Esser: "Das Pharmakartell - Wie Patienten betrogen werden" (45 Min) ZDF-Sendung "Frontal 21" vom 9. Dezember 2008
"Pharmaunternehmen können nach Einschätzung verschiedener Experten fast ungestört ihre Profitinteressen verfolgen. Das geht zu Lasten der Patienten,
wenn dabei Nebenwirkungen verschwiegen, Selbsthilfegruppen instrumentalisiert oder Politiker, Ärzte und Heilberufe mit Gefälligkeiten umworben werden.
Christian Esser und Astrid Randerath zeigten in der Frontal21-Dokumentation "Das Pharma-Kartell" einen Einblick wie dieses System funktioniert.
www.agstg.ch/fotos-/-videos/videos-tierversuche/49-/videos/211-zdf-frontal-21-das-pharma-kartell.html
Frank Wittig: "Leichtfertige Verschreibungen - Test: Wie leichtfertig werden Antidepressiva verschrieben?" Wissenschaftsmagazin Odysso SWR Fernsehen, am Do 17.12.2015
www.swr.de/odysso/test-wie-leichtfertig-werden-antidepressiva-verschrieben/-/id=1046894/did=16426716/nid=1046894/1unmmtn/index.html
und www.depression-heute.de/blog/wie-haeufig-werden-antidepressiva-verschrieben
Martin H. Teicher, Carol Glod, Jonathan O. Cole: "Emergence of Intense Suicidal Preoccupation During Fluoxetine Treatment" Am J Psychiatry Band 147, Nr. 2, Seite 207-10, February 1990
Peter Roger Breggin (b.1936, US Psychiater): „The Anti-Depressant Fact Book – What Your Doctor won’t tell You about Prozac (Fluoxetine), Zoloft (Sertraline), Paxil (Paroxetine),
Celexa (Citalopram) and Luvox (Fluvoxamine)“ DA CAPO 2001
Peter Roger Breggin (b.1936, US Psychiater): „Giftige Psychiatrie Teil 2 – Was Sie über Psychopharmaka und Biologie bei Angst, Panik, Zwang, Eßstörungen, Sucht und kindlichen Verhaltensauffälligkeiten
wissen sollten!“ Vorwort zur deutschen Ausgabe von Fritz B. Simon (1948-, Dr.med.habil, Psychiater, Prof. für Führung und Organisation am Institut für Familienunternehmen der UNI Witten/Herdecke,
Vertreter der systemischen Psychologie, (Toxic Psychiatry St. Martin’s Press 1991) AUER 1997; "Psychiatric Drug Withdrawal: A Guide for Prescribers, Therapists, Patients and their Families"
Springer 2013, http://breggin.com
Peter Roger Breggin: "The Heart of Being Helpful: Empathy and the Creation of a Healing Presence" Springer Publishing 2006, „Psychiatric Drug Withdrawal:
A Guide for Prescribers, Therapists, Patients and their Families" Springer 2013, www.empathictherapy.org, www.toxicpsychiatry.com, http://breggin.com
Benedetto Vitiello, Susan Silva, Paul Rohde, Christopher Kratochvil, Betsy Kennard, Mark Reinecke, Taryn Mayes, Kelly Posner, Diane E. May, John S. March: "Suicidal Events in the Treatment
for Adolescents with Depression Study (TADS)" [Prozac, Fluoxetin] J Clin Psychiatry. 2009 May; 70(5): 741–747
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Margrethe Nielsen: "Selective serotonin reuptake inhibitors (SSRI) – sales, withdrawal reactions and how drug regulators reacted to this with benzodiazepines as comparator"
(PhD thesis [Dissertation]) University of Copenhagen 2013
Giovanni Andrea Fava, Alessia Gatti, Carlotta Belaise, Jenny Guidi, Emanuela Offidani: "Withdrawal Symptoms after Selective Serotonin Reuptake Inhibitor Discontinuation:
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Allen James Frances (b.1942, US-amerikanischer Psychiater (Vorsitzender bei DSM-IV), Autor), Barbara Schaden (Übersetzerin): „NORMAL - Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen“ („Saving Normal: An Insider's Revolt
