"Es ist leicht, dem Kind
unseren Willen
durch Beeinflussung oder durch Zwang
unterzuschieben,
aber wenn wir das getan haben,
haben wir das Kind
seines wichtigsten Rechts beraubt,
des Rechts,
seine eigene Persönlichkeit
zu bilden
."

Maria Montessori
(1870 in Chiaravalle bei Ancona - 1952 in Noordwijk aan Zee)


Aus: Peter R. Breggin (b.1936, US Psychiater):
„Giftige Psychiatrie Teil 2 – Was Sie über Psychopharmaka und Biologie bei Angst, Panik, Zwang,
Essstörungen, Sucht und kindlichen Verhaltensauffälligkeiten wissen sollten!“
(Toxic Psychiatry, St. Martin’s Press 1991)

Im Vorwort zur deutschen Ausgabe: Fritz B. Simon (b. 1948, Dr. med. habil, Psychiater,
Prof. für Führung und Organisation am Institut für Familienunternehmen der UNI Witten/Herdecke,
Vertreter der systemischen Psychologie, AUER 1997



Maria Montessori war eine italienische Ärztin, Reformpädagogin,
Philosophin und Philanthropin. Sie entwickelte die Montessoripädagogik.


"Hilf mir, es selbst zu tun"

"Montessori-Pädagogik bedeutet, Kinder in ihrer Persönlichkeit zu respektieren,
ihnen achtsam zu begegnen und sie auf ihrem Entwicklungsweg liebevoll
und hilfsbereit zu begleiten.

Unter diesen Gesichtspunkten ist es möglich,
Kindern eine "Vorbereitete Umgebung" zu schaffen,
in der sie nach ihren ganz persönlichen Bedürfnissen,
Fähigkeiten und Interessen tätig werden können, eine Tätigkeit,
die Voraussetzung ist für Entwicklung und Lernen."

www.montessori.at/montessori-paedagogik.html


Zitate: Ein Kind – was ist das? >>>

"Ich war nie in der Schule" -
André Stern im Gespräch mit Teresa Arrieta
http://www.youtube.com/watch?v=EQDjOj4q6to


André Stern, 1971 in Paris geboren und aufgewachsen, Sohn des Forschers und Malort-Gründers Arno Stern, ist verheiratet und Vater eines kleinen Jungen. Er ist Musiker, Komponist, Gitarrenbaumeister, Journalist und Autor, unter anderem des Bestsellers "... und ich war nie in der Schule" sowie, gemeinsam mit Arno Stern, des Buches "Mein Vater, mein Freund", das 2011 erschienen ist (alle veröffentlicht im Zabert Sandmann Verlag, München). Als Freibildungsexperte ist er ein gefragter Referent, der sich international (Europa, USA, Kanada, Afrika, Indien) an der Seite von zukunftsorientierten Akteuren der Bildungslandschaft stark engagiert. Daneben arbeitet er eng mit seinem Vater zusammen und ist mit Prof. Dr. Gerald Hüther Gründer und Leiter der Stiftungsinitiative "Männer für morgen". Ferner leitet André Stern auch das "Institut Arno Stern ­ Labor zur Beobachtung und Erhaltung der spontanen Veranlagungen des Kindes" und initiierte die Bewegung "Ökologie des Lernens". Er ist einer der Protagonisten in "Alphabet" (Arbeitstitel), einem Film von Erwin Wagenhofer ("We feed the world" et "Let's make money"), der 2013 in die Kinos kommen wird.
www.andrestern.com
www.arnostern.com/

Jusline Österreich - Schulunterrichtsgesetz:
www.jusline.at/Schulunterrichtsgesetz_%28SchUG%29_Langversion.html

ANWALT.de: Toilettenverbot für Schüler und Studenten
www.anwalt.de/rechtstipps/toilettenverbot-fuer-schueler-und-studenten_000191.html

Richtig trinken in der Schule:"Lehrinnen und Lehrer, die im Unterricht selbst zwischendurch
immer wieder einen Schluck Wasser trinken, haben hohe Vorbildwirkung! "

www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/trinken-in-der-schule.html

Auf dem Weg nach vorn: Probleme überholen lernen
pdf >>>
Cora Besser Siegmund & Harry Siegmund 1997

"Non scholae, sed vitae discimus!"
"Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!"
sollte es heute heißen.

Nicht wie das Zitat - aus den "Briefen über Ethik an Lucilius" (1) -
vom römischen Philosophen Seneca (1-65 n.u.Z):
"Non vitae, sed scholae discimus! - "Nicht für das
Leben, sondern für die Schule lernen wir!"
(1) Epistulae morales ad Lucilium (106/12)
um ~ 62 n.u.Z.




"In der Schule geht es um Köpfe, um Geist, Kreativität, Motivation (a) und um
ein kooperatives Miteinander, und das heißt: um dynamische Phänomene,
die allesamt eine neurobiologische Grundlage haben
...

... vielen Kindern und Jugendlichen heute Motivation fehlt.
Dies ist ein Phänomen, über das die moderne Neurobiologie Eltern, Lehrern und Schul-
politikern wichtige Erkenntnisse vermitteln kann ... das Hinzufügen wichtiger Mosaiksteine
zum Gesamtmosaik guter Pädagogik.

So wissen wir jetzt, welche neurobiologischen Gründe dafür verantwortlich sind,
dass Kinder ohne die
Erfahrung verbindlicher persönlicher Beziehungen
keine Motivation entwickeln können. Ebenso konnte die Entdeckung
des Systems der Spiegelnervenzellen jetzt eindrucksvoll bestätigen,
was der amerikanische Psychologe Albert Bandura [b. 1925]
schon vor Jahren erkannte [Bedeutung von Vorbildern]:
Kinder lernen vor allem am Modell, sie orientieren sich
also an dem, was sie um sich herum sehen
...

Im Mittelpunkt der Erziehung sollten die Kardinaltugenden stehen,
wie sie der
griechische Philosoph Plato gelehrt hat:
Mut (Tapferkeit), Weisheit (Wissen), Mäßigung (Besonnenheit) und Gerechtigkeit.

"Als Eltern, Pädagogen oder Mentoren sollten wir bei Kindern aber nicht das hegen und pflegen,
was uns bequem ist oder uns ein Gefühl von Macht gibt, sondern das, was das Leben
von ihnen fordern wird: Begeisterungsfähigkeit, Kreativität, Pfiffigkeit, Hilfsbereitschaft,
kritisches Denken, Fleiß, Durchhaltevermögen, Unbestechlichkeit, Konfliktbereitschaft,
Empathie, Fairness und Sportlichkeit."


Eine Pädagogik, die nur die Einforderung dienender Tugenden
(Disziplin, Ordnung, Sauberkeit u.a.) in den Mittelpunkt stellt,
wiederholt die Fehler der Vergangenheit ("Schwarze Pädagogik,
"hydraulische Prinzip" = Gewalteinwirkung auf das Kind").
Auch die neuerdings verkündete "Pflicht zu führen" erinnert
an die Einseitigkeit früherer Zeiten.
Erziehung ist mehr als Führung. Eine gute Pädagogik erfordert ...
"eine Balance zwischen verstehender Zuwendung und Führung" ...

"Sinn" erhalten Kinder und Jugendliche nur von konkreten Personen, mit denen sie
konkrete Erfahrungen machen können, von Menschen, die sich ihnen zuwenden
und die - weil sie an sie glauben - von ihnen auch etwas fordern ... Kinder und
Jugendliche brauchen das Gefühl, dass die Welt auf sie wartet, dass es auf sie
ankommt, dass wir von ihnen etwas fordern und dass sie sich daher, um ihre
Chancen wahrzunehmen, anstrengen müssen und sich nützlich machen sollten ...
Der große Pädagoge Hartmut von Henting [b.1925] hat - gerade auch aus neuro-
biologischer Sicht - den Kern des Problems erkannt, wenn er
"die nützliche Erfahrung, nützlich zu sein" anspricht ...
Nützlich zu sein heißt, anderen etwas zu bedeuten und durch die Beiträge,
die man für die Gemeinschaft leistet, Beachtung, Anerkennung und Freude
am Leben zu finden. Das - und nur das - ist es, was im Erleben eines Kindes
oder jugendlichen "Sinn" stiftet ...

"Was Bezugspersonen dem Kind zurückspiegeln, beinhaltet für das Kind eine Botschaft
über sich selbst. Der britische Psychologe Donald Woods Winnicott [1896-1971] schrieb:
"Wenn ich sehe und gesehen werde, so bin ich."
Erst in den Spiegelungen der Erwachsenen kann ein Kind nach und nach erkennen,
wer es selbst ist. Dies ist der Grund, warum es nur dann ein in sich konsistentes
,
stabiles Selbstgefühl entwickeln kann, wenn ihm Beziehungen zur Verfügung stehen,
in denen es sich mit seinen persönlichen Eigenschaften und seinem individuellen
Temperament gespiegelt sehen kann [2] ... Kinder und Jugendliche verwerten beides -
sowohl das unmittelbare Vorbild handelnder Erwachsener als auch die Spiegelung
(ihres eigenen Bildes), die sie von ihren Bezugspersonen ("Vor-Bildern") erhalten -,
um so Stück für Stück ein "Selbst" zu entwickeln und zu
einer Persönlichkeit zu werden.
[1]
"

"Nervenzellen des Gehirns, die im eigenen Körper einen bestimmten Vorgang, zum Beispiel eine Handlung oder eine Empfindung,
steuern können, zugleich aber auch dann aktiv werden, wenn der gleiche Vorgang bei einer anderen Person nur beobachtet wird,
heißen Spiegelnervenzellen bzw. Spiegelneurone [n. Prof. Giacomo Rizzolatti 1992 "Mirror Neuron System"]. Ihre Resonanz setzt
spontan, unwillkürlich und ohne Nachdenken ein. Spiegelneurone benutzen das neurobiologische Inventar des Beobachters, um ihn
in einer Art inneren Simulation spüren zu lassen, was in anderen, die er beobachtet, vorgeht [Einfühlung, Empathie] ..."Handlungen,
Empfindungen, Gefühle und Stimmungen, alles, was uns andere vormachen oder zeigen, wird im Gehirn des beobachtenden Menschen -
gleichsam wie in einem Spiegel - leise nachgeahmt ... Mit Einfühlung zu arbeiten heißt, so zu handeln, dass die Situation des anderen
berücksichtigt wird, dass meine Handlungen zur Situation des andern passen"
[1] ... Die Spiegelresonanz ist die neurobiologische Basis
für spontanes, intuitives Verstehen, die Basis dessen, was als "Theory of Mind" [TOM] bezeichnet wird. Sie ist nicht nur in der Lage,
bei der in Beobachterposition befindlichen Person Vorstellungen anzuregen, Gedanken und Gefühle hervorzurufen, sie kann unter
bestimmten Voraussetzungen auch den biologischen Körperzustand verändern
(b) ... Der gemeinsame Pool von körperbezogenen
Handlungsvorstellungen ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns gegenseitig intuitiv als Menschen unter Menschen erleben und
dass wir unsere Handlungen, Ziele und Empfindungen intuitiv, das heißt vor jedem intellektuell-analytischen Nachdenken, verstehen
können. Sobald ein anderer Mensch in unsere Wahrnehmung tritt, spielt er in unserem Gehirn auf dieser Klaviatur."


