„Die Bedeutung der Medizin –
Traum, Trugbild oder Nemesis?“

Sir Thomas McKeown. Edition Suhrkamp 1982
“The Role of Medicine: Dream, Mirage or Nemesis?”

Princeton University Press, 2nd edition 1979 (1976)



"Medizinische Forschung und medizinische Dienste
sind fehlgeleitet
;
was die Gesellschaft für das Gesundheitswesen ausgibt,
stellt eine entsprechende Fehlinvestition dar, da bei
der Mittelverteilung von falschen Annahmen über
die Grundlagen menschlicher Gesundheit
ausgegangen wird.


Man betrachtet den Körper als Maschine,
die vor allem durch direkte Eingriffe in ihre internen Vorgänge
von Krankheit und ihren Folgen geschützt werden könne.

Diese Betrachtungsweise führt dazu, dass
Umwelteinflüssen und persönlichem Verhalten
- den wichtigsten gesundheitsrelevanten Faktoren –
mit Gleichgültigkeit begegnet wurde.

Auch zog sie eine relative Vernachlässigung
der Mehrheit der Kranken nach sich,
deren Probleme für klinische Interventionen,
die im Zentrum des medizinischen Interesses
stehen, keine Anwendungsmöglichkeit bieten …

Die Gesundheitsverbesserung der letzten drei Jahrhunderte
ging im Wesentlichen auf die Nahrungsbeschaffung,
Schutz vor Gefahren und die zahlenmäßige Begrenzung
der Bevölkerung zurück ...


Man muss erkennen, dass Verbesserung der Volksgesundheit
wahrscheinlich auch in der Zukunft eher durch eine Veränderung
der Bedingungen, die zu Krankheit führen
, erreicht werden als
durch nachträgliche Interventionen in Krankheitsmechanismen ...

Diese Interessen sollten nicht mehr länger
ein Schattendasein führen, wie das bisher
für Gesundheitserziehung, Ernährung
und Umweltmedizin galt.“




Sir Thomas McKeown
(1912-1988)


Sir Thomas McKeown (1912-1988) war Professor für Sozialmedizin (1945-1977)
und Medizinische Geschichte an der Universität Birmingham.
Bild-
Quelle: www.thelancet.com

Sozialmedizin
, ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit den Wechselwirkungen
zwischen der "Gesundheit" und "Krankheit" des Einzelnen oder von Gruppen
sowie der sozialen und natürlichen Umwelt befasst.

Erkenntnisse aus seinen Forschungen belegen, dass die meisten der so genannten
Infektionskrankheiten, lange vor der Einführung von Medikamenten, Impfungen und anderen
medizinischen Errungenschaften, ganz von selbst rückläufig gewesen sind.


Wodurch eigentlich auch die Hypothese (Annahme) unhaltbar wird,
dass sich Infektionskrankheiten ohne Impfungen ausbreiten
und die Menschheit schonungslos dahinraffen.


Diese "Rückläufigkeit der Infektionskrankheiten" ist der Verbesserung
der allgemeinen Lebensumstände - der Verbesserung der so genannten
„sozioökonomischen Standards
, wie verbesserter individueller Lebensstandard,
verantwortungsbewusstes persönliches Verhalten, Schutz der Umwelt, Einhaltung
der Hygieneregeln (sanitäre Einrichtungen, Wohnungen) und ausreichende und

„gesündere“ Ernährung und Einführung des Sozialstaats,
in den letzten 200 Jahren, zu verdanken.
" The progress being made in lengthening lifespans and postponing senescence
is entirely due to medical and public-health efforts, rising standards of living,
better education, healthier nutrition and more salubrious lifestyles ..."
Aus: James Walton Vaupel: "Biodemography of human ageing"
Nature 2010, 464(7288):536-542


Ferdinand Hoff:Fieber- Selbstheilungskraft >>>
Mikrobiologische Therapie - Mikrobiom >>>



Beispiele:

Masern: Todesraten bei Kindern unter 15: England und Wales (1850-1970).

Pfeil gibt an, dass erst Mitte 1968 die Masernimpfung national eingeführt wurde.

Die Todesfälle durch Masern bei Kindern in England und Wales gingen von 1850 bis ins Jahr 1970

von "selbst" zurück, obwohl die Masern-Impfung erst 1968 eingeführt wurde.