against Out-of-Control Psychiatric Diagnosis, DSM-5, Big Pharma, and the Medicalization of Ordinary Life“ William Morrow 2013) Nachwort von Prof. Dr. Geert Keil (b.1963, Prof. f. Philosophische Anthropologie
an der Humboldt Universität Berlin) Teil I: Normalität im Belagerungszustand. 1. Was ist Normal und was nicht? Warum kein Labor mithilfe von Tests Normalität in der Psychiatrie definiert S.36
Wie definieren wir die einzelnen psychischen Störungen? S.54 DuMont Buchverlag 2.Auflage 2013
DSM = Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders = „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen"

Josef Giger Bütler: 1. "Depression ist keine Krankheit - Neue Wege, sich selbst zu befreien" Einleitung S.7f, S.10, S.11, S.13, S.15, S.21, S.23f, S.191, S.194, S.196, S.199, Beltz 1.Auflage 2012
2. ""Jetzt geht es um mich" - Die Depression besiegen - Anleitung zur Selbsthilfe" Die Hauptthemen und Voraussetzungen des Ausstiegs. I: Einführung in dieses Buch S.14ff,19,21f,
Merkmale, Verlauf und Ausprägung der Depression S.24, S.26, S.29f BELTZ 2010
3. ""Sie haben es doch gut gemeint" - Depression und Familie" Teil 5: Erkennen und verändern. 14. Kapitel: Wege aus der manifesten Depression. Das Ziel S.234f BELTZ 2006
Eugen Bleuler (1857-1939 Zürich, Psychiater): „Das autistisch-undisziplinierte Denken in der Medizin und seine Überwindung“ SPRINGER 5. Neudruck der 5.Auflage 1962 (1921, 1919 1.Auflage)
Norman ROULET, Robert R. ALVAREZ, J. Patrick DUFFY, L. Douglas LENKOSKI, T. George BIDDER: "Imipramine in depression: a controlled study" Am J Psychiatry. 1962 Nov;119:427-31
A. Smith, E. Traganza, G. Harrison: "Studies on the effectiveness of antidepressant drugs" (NIMH) Psychopharmacol Bull. 1969 Mar:Suppl:1-53
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Irving Kirsch, Guy Sapirstein: "Listening to Prozac but Hearing Placebo - A Meta-Analysis of Antidepressant Medication" Prevention and Treatment, Volume 1, Article 0002a, posted June 26, 1998
Irving Kirsch, Thomas J. Moore, Alan Scoboria, Sarah S. Nicholls: "The Emperor's New Drugs: An Analysis of Antidepressant Medication Data Submitted to the U.S. Food and Drug Administration"
Prevention and Treatment, Volume 5, Article 23, posted July 15, 2002 [Diese wissenschaftlich fundierte Studie beinhaltet erstmals sowohl die veröffentlichten als auch die ("absichtlich")
unveröffentlichten Studien der Pharmaindustrie!]
Irving Kirsch, Brett J. Deacon, Tania B. Huedo-Medina, Alan Scoboria, Thomas J. Moore, Blair T. Johnson: "Initial Severity and Antidepressant Benefits: A Meta-Analysis
of Data Submitted to the Food and Drug Administration" PLoS Med. 2008 Feb;5(2):e45
Irving Kirsch: "The Emperor's New Drugs: Exploding the Antidepressant Myth" ["Des Herrschers neue Medikamente - Die Aufdeckung des Antidepressiva Mythos"] Random House Group 2009
Irving Kirsch (b.1974, Prof. f. Psychologie, Harvard Medical School): "Moderne Antidepressiva sind "Super-Placebos"!", [aber mit "toxischen" Nebenwirkungen!]
https://patientensicht.ch/artikel/irving-kirsch-moderne-antidepressiva-sind-super-placebos, www.freitag.de/autoren/der-freitag/des-kaisers-neue-drogen
www.aarp.org/health/drugs-supplements/info-05-2010/do_antidepressantswork.html
Rif S. El-Mallakh, Yonglin Gao, Brian T. Briscoe, R. Jeannie Roberts: "Antidepressant-Induced Tardive Dysphoria" ["Tardive Dysphorie", "Dauerdepression" durch Antidepressiva!]
