Die Vertriebenen Protestanten - Exulanten[1]
aus dem Zillertal 1837
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Heute, zu diesem "tragischen" Thema, immer noch von "Zillertaler Auswanderern",
"Emigranten" oder "Inklinanten" zu sprechen, ist meiner Meinung nach,
die schändlichste und verachtenswerteste Geschichtsverfälschung,
sog. Geschichtsklitterung
[2] und Verschleierung der tatsächlich belegbaren Wahrheit.

Den damals betroffenen "protestantischen" Opfern, welche aus Glaubensgründen verfolgt
und unfreiwillig ihre geliebte Heimat, das Zillertal, verlassen mussten,
wie "Unrat" hinausgeschmissen,
sollte man wenigstens heute, besonders als Einheimische/r,
mit Empathie und Wahrung des tatsächlich damals Vorgefallenen,
posthum Achtung, Wertschätzung, Respekt und Anerkennung
zu Teil werden lassen.


Zwischen dem 31. August und dem 4. September 1837
verließen vier "Vertreibungs-Trecks" das Zillertal, um sich
auf den langen Weg nach Preußen zu machen.


Am 8.Dezember 1837 feierten alle zusammen
in der Evangelischen Kirche in Schmiedeberg/Riesengebirge
(heute: Kowary/Polen) für ihre glückliche Ankunft
ein Lob- und Dankfest.


In Bedauerlicher und verwerflicher Weise [3] wurde und wird weiterhin,

leider auch bei der 175-Jahre-Gedenkfeier (26. Mai 2012) im Hinteren Zillertal,
- eigentlich und wahrhaftig zu Ehren der Vertriebenen Protestanten 1837 -,
von den Veranstaltern und sich verantwortlich Zeichnenden,

nicht die entsprechende Zivilcourage [4] aufgebracht,
um die ganze "bedauernswerte Angelegenheit" von 1837
ins wahre und rechte Licht zu stellen, um den damals Betroffenen
"endlich" die Ihnen "zustehende" letzte Ehre und Ruhe zu erweisen.

Als [1] Exulanten bezeichnet die Geschichtswissenschaft die meist protestantischen Glaubensflüchtlinge
des 16. bis 18. Jahrhunderts, die wegen ihres religiösen Bekenntnisses aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

[2
] Geschichtsklitterung - „eilig hingekleckste Geschichte“ - bezeichnet eine unkritische Geschichtsdarstellung,
die den Sinn entstellt oder welche unvollständig respektive einseitig anmutet. Der Begriff geht auf den Titel des Buches
"Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung" (1575) von Johann Fischart (1546-91) zurück. Nicht selten wird der
Begriff aber nicht nur für die unabsichtliche, sondern auch für die absichtliche Geschichtsfälschung gebraucht.
[3] verwerflich: schlecht, unmoralisch, moralisch inakzeptabel und daher tadelnswert
[4] Zivilcourage/Bürgermut: Sozialer Mut im täglichen Leben, Mut des Einzelnen zum eigenen Urteil.
zivil: bürgerlich – nicht militärisch, anständig, annehmbar; courage (fr.): Mut


www.deutsch-spanischerstammtisch.de/tag/caal-frutillar/
www.exulanten.com/zil1.html


"Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt,
dass man sie ignoriert
!"

"Facts do not cease to exist because they are ignored."

"Bemerkung zum Dogmatismus "
1927 - Assay Proper Studies - A Note to Dogma

Aldous Huxley
(1894-1963)
britischer Schriftsteller


"Kurz bei allen [Zillertaler Protestanten] regte sich das natürliche Bedürfnis, mit dem evangelischen Bekenntnis
auch öffentlich hervortreten zu können, und aus der bisherigen peinlichen zerrissenen Lage heraus
in einen gesetzlich anerkannten freien Gemeindezustand eingerückt zu werden.

Gewiß hatte auch bei manchen das Leben im Worte Gottes ihr Wahrheitsgefühl so weit gereinigt und geschärft,
daß ihnen ein solch' unwahrer Zustand in die Länge unerträglich wurde. Demgemäß entschloß sich eine Anzahl
Familienväter und Männer die geeigneten gesetzlichen Schritte in der Sache einzuleiten.


Es meldeten sich im Sommer des Jahres 1826 Bartholomäus Heim, J. Ram, Franz Steinlechner, Jakob Kreidel
und dessen erwachsene Söhne Matthias und Joseph, Matthias Drubmaier, Jacob und Georg Hanser
aus den Dörfern Ramsberg, Hollenzen, Maierhof, Unterbichl bei ihren Ortspfarrern zum sechs-wöchentlichen
Unterricht. Einen solchen hat nach den Landesgesetzen jeder, der zu einer andern Konfession übertreten will,
von seinem Beichtvater zu erhalten und darüber ein Zeugnis bei der Behörde einzubringen.


Den Geistlichen kam dieser Schritt nicht unerwartet, sie kannten ja schon einige als äußerlich unkirchlich,
von andern wußten sie - weil sie selbst es in der Ohrenbeichte bekannt hatten -
daß sie seit länger die Schrift zu ihrer Erbauung lesen ...