"Mit handlungsorientiertem Unterricht ["Lernen am Modell"] der die Anwendunsbezüge zur Lebenswirklichkeit
der Kinder im Auge hat, liegt die Schule jedoch richtig, und dies nicht nur unter dem Aspekt der modernen
Neurobiologie [die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden]
, sondern auch
im Hinblick auf die pädagogischen Urväter Comenius [Johann Amos C. (1592-1670)]
"... damit alles sich leichter einpräge, möge man alle möglichen Sinnestätigkeiten heranziehen"
und Pestalozzi [Johann Heinrich P. (1746-1827)]
"Lernen mit Kopf, Herz und Hand" ... [2]

"LehrerIn zu sein heißt
allzeit OptimistIn zu sein!"

"To be a teacher is to be forever an optimist!"

Philip Bigler
National Teacher of the Year 1998
www.philipbigler.com/
Uwe Schaarschnidt (b.1943), Ulf Kieschke (Hrsg.): Gerüstet für den Schulalltag:
Psychologische Unterstützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer" Beltz 2007

"Ein Lehrer muss wie ein Künstler sein. Er muss seinen eigenen Stil und seine eigene Stimme finden.
Wahre Autorität ist ein Mysterium [Geheimnis]. Eine Mischung aus Persönlichkeit, Sensibilität, Wissen,
Stimmung. Der Instinkt dafür, wann man Druck ausübt und wann nicht. Manche Lehrer drohen,
benutzen Furcht als Mittel für ihren Unterricht. Ich glaube, dass sich Aufmerksamkeit und Disziplin
bei Schülern besser durch ERMUTIGUNG herstelen lassen, durch INSPIRATION."
[Aus: 1, p 54]

Frank McCourt
(1930-2009)
Irisch-US-Amerikanischer Lehrer/Schriftsteller
Interview in der Zeitschrift emotion, Dezember 2006
"Tag und Nacht und auch im Sommer: Erinnerungen" Luchterhand 2006.
www.achievement.org/autodoc/page/mcc1int-5

"Wenige Berufe erfordern eine derart vielseitige Kompetenz wie die des Lehrers [Arztes].
Zu ihr gehören fachliches Können, starke persönliche Präsenz und Ausstrahlung
und flexibles Reagieren auf sich ständig verändernde Situationen genauso wie
intuitives Gespür, Verständnis für völlig unterschiedliche Schülerpersönlichkeiten,
Widerstandskraft, Geschick bei atmosphärischen Gegenwind
und - vor allem - Führung (verstehende Zuwendung, Fördern und Fordern) ...

Verstehende Zuwendung bedeutet, den einzelnen Schüler nicht nur unter dem Aspekt seines schulischen
Könnens (oder seiner schulischen Schwächen) zu sehen, sondern auch und vor allem als PERSON
("Menschen mit Eigenschaften", spontan und authentisch), das heißt seine Motive, sein Bemühen,
sein Verhalten, seine emotionalen Stärken ebenso wie seine problematischen Seiten wahrzunehmen.
Dabei vermeidet sie Kränkungen, Demütigungen und Bloßstellungen.

Führung bedeutet die Notwendigkeit, Werthaltungen zu vertreten, Ziele zu formulieren, Schüler zu fordern,
als Lehrkraft mutig zu diesen Forderungen zu stehen und Kritik zu üben, Schülerinnen und Schülern dabei
aber Mut zu machen und sie in ihren Anstrengungen zu unterstützen ...
"

"Es gibt zahlreiche Wege, eine gute Schule zu realisieren.
Was aber in ihr wie in jeder Bildungsinstitution wirklich zählt, ist jene Kompetenz,
die im Falle eines Hausbaus vom Ingenieur oder Architekten erwartet werden muss.
Der Bedeutung, die dort der Statik zukommt, entspricht im System Schule

1. die Motivation zum Erwerb von Bildung ("Bedürfnis, Bedeutung zu erlangen")
2. der Wille zur Kooperation zwischen Lernenden, Lehrenden und Eltern
("Zugewandte Wahrnehmung und ein spontanes Sich-Einlassen", "Wunsch
nach einem kooperativen Zusammenwirken zum Wohle des Kindes")
3. die Fähigkeit von Lehrern und Schülern, im Unterricht eine Beziehung
zu gestalten, die Lehren und Lernen möglich macht
("Konstruktive,
das Lernen fördernde Beziehungen") ...

"Manche mögen darüber staunen: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass zu Hause mit den Eltern
oder einem Elternteil eingenommene Mahlzeiten sich positiv auf den Bildungserfolg von Kindern und
Jugendlichen auswirken. Eines der ältesten menschlichen Rituale ist das Essen in der Gruppe.
Was sich hier abspielt, ist weit mehr als die Abfütterung der beteiligten Personen. Wo man es
sich gemeinsam schmecken lässt, kommen die wichtigsten Eigenschaften ins Spiel, die
den Menschen zum Menschen machen:
Freude an Geselligkeit, Erleben von Zusammenhalt,
Sehen und Gesehenwerden, wechselseitige Anteilnahme, Miteinander-Teilen, - Sprechen.
So gesehen, ist der fördernde Einfluss gemeinsamer Mahlzeiten auf die Entwicklung
Heranwachsender kein Wunder ... Eltern sollten sich darum bemühen, mit ihren Kindern
mindestens einmal täglich gemeinsam zu essen ...
[1]"
Maria Esenberg et al: "Correlations between family meals and psychosocial well-being
among adolescents" Arch Pediatr Adolesc Med. 2004 Aug;158(8):792-6


"Alles schulische Lehren und Lernen ist eingebettet in
ein interaktives und dialogisches Beziehungsgeschehen.

Große Teile des deutschen Schulsystems stecken in einem allseits bekannten
und dennoch beharrlich fortbestehenden Desaster ... Kurz, ein Großteil eines
jeden Jahrgangs nimmt aus der Schule nichts von dem mit, was einen Menschen
fit fürs Leben macht: Selbstvertrauen und Motivation, fachliches Basiswissen
sowie soziale und emotionale Kompetenz ...


Ganztagsschulen
könnten - und müssen - einen Ausweg aus der Schulmisere bieten:
Sie sollten das Zeitvolumen erweitern, das für das Lernpensum der derzeitigen
Halbtagsschulen
zur Verfügung steht. Mit der Ganztagsschule darf in den theoretischen Fächern keine zusätzliche
Ausweitung der Lehrpläne verbunden sein. Vorrangiges Ziel der Ganztagsschule sollte eine massive
Ausweitung der Zeit sein, in der sich Kinder und Jugendliche mit Sport, Musik, Kunst, Tanz, Theater
und mit sozialen Projekten beschäftigen. Zu den wichtigsten Vorteilen der Ganztagsschule aber zählt:
Nachmittagsprogramme, die sich - neben der beaufsichtigten Erledigung von Hausarbeiten -
überwiegend kreativen Fächern widmen, werden den unhaltbaren Zustand beenden, dass Hundert-
tausende von Kindern und Jugendlichen ohne jede Förederung vollständig sich selbst und hoch-
problematischen Angeboten einer immer skrupelloser agierenden Mendienindustrie überlassen
bleiben. Die Ganztagsschule sollte für alle Beteiligten ein Ganztagsarbeitsplatz sein. Das bedeutet:
Außerhalb der Schule sollten dann Schüler keine weiteren Aufgaben für den Unterricht und
Lehrkräfte beruflich höchstens noch Arbeiten in geringem Umfang zu erledigen haben ...

Schulen müssen sich zu einem Lebensraum entwickeln, zu einem für Schüler, Lehrer
und Eltern stimulierenden, kulturell anregenden Ort, zu einem Labor
für Bildung, zu "Treibhäusern der Zukunft"(c) ...


"Die entscheidende Frage hinsichtlich der Entwicklung eines Kindes und seiner Bildungspotentiale lautet nun:
Welches zwischenmenschliche Erleben (Psychologie) führt im Gehirn und im Körper des Kindes
zu einer optimalen Biologie bzw. zu einer optimalen geistigen Entwicklung?
Kinder brauchen persönliche Bindungen zu BEZUGSPERSONEN,
um ihre Motivationssysteme zu entfalten.

Sie brauchen Einfühlung und Unterstützung, um sich frei von Angst der Welt zuzuwenden und lernen zu können.
Kinder und Jugendliche brauchen Bezugspersonen, nicht nur um von ihnen gefordert zu werden und sich an ihnen
als Vorbildern zu orientieren
, sondern auch um von ihnen eine Vision von der eigenen Entwicklung und den eigenen
Potenzialen zurückgespiegelt zu bekommen
. Zwischenmenschliche Beziehungen sind für Kinder eine Art
essenzielles Vitamin, sie sind ebenso wichtig wie gesunde Ernährung und ausreichender Schlaf ...
Deshalb suchen Kinder und Jugendliche in dem Bild, das sich Eltern und Lehrkräfte von ihnen machen, nach einer Auskunft
darüber, was sie werden (könnten), was sie sich zutrauen dürfen, worin ihre Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten
liegen. Dieser SUCHPROZESS läuft im Kind und im Jugendlichen unbewusst ab, und doch ist er, wenn es um Erziehung
und Bildung geht, einer der wichtigsten Vorgänge überhaupt. Mittels der Art, wie wir dem Heranwachsenden durch unser
Reden und Verhalten Auskunft über sich selbst geben, legen wir also einen "Korridor" [Gang] an, der in die Zukunft weist
und in dem sich - bis zu einem gewissen Grad - die Kraft einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung
(d) entfalten kann. [1]


Aus: Joachim Bauer: [1] "Lob der Schule. Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern" Vorwort Seite 7f, 1Schüler verstehn - eine "Neurobiologie der Schule"
Seite 9, 10f, 12f.,14, 16, 22f, 27, 29. 2 Schulen - Orte des Grauens oder "Treibhäuser der Zukunft" (c) Ganztagsschulen als "Treibhäuser derzUkunft" Seite 47ff
3 Lehrer. Das Erfolgsgeheimnis guten Unterrichts: die Beziehung zwischen Lehrer und Klasse. Seite 53f. 5 Eltern. Gemeinsame Mahlzeiten. Seite 1101f.
7 Junge Menschen, die Schule und das Land, in dem wir leben. In welcher Welt wollen wir leben? Oder: Fühlen sich Kinder und Jugendliche willkommen?
Seite 129f, 133, 134, 141-143. HEYNE 3. Auflage 2010 (2007)
(a) Motivation  = "Gesamtheit der Beweggründe" (b) Identifikation: Der durch einen anderen Menschen ausgelöste Vorgang der Selbstveränderung im Sinne
eines Ähnlich-Werdens. (c) "Treibhäuser der Zukunft" ist der Titel einer exzellenten Dokumentation über neue Schulformen von Reinhard Kahl (Drei DVDs,
Belz 3.Auflage Weinheim 2006. (d) Selbsterfüllende Prophezeiung: Das alltägliche Phänomen, dass ein (erwartetes) Verhalten einer anderen Person
(Prophezeiung) durch mein eigenes Verhalten initiert (ausgelöst, erzwungen) werden kann und wird.
[2] "Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone” 8. Umwelten für Jugendliche und die Chancen der Schule.
Die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen. Seite 119 Neurobiologische Erkenntnisse für die Schule. Seite 124f.  2. Die neurobiologische Entdeckung:
Was Speigelneurone leisten. Zusammenfassung Seite 55f 5. Dein Bild in mir, mein Bild in dir: Spiegelung und Identität.
Zusammenfassung Seite 94. HEYNE 18.Auflage 2012 (2005)

"Lehren heißt lernen!"
Chinesisches Sprichwort

"Eine Schülerin aus Winnenden [1] sagte in einem Interview mit der Zeitschrift EMMA:

"Man müsste ab der fünften Klasse eine Art Anti-Gewalt-Fach einführen.
Ein Fach, in dem man lernt, dass es okay ist, wenn jemand anders ist."