Psychother Psychosom 2011;80:57–59
Rif S. El-Mallakh, Yonglin Gao, R. Jeannie Roberts: "Tardive dysphoria: the role of long term antidepressant use in-inducing chronic depression" Med Hypotheses. 2011 Jun;76(6):769-73
August John Rush et al.: "Acute and longer-term outcomes in depressed outpatients requiring one or several treatment steps: A STAR*D report " Am J Psychiatry. 2006 Nov;163(11):1905-17
[STAR-D = Sequenced Treatment Alternatives to Relieve Depression ="Aufeinanderfolgende Behandlungsschritte zur Depressions-Linderung]
H. Edmund Pigott: "STAR*D: A tale and trail of bias" Ethical human psychology and psychiatry 13(1):6-28 April 2011
http://psychrights.org/research/digest/AntiDepressants/STARDTaleandTrailofBiasPiggot2011.pdf
Tarang Sharma, Louise Schow Guski, Nanna Freund, Peter C. Gotzsche: "Suicidality and aggression during antidepressant treatment: systematic review and meta-analyses based on clinical study reports" BMJ 2016; 352

Jennita Reefhuis, Owen Devine, Jan M. Friedman, Carol Louik, Margaret A. Honein: "Specific SSRIs and birth defects: bayesian analysis to interpret new data in the context of previous reports" BMJ 2015;351:h3190
Nancy Byatt, Kristina M. Deligiannidis, Marlene P. Freeman: "Antidepressant use in pregnancy: a critical review focused on risks and controversies" Acta Psychiatr Scand. 2013 Feb;127(2):94-114
Rachel Levinson Castiel, Paul Merlob, Nehama Linder, Lea Sirota, Gil Klinger: "Neonatal abstinence syndrome after in utero exposure to selective serotonin reuptake inhibitors in term infants"
Arch Pediatr Adolesc Med. 2006 Feb;160(2):173-6"
Lars Henning Pedersen, Tine Brink Henriksen, Mogens Vestergaard, Jørn Olsen, Bodil Hammer Bech: "Selective serotonin reuptake inhibitors in pregnancy and congenital malformations:
population based cohort study" BMJ. 2009; 339: b3569
Peter C. Gotzsche (b.1949, dänischer Wissenschaftler, FA f. Innere Medizin): „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert“ Übersetzung:
Martin Rometsch ("Deadly Medicines and Organised Crime: How Big Pharma has Corrupted Healthcare" Radcliffe 2013) 1. Auflage RIVA 2015, „Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen -
Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen“ („Deadly Psychiatry and Organised Denial“ ArtPeople 2015) RIVA 1. Auflage 2016
David Healy (b.1926, professor of psychiatry, Bangor University UK): "Pharmageddon" University of California Press 2012, https://davidhealy.org
Joanna Moncrieff: "The Myth of the Chemical Cure - A Critique of Psychiatric Drug Treatment" Palgrave Macmillan 2008, https://joannamoncrieff.com
Daniel Carlat: "Unhinged: The Trouble with Psychiatry - A Doctor's Revelations about a Profession in Crisis" Free Press 2010
Jörg Blech: 1.) "Seelsorge für die Industrie" Spiegel, Nr.20, S.116-120, 16.5.2011, "Die Elite der Nervenheilkunde ist eng mit Pharmakonzernen verflochten: Psychiater,
Neurologen, aber auch Psychologen arbeiten als bezahlte Berater für die Unternehmen. Nun fordert ein Professor seine Kollegen auf, ihre Nebeneinkünfte offenzulegen."