Daher kann der maximale Rückgang der Todesfälle durch Masern
nicht auf die Impfung beruhen.

Ordinate (y, Vertikale): Todesrate (pro Million Kinder)

Abszisse (x, Horizontale): Jahr



Aus: Thomas Mckeown: „Die Bedeutung der Medizin – Traum, Trugbild oder Nemesis ?“
Seite: 151, Edition Suhrkamp 1982


Masernimpfung! Wie sinnvoll ist diese? - Ein paar Zahlen und Fakten pdf >>>
Netzwerk Impfentscheid CH 2013 http://impfentscheid.ch/

"Die Gefahr einer Krankheit schien in den Augen der Wissenschaft immer dann zuzunehmen, sobald ein Impfstoff entwickelt
worden war. Zum Beispiel galten Masen und Windpocken [Schafblattern] früher als normale Kinderkrankheiten, bis dann
die Impfstoffe zur Verfügung standen. Dann rückten plötzlich die Komplikationen der Infektion in den Vordergrund.
Nachdem diese Risiken bekannt gemacht wurden, verbreitete sich die Angst, und die meisten Leute gaben ihre
eigene Verantwortung auf und überließen die Entscheidung den Ärzten. Sie glaubten, dass sie ein kleines Risiko
akzeptieren mussten, um ein größeres zu vermeiden. Glaube und Furcht vermischten sich und machten die Mehrheit
dazu bereit, sich impfen zu lassen. Möglicherweise gab es einige Proteste von Eltern, die wussten, dass Masern
und Windpocken normale und harmlose Kinderkrankheiten waren, aber diese Stimmen
wurden schnell zum Schweigen gebracht."


Aus: Dr. Suzanne Humphries (US Internistin, Nephrologin), Roman Bystrianyk: „Die Impf-Illusion - Infektionskrankheiten,
Impfungen und die unterdrückten Fakten“ Übersetzung: Klaus-Peter Kubiak (Dissolving Illusions: Disease, Vaccines,
and The Forgotten History“ CreateSpace Independent Publishing Platform 2013)
Kapitel 17: Glaube und Furcht, Seite 406. Kopp Verlag 1. Auflage 2015


Keuchhusten: Todesraten bei Kindern unter 15: England und Wales (1850-1960)

Keuchhusten war lange Zeit eine gefürchtete Kinderkrankheit. Eines von 700 Kindern starb daran um 1870.
Doch seither ist das Risiko daran zu sterben stetig gesunken. Als um 1950 die Impfung allgemein erhältlich wurde,
starb nur noch etwa ein Kind von 20.000 an Keuchhusten! Auch das war kein Verdienst der Impfung,
wie oft uns glauben gemacht wird!



Aus: Thomas Mckeown: „Die Bedeutung der Medizin – Traum, Trugbild oder Nemesis ?“
Seite: 149, Edition Suhrkamp 1982

Zitate: Edward Jenner / Impfung - Einen furchtbaren Fehler >>>

Klaus Bielau / nur den heutigen Tag kennen >>>

"Über Tun oder Nicht Tun - Ein Holzschnitt zum Impfen in zehn Bildern" pdf
>>>



"Nicht Experten zählen, sondern Fakten ... Die Epidemiologie ist ein Paradigma,
das keinen Begründungszwang kennt. Daher kann sich die Epidemiologie auch
nicht vor Selbsttäuschung und Vorurteil schützen ... PARADIGMA ist die Sichtweise,
in der die Adepten des Paradigmas "wissenschaftlich" arbeiten. Nach dem Sprach-
gebrauch der Alchemie [A] sind Adepten sowohl Schüler wie Meister des Para-
digmas ... Der Autor mißt epidemiologische Studien an den gängigen Methoden
der Biometrie. Das Ergebnis ist niederschmetternd.