Ein Satz, den Morton Rhue in seinem Buch "Ich knall euch ab! [2] ebenfalls aufgreift.

"Vielleicht sollte an der Schule ein Pflichtkurs eingeführt werden, wo den Kindern
beigebracht wird, sich gegenseitig zu respektieren, egal wie verschieden sie sind.
Ich glaube, das würde viel mehr bringen als Geometrie"
,
äußert eine Mutter nach einem fiktiven Amoklauf.

Das geht in die gleiche Richtung wie die Einführung des ... Schulfaches "Glück" [3]
in Heidelberg. Dort lernen die Schüler, anderen mit Empathie und Respekt zu begegnen.
Und die Lehrer fördern positives Sozialverhalten und stärken gleichzeitig den Zusammenhalt.
Ausgrenzung hat keinen Platz mehr, Gewalt als Mittel der Konfliktlösung wird sanktioniert -
aber nicht durch "Strafmaßnahmen", sondern durch die Aufwertung anderer Wege.

Ein Fernsehteam hat eine Klasse des Heidelberger Projekts über einen längeren Zeitraum
begleitet und verblüffende Veränderungen im Umgang der Schüler untereinander festgestellt.
Bei den Jugendlichen selbst hat sich das Bewusstsein eingestellt, dass Schule mehr ist
als eine leitungsbezogene Aufbewahrungsanstalt. Nämlich ein Ort, an dem sie als
Menschen wahrgenommen werden mit all ihren Fähigkeiten und Stärken. Und an
dem sie wegen ihrer vermeintlichen Schwächen nicht länger ausgegrenzt werden.

Eine ganz einfache Methode, die mich in diesem Zusammenhang sehr beeindruckt hat,
ist die "GLÜCKSDUSCHE": Die Schüler bilden einen Kreis, in dessen Mitte jedes Mal
ein anderer Schüler Platz nimmt. Die anderen sagen reihum oder durcheinander, was
ihnen an dem betreffenden Schüler positiv auffällt, was sie an ihm mögen ... Anfangs
taten sich viele schwer, positive Dinge hervorzuheben, dem Schüler in der Mitte war es
beinahe peinlich, mit den ungewohnten Äußerungen umzugehen. Im Laufe der Zeit hat
sich das geändert, und die Gruppe hat gelernt, dass jeder ihrer Mitschüler ein Mensch
ist, den etwas ganz Besonderes auszeichnet, dass jeder etwas Wichtiges zur Gruppe
beisteuern kann. Etwas, das nichts mit schulischen Leistungen zu tun hat,
sondern mit den Eigenschaften jeder einzelnen Person.

Solche spielerischen Situationen können dazu beitragen, die sehr berechtigte Forderung
des Reformpädagogen [Psychologen und Autor] Otto Herz [b.1944] zu erfüllen:
"Wir haben eine Schulkultur der Selektion und Defizitorientierung, die Außenseiter produziert.
Wir brauchen aber eine Schule, die fördert, stärkt und schützt und nicht Niederlagen schafft.
Schule muss sich dahin entwickeln, Kindern auch das Zusammenleben beizubringen.
Intelligenz muss gepaart sein mit der Fähigkeit, füreinander da zu sein."

Junge Menschen, die keine Modelle mehr haben, an denen sie sich orientieren können,
sind einer besonderen Form von Armut ausgesetzt. Sie sind arm, weil sie nur wenig Anteil-
nahme finden, weil sie das Gegenüber, das sich für sie interessiert, immer seltener erleben.
Sie werden einige Zeit versuchen, diesen Mangel in ihrem Leben mit Freunden oder Gleich-
gesinnten auszugleichen. Wenn sie niemanden finden, der ihnen ein interessierter Partner
sein kann, werden sie sich zurückziehen. Sie [Die Schüler/Kinder] werden uns entgleiten
in eine andere, oft virtuelle Welt."

Aus: Gisela Mayer (b.1957, Lehrerin für Ethik): "Die Kälte darf nicht siegen!“ – Was Menschlichkeit
gegen Gewalt bewirken kann" Unser Bildungssystem auf dem Prüfstand. Die ideale Schule
S.165ff, Ullstein 2010. ZITATE: "Die würdes des Menschen" Virginia Satir: Ich bin einmalig >>>
[1] Amoklauf/"School-Shooting" in der Albertville Realschule in Winnenden,
in der Nähe von Stuttgart/Baden-Württemberg, am 11.III.2009
[2] Morton Rhue (b.1950, US-amerk. Autor): „Ich knall euch ab!“ (Give a Boy a Gun 2000)
Ravensburger Buchverlag 2002
[3] www.fritz-schubert-institut.de/home/schulfach-gl%C3%BCck/



„Denkt man bei der Bildung und Erziehung
nur an die Knaben, dann macht man eben
nur eine halbe Arbeit.“


Joseph Adolf Trientl
"„Mistapostel“"
(geb. 26. August 1817 in Oetz, Tirol, gestorben,
am 6. März 1897 in Umhausen, Tirol)
Lehrer, Seelsorger und Naturwissenschaftler
"Sohn des Landarztes Franz Trientl und der Maria geb. Kluibenschädl in Ötz,
hochverdient als landwirtschaftlicher Wanderlehrer Tirols."
(Quelle: Dr. iur., Dr. rer. pol., Dr. med. Franz Grass: "Pfarrhöfe als Gaststätten in Tirol",
Innsbrucker Nachrichten 1947, Nr. 53)
"Er war Priester und der erste Landwirtschaftsberater Tirols, vermutlich des gesamten Alpenraumes.
Zu den Schwerpunkten seiner land- und forstwirtschaftlichen Beraterarbeit zählen die Düngerwirtschaft,
der Pflanzenbau, die Almwirtschaft, die Tierzucht und vor allem auch die Forstwirtschaft. Viermal unternahm
er ausgedehnte Reisen durch Tirol; über drei Reisen verfasste er umfangreiche Berichte. Er veröffentlichte
zahlreiche Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern und war ein scharfsinniger Beobachter des Zeitgeschehens.
Seine geistlichen Mitbrüder, denen er zu liberal gewesen sein dürfte, gaben ihm den Übernamen „Mistapostel.“
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Trientl, www.biographien.ac.at/oebl_14/463.pdf

Kinder brauchen ein gesünderes Lebensumfeld

"Eine gesunde Kindheit bedeutet weit mehr als ausreichend viele Untersuchungen,
Therapien und Impfungen im Kindesalter. Reihenuntersuchungen, die nach Schwachpunkten
suchen, können eine gesunde seelische Entwicklung nicht fördern.

Wie soll sich ein junger Erwachsener stark und dem Leben gewachsen fühlen,
wenn seine Integrität als Seele-Körper-Einheit bis dahin bereits unzählige Male
medizinisch-psychologisch in Frage gestellt wurde?

Denn unzählige Male haben Ärzte, die den jungen Menschen bis dahin untersucht haben,
Diagnosen gestellt und Therapien für notwendig erachtet. Jeder ihrer Nadelstiche in den Körper
war auch ein Stich in die Seele, jede Aufdeckung einer Abweichung von der Norm hat auch
das Gleichgewicht der Seele gestört und beeinflusst. Den Rest an Verunsicherung haben ein
reformbedürftiges Bildungswesen, Psychologen, Pädagogen und andere institutionalisierte
Lebensbegleiter besorgt.

Der Tenor unserer Tage lautet:
Für jedes menschliche Problem gibt es eine medizinische Lösung.
Unzweifelhaft ist es der Medizin gelungen, die Säuglingssterblichkeit dramatisch zu senken. Zugleich
aber löst sich dieser vermeintliche medizinische Gewinn in Form psychischer Verunsicherung und
Krankheit wieder auf. Dadurch wird das Gesundheitssystem erneut massiv finanziell belastet und die
Kosten-Nutzen-Spirale schraubt sich in immer neue Höhen. Wie auch die ganze Erwachsenenwelt
unterschätzt die moderne Medizin ihre Bedeutung für und ihren Einfluss auf die psychische Entwicklung
der ihr anvertrauten Kinder, und vergisst, dass auch bei Kindern Körper und Seele nicht voneinander
getrennt betrachtet werden können.

Wenn man ein gut funktionierendes Immunsystem als gemeinsamen Nenner einer gesunden
Körper- Seele-Einheit verstehen kann, dann muss den psychischen Faktoren der kindlichen
Entwicklung wieder mehr Augenmerk geschenkt werden.

Denn der Glaube an sich selbst kann auch im Bereich der Gesundheit Berge versetzen.
Das Immunsystem als Grenzorgan zur Außenwelt entfaltet seine Wirksamkeit nur dann optimal,
wenn auch im Bereich der psychischen Entwicklung gesunde Abgrenzungen stattgefunden haben.

Die feinfühlige Beobachtung seelischer Entwicklung und das rechtzeitige Erkennen psychischer Verletzungen
ist Teil der ärztlichen Gesamtverantwortung. Auch auf diese Aufgabe sollten junge Ärzte vorbereitet werden...

Und dabei kommt man um die Auseinandersetzung mit sozialen Strukturen, insbesondere der so genannten
"intakten Familie", nicht herum. Die besten, akademisch ausgebildeten Kleinst- und Kleinkinderpädagoginnen,
Tages- und Nachtmütter und Ganztagslehrerinnen können den Ort der Familie nicht ersetzen. Nirgendwo kann
der Umgang mit Freiheit und Grenzen, Konflikten, Freude und Leid, Begehren und Verantwortung, Verzicht,
Hoffnung und Enttäuschung besser erfahren und erlernt werden als dort.