www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522323.html, http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/78522323
2.) „Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht“ FISCHER 2014
Peter Ansari (Dr. rer. hum. biol.), Sabine Ansari (Heilpraktikerin): 1) „Unglück auf Rezept - Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen“ Vorwort von Prof. em. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen
(Prof. f. Pharmakologie und Toxikologie, Klinische Pharmakologie mit besonderem Arbeitsschwerpunkt in der Psychopharmakologie, Berlin) Klett-Cotta 2016, www.depression-heute.de
2) Antidepressiva senken die Suizidrate nicht. Durch eine massenhafte Verschreibung von Antidepressiva steigen die Suizidraten:
www.depression-heute.de/blog/antidepressiva-senken-die-suizidrate-nicht
Edward Shorter: „Geschichte der Psychiatrie“ (A History of Psychiatry 1997) Rowolts Enzyklopädie 2003
Werner Bartens: "Aus Rücksicht auf die Pharmakonzerne" Süddeutsche Zeitung, am 7. April 2015: "Der Herausgeber [Prof. Dr. med. Dieter Köhler] eines Ärztejournals ["Kompakt Pneumologie"]
tritt zurück, weil sein kritischer Kommentar nicht gedruckt werden darf. Der Zwischenfall zeigt, welchen Einfluss die Pharmaindustrie ausübt."
www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizin-kann-man-das-nicht-abschwaechen-1.2419538
Michael Imhof (b.1951, dtsch. Chirurg, medizinisch-wissenschaftlicher Berater u. Gutachter ): „Eidesbruch. Ärzte, Geschäftemacher und die verlorene Würde des Patienten“ CAMPUS 2014
Vortrag von Ben Goldcare (b.1974, ritischer Arzt und Journalist): "What doctors don't know about the drugs they prescribe" [Reboxetin] TED Talks, am 27.9.2012
www.ted.com/talks/ben_goldacre_what_doctors_don_t_know_about_the_drugs_they_prescribe?language=de
Ben Goldacre (b.1974, britischer Arzt, Psychiater), Anne Emmert (Übersetzer), Karin Miedler (Übersetzer): „Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen“
(Bad Pharma: How Drug Companies Mislead Doctors and Harm Patients 2012) Vorwort von Prof. Dr. Peter T. Sawicki (ehemaliger Leiter (2004 - 2010) des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit
im Gesundheitswesen (IQWiG), Kiepenheuer u. Witsch 2013
Ben Goldacre (b.1974, britischer Arzt, Psychiater), Irmengard Gabler (Übersetzer): „Die Wissenschaftslüge: Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das Leben schwer machen“
(Bad Science 2008) FISCHER 2010
Günther Loewit (b.1958, Arzt,Schriftsteller NÖ): „Der ohnmächtige Arzt. Hinter den Kulissen des Gesundheitssystems“ HAYMON 2010, „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“
HAYMON 2013, „Sterben - Zwischen Würde und Geschäft“ HAYMON 2014
Fahmy Aboulenein (b.1973, Doz.Dr.med., Österreichischer Arzt, Neurologe, MS-Spezialist): "Die Pharma-Falle - Wie uns die Pillen-Konzerne manipulieren" edition a 2016
Dirk Richter, Klaus Berger, Thomas Reker: "Nehmen psychische Störungen zu? Eine systematische Literaturübersicht" Psychiatrische Praxis 2008; 35(7): 321-330 - EineAnalyse von 44 Studien:
USA, CAN, GB, NL, AUS, BRD mit der Schlussfolgerung:
"Die unterstellte Zunahme psychischer Störungen aufgrund des sozialen Wandels der Gesellschaft kann nicht bestätigt werden."
Wolfgang Schneider: "Medikalisierung sozialer Prozesse" Psychotherapeut 2013, 58, S.219-236.
"Gerade auf der Ebene der psychischen Störungen werden subjektive Befindlichkeits-
störungen zunehmend zu Krankheiten hochdefiniert, was sicherlich vielfach für somatiforme Störungen, Anpassungsstörungen oder auch das Burnout-Syndrom gilt."