Alls indessen neue Meldungen zum sechs-wöchentlichen Unterricht (Eramen) eingingen,
vereinigte sich der Clerus in dem Beschluss, dasselbe vorläufig zu verweigern
und sich von der H. Stelle zu Innsbruck Verhaltensmaßregeln hierüber auszubitten.
Das Gubernium [die Zentralregierung Ibk.] communicirte die Sache den beiden Ordinarien.
Diese gaben der Maßnahme der Zeller Kapitelsgeistlichen ihre Beistimmung und legten Protest
gegen jede Einrichtung eines akatholischen Cultus im Lande ein. Sofort überwies die Regierung
zu Innsbruck die Sache der Hoftstelle. Es vergingen fast 5 Jahre ohne Entscheidung."


Originalbriefe einiger Zillerthaler
[heutige Ergänzungen],Quellen: http://spiderpig.uibk.ac.at, www.bibel-online.net/buch/luther_1912/2_timotheus/4/, http://de.wikipedia.org/
Der Begriff Pfaffe (lat. papa = Vater) war im Gegensatz zum Mönch eine Bezeichnung für einen Geistlichen. Der Begriff wurde ursprünglich
für römisch-katholische Priester oder Geistliche in würdevoller Bedeutung, oft auch allgemein für eine Person, die nach
einer geistlichen Regel lebt, verwendet. Im Mittelalter waren schließlich fast allein die Geistlichen gebildet.


1831
"Da der Volksfreund so unredlich wider uns gelogen hat, erstaunen wir, weil wir wohl wissen, daß kein Einziger von uns zurückgegangen ist.
Anstatt weniger ist die Zahl größer geworden. Nun sehen wir, wie sie uns Einfältige mit Lügen unterdrücken wollen, wovon wir nichts wissen konnten.
Aber der Allerhöchste, der Aller Menschen Anschläge mit einem Blick durchschaut, ja seine Vorsehung, allerliebster Freund! hat Euch bestellt, daß Ihr die Wahrheit
für uns darleget. Dank sei Gott und Euch! Wir erkennen wohl, daß Ihr Euch unserer so freundlich annehmet. Wir haben uns alle erfreuet, da wir Eure Versicherung
aller möglichen Hilfe vernommen haben. Ja Dank sei Euch durch Jesum Christum - Wir Hoffen auch, Gott wird der Sache einen guten Ausgang machen,
daß wir auch einmal hören mögen die gesunde Lehre des Evangeliums, er möchte uns frei machen, von denen, die Finsterniß auf Finsterniß häufen,
die Gottes Wort zum Deckmantel ihres heillosen leeren Geschwätzes brauchen, die wie Jes. sagt, Gottes Wort entkräften, um bei ihren Satzungen zu bleiben.

Was hat der lebendige Gott für Gemeinschaft mit den Todten? Wir verehren den lebendigen, dreieinigen Gott, den sie noch nicht kennen,
dem auch alle Ehre gebührt, denn es heißt: ich will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen. Nun führt er mehrere
Schriftstellen an: 2.Petr.2,21 [Es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit gar nicht erkannt zu haben, als ihn erkannt zu haben
und sich danach wieder von dem heiligen Gebot abzuwenden, das ihnen überliefert worden ist.], Kol.2,8. [Gebt Acht, dass euch niemand
mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die
Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen.], 1.Kor.2,1 [Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden
oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen.], 2.Timoth.3,15 [denn du kennst von Kindheit an
die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst.], Matth.23,13 [Weh euch,
ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein;
aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.], Matth.7,15 [Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch
wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe.], 1.Tim.4,1 [Der Geist sagt ausdrücklich: In späteren Zeiten
werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden,], 2.Tim.4,3.4.
[Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen,
nach dem ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu Fabeln kehren.], 1.Thess.5,4
[Ihr aber, Brüder, lebt nicht im Finstern, sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann.] und andere. - Ja allerliebster Freund!
wenn euch die Götzen-Pfaffen, die meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe, etwas vorsagen, so glaubet es ihnen nicht. Sie verkehren das Wort
in ihrem Munde, und reden nichts als eitel Lüge, sie sind schwanger in ihrem Herzen von Unwahrheit; mit dem Munde reden sie freundlich
mit dem Menschen, und im Herzen lauern sie auf denselben. - Darum bitten wir euch aufs neue um Eure Unterstützung. - Wer hat dem Elias die Raben
bestellt, daß sie ihm Speise brächten, als die Vorsehung Gottes? Also hat er auch Eure Herzen geleitet, daß Ihr unsrer so freundlich annehmt.
- Unsere Zahl ist jetzt (1831) 236. - Da ich der Regierung anzeigte, daß mein Großvater gestorben sei, wurde mir befohlen, ihn auf dem Felde zu begraben.
Es ist gut, sagte ich, Ort und Stelle macht uns nicht selig und nicht verdammt." (
F.)