Eine adrette, gepflegte 32-jährige Frau betritt scheinbar selbstsicher die Ordination ihres langjährigen Hausarztes.
Auch beim Betreten des Sprechzimmers zaubert sie noch ein unverbindliches Lächeln auf ihre Lippen. Der Arzt begrüßt
sie und bietet ihr einen Sessel an. Doch während sie Platz nimmt, fällt alle Sicherheit von ihr ab und in sich zusammen.
Zusammengekrümmt und hingesunken beginnt sie hemmungslos zu weinen. Der Arzt reicht ihr ein Taschentuch.
Es dauert eine Weile, bis sie zu sprechen beginnt. Völlig erschöpft sei sie, überlastet, mit den Kindern und überfordert.
Immer wieder werde sie ohne erkennbaren Anlass von Weinkrämpfen gebeutelt, und besonders peinlich sei ihr das in der
Arbeit. Keine Geduld für die Kinder habe sie dann am Abend, wenn sie sie von der Tagesmutter abgeholt habe. Und, so
vertraut sie sich ihrem Hausarzt an, an Selbstmord habe sie auch schon gedacht. In der Arbeit werde sie obendrein noch
gemobbt, weil sie als Einzige im Büro immer schauen müsse, dass sie die Kinder noch rechtzeitig abholen könne, und sonst
fast alle länger arbeiten würden. Ihre Sätze sind immer wieder von heftigem Schluchzen unterbrochen. Sie verbraucht ein
Taschentuch nach dem anderen. Sie brauche Ruhe und Zeit für sich selbst, dringend, sonst wolle sie wirklich lieber sterben.
Dann schweigt sie und heult weiter. Vorsichtig fragt der Arzt, warum sie sich denn das alles antue, den Job neben der Familie
und all die anderen Ansprüche an sich selbst.
"Weil ich meinen Kindern ein Vorbild sein möchte", antwortet die junge Frau
ohne zu zögern. Da nimmt der Arzt ganz langsam einen kleinen Handspiegel aus der Lade seines Schreibtisches, überlegt
noch einmal, und entscheidet sich dann, der Frau den Spiegel über die Tischplatte zu schieben. Mit einfühlsamer und
weicher Stimme sagt er:
"Schauen Sie einmal in den Spiegel, was für ein Vorbild Sie im Augenblick sind." Erleichtert
nimmt er ihre Reaktion wahr. Die Patientin beginnt zu lachen.
"Ja, sie haben ja recht, ich schau fürchterlich aus."
Am Ende der Konsultation hat die Patientin beschlossen, sofort zu kündigen und das nächste halbe Jahr
einmal nur bei ihren Kindern zu bleiben. dann werde man ja weitersehen.

Wenn es der Gesellschaft gelänge, von den 11% des BIP [2010: 31,4 Milliarden Euro], welche für das Gesundheitssystem
ausgegeben werden, 1 bis 2% einzusparen, könnte man mit der ersparten Summe [3,1 bis 6,2 Milliarden Euro] einiges
bewegen. Junge Familien könnten finanziell gefördert werden. Mütter könnten ohne finanzielle Einbußen die wichtigsten
Jahre ihrer Kinder bis zum Schuleintritt das Muttersein als Beruf ausüben, für den sie ein Gehalt mitsamt Pensionsanspruch
ausbezahlt bekommen. Freiwilligkeit müsste dabei natürlich oberstes Gebot sein. Aber die Wahlmöglichkeit sollte es geben.

Dazu bedürfte es natürlich auch eines kulturellen Umdenkens. Der Satz "Ich bin nur Hausfrau und Mutter" müsste ersatzlos
aus unserem Sprachgebrauch gestrichen werden. Denn Mutter zu sein ist ein bisweilen harter (aber lohnender) 24-Stunden-Job
mit hohem Nutzen für die Gesellschaft. Anerkannte, auch außerhalb des Muttertages geschätzte Mütter könnten von einer solchen
Entwicklung einerseits selbst profitieren und andererseits die Grundlage für eine gesunde Kindheit unseres Nachwuchses schaffen.
Angenommene und geliebte Kinder mit höherem Selbstwertgefühl werden später weniger leicht "ausbrennen", leistungsfähiger sein
und seltener krank werden und dadurch dem Gesundheitssystem Kosten ersparen. Im günstigsten Fall mehr als die ursprünglich
eingesparten 1 bis 2% des BIP. Und die Zahl der von der Doppelbelastung von Beruf und Familie völlig erschöpften,
wegen Burnout und Depression mit Tabletten behandelten Patientinnen könnte dramatisch reduziert werden.

Aus: Dr. med. Günther Loewit (b.1958, österreichischer Arzt). Buch: „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Kapitel: Drei Forderungen an eine ethische Medizin.
2. Kinder brauchen ein gesünderes Lebensumfeld. Seite 268 - 272. HAYMON 2.Auflkage 2013 www.guenther-loewit.at/ [meine Ergänzung]
Siehe LEISTUNGEN: Palliativmedizin: 1, Menschen müssen sterben dürfen" und
INFOS: Statistik Glossar & Allerlei >>>
3.Medizinische Versorgung muss neu verstanden werden.

"Die Schule soll stets danach trachten,
dass der junge Mensch sie
als harmonische Persönlichkeit
verlasse,
nicht als Spezialist."


Albert Einstein
(1879-1955)

Physiker
1922 Nobelpreis für Physik




"Kam das Gespräch auf Schule, sprudelte Petra Sperfeld stets los, erzählten Cem, Ceyda und Kevin.
Die dankbar sind, wenn ihnen jemand fünf Minuten zuhört, weil es zu Hause niemand tut. Und gern zu Schule kommen,
weil das der einzige Ort ist, wo es etwas anderes gibt als Playstation oder Fernsehen ... Nadelstreifanzug, rosa Hemd,
Krawattennadel, die Haare akkurat mit Gel frisiert: Schulrat Peter Schneiderhan erinnert an einen Manager der Betriebe
saniert. So ähnlich versteht er seine Arbeit ... Vier Lehrer versagten in den Augen der Inspektoren.
"Minderleister" nennt man sie im Essener Schulamt ... Und Frau Sperfeld?
"Tragisch, dass die Frau sich alles so zu Herzen genommen hat", sagt Schneiderhan.
Lehrer brauchen eben ein dickes Fell ... "Ich habe mir nichts vorzuwerfen,
weder fachlich noch menschlich", sagt Schneiderhan."

Ende einer Dienstzeit" Martin Spiewak in DIE ZEIT Nr. 7, 8. Februar 2007

Und nur wir bestimmen, wer minderwertig ist oder nicht ...

An dieser Stelle lohnt es sich, nach Finnland zu schauen.
Der Leitgedanke der finnischen Gemeinschaftsschulreform 1970 lautet:
Ein Schüler kann nur gut lernen, wenn er sich wohl fühlt.

Aber nicht erst mit dieser Schulreform wurde die Sorge um das Wohlbefinden
von Kindern in Finnland zum Thema gemacht. Sie hat dort eine lange Tradition.
Schulgesundheitspflege wurde ab 1904 realisiert, 1914 wurde körperliche Züchtigung verboten,
und tägliche warme Schulmahlzeiten gab es seit 1948.

Schule wurde und wird von vielen Finnen vor dem Hintergrund ihrer Geschichte - erst Zugehörigkeit zu Schweden,
dann bis 1917 zu Russland - als Kristallisationspunkt nationaler Identität verstanden. auch von daher genießen Schule
und Lehrerberuf ein hohes Ansehen. Auf 1300 jährlich zur Verfügung stehende Studienplätze für Grundschullehrer
gibt es 8000 Bewerbungen. (Die Besoldung liegt mit 2200 Euro monatlich deutlich unter der in der Bundesrepublik.)
Bei dem Auswahlverfahren zählen insbesondere die Personengebundenen Eigenschaften wie
Intersubjektivität
und Fähigkeit zur
wertschätzenden Wahrnehmung. Dem schöpferischen Gestalten, dem Singen und Musizieren
ohne Leistungsdruck kommt eine große Bedeutung zu. Schulnoten gibt es in den ersten sieben Schuljahren nicht.

Das Geheimnis des "finnischen Erfolges" besteht darin, dass dieser durch einen Lernbegriff fundiert ist,
der auch Emotionen und somit Beziehungen als einen "Türöffner" für Lernprozesse integriert.
(Tuula Koskus-Gärtner, Sven Masurat: Projekt "Wohlbefinden in der Schule", Hauptschule Dolrum im Landkreis Cuxhaven 2000
www.dianoia.de/dorum/WP/wp-content/uploads/2008/03/wohlfuhlwoche.pdf)

Intersubjektivität im Sinne einer wechselseitigen wohlwollenden Wahrnehmung in der Schule ...

Gerade für Kinder aus Elternhäusern mit problematischen Bindungsstilen in Form von Vernachlässigung oder
Übergriffigkeit könnte die Begegnung mit feinfühligen Lehrerinnen oder Lehrern eine korrigierende Erfahrung
ermöglichen. Über diese könnte sich dann auch Eigenmotivierte Lernlust entfalten:

Wenn mir in einer Beziehung ein sicherer Ort ermöglicht wird, an dem ich mich gut aufgehoben
und getröstet weiß, kann ich mich auch aus eigenem Antrieb heraus in unbekanntes Terrain wagen,
mich auf eine Expedition in einen unbekannten Kontinent einlassen
.

Idealtypisch läuft dies von frühester Kindheit an in einer Aufgabenteilung zwischen Mutter und Vater ab.
Die Mutter gewährleistet die emotionale Sicherheit und den Trost in kritischen Augenblicken, ohne das Kind dabei
zu vereinnahmen, der Vater bedient das Bedürfnis "nach spielerisch-explorierendem Erkunden sowie
nach angemessener und prompter Rückmeldung"
(K. E. Grossmann & K. Grossmann 2007, S.20)

Lehrerinnen und Lehrer können insbesondere in den schöpferischen Fächern, aber auch mit gewissen Einschränkungen
in den "Paukfächern", diese mütterliche und väterliche Bindungsfunktion mit übernehmen. am meisten profitieren davon
die Kinder, die in ihrem bisherigem Entwicklungsverlauf nur wenige Augenblicke gemeinsamer Aufmerksamkeit zusammen
mit ihren Eltern erlebt oder vorwiegend nötigende Einmischung erlitten haben.
(K. E. Grossmann & K. Grossmann 2007, S.24)

Die Schülerinnen und Schüler von Petra Sperfeld, dies verdeutlicht der ZEIT-Bericht, haben bei ihrer Lehrerin
wohl genau diese annehmende und ermutigende Bindung erfahren. Es waren für die Augenblicke der Begegnung,
die unter Druck der Schulinspektoren unter die Räder gerieten."

Eckhard Schiffer (b.1944, Arzt, Philosoph, Psychotherapeut)
„Warum Tausendfüßler keine Vorschriften brauchen: Intuition. Wege aus einer normierten Lebenswelt“
Kapitel XI: Wirkungen und Nebenwirkungen von Vorschriften, Tests und Kontrollen - zum Tode einer Lehrerin.
Auszugsweise aus Seite 120-125. BELTZ 2008


"Wo kein Urteil ist,
da ist kein Schmerz"

Marc Aurel
(121 - 180 n.u.Z.)
Römischer Kaiser
(161-180n.u.Z)
Philosoph



Der Anschlag auf das Urvertrauen
"Ob jemand schnell besorgt ist und sich einschüchtern lässt, ist genetisch festgelegt.
Die
Neigung zum Dünnhäuter ist also angeboren. Aber das heißt nicht, dass wir dem unser ganzes Leben
lang ausgeliefert sind. Wenn Kinder mit einer solchen Veranlagung in einer Umgebung aufwachsen, die ihnen
Zuversicht vermittelt und Mut zuspricht, und zwar genau dann, wenn sie es brauchen, dann legt sich quasi um die
genetischen Strukturen, die überschnell mit Stress reagieren, eine Art Schutzmantel. Zumindest ist dies in Tierversuchen
so erforscht worden. Dieser Schutzmantel ist so etwas wie die
Materialisierung von Urvertrauen.