Norbert Schmacke: "Häufigkeit seelischer Erkrankungen - Die Frage nach der "wahren" Prävalenz ist kein akademischer Luxus" Wissenschaftsforum in Gesundheit und Gesellschaft 2012 Jg. 12, Heft 3 (Juli): 7–15
"Es gibt im Grunde wenig Anlass zu der Skandalisierung des Themas „Häufigkeit seelischer Erkrankungen in Deutschland“. Wie wichtig es ist, mehr Klarheit über die tatsächliche Prävalenz psychischer Störungen
und das Ausmaß von Über-, Unter- und Fehlversorgung im Kontrast zu angemessener Versorgung zu erhalten, zeigen auch noch einmal die epidemiologischen Studien im Gefolge der U.S. Epidemiologic
Catchment Area (ECA) Study (Bijl et al. 2003). Danach spricht viel dafür, dass die größte Aufmerksamkeit der Behandlungssysteme sich auf die leichten „Fälle“ psychischer Störungen richtet, einschließlich
von Menschen, bei denen eine ICD-Diagnose fragwürdig erscheinen kann, während im Bereich besonders schwer beeinträchtigter Menschen tendenziell Unterversorgung zu beobachten ist. Dieser Befund
muss zu denken geben, wenn nach einer Erweiterung der Ressourcen für die Behandlung und Begleitung psychisch Kranker gerufen wird: Die Gelder fließen leider nicht automatisch in die richtige Richtung,
da es unproblematischer ist, das Leistungsspektrum für leicht beeinträchtigte Ratsuchende zu erweitern als für diejenigen, bei denen spürbare therapeutische Fortschritte oft schwer zu erreichen sind"
(S.12, Aus: www.wido.de/fileadmin/wido/downloads/pdf_ggw/wido_ggwaufs1_0712.pdf)
Hans Urlrich Wittchen et al.: "The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010" European Neuropsychopharmacology (2011) 21, 655–679

Die gewaltige Zunahme [2005: 27% der Einwohner der EU, inzwischen 2010: seien 38% der EU Bürger seelisch gestört] geht zurück auf einen Buchungstrick. Die Verfasser der Studie
nahmen einfach vierzehn neue Krankheiten hinzu, darunter Schlafstörungen, ADHS und andere Verhaltensauffälligkeiten. Davon abgesehen, gab es keine Ausbreitung seelischer Störungen.
Die Raten von Depression, bipolarer Störung, sozialer Phobie und Panikstörung blieben stabil. Es gab keine Hinweise darauf, dass die Häufigkeit der psychischen Störungen zugenommen hat."
(Aus: Jörg Blech "Die Psychofalle" 2014 S.57f)
Ramin Mojtabai: "Clinician-Identified Depression in commuity Settings: concordance with structured-interview diagnoses." Psychotherapy and Psychosomatics 2013;82:161-169
[5639 Studienteilnehmer mit der Diagnose: Depression] "Das Ergebnis: In nur 38,4% der Fälle konnten die Forscher die Diagnose bestätigen und eine Depression erkennen.
Gerade die älteren Menschen waren häufig Opfer einer Fehldiagnose geworden. Sechs von Sieben der Patienten, die 65 Jahre oder älter und in Behandlung waren,
hatten gar keine Depression."
(Aus: Jörg Blech "Die Psychofalle" 2014 S.62f)
Asmus Finzen (geb. 1940 Taarstedt a. d. Schlei, Schleswig, Deutsch-Schweizerischer Psychiater, Basel, emeritiert seit 2003): „Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund? -
Räsonieren über das Heilen“ Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie Verlag 2002, „Schizophrenie. Die Krankheit verstehen“ Psychiatrie Verlag 8.aktualisierte Auflgae 2008 (2000),
„Schizophrenie. Die Krankheit verstehen, behandeln, beältigen“ PSYCHIATRIE Verlag 1. Auflage 2011, „Stigma psychische Krankheit: Zum Umgang mit Vorurteilen, Schuld-
zuweisungen und Diskriminierungen“ Psychiatrie Verlag 1.Auflage 2013
Klaus Lieb [b.1965, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, "Hochschullehrer des Jahres 2013"]: "Mein Essen bezahle ich selbst!"