1833
"Wir bitten euch von Herzensgrund, daß ihr uns wollet beistehen; denn wir wissen uns nicht zu helfen.
Unsere Zahl ist etwa 150. Es sind freilich noch viele, die sich dazu bekehren würden, wenn sie erst sehen, wie es geht,
denn sie meinen, es möchte uns nicht gut gehen. Wir aber bleiben fest an der heil. Schrift und der unveränderten Augsb. Konfession,
wie sie Karl V. [1500-1558] 1530 übernommen hat. Gott sei Dank für das Licht. Wir haben ein festes prophetisches Wort
und ihr u. 2.Petr.1,19 [Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten;
denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.].
Wenn wir davon weichen, würde Petrus sagen: Es wäre besser , du hättest den weg der Gerechtigkeit nicht erkannt u. und Paulus sagt:
du aber bleibe in dem, das du gelernet hast und dir vertraut ist u. 2.Timoth.3.14-15 [Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich
überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können,
damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst.] Lieben Freunde! noch eines muß ich euch sagen, daß einige von uns
das Abendmahl der römischen Parthei mehrere Jahre nicht genommen haben, ich selbst 4 Jahre nicht, weil es unter Einer Gestalt
wider den Befehl Christi ist. Wie uns die Pfaffen schimpfen, kann ich nicht so schrecklich ermachen. Gott verzeih es ihnen! "(H.)


1834

"Der Kaiser hat uns gleiche Rechte mit den Katholischen versprochen, und da wir ihn baten, uns übertreten zu lassen,
gab er zur Antwort: "Ich tue es zwar nicht gerne, aber ich will schon schauen, will schon machen."
Er hieß uns überdas noch beständig sein und nicht heucheln. - Aber nun unterdrücken sie uns, wo es nur möglich ist.
Die Bedrückungen, die wir Euch geschrieben haben, sind noch, und werden immer schwerer. Wo ein Protestant unter Katholiken ist,
soll er fort, so Katholiken unter Protestanten. Will jemand kaufen, so wird die ganze Gemeinde aufgeboten, es zu verhindern.
Sie nehmen uns auch Bücher; wenn einer krank wird, soll man ihn nicht besuchen, aber die Pfaffen laufen hin und verdammen ihn
auf dem Krankenbette und versprechen ihm die Verdammniß. Der Paß, um zum Kaiser zu gehen wird uns verweigert." (F. u. H.)


1834
"Wir bitten Gott und Euch um Beistand, und hoffen, Gott möchte uns einen Redner, wie den Israeliten den Moses, schicken
und uns von unsern Bedrückungen befreien. Pharao, der König, hat es weit gebracht, bis er endlich sein Grab im Meere fand.
Und so kann es Gott mit uns machen. Deßwegen bitten wir Euch, alles Mögliche für uns zu thun und uns nicht zu vergessen,
so wie wir Eurer nicht vergessen."


1834 Nach Steyermark
"Gott zum grues. Allerbesten Freunde wier machen euch zu wissen, daß wir euren Brief richtig erhalten haben, aber die Zahl genau beschreiben
können wir wohl nicht; es ist euch bekannt, daß wir dem Gefängniß nicht entgehen würden, wenn wir offenbar würden, Wir glauben aber, es möchte
Richtigste sein die Zahl, die man dem Kaiser angesagt hat, nemlich bei 250 Seelen, es sind woll einige gestorben, aber die sind es dennoch, die ich
zu der Augsburgischen Konfession bekennen ohne Scheuch der Bedrückungen [Sanktionen] die weggen dehm yber uhns [wegen dem über uns kommen]
gehen. Nämlich 1. Das wier sein miessen wie Schaf ohne Hirden, ohne Kirche u. Lehrer u. Abendmahl. 2. Darf Niemand heiranden [heiraten] Sey er reich oder arm.
3. Darf Niemand ankaufen, wo die Gemeind etwas dawider hat und die Geistlichkeit yberredet die Gemeind u. wenn die Gemeinde nicht ja sagt und die Geistlich,
so ist der Kauf nicht. 4. Ueberredet die Geistlichkeit die Katholiken, das sie keinem Brodistanen [Protestanten] eine Arbeit geben, und wenn ein Katholik bei einem
Brodistanen in Arbeit ist sagen sie wenn er nicht fortgeht können sie ihn nicht lossprechen auf daß einer solle eher zu Grund gehn. 5. Wenn ein Unsriges Kind zu taufen
ist, so darf es kein Brodestand aus der Taufe höben, sondern es mues ein Katholik seyn, oder es wird nicht gethauft, das gibt vill unstos weil der Katholik den
Brodistanen das nicht thun will. 6. Wenn von uns einer stirbt wird er begraben, wie ein Hund auf dem Feld oder im Wald. 7. Wenn eins krank ist, so kommen gleich
die Geistlichen und verdammen Eins anstatt Trost, und der Bedrückungen Seind noch vill [ Sanktionen sind noch viel] und die Herrschaft verspricht uns das
wier miessen [müssen] in diesen Schicksalen sterben und auswandern. Es heist der Kaiser darf es in Tyrol nicht wagen eine evangönische Kirche zu gestatnen,
weil das Tirol dem Kaiser die Threie [Treue] versagen würde. Ja vill seind der Bedrückungen. [Ja es gibt viele Sanktionen]. Es hat der Brodistan [Protestant] über
seine Kinder keine Wale [Wahl] wenn wir sie Schon in die Schule schicken nach den Gesetzen das gewis keine Klage sein kann aber sie sagen der Kaiser
wolle es so haben yber das haben wir zum öfteren gebitet um ein Bas [Pass] zum selbst nach Wien gehen, es wurde uns aber nicht gestatnet, es heißt es were [wäre]
Eine höchste Beleidigung des Kaisers wenn sie uns einen Baß [Pass] gäben. Liebster Joseph es ist uns woll sehr lieb wenn Du zum Kaiser gehst und Bittest vier uns alle,
und Du därfest nicht auf Dein Kosten gehen, sondern wir wollen alle büßen, märk nur auf was du verzöhrst. Lieben Brieder wir haben Euch die wichtigen Bunkte angezeigt
und Ueber dieses alles Bitte den Keiser in aller Namen, das er doch unser Vater sein wolle. Las dir den Brief einen evangelischen Prediger durchlesen und bitt das er es
besser überschreiben dete, damit es dem Keiser angenehmer sein möcht. Nun lebet recht woll. Gott behüt Euch wier seyn auch alle gesundt. der 18.Okt.1834