Also genau dann, wenn das Kind den
Selbstzugang [den Zugang zu den körperlichen und emotionalen Signalen unseres Selbst]
öffnet, indem es emotional reagiert, mit Ängstlichkeit und Tränen, ist es wichtig, dass es auf Personen trifft, die es ebenfalls mit
geöffnetem Selbstzugang, also glaubwürdig und authentisch, in den Arm nehmen und trösten:
"Mach Dir keine Sorgen, es ist doch gar nicht schlimm, ich stehe hinter Dir."

Diese Kindheitserfahrungen werden ebenfalls im Erfahrungsgedächtnis [Extensionsgedächtnis n. Julius Kuhl] abgespeichert
und stehen dem Kind später als Erwachsenem als unterstützende Ressource zur Verfügung. Wenn diese Person später
unter Druck gerät, kann sie diese unterstützenden Gefühle abrufen, man nennt dies die Fähigkeit zur Selbstberuhigung.

Selbstberuhigung wirkt entspannend auf unser vegetatives Nervensystem und damit positiv auf die Gesundheit. ...
Der Ruhenerv kommt endlich wieder in Fahrt, und es entsteht ein Zustand, in dem auch Eigenheilungsprozesse
unterstützt werden [1]. Leider ist auch das Gegenteil möglich.

Wenn Kindern ständig vermittelt wird, dass sie sich Sorgen machen müssen, weil sie in einem ungesunden Körper stecken,
ihr Appetit ihr Feind ist, sie minderwertig sind, weil sie vieles falsch machen, dann werden sie Verknüpfungen im Gehirn
[neuronale Netzwerke] anlegen, die die Neigung zu Ängsten sogar noch verstärken.


Sind diese Kinder dünnhäutig, werden sie als Erwachsene besonders große Probleme haben,
sich nicht von Angstkampagnen anstecken zu lassen.

Falls reale Gefahren vorliegen, müssen wir natürlich in der Lage sein, unser Angstsystem zu aktivieren, um mit gezieltem
Blick Gefahren rechtzeitig erkennen zu können. Aber eben nur dann, wenn die Gefahr real und schwerwiegend ist.
Das müssen auch Kinder lernen.

Aber dort, wo die Gefahren hochspekulativ und rein virtuell sind, besteht die Gefahr,
dass dadurch unsere Fähigkeit zur Selbstberuhigung beschädigt wird.

Und genau das bewirken die allermeisten Gesundheitsprogramme. Fast alles, was heute auf diesem Gebiet
von Krankenkassen, Politik, Stiftungen, Medizin auf Kinder losgelassen wird, ist ein unverantwortlicher Anschlag
auf die seelische Gesundheit unserer Kinder, mit denen sie noch als Erwachsene zu kämpfen haben werden.

Die Argumentation, man wolle ja schützen und vermittle solche Inhalte spielerisch und positiv im Kindergarten, greift nicht.
Es ist gut erforscht, dass solche Vermeidungsziele genau die Verknüpfungen im Gehirn [neuronale Netzwerke] aufbauen,
die sie eigentlich vermeiden wollen. Nehmen sie sich zum Beispiel fest vor, sich bei einer Rede nicht zu versprechen,
erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passiert. Oder: Denken Sie jetzt einmal bitte
nicht an einen weißen Elefanten. Natürlich tun Sie es.

Wenn man Ihnen zum Beispiel empfiehlt, Sport zu machen, um Herzinfarkt und Krebs zu vermeiden, dann werden
die Ängste vor Herzinfarkt und Krebs in unserem Gehirn mit Sport verknüpft, und die Lust, Sport zu treiben, sinkt.

Und so ist das, was bei Kindern aus all den Ernährungs-, Gewichts- und Bewegungsschulungen hängen bleibt,
Folgendes: Essen ist eine Gefahr, Übergewicht ist asozial, sitzen statt joggen macht krank.

Wen wundert es eigentlich noch, dass die Rate an selbst durchgeführten Diäten
und Essstörungen im Kindesalter ständig steigt?

Es gibt sogar Krankheitsbilder wie Orthorexia nervosa [n. Steven Bratman MD, 1997], bei der Jugendliche Angst vor
ganz normalem Essen entwickeln. Eine Folge der von Krankenkassen finanzierten Ernährungsprogramme, von der
dann junge Menschen wieder per Therapie befreit werden müssen. Selbstverständlich ebenfalls auf Krankenkassenkosten.

Gesundheitsbewusstsein heißt heute, sich der ständigen (virtuellen) Gefahren bewusst zu sein, und führt damit zum
Gegenteil dessen, was "gesund sein" eigentlich bedeutet. Der Philosoph Hans-Georg Gadamer (1900-2002) [2]
beschreibt Gesundheit folgendermaßen: "Gesundheit ist ein Zustand des Selbstvergessenen,
um sich kraftvoll dem Leben zuzuwenden."

Unser heutiger Umgang mit Gesundheit führt jedoch zu einem ängstlichen Rückzug aus dem Leben,
denn wir müssen uns ständig um unsere Gesundheit sorgen.
Deshalb gibt es immer mehr Patienten, die unter Modekrankheiten leiden wie Candidapilze, Nahrungsmittel-
unverträglichkeiten, Burn-out, hinter denen sich meistens eine tiefe Verunsicherung verbirgt.

Sie brauchen keinen Gesundheits- und Wellnessstress, sie brauchen Ruhe, Selbstzugang
und Selbstberuhigung, um endlich herauszufinden, was für Sie gut ist.
"

Aus:
Dr. med. Gunter Frank: „Schlechte Medizin: Ein Wutbuch“ Teil III: Die gesellschaftlichen Auswirkungen schlechter Medizin. Kapitel: Das Geschäft mit der Angst:
Wie schlechte Medizin uns seelisch krank und manipulierbar macht. Der Anschlag auf das Urvertrauen. [S.196, S.189], Seite 199 -201. KNAUS 5.Auflage 2012
[1 ] Gunter Frank, Maja Storch (b.1958, Schweizer Psychologin): „Die Manana [Zukunfts-]-Kompetenz: Auch Powermenschen brauchen Pause“ PIPER 2011
[2] Hans Georg Gadamer: „Über die Verborgenheit der Gesundheit“ SUHRKAMP 1993. [meine Ergänzungen]



"Das Kind vergisst nur scheinbar das, was man ihm angetan hat,
denn in seinem Unbewussten hat es ein fotografisches Gedächtnis,
das nachweisbar unter bestimmten Umständen reaktiviert werden kann.
Wenn diese Umstände aber nicht vorhanden sind, wenn jede Erinnerung fehlt
und die Kindheit stark idealisiert bleibt, wird der spätere Erwachsene
häufig in Gefahr sein, andere Menschen oder sich selbst in einer
ähnlichen Weise zu quälen, wie er einst gequält wurde, ohne sich
allerdings an die Vergangenheit erinnern zu können."

Alice Miller
(1923-2010)
Sie studierte in Basel Philosophie, Psychologie und Soziologie. www.alice-miller.com/
Nach der Promotion machte sie in Zürich ihre Ausbildung zur Psychoanalytikerin und übte 20 Jahre lang diesen Beruf aus.
1980 gab sie ihre Praxis und Lehrtätigkeit auf, um zu schreiben. Seitdem veröffentlichte sie 13 Bücher, in denen sie die breite Öffentlichkeit
mit den Ergebnissen ihrer Kindheitsforschungen bekannt machte. Sie verstand ihre Suche nach der Realität der Kindheit
als einen scharfen Gegensatz zur Psychoanalyse, die in der alten Tradition das Kind beschuldigt und die Eltern schont.


Buch: "Du sollst nicht merken -Variationen über das Paradies-Thema" Suhrkamp 1. Aufl. 1981, letzte Aufl. 1998
"Du sollst nicht merken" - nämlich: was dir in deiner Kindheit angetan wurde und was du in Wahrheit selbst tust - ist ein
niemals ausgesprochenes, aber sehr früh verinnerlichtes Gebot, dessen Wirksamkeit im Unbewussten des einzelnen
und der Gesellschaft Alice Miller zu beschreiben versucht.




"Bis hierher darfst du abweichen, jede weitere Abweichung
von der Norm wird pharmakologisch bestraft."


"Denn auch die in der Behandlung des ADHS eingesetzten Substanzen sind nicht imstande,
LIEBE und ZUWENDUNG zu ersetzen. Die
Normierungen und Standardisierungen unserer Zeit
machen auch vor Kindern und Jugendlichen nicht halt. Wer herausragt oder aus dem Rahmen fällt,
ist krank. Wer mehr Zuwendung benötigt als vorgesehen, ist krank. wer in einem Unterrichtsfach nicht
so gut ist, wie andere Kinder es im Durchschnitt sind, ist krank. wer mit seinem Benehmen die Ruhe
einer überalterten Gesellschaft stört, ist krank. Zugespitzt könnte formuliert werden:

Wer nicht einem imaginären Durchschnitt entspricht, ist krank.

Dabei bleiben die Beurteilungskriterien stets hierarchisch strukturiert. Vorgesetzt beurteilen Bedienstete,
Lehrer ihre Schüler und Eltern die Kinder. Vielleicht würden in einer Kinderwelt die Eltern behandelt werden.
(Kinder sind fast immer gegen die Trennung ihrer Eltern, Kinder würden Scheidungen verbieten!)

Warum sollten ADHS-Kinder nicht sich selbst als unauffällig beurteilen
und die Therapie ihren Lehrern zukommen lassen?


Warum sollten Jugendliche nicht gegen übermäßige Ordnung revoltieren?

Das war ja auch einmal Inhalt der Pubertät. Aber Unruhe, Auflehnung und die Suche nach Grenzen
sind von der Gesundheitsindustrie als krankhaft erkannt worden und müssen medikamentös behandelt werden.
Dabei könnten gerade die überaktiven Kinder und Jugendlichen das Salz in der gesellschaftlichen Suppe sein.

Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Schweregrade des Erkrankungsbildes [ADHS].
Und natürlich ist es manchmal ein Segen, dass beruhigende Medikamente für besonders schwere Fälle
zur Verfügung stehen. Generell muss man aber feststellen, dass in den meisten Fällen die Diagnose ADHS
den betroffenen Kindern nicht wirklich weiterhilft. Ihr Ruf nach Zuwendung, Grenzen und Konsequenz
bleibt unerhört.
Unerkannt ...

Nach der Einnahme entsprechend aufputschender [Amphetaminabkömmlinge: Methylphenitat] und/oder
beruhigender Tabletten [atypischer Neuroleptika] wird auch ein unangepasstes Kind ruhig und angenehm.
Nicht mehr auffällig. Nicht mehr fordernd. Nicht mehr überfordernd. Nicht für Lehrer, nicht für Eltern.
Alle können sich wieder dem eigenen, kaum bewältigbaren Leben widmen.
So praktisch kann eine gesellschaftlich anerkannte Krankheit sein.

Von den negativen Auswirkungen der medikamentösen Therapie menschlichen Versagens wird dabei nicht geredet:
Die bei Konzentrationsstörungen eingesetzten Medikamente wie Methylphenidat [Ritalin, Concerta] stammen aus der
Gruppe der Amphetamine und unterliegen damit dem Betäubungsmittelgesetz (in der Drogenszene werden Amphetamine
als "Speed" angewendet). Aber auch Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva [Imipramin] kommen zum Einsatz.