Die zeitgenössische Epidemiologie mißbraucht Daten, um wirklichkeitsfremde
Paradigmen glaubwürdig zu machen. Doch niemand scheint sich an diesem
Mißbrauch zu stoßen. Eine ungehinderte Diskussion über den Mißbrauch
gibt es wenigstens nicht ... Aber es gibt wahre Forschungen. Allein die Ge-
schichte zeigt es uns. Wer jedoch an wahre Forschung glaubt, vielleicht allzu
naiv, dem kann niemand helfen; er muß seine Kritik überall dort anbringen,
wo er die wahre Forschung in Gefahr sieht. Und das ist bei
der Epidemiologie der Fall ..."
[HI]




Prof. Dr. med. Herbert Immich
(1917-2002)
Prof. f. Biometrie u. Medizinische Statistik
FA f. Innere Medizin, UNI Heidelberg
Bild: Abschiedsvorlesung am 9.7.1982
www.math.uni-heidelberg.de/stat/memory/

[HI] Herbert Immich: "Paradigma Epidemiologie - [17-] Briefe an eine ehemalige Studentin [Philine]"
16. Brief "Begründungszwang" 16.5. Experten S.145, 16.8. Fazit u. 16.9. Schluß S.147;
1. Brief "Anfänge" 1.2. Paradigma, S.1 und Rückdeckel
Selbstverlag St. Peter-Ording 1991
1. Brief: "Anfänge" >>> 2. Brief: "Klinik" >>> 3. Brief: "Blutdruck" >>> 4. Brief: "Cholesterin" >>>
5. Brief: "Zigaretten" >>> 6. Brief: "Kombinationen" >>> 7. Brief: "Nichtraucherkrebs" >>>
8. Brief: "Vermeidbares" >>> 9. Brief: "Pharmako-Epidemiologie" >>> 10. Brief: "Missbrauch" >>>
11. Brief: "Lesekunst" >>> 12. Brief: "Arachaisches Denken" >>> 13. Brief: "Rationales Denken" >>>
14. Brief: "Kausalität" >>> 15. Brief: "Ätiologie" >>> 16. Brief: "Begründungszwang" >>>
17. Brief: "Bitten" >>> 1.-17. Brief: "Inhalt" >>>
[A] Alchemie: Die Lehre von den Eigenschaften der Stoffe und ihren Reaktionen
(ab ~ 1./2. Jhd., Vorläufer der Chemie).
Siehe auch INFOS: Statistik Glossar & Allerlei >>>



"Die etablierte Medizin
hat sich zu einer ernsten Gefahr
für die Gesundheit entwickelt
.

Die lähmenden Folgen einer von professionellen Standesorganisationen
ausgeübten Kontrolle über das Gesundheitswesen erreichen
mittlerweile die Ausmaße einer Epidemie. Der Name dieser
neuen Epidemie ist Iatrogenesis; hergeleitet von iatros,
dem griechischen Wort für Arzt, und genesis, Ursprung.

Die Diskussion über den krankmachenden medizinischen Fortschritt
steht heute weit oben auf der Tagesordnung ärztlicher Fachtagungen;
die Forschung befasst sich mit den Krankheit erzeugenden Faktoren
von Diagnose und Therapie; und Berichte über paradoxe, durch die Heilung
von Krankheit verursachte Schäden beanspruchen immer mehr Raum
in der medizinischen Fachpresse. Den Gesundheitsberufen steht ein
beispielloser Kehraus bevor... das ärztliche Monopol über das Gesundheitswesen ...
hat unser Recht an unserem eigenen Körper beschnitten ...

Ein professionelles, auf die Person des Arztes abgestelltes Gesundheits-
system, das sich über gewisse kritische Grenzen hinaus entwickelt hat,
macht aus drei Gründen die Menschen krank:

es produziert zwangsläufig klinische Schäden,
die schwerwiegender sind als sein potentieller Nutzen;

es kann die politischen Verhältnisse, die die Gesellschaft krank machen,
nur begünstigen - auch wenn es sie zu verschleiern sucht; und

►es nimmt dem einzelnen die Fähigkeit, selbst zu gesunden
und seine Umwelt zu gestalten.

Die heutigen Medizinsysteme haben die Grenzen dessen,
was erträglich ist, bereits überschritten."


Ivan Illich
(1926-2002)
Österreichisch-amerikanischer Autor, Philosoph, Theologe, katholischer Priester
Aus: „Die Nemesis der Medizin - Die Kritik der Medikalisierung des Lebens“
S.9 EINLEITUNG. 4.überarbeitete u. ergänzte Auflage Becksche Reihe 1995
Als 1.Auflage 1975 im ROWOHLT Verlag, unter dem Titel
"Die Enteignung der Gesundheit - Medical Nemesis", erschienen.