1835
"Wir danken Gott, so oft wir eurer gedenken, wegen Eurer Freundlichkeit und Mitleiden,
das Ihr mit uns traget, und danken Euch für die Schriften und für Alles. -
Man drückt uns so viel wie möglich - nur getödtet haben sie noch keinen,
sonst aber ist nichts unterblieben."
[F., R. und H.]

Georg Friedrich Heinrich Rheinwald
(1802-1849)
Prof. für evangelischeTheologie
Kirchenhistoriker
Aus: "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“ S. 9f, Anhang S. 55-58.
Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints;
Nachdruck 2012
Altdeutsche Schrift

Prof. G. F. H. Rheinwald hat damals vor Ort recherchiert
und viele der Zillertaler Protestanten
persönlich gekannt und befragt.




"Um die Zustände zu ändern,
die Krieg, Unterdrückung und Massenelend ermöglichen,
müssen wir das Denken verändern, das die Existenz dieser Zustände ermöglicht hat.
Wir leben in einer Welt der kollektiven Zustimmung ... Um Frieden in unserer Welt zu erfahren,
müssen wir in unserem Leben zum Frieden werden ... Erinnere, dass es kein "wir" und "die anderen"
geben kann. Es gibt nur "uns" ... Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind
dieser Welt ist imstande, eine neue Möglichkeit zu erschaffen,
jenes Denken zu ändern, das Leid zulässt"

Gregg Braden: „Der Jesaja Effekt. Das verborgene Wissen von Prophezeiungen
und Gebeten alter Kulturen neu entschlüsselt" KOHA 2009




Felix Mitterer

(b.1948 Achenkirch, Tirol)
Schriftsteller, Schauspieler, Theater-, Drehbuchautor

verarbeitete die Geschichte der
1837 vertriebenen Zillertaler Protestanten
in seinem Theaterstück
"Verlorene Heimat"
(1987)



"Die vertriebenen Zillertaler Protestanten werfen den letzten Blick auf ihre Heimat"
"euphemistisches" (verharmlosendes, beschönigendes) Gemälde von Mathias Schmid
(1835 See/Paznaun - 1923 München)

Felix Mitterer schreibt im Vorwort:

1985 traten die Zillertaler Heinz Tipotsch [Hotel Tipotsch Stumm]
und Friedl Wildauer
[Aschau]
an mich heran und fragten mich, ob ich nicht ein Stück über die
Vertreibung der Zillertaler Protestanten
schreiben könne.

Da ich es für wichtig halte, über die Vergangenheit, über die begangenen Fehler
möglichst viel zu erfahren, und vielleicht doch ein wenig daraus zu lernen,
erklärte ich mich sofort bereit, hier mitzumachen.

Die Zillertaler äußerten zudem den Wunsch, das alleinige und ausschließliche Aufführungsrecht
für das Stück erwerben zu wollen, womit ich einverstanden war, da mir das die Chance gab,
auf die Lokalgeschichte wirklich genau einzugehen.

Als Schauplatz der Aufführung wurde der Dorfplatz von Stumm vorgeschlagen, der sich dann tatsächlich
als einziger Platz im Zillertal herausstellte, wo man mit nur einer Retusche (Abdeckung der Glasfront einer
Gemischtwarenhandlung) das Jahr 1837 herstellen konnte. Ein Gasthaus liegt am Platz, die Kirche
mit dem Friedhof, das Pfarrwidum und ein Schloss, das die Rolle des Landesgerichtes
übernehmen konnte ...


Nach langen Recherchen und Studien lag das Stück Anfang 1987 vor.
Am 27. Juni 1987 fand die Uraufführung in Stumm im Zillertal
[unter der Regie von Ekkehard Schönwiese (b.1944)] statt.



Alte Ansichtskarte aus der Neuen Heimat
Erdmannsdorf - Zillerthal im Schlesischen Riesengebierge
Heute: Myslakowice [mɨswakɔˈvʲitsɛ] im südwestlichen Polen,
im Landkreis Jeleniogórski der Woiwodschaft Niederschlesien
.
http://de.wikipedia.org/wiki/Myslakowice


Das Theaterstück - "Verlorene Heimat" ist so aufgebaut, dass in sieben Bildern die damalige Situation
der Zillertaler Protestanten szenisch nachgespielt wird. Dabei wird die Handlung immer wieder ergänzt
und vertieft, durch das Verlesen historisch belegbarer Fakten und Aufzeichnungen,
in der Person eines heutigen Zillertalers.