Die Liste der Nebenwirkungen der am häufigsten bei ADHS eingesetzten Medikamente umfasst
Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Blutdruckanstieg, Herzrhythmusstörungen und Appetitlosigkeit,
um nur einige zu nennen. Und das schon für unsere Kinder.
Eine mögliche
Suchtinduktion von derart behandelten ADHS-Patienten liegt im Bereich des Denkbaren.
Doch die Pharmaindustrie schweigt.

Wie viel Medizin kann Kindern zugemutet werden?
Wie viel Beschäftigung mit dem Nachwuchs, wie viel Geschichtenerzählen, wie viel Vorlesen,
wie viel Basteln und wie viel Familie kann durch Medikamente ersetzt werden?
...

Aber allzu oft steht die Verwirklichung der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Pläne an erster Stelle,
vor der Verantwortung für die eigenen Kinder. Es ist wesentlich einfacher, den Nachwuchs, vor dem
Fernsehapparat alleinegelassen, ruhigzustellen und im Notfall medikamentös wieder
zu normalisieren, zu normieren."

Aus: Dr. med. Günther Loewit (b.1958, österreichischer Arzt). Buch: „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“
Kapitel: Neue Zeiten, neue Krankheiten? Normierte Kinder. Seite 116 - 118 . HAYMON 2.Auflkage 2013
www.guenther-loewit.at/ [meine Ergänzung]


Kinder: Objekte der Gefühle pdf >>>
Prof.DDr. Reimer Gronemeyer



"Gewaltfreie Kommunikation - GFK

Mit Hilfe von 4 Fragen lernen
1 Was tue ich, dass Du Dein Leben nicht als uneingeschränkt wundervoll erlebst?
(Würdest Du mir eine Sache sagen, die ich als Dein Partner, Partnerin, Freundin o. Freund tue
und die nicht dazu beiträgt, dass Dein Leben so vollkommen wie nur möglich verläuft?)

2 Wie fühlst Du Dich, wenn ich tue, was ich tue?

3 Welche Deiner Bedürfnisse werden durch mein Handeln nicht zufrieden gestellt?

4 Was kann ich tun, um Dein Leben zu bereichern?

GFK ist eine Gelegenheit zu "geben" und keine Forderung oder ein Befehl.
In der Sprache der Gewaltfreien Kommunikation gibt es keine Kritik und keinen Zwang.
Wenn wir anderen erzählen, was wir wollen, dann machen wir das auf eine Art,
die ihnen übermittelt:

"Bitte, mache es nur, wenn Du es aus freiem Willen tun kannst.
Bitte, tue niemals etwas für mich, was auf Deine Kosten geht.
Tue niemals etwas für mich, wenn hinter Deinen Motiven
das kleinste Quäntchen Angst, Schuld, Scham, Groll
oder Resignation verborgen ist.
Andernfalls werden wir beide leiden.
Bitte erfülle meine Bitte nur, wenn es von Herzen kommt
und es ein Geschenk an Dich selbst ist, mir zu geben."


Nur dann, wenn niemand sich so fühlt, als würde er oder sie etwas verlieren,
sich aufgeben oder nachgeben, dann haben beide Seiten
einen Gewinn aus der Situation.

Wenn die andere Person aber eine verurteilende [Nicht-GFK] Sprache spricht,
dann müssen wir die GFK-Ohren aufsetzen. GFK-Ohren arbeiten, wie eine
Übersetzungsmaschine: Ganz egal, was für eine Sprache die andere Person spricht:
Wenn wir diese Ohren tragen, dann ist alles,
was wir von der anderen Person hören können,
Gewaltfreie Kommunikation.

Wenn die andere Person zum Beispiel sagt:
"Das Problem mit Dir ist, dass Du ...",
dann höre ich mit diesen Ohren:
"Was ich gerne möchte ist ..."

Ich höre keine Urteile, keine Kritik und keinen Angriff.

Wenn ich diese Ohren aufsetze, realisiere ich, dass jede Kritik der dürftige
und erbärmliche Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses ist.
Es ist erbärmlich, weil es üblicherweise nicht dazu führt,
dass die Menschen das bekommen, was sie brauchen.

Stattdessen verursachen solche Aussagen Spannungen und Probleme.

Mit der GFK überwinden wir all das. Wir hören niemals eine Kritik,
sondern nur unerfüllte Bedürfnisse."


... BEOBACHTUNGEN GEFÜHLE BEDÜRFNISSE BITTEN BEOBACHTUNGEN GEFÜHLE BEDÜRFNISSE BITTEN ...

Marshall B. Rosenberg (b.1934, US Klinischer Psycholge)
„Wie ich dich lieben kann, wenn ich mich selbst liebe: Ein praktischer Ratgeber zu einer neuen Art von Beziehungen“
(„Being Me, Loving You“ Puddle Dance Press 2005) auszugsweise aus: Seite 12-16. JUNFERMANN 2.Auflage 2010 (2006)

www.gewaltfrei.at
www.gewaltfrei.de
www.nonviolentcommunication.com


Siehe: Friedemann Schulz von Thun / Mein Inneres Team >>>



"Im Hinblick auf die Wahrnehmung von Konflikten - "Anatomie von Konflikten" - gibt es
ein paar Grundregeln, derer man sich - vor allem auch bezüglich
der eigenen Wahrnehmungsverzerrungen -
unbedingt bewusst sein sollte:


1. Jede der Parteien und auch jeder nicht betroffene Zeuge und jeder "Einmischer" hat
eine eigene Auffassung davon, welches der Teilprobleme das wichtigste ist
und welches zuerst gelöst werden muss.


2. Jede der Parteien hat eine eigene Interpretation des bisherigen Hergangs. Jede sieht den Anfang
an einer anderen Stelle und sucht die Ursache in einem anderen Anlass.

3. Jede der Parteien hat eigene Vorstellungen von der "Gerechtigkeit" oder Berechtigung der Ziele,
Absichten, entscheidungen und Handlungen.


4. Jede Partei hat das Bestreben, selbst am Konflikt unschuldig zu sein oder zu erscheinen und deutet deshalb
auch notfalls eigenes Verhalten um oder entwickelt schonende "Erinnerungslücken".


5. Jede Partei hat das Bestreben, der Gegenpartei die Schuld an dem Konflikt, eine irrige Vorstellung oder zumindest
Dummheit in die Schuhe zu schieben. Entsprechend werden aktuelle und frühere Verhaltensweisen der Gegenseite
interpretiert, immer wieder in Erinnerung gebracht oder auch ignoriert. Wichtig ist, dass die Dinge so wahrgenommen
werden, dass sie die eigene Theorie über die vermuteten Ziele und Taktiken der anderen Seite bestätigen.
Jede Partei denkt sich über die Gegenseite: "Das machen die doch nur, weil ..."


6. Jede Partei hat ihre eigene "Wenn-dann-Theorie". Diese Theorie ist ein Gedankenmodell, wozu man selbst
eventuell bereit wäre, wenn zunächst die Gegenseite bestimmte Bedingungen erfüllt.
"Die müssen erst mal ... Dann werde ich ..."


7. Jede Partei sieht für sich unterschiedliche Risiken eines zu frühen Nachgebens. Man befürchtet, der andere
könnte das ausnutzen, Unbeteiligte könnten das als Schwäche auslegen, man könnte "das Gesicht verlieren".


8. Jede Partei möchte von Dritten die Bestätigung, recht zu haben und richtig zu handeln. Man sucht Parteigänger,
von denen man weiß, dass sie die gleiche Meinung vertreten wie man selbst. Man versucht möglichst viele andere
davon zu überzeugen, dass man selbst im Recht ist. Man beschönigt den eigenen Standpunkt und stellt Fehler
und Irrtümer der Gegenseite besonders krass heraus.


9. Jede Partei weiß, dass die Gegenseite ebenfalls versucht, unbeteiligte Dritte zu beeinflussen. Das erkennt jede Seite
glasklar als miese Manipulation. Jede Partei erkennt, dass die "Dummen" sich von der Gegenseite und die "Vernünftigen"
von den eigenen Argumenten überzeugen lasen.


10. Jede Partei erkennt die Weisheit des Richters oder Schlichters an, der den eigenen Standpunkt stärkt.

Es ist immer wieder die Aufgabe einer Führungskraft, schlichtend bei Konflikten unter Mitarbeitern einzugreifen.
Häufig wird dann der Fehler gemacht, nach den Anfängen zu forschen. Wer hat wem was zuerst angetan?
Man will der Wahrheit auf den Grund kommen und so gerecht sein, sich die Sache von beiden Seiten
schildern zu lassen. Nicht selten weiß man dann am Ende gar nicht mehr, worum es eigentlich geht.


Für eine Führungskraft - anders als für einen Strafrichter - ist es fast immer unprofitabel, sich in die Historie
eines Konflikts zu versenken. Der Strafrichter muss Beweise und Zeugenaussagen auswerten und dann den
Schuldigen ermitteln und seiner gerechten Strafe zuführen. Das ist nicht die Aufgabe einer Führungskraft.
Diese muss vielmehr dafür sorgen, dass bestehende Probleme beseitigt werden, damit ab sofort wieder zügig
und möglichst stressfrei weitergearbeitet werden kann. Der Blickwinkel des Richters ist: "Was ist passiert,
und wer hat schuld?" Der Blickwinkel der Führungskraft ist: "Was hindert zur Zeit an der effektiven Weiter-
arbeit? Was muss geregelt werden, damit die Arbeit hier weitergehen kann? Was muss getan werden,
dass Folgekonflikte gar nicht erst aufkommen?

Jede Führungskraft, die sich in einer Schlichterrolle findet, muss sich auch bewusstmachen, dass sie niemals
einen sachlichen Blick auf das Problem wirft. Sie wird immer die eine Partei lieber mögen als die andere,
dem einen mehr trauen als dem anderen, die Gefühle und Verhaltensweisen des einen besser verstehen
und leichter akzeptieren können als die des anderen. Der Mitarbeiter, der einem sympathischer ist, hat
in der Regel auch die "besseren" Argumente. Das ist kein Zufall. Nicht nur die betroffenen Konflikt-
parteien nehmen die Dinge verzerrt wahr. Das gilt auch für Außenstehende. Es ist schon viel geholfen,
wenn man sich das zumindest bewusstmacht. Die tiefe Überzeugung, dass man sehr wohl die Dinge
neutral sieht und die Lage richtig einschätzt, die bleibt einem allerdings trotzdem erhalten."

Aus: Hedwig Kellner (b.1952, freie Unternehmensberaterin, Managementtrainerin, Sachbuchautorin):
„Konflikte verstehen, verhindern, lösen: Konfliktmanagement für Führungskräfte“
3 Was passiert, wenn es passiert? 3.2 Es liegt im Auge des Betrachters.
Seite 45-47 HANSER 2000




Ob Sie als BETROFFENER eigene Konflikte oder als NEUTRALER diejenigen Ihrer Mitarbeiter
[Angehörigen, Schüler, Freunde usw.] managen müssen, 3-Grundregeln gelten auf jeden Fall:

1. BLEIBEN SIE HANDLUNGSFÄHIG

Steigern Sie sich nicht in Ihre Gefühle von Wut, Frust, Ärger oder Angst hinein.
Vergessen Sie auch archaische Leidenschaften im Hinblick auf Ihre "Ehre".
Stehen Sie souverän über den Gefühlsausbrüchen der anderen, lassen Sie sich
nicht durch Beleidigungen oder Zynismen provozieren.