Spektrum der Wissenschaft 06/2013
"Viel weit reichender sind aber die unterschwelligen Interessenkonflikte. Denn diese wirken innerhalb legaler Grenzen und dabei so subtil,
dass die meisten Ärzte es gar nicht merken. Denn sie haben einen "blinden Fleck" dafür, dass sie beeinflusst werden. Mit anderen Worten: Das Geniale und zugleich
Wirkungsvolle an dieser Art von Manipulation ist, dass sie stattfindet und die Betroffenen dennoch gleichzeitig das Gefühl der Unabhängigkeit und Objektivität haben."
www.spektrum.de/news/mein-essen-bezahle-ich-selbst/1194085
Verein MEZIS - "Mein Essen zahl ich selbst":
www.mezis.de
www.mezis.de/mezis-oesterreich

Offenlegung von Zahlungen durch die Pharmaindustrie - Disclosures:
www.ti-austria.at
Die European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA):
Europäischer Dachverband der nationalen Verbände forschender Pharmaunternehmen
sowie einzelner Pharmaunternehmen.
http://transparency.efpia.eu
http://transparency.efpia.eu/the-efpia-code-2
www.terrapinn.com/conference/evidence-us
"Echte Durchschlagskraft hat MEZIS ("Mein Essen zahle ich selbst") aber bis heute noch nicht erreicht. Es fehlt MEZIS an den angesehenen Meinungsbildnern [Mietmäulern],
die ja alle auf der paylist der diversen Pharmakonzerne stehen und sicher nicht ihr Essen selbst zahlen, sondern sich, sehr überspitzt formuliert, auf Kosten der Industrie
einen großen Bauch anfressen können. Außerdem ist es noch nicht en vogue [trendy, zeitgemäß], sich sein Essen tatsächlich selbst zu bezahlen. Im Gegenteil, viele
sehen es sogar als Auszeichnung,von Pharmafirmen eingeladen zu werden und beispielsweise im luxuriösen Ambiente über den Dächern Wiens mit direktem
Blick auf den Stephansdom vornehm speisen zu dürfen, während ein eingeladener Meinungsbildner kurz ein Referat hält. Dies scheinbar nur noch, um irgend-
wie den Fortbildungscharakter des gemeinsamen Abendessens wahren zu können. Auch Transparency International weist regelmäßig auf die Interessens-
konflikte und das Korruptionspotential im Gesundheitswesen hin. Doch leider sind die Möglichkeiten dieses Vereins sehr beschränkt. Nur mühsam und
langsam kann Bewusstsein für die Problematik geschaffen werden. Das System der Abhängigkeiten zwischen Pharmakonzernen und Ärzten ist in
vielen Jahren langsam gewachsen und wird selbst durch neue Gesetze nur noch schwer aufzubrechen sein. Die bestehenden Gesetze haben sich
im Laufe der Zeit mit diesem System entwickelt beziehungsweise haben sie letzten Endes dieses System mitgeformt und überhaupt erst ermöglicht."
[Fahmy Aboulenein: Die Pharmafalle S.73f]

Fahmy Aboulenein (Priv. Doz. Dr., Österreichischer Arzt, Neurologe, MS-Spezialist): "Die Pharma-Falle: Wie uns die Pillen-Konzerne manipulieren"
Die Pharmareferenten. Nett aber überflüssig S.73f edition a 2016
Jörg Blech (b.1966, dtsch. Wissenschaftsjournalist): 1.) „Die Krankheitserfinder – Wie wir zu Patienten gemacht werden.“ FISCHER 2003
2.) „Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht“ Kapitel 4: Seelsorge für die Industrie S.63-65, Karriere mit Pharma-
kontakten S.68f, 70f, Kapitel 6: Das letzte normale Kind. Erziehung mit Psychopharmaka S.103, Kapitel 10: Die gute seite der Depression.