Namen wie Wappen unseres Landes Tirol gehen auf die Grafen von Tirol zurück.
Dieses Hochadelsgeschlecht schuf, von seinem Herrschaftsmittelpunkt aus, der Namengebenden Burg Tirol bei Meran,
die territoriale Basis für die spätere Grafschaft Tirol. Um 1200 ist ein (vermutlich roter) Adler als Wappentier der Grafen von Tirol bezeugt.
Ihre Erben und Nachfolger - ab 1253 die Grafen von Görz, ab 1363 die Habsburger - übernahmen das Wappen der Grafen von Tirol
als Zeichen ihrer landesfürstlichen Hoheit in der Grafschaft Tirol. Damit wandelt es sich von einem Dynastie- zu einem Territorial- oder
Landeswappen, dessen sich in der Folge auch die Tiroler Landstände bedienen. Das Tiroler Wappen zeigt in silbernem Schild einen roten,
golden bekrönten Adler mit goldenen Waffen, mit goldenen Flügelspangen mit Kleeblattenden und einem nach oben offenen grünen Kranz
hinter seinem Haupt. Der Lorbeerkranz erinnert an den Tiroler Freiheitskampf (1809) der Napoleonzeit.
Der Tiroler Adler kommt auf Siegeln 1205 vor, die älteste färbige Darstellung stammt von 1340.

Quellen: www.tirol.gv.at/themen/kultur/landesarchiv/forschungstipps/landeswappen/, http://peter-diem.at/, http://de.wikipedia.org/wiki/Tiroler_Wappen

Heutiger Zillertaler liest (Seite 13f):

"Die Unterdrückung und Ausbeutung des Tiroler Volkes führte im Jahre 1525 zum Bauernaufstand.
Das Volk forderte soziale Gerechtigkeit, die Erneuerung der verrotteten römisch-katholischen Kirche
und eine Rückbesinnung auf die wahren Inhalte des Glaubens.

Viele Tiroler schlossen sich der Lehre [Martin] Luthers [1483-1546] an, noch mehr
aber der Lehre der Wiedertäufer, die besonders radikal irdische Gerechtigkeit forderten.

Es wurde nun im Lande so lange geköpft, gepfählt, gevierteilt und verbrannt, bis die Obrigkeit
annehmen konnte, dass das Übel der Ketzerei ausgetilgt und dem alten Glauben
und der alten Ordnung wieder zu seinem Recht verholfen sei.

Gleichzeitig setzte die Gegenreformation ein, allerorten entstanden neue Klöster, Bruderschaften,
Stiftungen und Kirchen, so dass die Glaubenseinheit nicht nur mit dem Schwert,
sondern auch mittels Unterricht und Lehre wieder hergestellt wurde.

Aber ganz konnten die neuen, freiheitlichen Ideen nie ausgerottet werden.
Und immer wieder bekannten sich auch in Tirol Menschen zum protestantischen Glauben.

1684 bis 1686
mussten unter Zurücklassung ihrer Kinder
eintausend evangelische Deferegger [Osttirol] ihre Heimat verlassen.

Im benachbarten Salzburg wies der Fürsterzbischof [Leopold Anton Eleutherius Reichsfreiherr von Firmian
(1679-1744)] im Jahre 1731/31 über zwanzigtausend protestantische Bauern und Knappen aus dem Lande.


Quelle: http://archive.is/ZE9QC

Auch in dem damals großteils zu Salzburg gehörenden Zillertal flackerte die protestantische Bewegung
immer wieder auf und wurde heftigst unterdrückt.

Im Jahre 1781 erließ Kaiser Josef II. [1741-1790] sein Toleranzpatent, in dem die Glaubensfreiheit für die
evangelischen Christen verkündet wurde. So schien die Zeit des Gewissenszwanges ein Ende zu haben.

Aber in Tirol kam es anders. Noch einmal und zum letzten Mal mussten Menschen
wegen ihres evangelischen Glaubens die Heimat [1837] verlassen."




Benedikt August Johann Anton Michael Adam

Joseph II.
(1741-1790)
Von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches,
ab 1780 auch König von Böhmen, Kroatien und Ungarn


Heutiger Zillertaler liest (Seite 29):

"Der Pfarrer an den Salzburger Erzbischof:

"Sich bekennende Inklinanten in Hippach bereits 26, in Zell an die 20, in Mayrhofen 19, Finkenberg 17,
Brandberg 66. Täglich werden es mehr. Wenn nicht von Seiten der Regierung die Nichtgültigkeit
des Toleranzpatents [1781, Josef II.] erklärt wird, müssen wir binnen kurzer Zeit mit der Konstituierung einer
protestantischen Gemeinde rechnen. Zum sechswöchentlichen Unterricht: Er ist vollkommen ergebnislos,
da alles Zureden und auslegen der Bibel nichts hilft, sie bleiben alle bei ihrer Meinung."