"Eine letzte Frage die URSACHEN betreffend muss noch behandelt werden. Sie ergibt sich sowohl durch die vielfältigen Kausalketten biologischer Systeme
als auch durch deren Natur als funktionell koordinierte Systeme. Es geht um die Unterscheidung zwischen URSACHEN und eigentlichem MITTLER. Die Verwechslung
von Ursache und Mittler ist nirgendwo offensichtlicher als in der Medizin. Es ist üblich von TODESURSACHEN zu reden, die in den Industriestaaten hauptsächlich Herz-
erkrankungen
, Schlaganfall und Krebs umfassen. Ungeheure Anstrengungen werden unternommen, um die Mechanismen dieser Krankheiten zu finden, in der Hoffnung,
sie könnten schließlich verhindert oder doch wenigstens so weit gemildert werden, dass sie nicht mehr zum Tode führen. Nehmen wir aber an, alle Herzkreislauf- und
Krebserkrankungen könnten erfolgreich behandelt oder gar verhindert werden.
Würde das bedeuten, die Welt müsste nicht mehr sterben?

Bei ganz normaler Ursachenforschung trennt man zwischen notwendigen und [hinreichenden] ausreichenden Ursachen. Ist etwas eine notwendige Voraussetzung für
einen Effekt, dann wird der Effekt verhindert, wenn die Ursache verhindert wird. Im Gegensatz dazu können wir eine ausreichende Ursache eliminieren ohne dazu den Effekt
zu verhindern, weil eine andere Ursache ihren Platz einnehmen kann. Wenn eine ausreichende Ursache aber vorliegt, dann wird der Effekt unvermeidlich eintreten. Legen
wir diese simple Analyse zugrunde, dann sind jedenfalls Herzkreislauferkrankungen und Krebs weder notwendige noch ausreichende Ursachen für den Tod. Ist man von
einer der beiden Krankheiten betroffen, so bedeutet das nicht zwangsläufig den Tod. Erkrankt man an keinem von beiden, bedeutet das nicht Unsterblichkeit. Diese
Krankheiten sind lediglich zwei von vielen alternativen, unmittelbaren Gründen für den Tod. Es ist für jeden möglich, jede einzelne dieser Krankheiten zu verhindern,
aber es ist unmöglich, sie alle zu elminieren. Stirbt man nicht durch die eine Ursache, so stirbt man an einer anderen.


Warum aber ist das der Fall? Wenn doch die Todesursachen funktionell voneinander unabhängig sind, dann sollte es auch möglich sein, ihnen allen zu entgehen.
Die Behauptungen der Medizin implizieren auch genau das, ohne es freilich ausdrücklich zu sagen. Mediziner sprechen davon, den Tod durch Heilung von Krankheiten
zu "verhindern". Der Tod kann jedoch nicht verhindert sondern bestenfalls hinausgezögert werden. Zudem ist sogar die Hinauszögerung des Todes selbst nach fünfzig
Jahren großen Fortschrittes in der Physiologie, Zellbiologie und Medizin nicht so erfolgreich wie manchmal behauptet wird. Die Lebenserwartung [1] eines männlichen,
weissen Amerikaners ist seit 1947 um sieben Jahre gestiegen, jedoch nicht, weil die Menschen inzwischen ein sehr viel höheres Alter erreichen können. Die erreichbare
Lebensspanne ist nicht größer geworden und die Anzahl an Jahren, die der Autor dieses Buches, ein siebzigjähriger, männlicher Weisser, noch zu leben erwartet,
ist lediglich um zwei Jahre gestiegen. Wir müssen uns also wohl damit abfinden, dass zwar die unmittelbaren Ursachen, die zum Tode führen können,
in den Griff zu bekommen sind, der Tod selber jedoch nicht.