Pillen lösen keine Probleme S.178ff FISCHER 2014

Möglicher Evolutions-psycho-biologischer Sinn der Depression - Die gute Seite der Depression - "Analytical Rumination Hypothesis" n. Andrews und Thomson (2009) -
"Das Grübeln -, Sinnieren -, Ruminieren depressiver Menschen verbunden mit komplexer  analytischer Denkarbeit - Problemerkennung, -lösung":

1. Paul W. Andrews, J. Anderson Thomson Jr. (Canada): "The bright side of being blue: depression as an adaptation for analyzing complex problems" Psychol Rev. 116(3): pp 620–654 Jul. 2009
2. Bettina von Helversen et al. (Berlin): "Performance benefits of depression: Sequential decision making in a healthy sample and a clinically depressed sample" Journal of Abnormal Psychology, 120, pp 962–968 Nov. 2011
3. Joseph Paul Forgas (Australien): "Don’t Worry, Be Sad! On the Cognitive, Motivational, and Interpersonal Benefits of Negative Mood" Psychological Science Vol.22 No 3, pp 225-232 June 2013


Bert Ehgartner (b.1962, Wissenschaftsjournalist, Wien): „Lob der Krankheit – Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein“ LÜBBE 2008, „Gesund, bis der Arzt kommt. Ein Handbuch zur Selbstverteidigung“
LÜBBE 2010, „Wenn Ärzte krank machen – Gesund, bis der Arzt kommt“ Profil Nr.15 41.Jg., 12. April 2010, Seite 98, „Die Hygienefalle - Schluss mit dem Krieg gegen Viren und Bakterien“ Ennsthaler 2015
Bert Ehgartner (b.1962, Journalist, Wien), Kurt Langbein (b.1953, Journalist, Wien): "Das Medizin Kartell - Die sieben Todsünden der Gesundheitsindustrie" PIPER 2.Auflage 2002
Hans Weiss (b.1950, Dr.phil.Psychologie, Medizinsoziologie, österr. Journalist): „Korrupte Medizin – Ärzte als Komplizen der Konzerne“ KIEPENHEUER u. WITSCH 2.Auflage 2008
Gunter Frank (b.1963, deutscher Arzt, Autor): „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ KNAUS 5.Auflage 2012, „Gesundheitscheck für Führungskräfte: Ihr persönlicher Weg zu mehr Leistungsfähigkeit jenseits aller Moden“
Campus 2001, „Gebrauchsanweisung für ihren Arzt – Was Patienten wissen müssen“ 2. Auflage KNAUS 2014, „Lizenz zum Essen: Warum Ihr Gewicht mehr mit Stress zu tun hat als mit dem, was Sie essen“
PIPER 2.Auflage 2008, www.gunterfrank.de

Siehe auch ZITATE: Karl Kraus: Die Diagnose >>>
Ivan Illich: Das medizinische Establishment >>>
Meine "unvollständige" Literaturliste >>>


"Unsere Gesellschaft will in dem Kranken, den sie verjagt oder einsperrt,
nicht sich selbst erkennen; sobald sie die Krankheit diagnostiziert,
schließt sie den Kranken aus."

Paul-Michel Foucault
(1926-1984)
Frz. Philosoph, Psychologe, Soziologe
Aus: Reimer Gronemeyer (b.1939, dtsch. Soziologe, Theologe):
„Das 4. Lebensalter - Demenz ist keine Krankheit“ S.7 Pattloch 2013
In: Michel Foucault: "Psychologie und Geisteskrankeheit"('Maladie mentale
et personnalité' 1954; 2. Auflage 1962: 'Maladie mentale et psychologie')
S.97 Suhrkamp Verlag 1968