Stellungnahme des Erzbischofs [Friedrich von Schwarzenberg (1809-1885)]:

"Der Unterricht ist einzustellen, weil die Inklinanten [der Begriff Inklinanten geht auf Erzbischof Augustin Johann
Joseph Gruber (1763-1835) zurück, weil er in den Zillertalern keine Protestanten sehen konnte] diesen nur für den
letzten Stein halten, der vor ihrem Übertritt zum Protestantismus hinweggeräumt werden müsse. Ich befehle
aber regelmäßige Hauslehren in allen bedrohten Ortschaften. Nur so kann man die verrückten Theologen im
Bauernkittel im Zaune halten und ein Umsichgreifen des Übels abwehren. Da die zu Salzburg gehörenden Teile des
Zillertales erst 1816 an Österreich bzw. Tirol fielen, erhebt sich die Frage, ob das Toleranzpatent überhaupt hier
zutreffend ist. Außerdem hat die bayerische Gesetzgebung von 1809 bis 1816 die österreichischen Gesetze
unterbrochen. Es müsste wohl zur Gültigkeit eine Republizierung des Toleranzpatentes stattfinden,
und ich zittere vor den Folgen und wehre mich auf das Äußerste dagegen. Ein protestantisches Bethaus
wäre ein entsetzliches Ärgernis. Nicht das Gewissen, sondern die Gewissenlosigkeit und das Verlangen nach
Ungebundenheit der Sitten treibt die Zillertaler zum lutherischen Glaubensbekenntnis. Ich werde den Antrag
stellen, den Sektierern die Kinder abzunehmen und dieselben bei gutkatholischen Leuten in Erziehung zu geben."


Das Gubernium - die höchste verwaltende Landesstelle in Innsbruck - tritt zu langwierigen Verhandlungen
zusammen und ersucht schließlich die vorgesetzte Wiener Hofkanzlei um Entscheidung darüber, ob das
Toleranzpatent in Tirol gesetzliche Gültigkeit habe.

Dekret der Hofkanzlei:

"Die österreichischen Toleranzgesetze haben auch in Tirol
als allgemein bindende Norm zu gelten.""




Martin Luther
(10. November 1483 in Eisleben; † 18. Februar 1546 ebenda)
Augustinermönch u. Theologieprofessor
Porträt aus der Cranach-Werkstatt, entstand um 1523,
ein Jahr bevor Luther die Mönchskutte für immer ablegte.


Martin Luther wird in eine Zeit mit vielen Spannungen und Konflikten hineingeboren. Es ist die Übergangszeit
vom Mittelalter zur Neuzeit. Er selbst wird die großen Veränderungen dieser Zeit entscheidend mitprägen.
Der Augustinermönch wird mit seinem Aufbegehren gegen den Ablass eine Welle durch Europa in Bewegung setzen,
die er so gar nicht bezweckt hatte. Luther wirkt auf seine Zeit und leistet mit seiner Bibelübersetzung
(1522 NT, 1534 vollständige Bibel) einen wichtigen Beitrag zum Entstehen der deutschen Schriftsprache.
Er schafft viel Neues, verfällt aber auch manchmal in alte Vorurteile, wie gegenüber den Juden.
So ist der große Reformator in seiner Zeit, in den folgenden Jahrhunderten und auch heute noch
in vielen Dingen umstritten. Die Welle, die er in Gang setzte ist nicht mehr aufzuhalten,
sie wirkt nach seinem Tod weiter und führt zum Entstehen der evangelischen Kirche.

Aus: www.luther.de/kontext/


Heutiger Zillertaler liest (Seite 43f):


"Die Zillertaler Protestanten, unter Druck von allen Seiten, finden auch ein paar wenige Leute,
die zu helfen bereit sind und scharfe Verordnungen zu mildern suchen.

So den Schwazer Kreishauptmann Dr. Anton von Gasteiger [1780-1860], der die Forderung,
den Protestanten die Kinder wegzunehmen, als unmenschlich zurückweist, die Reiseeinschränkungen für
Wanderhändler aufhebt und auch das Verlangen, den evangelischen Touristen die Einreise zu verweigern,
als blanken Unsinn bezeichnet. Er setzt beim Gubernium auch durch, dass die Verordnung über das Verbot des
Grundkaufes als ungesetzlich wieder aufgehoben wird, weil nur bei anerkannten Protestanten die Möglichkeit der
Grunderwerbsverweigerung bestehe, nicht aber bei den Zillertalern, denen man den offiziellen Übertritt verweigere,
somit sie als Katholiken zu behandeln seien.

Auch der Kulturreferent der Tiroler Landesregierung, der Gubernialrat und katholische Priester
Franz von Sondermann [1787-1852], sucht die harte Behandlung der Zillertaler Protestanten zu mildern,
nachdem er sich in Gesprächen mit ihnen davon überzeugt hat, dass sie keine Sektierer und Aufrührer sind.
Sondermann verhilft ihnen außerdem zu einer Audienz bei Kaiser Franz I. [1768-1835], der im Sommer 1832
in Innsbruck weilt. Johann Fleidl, Bartholomäus Heim und Christian Brugger übergeben dem Kaiser
eine Bittschrift, in der sie um Abstellung des Gewissenszwanges und um das Aufheben des Eheverbotes
ersuchen, sowie um die Bewilligung, einmal im Jahr einen Pastor kommen zu lassen."




Johann Fleidl
(1792-1853) aus Bichl
(heute: Bühel/Ramsau im Zillertal),
- Schumacher und Weber -
war der Hauptvertreter (Deputierte) und Wortführer der Zillertaler Protestanten.
Er wurde damals diskriminierend und verachtend als Haupträdelsführer
(Anstifter, Aufrührer, Anführer) bezeichnet.