Beobachten Sie vielmehr wie ein Analytiker oder Schachspieler das Verhalten der anderen.
Verfolgen Sie rational die Art, wie andere sich hineinsteigern, wie sie sich verhalten und mit
welcher Taktik sie vermutlich als nächstes ihre Ziele durchzusetzen versuchen.
Stellen Sie fest, wo die Stärken und Schwächen der anderen sind.
Beobachten Sie intensiv, aber innerlich möglichst distanziert.

Wenn Sie vom Temperament her ein kühler Denker und raffinierter Taktiker sind, wird Ihnen das
nicht schwerfallen. Wenn sie jedoch leicht aufbrausen und sogar cholerisch werden können,
dann sieht das anders aus. Dann können Sie niemals im akuten Konflikt die notwendige Handlungs-
fähigkeit behalten, wenn sie nicht zuvor über einen längeren Zeitraum bewusst innere Ruhe trainiert haben.
Es wird Ihnen, wenn Sie als Führungskraft ein erfolgreicher Konfliktmanager sein wollen, nichts anderes übrig-
bleiben, als sich um ein entsprechendes Trainung zu bemühen. Hiebei geht es um Anti-Stress- oder Konflikt-
bewältigungstrainings, sondern um Programme zum Selbstmanagement oder zur emotionalen Intelligenz.
Solche Trainings dauern 2i bis 3 Tage und müssen anschließend in Eigeninitiative weitergeführt werden.

Wenn Sie ein sehr harmoniebedürftiger Mensch sind, besteht möglicherweise die Gefahr, dass Sie im Konflikt
handlungsunfähig werden, weil Sie niemanden verletzen oder sich selbst nicht unbeliebt machen wollen. Sie geben
dann womöglich zu schnell nach oder stellen sich geflissentlich auf die Seite des jeweisls stärkeren Gegners.
Mit einer derart "weichen" Haltung sollten Sie eigentlich gar nicht in einer Führungsposition sein. Ihnen würde
nnicht einmal ein Training zur Durchsetzungsfähigkeit helfen, weil sie innerlich gar nicht durchsetzungswillig sind.

Nicht nur für die Kunst des Konfliktmanagements, sondern grundsätzlich für Ihre Führungaufgabe benötigen Sie
die innere Akzeptanz der Tatsache, dass es weder möglich noch wünschensert ist, von allen und jedem
gemocht zu werden. Als Betroffener eines Konflikts wird Ihr Gegner zumindes während der Aueinander-
setzungen gegen Sie sein. Als neutraler Schlichter eines Konfliktes Ihrer Mitarbeiter wird sich auch
mindestens eine Partei zunächst schlecht von Ihnen behandelt fühlen. Damit müssen Sie leben.

2. PACKEN SIE DIE PROBLEME AKTIV AN

Konflikte werden schlimmer und weiten sich aus, wenn sie verschleppt werden. Es gibt selbstverständlich
überall kleine Reibereien, die sich am schnellsten dadurch erledigen, dass man sie als Führungskraft
gar nicht beachtet. Bei den meisten Konflikten im betrieblichen Umfeld muss jeoch gehandelt werden.

Richten Sie vor allem bei Konflikten mit Schuldzuweisungen Ihr Augenmerk zunächst auf
die Lösung des Problems und nicht auf die Schuldfrage oder Ursachenforschung.

Erst im zweiten Schritt, wenn die Schäden behoben, die notwendigen Entscheidungen gefallen und
die Gemüter wieder beruhigt sind, sollten Sie sich allein oder mit dem Team den Fragen widmen:

Wie konnte das passieren?

Wie hätten wir die Probleme früher erkennen können?

Wie können wir in Zukunft verhindern, dass es noch einmal passiert?

Was lernen wir aus dem Vorfall?

Wie verhindern wir, dass Außenstehende (z.B. Kunden [Angehörige, Eltern...])
von unseren internen Konflikten betroffen werden?

Es kann vorkommen, dass Ihre Mitarbeiter diese aktive Nachbearbeitung als nachträgliches "Gerichtsverfahren"
auffassen. Sorgen Sie dafür, dass das Thema Schuld nicht wieder auf den Tisch kommt. Sie werden nie eine
konstruktive Konfliktbearbeitung erreichen, wenn Ihre Mitarbeiter befürchten müssen, dass doch noch etwas
an ihnen "hängenbleibt".

Schuldfragen sind nur dann wichtig, wenn sie tatsächlich einen Mitarbeiter im Team haben, der bewusst das Klima
vergiftet, sich unkollegial verhält oder dem Unternehmen schaden will. Das ist nur selten der Fall. Fast immer geht
ein Konflikt darauf zurück, dass jemandem ein Fehler passiert ist, dass unterschiedliche Meinungen aufeinander-
prallten, dass die "Chemie" nicht stimmte, dass knappe Ressourcen zu verteilen oder "Zankäpfel" zu erobern
waren. Anklagen, Angriffe, Verteidigungen, Beweisführungen etc. sind dabei völlig fehl am Platz.

3. DENKEN UND AGIEREN SIE STRATEGISCH

Denken sie immer über den aktuellen Konflikt hinaus. Er ist ja nie der Endpunkt, sondern immer ein Meilenstein
auf dem Weg. Sie wollen weiterhin mit Ihren Kollegen, Kunden, Mitarbeitern [Vorgesetzten, Lehrern] gut auskommen.
Das gilt auch für die anderen. Man sollte niemals im Interesse des schnellen Sieges die langfristigen Ziele aus den
Augen verlieren. Es treibt einen manchmal zwar mit Macht dahin, unbedingt das letzte Wort behalten zu wollen. Aber
was nutzt es einem, wenn der Gegner danach keinen Wert mehr auf die weitere Kommunikation legt? Es treibt einen
manchmal dahin, dem anderen so richtig "die Wahrheit" zu sagen. Das kann im Moment befriedigend sein. Auf Dauer
ist es jedoch fast immer schädlich, wenn der andere dann lieber gar nichts mehr von einem hören will.

Richten sie den Blick immer auf den Zeitraum nach dem Konflikt. Wie soll die Situation in einem Monat, in einem Jahr,
in fünf Jahren sein? Denken Sie immer auch an mögliche Folgekonflikte. Denken Sie in dieser Hinsicht für Ihre Mit-
arbeiter mit. Regeln Sie Konflikte zwischen Ihren Mitarbeitern immer so, dass die Betroffenen danach wieder mit-
einander auskommen können. Verhindern Sie, dass die Stillen unter den Gefühlsausbrüchen der Temperament-
vollen leiden. Unterbinden Sie die geschickt dosierten Spitzfindigkeiten der kühlen Taktiker. Paktieren Sie nicht
mit der Person, die Ihnen persönlich am sympathischsten ist. Sowohl die Betroffenen als auch die nicht betroff-
enen Beobachter unter Ihren Mitarbeitern ziehen aus Ihrem Konfliktmanagement Schlüsse für die Zukunft!

Aus: Hedwig Kellner (b.1952, freie Unternehmensberaterin, Managementtrainerin, Sachbuchautorin):
„Konflikte verstehen, verhindern, lösen: Konfliktmanagement für Führungskräfte“
4 Strategisches Konfliktmanagement. 4.1 Konflikte managen - hnadlungsfähig bleiben
Seite 70-72. HANSER 2000 [Meine Ergänzungen]



Selbst dann, wenn man die Macht hätte, dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen,
ist es fass immer auch im eigenen Interesse klüger, die
Eskalation
- Verschärfung von Konflikten - zu vermeiden.

5-Grundsätze sollten die Basis für ein
vernünftiges Herangehen an Konflikte bilden:

1. MAN SOLLTE STRATEGISCH DENKEN
Im Konflikt möchte man natürlich gerne gewinnen oder das letzte Wort behalten
oder auch den anderen "bestrafen"oder ihm einen "Denkzettel" verpassen.
Diese Bestrebung ist verständlich, aber nicht immer sinnvoll.

Strategisch klüger ist, wer auch im aktuellen Konfliktgeschen noch fähig ist,
an die Zeit danach zu denken.

Wie will oder muss man in Zukunft weiterhin mit dem Gener auskommen?
Wie könnte der andere sich später rächen?
Vor allem autoritäre Führungskräfte unterschätzen manchmal, wozu ein Mitarbeiter in der Lage ist,
der aus einem Konflikt mit dem Chef als Verleirer herausgegangen ist.
Choleriker können im akuten Anfall gar nicht mehr strategisch denken. Sie brauchen den tätlichen
oder rhetorischen Befreiungsschlag auf der Stelle. Kein Wunder, dass sie oft nach einem Konflikt
mehr Probleme haben als zuvor.
Auch wer so schlagfertig ist, dass er sich hinterher manches Mal die Zunge abbeißen könnte,
verhält isch nicht strategisch.

Wer dazu neigt, im Konflikt die möglichen Konsequenzen zu vergessen, sollte sich tunlichst mit
Entspannungs- und Selbstmangementtechniken vertraut machen und diese regelmäßig trainieren.

Weiterhin ist die Beschäftigung mit dem inzwischen endlich akzeptierten Thema der emotionalen Intelligenz
dringend zu empfehlen. Sich selbst auch in Stresssituationen im Griff behalten zu können,
ist ein Aspekt des intelligenten Umgangs mit den eigenen Gefühlen.

2. MAN SOLLTE MÖGLICHST KEINE GEFÜHLE VERLETZEN
Im Konflikt mag man auf den Gegner so ägerlich sein, dass man ihm die Pest und Cholera,
Projektniederlagen und miese Verkaufszahlen an den Hals wünscht. Es mag der eigenen Seele guttun,
sich diese Wünsche lustvoll auszumalen, gleichwohl sollte man sie für sich behalten.

Wirklich verletzend sind Demütigungen und Beleidigungen, welche die Person des anderen selbst angreifen.
Verweise auf frühere Niederlagen, hämische Bemerkungen über familiäre Probleme, boshafte Bemerkungen über
körperliche Merkmale, Unterstellungen von Charakter- oder Intelligenzmängel und gezielt in Umlauf gesetzte Tratsch-
geschichten über den anderen gehören zum Repertoire der Menschen, die bei einem Konflikt dazu neigen,
nicht mehr nur um den Konfliktanalss zu streiten, sondern gleich die ganze Person des anderen zu hassen.


Man sollte sich wirklich konkret darauf beschränken, im aktuellen Konfliktfall zu einem Ergebnis zu kommen
und nicht bei der Gelegenheit dem anderen auch noch Dinge zu sagen, die verletzen können und weh tun.

3. MAN SOLLTE AUF EMPFINDLICHKEITEN VERZICHTEN
Da man ja weiß, wie schwer es ist, sich im Ärger auch noch zivilisiert und nach Grundregeln der Nächstenliebe
zu verhalten, sollte man so großherzig sein, dem anderen den einen oder anderen Ausrutscher in dieser Hinsicht
'zu verzeihen und möglichst gleich zu überhören. Es ist niemals dienlich, sich von den Worten des anderen
dazu aufstacheln zu lassen, wie eine Gouvernante den Zeigefinger zu heben und zu tadeln.
Je weniger man die Frechheiten des Gegners beachtet, desto besser ist es fast immer.