Es muss also eine Ursache für den Tod als Phänomen geben, die sich von den Ursachen der individuellen Todesfälle, die man demnach besser als "Mittler" bezeichnet,
unterscheidet. Mittler bringen die zugrundeliegenden Ursachen zum Vorschein. Die zugrundeliegende Ursache wirkt immer, aber eben über verschiedene Wege. Und
wenn die Ursache nicht über den einen Weg wirken kann, dann muss sie es eben über einen anderen tun. In diesem Licht betrachtet besteht die Ursache für Tod darin,
dass Organismen letztlich elektromechanische Konstrukte sind, die aus klar gegliederten, physikalischen Teilen bestehen, die sich aus Gründen der Thermodynamik
mit der Zeit erschöpfen und schließlich ihre Funktion aufgeben. Verschiedene Teile verschleissen sich unterschiedlich schnell in unterschiedlichen Individuen. Manche
Teile sind anfälliger als andere oder befinden sich in kritischeren Positionen innerhalb der gegliederten Funktionskette. Ein Auto wird irgendwann auf den Schrottplatz
gebracht, weil der Motor oder das Getriebe oder die Elektrik defekt sind und nicht mehr funktionieren. Natürlich könnte ich das Auto bewahren, indem ich die defekten
Teile immer wieder ersetze, aber ist das Auto noch das selbe, wenn ich jedes Teil ausgetauscht habe? Im ländlichen Vermont [USA] wird die Geschichte eines Mannes
erzählt, der behauptete, er besäße eine Axt, die seine Familie schon seit 150 Jahren benutze. Als er gefragt wurde, wie das möglich sei, antwortete er, sie sei eben
sehr gut gepflegt worden und hätte inzwischen sieben neue Griffe und drei neue Axtköpfe erhalten.

Die Unterscheidung zwischen URSACHE und MITTLER kann große Auswirkungen haben auf die Art und Weise wie man in menschliche Lebensumstände eingreift.
Im 19. Jahrhundert waren nicht Herzkreislauferkrankungen oder Krebs die hauptsächlichen "Ursachen" für den Tod sondens INFEKTIONSKRANKHEITEN.
Die Sterblichkeitsstatistiken wiesen Diphterie, Pocken, Tuberkulose, Bronchitis, Lungenentzündung und bei Kindern Masern als die gefährlichsten Erkrankungen
aus. Zum Zeitpunkt der ersten systematischen Erfassung dieser Todesursachen um 1830 sanken bereits die Sterblichkeitsraten dieser Erkrankungen.
Bis zum Ersten Weltkrieg war die Sterblichkeit schließlich um 90 Prozent zurückgegangen.

Welchen Grund gab es für diesen drastischen Rückgang? Es war nicht etwa die Entdeckung der Krankheitserreger. Es gab keinen messbaren Effekt
auf die Sterblichkeitsraten [Mortalitätsraten: Anzahl der Todesfälle pro Gesamtbevölkerung pro Zeit], nachdem 1876 Robert Koch [1843-1910, 1876 Milzbrand,
1882 Tbc, 1905 Nobelpreis] seine Theorie veröffentlicht hatte, in der er darlegte, dass Krankheiten durch mikrobiologische Krankheitserreger verursacht werden.
Es war auch nicht die Einführung neuer Arzneimittel, da bereits 90 bis 95 Prozent des Rückganges vollzogen war als Antibiotika nach dem Zweiten Weltkrieg
entwickelt wurden. Auch die Verbesserung der sanitären Verhältnisse kann nicht zu der sinkenden Sterblichkeit geführt haben, da diese Krankheitserreger
sich über die Luft ausbreiteten und nicht über das Wasser. Ebenso können die Bemühungen, Krankheiten an der Ausbreitung zu hindern, nicht vollständig
für den Rückgang der Sterblichkeit verantwortlich sein. Masern war für Kinder die gefährlichste Krankheit im 19. Jahrhundert. Als ich Kind war,
starb kein Kind mehr an Masern, obwohl jedes daran erkrankte.

Die schlüssigste Erklärung, die wir haben, besagt,
dass es im 19. Jahrhundert einen Anstieg des Reallohnes, eine verbesserte Ernährung der europäischen Völker
und eine Senkung der Wochenarbeitszeit gab. Da die Menschen also besser genährt und gekleidet waren und mehr Freizeit hatten, um sich von der Arbeit zu erholen,
waren ihre Körper physiologisch weniger beansprucht und kamen daher besser mit dem zusätzlichen Stress durch Infektionen zurecht. Sie wurden also zwar immer noch
krank, überlebten jedoch. Infektionen waren nicht die Ursachen für Tod sondern nur der Mittler. Die Ursachen für den Tod in Europa in früheren Zeiten waren die gleichen,
mit denen heute die Dritte Welt zu kämpfen hat: Überarbeitung und Unterernährung. Daraus können wir schließen, dass die Sterblichkeit in Afrika nicht in erster Linie
mit den medizinischen Verhältnissen zusammenhängt, sondern mit dem Modus internationaler Produktion und Verteilung. Natürlich wäre es aber auch absurd
zu behaupten, medizinische Versorgung sei völlig irrelevant.