Bartholomäus Heim (b.1790) Bauer zu Pendler, aus Hollenzen und Brugger (Brucker) Christian (b.1785) aus Ramsberg,
Knecht bei Andreas Egger (sog. Gruben Andarl am Schwendberg) waren im Sommer 1832 seine mithelfenden Begleiter,
als sie sich im Namen von ungefähr 240 ZillertalerInnen, im Sommer 1832, nach Innsbruck, mit einem Bittgesuch an Kaiser Franz I.
(1768-1835) von Österreich, wandten. In diesem Schreiben bekennen Sie sich zur Evangelischen Kirche AB und bitten,
eine protestantische Filialgemeinde im Zillertal errichten zu dürfen, um die Abstellung des Gewissenszwanges
und um die Aufhebung des Eheverbotes, sowie um die Bewilligung, einmal im Jahr einen Pastor kommen zu lassen.


"Als einer der tüchtigsten, am meisten in das Wesen des Evangeliums eingedrungenem, verdient ohne Zweifel der schon oben erwähnte
Bartholomäus Heim,
in dem Filialdorf Hollenzen, bezeichnet zu werden. An ihm hat sich die schöpferische Kraft des Wortes Gottes in sichtlicher Weise
bewährt. In seiner Jugend diente H. bei einem reichen Bauer, in dessen Hause er den Sendbrief von Joseph Schaitberger [1658 Hallein-1733 Nürnberg,
"24-Sendbriefe (1710")] vorfand. er nahm das Buch mit sich auf die Alm und las es während des Hütens. Von Schaitberger kahm er zur Schrift [Bibel],
nach dieser las er Luthers Catechismus, erst einige Jahre später die Confession und andere Erbauungsschriften. H. zeigt eine seltene Belesenheit in allen
Theilen der Schrift, so wie in der Augsburger Confession, ein richtiges Verständnis selbst schwieriger Stellen, eine schöne Klarheit über Wesentliches
und Außerwesentliches. Seiner Besonnenheit ist es ohne Zweifel mit zu danken, daß Schwärmerei apokalyptischer und anderer Art, die sich unter solchen
Verhältnissen so leicht anschließt, von ihrer Gemeinschaft fern blieb*. ...


[*Petri: "Von den Z.(illerthaler Evangelischgesinnten) habe ich weder Berufung auf ein Oberhaupt aus ihrer Mitte, noch schwärmerische Meinungen vernommen,
welche auf ein sectirerisches Treiben schließen lassen könnten. Vielmehr stützt sich ihr Glaube auf fleißiges Lesen in Luthers Bibelübersetzung und älteren
ev. Erbauungsbüchern, denen sie Anweisung zum richtigen Gebrauch ersterer verdanken. Auch kennen und genehmigen die Belesenen die augs. Conf.
Bei Landleuten; die sich nur auf diesem Wege und ohne Hülfe der Seelsorger dem ev. Glauben zugewendet haben, ist freilich Einsicht in den Zusammenhang
und vollständige Kenntnis des kirchlichen Lehrbegriffs nicht zu suchen. Doch möchte man allen Gliedern evang. Gemeinden wünschen, die Kernsprüche
der h. Schrift so fest im Gedächtnis und zur Rechtfertigung ihres Glaubens in solcher Bereitschaft zu haben, wie der im Gespräch mit mir das Wort
führende Evangelische Zillerthaler." Appelius: "Zu meine freudigen Bewunderung zeigten Einzelne eine Belesenheit in der h. Schrift
und eine Kenntnis der deutlichsten Beweisstellen für diese oder jene Lehre, die manchen Theologen beschämen würde."]


Nebst Heim ist besonders zu erwähnen der Handwerker Johann Fleidl. Er erhielt eine evang. Erziehung. Schon sein Großvater, dessen Jugend noch in die Zeiten
der Salzburger Verfolgung [Salzburger Emigration 1731/32] reicht (er wurde 98 J. alt), war dem Evangelio zugethan. Auch er besitzt eine ungemeine Kenntnis der
heil. Schrift. Die von ihm citirten Texte weiß er genau nach dem Worte der luther. Ueberlieferung anzugeben, selbst mit Kapitel und Verszahl. Für andere Lectüre,
wie Tractate ect. zeigte er während seines Aufenthalts in Berlin [27.V. - 6.VI 1837] wenig Sinn; er nahm immer wieder die Bibel zu Hand oder das "dreifache Kleeblatt",
[Dreifaltigkeit] welches er auf der Reise bei sich führte. Fleidl besitzt eine Gabe des mündlichen und schriftlichen Vortrags, wie sie selten in diesem Grade bei solchen
Leuten sich findet und auch Heim sie nicht besitzt. Auch ist er ruhiger und gehaltener als letzterer. ...


Diese beiden engverbundenen Männer sind es, die man als eigentlichen Häupter der Evangelischgesinnten betrachten konnte.
Beide hatten seit einer Reihe von Jahren um die Leitung der äußeren und inneren Angelegenheiten sich große Verdienste erworben,
und genossen daher auch eine väterliche Autorität bei den Uebrigen.