4. MAN SOLLTE DEN EIGENEN STANDPUNKT KLAR VERTRETEN
Man sollte bei aller Großzügigkeit und Selbstbeherrschung auch standfest bleiben.
Nachgeben um des lieben Friedens willen ist fast immer falsch. Falsch ist es auch,
um die Dinge vorsichtig herumzureden und zu hoffen, das der andere sich wohl denkt,
"was sich gehört" und "was rechtens" ist. Wer sich unklar ausdrückt oder um den heißen Brei
herumschleicht, vermittelt leicht den Eindruck, selbst nicht ganz vom eigenen Standpunkt
überzeugt zu sein. Das gibt dem Gegner unnötig Auftrieb.

5. MAN SOLLTE EINIGUNG VOR SIEG UND NIEDERLAGE ANSTREBEN
Es mag zwar wunderbar sein, aus einem Konflikt als Sieger herauszugehen, aber oft ist es klüger,
wenn man durch geschicktes und strategisches Herangehen dem anderen die Niederlage erspart
und ihn statt dessen dazu bringt, sich auf einen gemeinsamen Kompromiss einzulassen.

Dieser Kompromiss sollte so sein, dass beide Parteien sich zumindest als "halbe" Sieger fühlen können.
Auf keinen Fall sollte man danach vor Dritten den eigenen Triumph darstellen.Das würde den anderen
sofort wieder verärgern und einen Folgekonflikt nach sich ziehen.

Aus: Hedwig Kellner (b.1952, freie Unternehmensberaterin, Managementtrainerin, Sachbuchautorin):
„Konflikte verstehen, verhindern, lösen: Konfliktmanagement für Führungskräfte“
5 Deeskalation - damit es nicht knallt. 5.1 Bloß nicht auf die Spitze treiben!
Seite 89f. HANSER 2000 [Meine Ergänzungen]




Man kann nicht bei jedem Konflikt zu einer Lösung kommen, die alle Beteiligten befriedigt.
Dazu sind die menschlichen Schwächen, die persönlichen Strebungen und die individuellen Meinungen
viel zu unterschiedlich. Wer immer nur Friede, Freude, Harmonie im Sinn hat, macht sich womöglich
zum Deppen, der die Begierden der Kampflustigen unnötig reizt. Es entspricht der täglichen Lebenserfahrung,
dass die Sanften und Nachgiebigen keineswegs ein konfliktfreieres Leben fürhen können als diejenigen,
die auch bereit sind, notfalls hart um ihre Ansprüche zu kämpfen.

Vor allem als Führungskraft müssen Sie gelegentlich bewusst in Konflikte hineingehen und robust kämpfen
Es ist leider nicht realistisch, davon auszugehen, dass man keine Karriere- oder Machtkonkurrenten hat und
dass die Mitarbeiter sich alle in harmonischer Teamorientierung um die Erreichung der Ziele behmühen.
Es ist auch nicht realistisch, darauf zu vertrauen, dass Externe und Lieferanten, Kunden und Geschäftspartner
stets fair, zuverlässig und ehrlich um eine gute Zusammenarbeit bemüht sind.

Von Ihnen als Führungskraft erwartet man, dass Sie notfalls auch einmal "auf den Tisch hauen".
Das heißt nicht, dass Sie unvermeidlichen Konflikte bis zur Eskalation treiben.

Sie können zur Deeskalation - Verhinderung von Konflikten - beitragen,
wenn Sie sich möglichst an folgenden 6-Grundregeln orientieren.


1.
Vermeiden Sie, dass Ihr Gegner "sein Gesicht verliert"

♥ Bleiben Sie immer beim aktuellen Thema, und wärmen Sie nicht alte
Niederlagen oder Fehler des anderen auf.
♥ Beleidigen Sie niemals den anderen persönlich. Beleidigen Sie auch
nicht seine Angehörigen, seine Herkunft, seine Freunde.
♥ Verweigern Sie nicht das Gespräch, wenn der andere auf Sie zukommt.
Verhindern Sie, dass der andere sich in seinem Zorn vor Dritten eine unnötige Blöße gibt.
♥ Äußern Sie keine Zweifel an der Intelligenz oder an den redlichen Absichten des anderen.
♥Triumphieren Sie nicht, wenn Sie dem anderen einen Irrtum oder einen Fehler
nachweisen können.

♥ Ziehen Sie nicht vor Dritten über Ihren Gener her.
Geben Sie auch bei härtesten Konflikten neimals Ihre grundsätzliche
Wertschätzung vor dem anderen Menschen auf.


2
. Wahren Sie Ihre Selbstachtung

♥ Ziehen Sie sich lieber rechtzeitig aus einer Auseinandersetzung zurück, wenn Sie
spüren, dass Sie die Selbstbeherrschung verlieren.

♥ Halten Sie physischen Abstand. Lassen Sie einen Konfliktgegner nicht näher als achtzig
Zentimeter an Sie herankommen. Lassen Sie sich nicht anfassen.

Fühlen Sie sich grundsätzlich nicht an Zusagen gebunden, die Sie unter Druck
oder unter Manipulation gemacht haben.

♥ Lassen Sie sich nicht in Diskussionen über uaralte Fehler, Niederlagen und Irrtümer
Ihrer bisherigen Laufbahn hineinziehen.

Antworten Sie konsequent nicht auf persönliche Beleidigungen. Auch dann nicht, wenn
man Ihre Angehörigen, Ihre Herkunft oder Ihre Freunde beleidigt. Verlassen Sie
kommentarlos den Diskussionsort.

Lassen Sie sich nicht in Konflikte anderer hineinziehen, mit denen Sie selbst eigentlich
nichts zu tun haben. Lassen Sie sich vor niemandes Karren spannen.


3. Versetzen Sie sich immer in die Lage des anderen

♥ Versuchen Sie immer genau zu verstehen, was im anderen gedanklich und emotional vorgeht.
♥ Versuchen Sie, Strategie und die Taktik der Gegenseite zu durchschauen.
Überwinden Sie generelle Vorurteile Ihrem Gener gegenüber. Seien Sie nicht "grundsätzlich" gegen ihn,
weil er zu einer bestimmten Abteilung, Altersgruppe, Nationalität, Gesellschaftsschicht etc. gehört.

♥ Wetteifern Sie nicht um den höchsten Redeanteil. Lassen Sie dem anderen mehr Redezeit.
Hören sie zu, und beobachten Sie.
Überlegen Sie, wie Ihr Gegner möglicherweise vor Dritten im Zusammenhang mit dem Konflikt
dastehen will. Vor wem würde er sich im Falle einer Niederlage schämen?
Wem möchte er imponieren?

Überlegen Sie, was Sie in seiner Haut täten.

4. Verzichten Sie darauf, andere Menschen ändern zu wollen
♥ Nehmen Sie den anderen, wie er ist. Er wird ganz sicher so bleiben und sich
auf keinen Fall von Ihnen - seinem Gegner! - "umerziehen" lassen.

♥ Sagen Sie dem anderen nicht, wie er denken oder fühlen müßte.
Schulmeistern Sie nicht, und meiden Sie jeden Anflug von Pädagogik.
Gehen Sie davon aus, dass andere auch an Ihnen einiges feststellen, was nicht optimal ist.
Würden Sie sich ändern, damit Sie Ihren Genern besser gefallen.


5. Vertreten Sie Ihren Standpunkt konsequent und strategisch klug
♥ Sagen Sie klar und ohne Umschweife, was Sie wollen. Reden Sie die Sache nicht "schön",
und garnieren Sie Ihr Anliegen nicht mit Entschuldigungen und Begründungen,
die sich wie Bitten um Verständnis anhören könnten.

♥ Achten Sie weniger darauf, dass Sie Ihre Argumente in Ihrem Sinne richtig formulieren, sondern
mehr darauf, welche Formulierungen den anderen aufgeschlossener machen könnten.

Versuchen Sie immer zu überzeugen. Überreden, moralische Erpressung
oder sonstiger Druck geben nur kurzfristige Erfolge.

♥ Verlieren Sie Ihre langfristigen Ziele nicht aus den Augen, nur um im aktuellen Fall
das letzte Wort zu behalten oder einen Kleinkramsieg zu gewinnen.

Sichern Sie das Ergebnis der Konfliktlösung (schriftlich?) ab. Verlassen Sie sich nicht
darauf, dass der andere am nächsten Tag immer noch zum gemeinsamen Ergebnis
steht oder auch nur die Sache richtig erinnert.


6. Reduzieren Sie die Gefahr von Folgekonflikten
♥ Legen Sie einen geklärten Konflikt zu den Akten. Kommen Sie möglichst
nicht mehr auf das Thema zurück.

♥ Ziehen Sie möglichst keine Unbeteiligten in das Geschehen hinein.
Machen Sie im Fall Ihres Sieges den anderen nicht auch noch lächerlich.
♥ Verzichten Sie im Fall Ihrer Niederlage auf Rache.
♥ Tun Sie den ersten Schritt zur Versöhnung oder wenigstens
zur Normalisierung des Umgangstons.

♥ Belehren Sie auf keinen Fall bei Ihrem Sieg den anderen im nachhinein darüber,
wie er sich die Aufregungen hätte ersparen können, hätte er gleich auf Sie gehört.

♥ Tratschen Sie nicht über Ihre Konflikte und Ihre Gegner.
Lasen Sie sich auch nicht von Dritten aushorchen.


Aus: Hedwig Kellner (b.1952, freie Unternehmensberaterin, Managementtrainerin, Sachbuchautorin):
„Konflikte verstehen, verhindern, lösen: Konfliktmanagement für Führungskräfte“
5 Deeskalation - damit es nicht knallt. 5.4 Die sechs Grundregeln positiver Konfliktbehandlung
Seite 96-99. HANSER 2000 [Meine Ergänzungen]




„Wenn es keine Bücher gäbe, wären wir alle völlig roh und ungebildet,
denn wir besäßen keinerlei Kenntnisse über das Vergangene,
keine von göttlichen oder menschlichen Dingen.


Selbst wenn wir irgendein Wissen hätten,
so gliche es den Sagen, die durch die fließende
Unbeständigkeit mündlicher Überlieferung
tausendmal verändert wurden.


Welch göttliches Geschenk sind also
die Bücher für den Menschengeist!


Kein größeres könnte man sich für ein Leben
des Gedächtnisses und des Urteils wünschen.


Sie nicht lieben heißt die Weisheit nicht lieben.

Die Weisheit aber nicht lieben bedeutet,
ein Dummkopf zu sein.


Das ist eine Beleidigung für den göttlichen Schöpfer,
welcher will, dass wir sein Abbild werden.“


Johann Amos Comenius
Familienname: Segeš; tschechisch: Jan Amos Komenský
Geboren, am 28. März 1592 in Nivnice, Südostmähren; gestorben, am 15. November 1670 in Amsterdam.
War ein mährischer Philosoph, Theologe, Pädagoge, Bischof der Unität der Böhmischen Brüder.
Aus: „Über den rechten Umgang mit Büchern, den Hauptwerkzeugen der Bildung“ -
„De primario ingenia colendi instrumento, sollerter versando, libris“ Oratio sub laborum auspicia
in Patakinae scholae auditorio majori recitata anno MDCL - Eine Rede, vorgetragen zu Beginn
der Arbeit im Großen Hörsaal der Schule in Sáros Patak, am 28. November 1650