Auch bei den Problemen von Umweltverschmutzung und Abfallbeseitigung müssen wir sorgfältig zwischen Ursache und Mittler unterscheiden.
Wenn durch den Einsatz der Bürger oder des Staates bestimmte industrielle Prozesse erfolgreich verhindert werden, bei denen Arbeiter Giften ausgesetzt
sind oder Ressourcen vernichtet werden oder nicht abbaubare Abfälle entstehen, dann wird die Industrie auf andere Prozesse ausweichen, bei denen andere
Gifte oder Abfälle entstehen und andere Ressourcen vernichtet werden. Für die Produktion von Papier benötigt man Bäume. Ausserdem wird dabei Schwefel
in das Wasser und die Luft abgegeben. Ersetzt man es durch Plastik, wird für dessen Produktion Erdöl verbraucht, und es entsteht ein nicht abbaubares End-
produkt. Grubenarbeiter im Kohlebergbau sterben nicht länger an der Staublunge, wenn Kohle durch Erdöl ersetzt wird. Stattdessen sterben sie an Krebs,
der durch die Abfallprodukte der Raffinerien erzeugt wird. Schwefel trägt zur Entwaldung der Gebirge bei. Müllhalden sind nicht die Ursache für die Ver-
schlechterung der Lebensbedingungen der Menschen, sie sind lediglich die Mittler. Die Ursache besteht in der Kurzsichtigkeit eines anarchischen
Produktionssystems, das vom Kapitalismus der Industriestaaten entwickelt und vom industriealisierten Sozialismus übernommen wurde.
In diesem wie auch in den anderen Fällen verhindert die Verwechslung von Ursache und Mittler eine realistische Konfrontation
mit den Lebensbedingungen des Menschen."
Aus: Richard Lewontin: "Die Dreifachhelix - Gen, Organismus und Umwelt" Springer 2002, auszugsweise aus: III Teil und Ganzes, Ursache und Wirkung,
S.101-105 (“Gene, organismo e ambiente” 1998, ”The Triple Helix: Gene, Organism, and Environment” Harvard University Press 2000)
[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/18642/umfrage/lebenserwartung-in-oesterreich/: "Im Jahr 2017 betrug die durchschnittliche
Lebenserwartung von neugeborenen Männern in Österreich rund 79,3 Jahre, bei den Frauen waren es circa 83,9 Jahre."




"Alle Daten zeigen, dass die Sterberaten für [so genannte] Infektionskrankheiten
schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts rückläufig waren - und damit lange bevor
die moderne Medizin mit ihren wissenschaftlichen Methoden intervenierte.


Das heißt, es war nicht die Medizin, sondern die Verbesserung der Lebensbedingungen,
die die Krankheiten zurückdrängte. Die Medizin vermittelt also ein falsches Verständnis

von der Vergangenheit - und macht falsche Hoffnungen für die Zukunft."

Prof. Dr. Michael Tracey
US-Medienwissenschaftler/University of Colorado at Boulder
"Mere smoke of opinion: Aids and the Making of the Public Mind" Continuum 2001

Aus: Torsten Engelbrecht, Claus Köhnlein: „Virus Wahn - Vogelgrippe (H5N1), SARS, BSE, Hepatitis C, AIDS:
Wie die Medizin Industrie ständig Seuchen erfindet und auf Kosten der Allgemeinheit Milliarden Profite macht“
S.9, 279. EMU 3.Aufalge 2006



Siehe auch:

INFOS ->LINKS:
3) Krankenhäuser, Kliniken, Impfungen, Impfkritik >>>

Zitate:
Edward Jenner / Einen furchtbaren Fehler gemacht >>>

Mark Twain / Für jemanden >>>

Max Thürkauf / Wissenschaft schützt vor Torheit nicht >>>

*****


Der Glaube an die wohltätige Kraft der modernen Medizin,
daran, dass die Einnahme von Medikamenten, der Gang zum Arzt
oder der Aufenthalt in einem Krankenhaus
das wirksamste Mittel zur Erhaltung oder
Wiedergewinnung von Gesundheit sei,
dieser Glaube,
so muss aus all dem wohl geschlossen werden,
ist hierzulande im Bewusstsein der Bevölkerung
weit verbreitet und tief verwurzelt.

Ist er aber auch berechtigt?

Sir Thomas McKeown, der Autor dieses Bandes („Die Bedeutung der Medizin – Traum, Trugbild oder Nemesis?“), ist einer der angesehensten Sozialmediziner unser Zeit. Mit seinen Arbeiten zur Geschichte der Medizin und über die Zusammenhänge zwischen Lebensbedingungen, Bevölkerungsentwicklung und Volksgesundheit hat er weit über sein Heimatland England hinaus Resonanz und Anerkennung gefunden. „Die Bedeutung der Medizin“ bildet gleichsam das medizinhistorisch-gesundheitspolitische Resümee seiner lebenslangen Beschäftigung mit den Bedingungen von Krankheit und Gesundheit und mit der Rolle, die medizinischen Dienstleistungen in diesem Zusammenhang zukommt.

Wie steht es denn eigentlich mit der Wirksamkeit und Angemessenheit der tagein und tagaus im Gesundheitswesen in so großen Mengen erbrachten Leistungen?
Könnte das hier vorhandene Potential an zumeist hoch qualifizierten Arbeitskräften nicht auch auf ganz andere Weise und sehr viel gesundheitsfördernder und ökonomisch sinnvoller genutzt werden?

Sir Thomas McKeowns Antwort auf diese Fragen lautet, kurz zusammengefasst:

"Unkenntnis und Überschätzung des tatsächlichen Einflusses medizinischer Dienstleistungen auf die Volksgesundheit in Vergangenheit und Gegenwart verleiten uns zu einer erheblichen Überschätzung der modernen Medizin und daher zu einer erheblichen Fehlallokation (Fehlzuteilung) gesellschaftlicher Ressourcen."


Was die Arbeit von McKeown von der der meisten seiner Mitstreiter allerdings unterscheidet, ist eine außergewöhnliches Maß an gesundheitstheoretischer Reflexion und analytischer Schärfe sowie die Bemühung, Gesundheitstheorie und Medizinkritik durch Deutung eines eindrucksvollen historischen Datenmaterials abzusichern.

Im übrigen handelt es sich bei dem Autor nicht um einen Außenseiter, sondern um einen selbst medizinisch ausgebildeten und hoch angesehenen akademischen Lehrer, dessen Analysen – eben weil sie „von innen“ kommen – um so mehr Autorität für sich in Anspruch nehmen dürfen.

Wo nicht polemisiert, sondern in wohl fundierter Form und eng am historischen Material argumentiert wird, ist mit bloßer Gegenpolemik nichts mehr auszurichten.

McKeowns Kritik zielt auf das theoretische Fundament von Laborforschung und klinischer Praxis.

Er wendet sich gegen die Auffassung, der menschliche Körper sei eine Maschine, die durch Intervention in ihre inneren Vorgänge vor Schaden bewahrt werden könne. In einer Situation, in der die wichtigsten Ursachen moderner Massenkrankheiten in der natürlichen und sozialen Umwelt des Menschen lokalisiert werden müssen, greifen auf Kontrolle innerkörperlicher Krankheitsmechanismen konzentrierte medizinische Forschung, Ausbildung und Behandlung zwangsläufig zu kurz.

Ebenso wie schon in der Vergangenheit sozialpolitische Maßnahmen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen ausschlaggebend waren für Fortschritte in der Volksgesundheit – nicht eine am einzelnen Individuum ansetzende Diagnose und Therapie -, darf dies auch für die Zukunft unterstellt werden.

McKeown ist deshalb Anhänger einer konsequent präventiv orientierten Gesundheitsforschung und Gesundheitspraxis, die sich um Entdeckung, Beseitigung oder Verringerung riskanter Umweltbedingungen und riskanter Verhaltensweisen der Menschen bemüht

Aus: Prof. Dr. rer. soc. Bernhard Badura (Oldenburg 1982): "Einführung" (Seite 7-9) in "Die Bedeutung der Medizin“ von Thomas McKeown, Edition Suhrkamp 1982. Prof. Dr. Bernhard Badura, geb. 1943, Dr. rer. soc., Studium der Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaften in Tübingen, Freiburg, Konstanz, Harvard/Mass.; Professor der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld; Leiter der Arbeitsgruppe Sozialepidemiologie und Gesundheitssystemgestaltung; Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Public Health.

Sozialmedizin

Sozialmedizin ist die Wissenschaft aller psychischen, sozialen und kulturellen Faktoren, die zum Erhalt und Verlust von Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen im Kontext ihrer Gesellschaft beitragen. Ihr Ziel ist es, das Auftreten von Krankheiten und Leiden zu verstehen und bei der Vermeidung, Linderung oder Anpassung an sie zu helfen. Unter dem Begriff Sozialmedizin werden alle Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlichen Faktoren (insbesondere die benachteiligter Gruppen) sowie individuellen Risiko- und Schutzfaktoren auf der einen Seite und Gesundheit und Krankheit auf der anderen Seite verstanden. (Hörnig in Schwarzer 2002: 15, 16)

Aus: Hochschule Zittau/Görlitz in Sachsen, www.hs-zigr.de


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„Landwirtschaft und Bodenerträge, also Nahrungsbeschaffung und Bevölkerungsgröße, bestimmen das Schicksal dieses Zeitalters [16.Jhd]. Die landwirtschaftliche Produktion war sowohl langfristig wie kurzfristig entscheidend. Konnte sie die Last einer steigenden Bevölkerung und den Luxus einer städtischen Kultur tragen, die so glänzend war, dass sie uns von anderen Bereichen ablenkte? Für jede folgende Generation war dies das drückende Tagesproblem. Alles andere fällt daneben offenbar der Unbedeutendheit anheim.“ Fernand Braudel (1902-1985, frz. Historiker): „La Méditerranée et le monde méditeranéen à l'epoque de Philippe II“, Habilitationsschrift 1947, Paris 1949 (deutsch: „Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II“ (von Spanien, 1527-98), 3 Bände, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, ISBN 3-518-58056-6)


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„Wie selbstverständlich sprach Rudolf Virchow (1821-1902, „Vater der modernen Pathologie") 1848 vom Arzt als natürlichen Anwalt der Armen.

Dem damals wie heute unstreitigen Zusammenhang von Gesundheit und sozialer Lage entgegenzuwirken, sah er als zentrale moralische Aufgabe seiner Berufskollegen.

Tatsächlich kann jedoch die Medizin im engeren Sinne zur Gesundheit kranker Menschen nur begrenzt beitragen, wie es der britische Sozialmediziner Thomas McKeown (1976), wichtiger Vordenker der Epidemiologie und des New Public Health, eindrucksvoll herausgearbeitet hat.

McKeown zeigt in seiner Arbeit "The Role of Medicine. Dream, Mirage or Nemesis?", dass die historische Rolle von Medizin und Wissenschaft in der Bekämpfung von Krankheiten und bei der Steigerung der Lebenserwartung deutlich überschätzt wird.

Zwar ist das Zurückdrängen der Seuchengefahr zwischen dem achtzehnten und dem zwanzigsten Jahrhundert wesentlich für die Verlängerung der Lebenserwartung. Dieser Rückgang der Epidemien setzte jedoch jeweils ein, bevor es spezifische medizinische Mittel gab. Entscheidend sind vielmehr verbesserter Lebensstandard, Hygiene und Ernährung.

McKeown zieht daraus die Schlussfolgerung:
"Medizinische Forschung und medizinische Dienste sind fehlgeleitet; was die Gesellschaft für das Gesundheitswesen ausgibt, stellt eine entsprechende Fehlinvestition dar, da bei der Mittelverteilung von falschen Annahmen über die Grundlagen menschlicher Gesundheit ausgegangen wird. Man betrachtet den Körper als Maschine, die vor allem durch direkte Eingriffe in ihre internen Vorgänge von Krankheit und ihren Folgen geschützt werden könne. Diese Betrachtungsweise führt dazu, dass Umwelteinflüssen und persönlichem Verhalten - den wichtigsten gesundheitsrelevanten Faktoren - mit Gleichgültigkeit begegnet wurde. Auch zog sie eine relative Vernachlässigung der Mehrheit der Kranken nach sich."

Dabei versteht McKeown persönliches Verhalten nicht im reduzierten Sinne verhaltenspräventiver Konzepte, sondern als verhältnispräventiv gestützte Möglichkeit einer Veränderung des individuellen Gesundheitsverhaltens.

Innerhalb der WHO wird dies später unter dem Leitbegriff "Make the healthier way the easier choice" (Kickbusch 1992:100), konzeptionalisiert."
Aus: „Gesundheit und soziale Lage: Grundlagen, Ursachen, Strategien“ von Claudia Brendler, Raimund Geene, Christian Hans. www.gesundheitberlin.de