Joseph Schaitbergers - Evangelischer Sendbrief (1710)
bestärkte auch die Zillertaler Protestanten in ihrer Glaubenshaltung.
Dieses "Werk" war auch in Bartholomäus Heim's "Centralbibliothek"
in seinem Bauernhaus in Hollenzen verfügbar.
Bild: Wilfried Beimrohr, Tiroler Landesarchiv

Hierzu kam bei Bartholomäus Heim auch, daß er Familienvater und Besitzer eines eigenen Hauses war. Zu ihm kamen die Evangelischen, bei ihm hörte man alles Neue,
was die Gemeinschaftsangelegenheiten betraf, bei ihm holt man sich Rath, wie im Leiblichen so im Geistigen. In diesem Hause [Bauernhaus zu Pendler Hollenzen,
Heute: Schösser] befand sich auch eine Art von Centralbibliothek, in der folgende Bücher standen: 1) eine Bibel in Folio, nürnberger Ausgabe, mit der augsb. Confession,
2) mehrere A. Test., 3) Luther's H. Katechismus und Spruchsammlung, Nürnb. 1829, 4) Luther's Schatzkästlein zum N.Test., Stettin 1738, 5) Federhaff, 2mal 52 biblische Geschichten
für Schuleund Haus, 6) Liederschatz, Gesangbuch von Augsburg, 1776, 7) Schmolke, Communionbuch, nebst Morgen- und Abendandachten, 1758, 8) singender Mund,
nürnberger Gesangbuch, 1753, 9) Schaitberger, neuer evang. Sendbrief an die Salzburger, 10) bet- und Bußrose, nebst Gesangbüchlein, Nürnberg 1783, 11) Himmlischer
Gnadentisch, Beichtbüchlein, Nürnberg, 12) Büchner, biblische Concordanz, 13) Storr, Beicht- und Communionbuch, 5te Auflage, Stuttgart 1771, 14) Burk, Beicht- und
Communionbüchlein, Stuttgart 1835; von demselben einige Predigten, 15) G. F. Seiler, Lehrgebäude der evangelischen Glaubenslehre, Erlangen 1778.
Centralbibliothek nannten wir die kleine Sammlung, weil von hier aus sich die Angehörign die Bücher zur Benutzung holten
und sie wieder dahin zurückbrachten.
Aus: Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849, Prof. f. Theologie): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“ s. 25-28,
Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints; Nachdruck 2012.
Altdeutsche Schrift
Prof. G. F. H. Rheinwald hat damals vor Ort recherchiert und viele der Zillertaler Protestanten persönlich gekannt und befragt.


Auf Grund dieser zeitgenössischen "Augenzeugen-Schilderungen"
kommt mir heute in den Sinn, dass ein zur zeitgemäßen Aufarbeitung
dieser leidvollen Geschichte
"der vertriebenen Zillertaler Protestanten von 1837"
beitragendes

"Denk- und Mahnmal
über die verfolgten Zillerthaler Evangelischgesinnten
und deren Geschichte als Vertriebene Protestanten
aus dem Zillerthal", in Hollenzen
,

im Bereich des Dorfbrunnen-Areals,
in gerechter und ganzheitlicher Weise in Frage kommt,
und dort aufgestellt,
die maximale Würdigung unserer vertriebenen Vorfahren
posthum (er-)bewirken kann und wird.


Hier in Hollenzen war einer der "Sammlungsplätze" der damaligen Exulanten
für ihren erzwungenen "Auszug aus ihrer Heimat" und es war zugleich
der Heimatort von Bartholomäus Heim, dem Bauern zu Pendler, und
Treffpunkt zum "Bibel- und Schriften lesen" mit seinen "Evangelischgesinnten"
in seinem Bauernhaus, und noch dazu ausgestattet mit einer umfassenden
"Centralbibliothek evangelischer Schriften" zugänglich und frei
verfügbar für Alle!



Johann Fleidl übergab, am 27. Mai 1837, in Berlin, dem König von Preußen,
Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), folgende Bittschrift:


"Allerdurchlauchtigster, großmächtigster König!
Allergnädigster König und Herr!

In meinem Namen und im Namen meiner Glaubensgenossen, deren Zahl sich auf 430-430 beläuft, wage ich einen Nothruf
an die Großmuth und Gnade Ew. Maj. als erhabenen Schutzherrn des reinen Evangeliums. Von ganzer Seele gern hätte ich
Ew. Maj. diese Bitte persönlich und mündlich vorgetragen, doch bescheide ich mich auch, wenn ich dieses blos im schriftlichen Wege
thun darf. In unserm Vaterlande wiederholt sich nach etwas mehr als 100 Jahren [Die Lutherische Bewegung im Dedereggental
1666 – 1725] abermals ein Act der Verfolgung und Vertreibung. Nicht wegen verbrechen oder sonstiger Vergehungen sondern des Glaubens
wegen müssen wir den heimathlichen Boden verlassen, wie das angeschlossene Zertificat des Landesgerichts Zell
1 vom 11. d. M. zeigt.
Wir haben zwar die Wahl zwischen der Uebersiedlung in eine andere östreichische Proviinz und zwischen der gänzlichen Auswanderung,
wir ziehen aber die letztere vor, um uns und unsern Kindern jede weitere Gehässigkeit zu ersparen. Schon einmal gab Preußen unsern
bedrängten Voreitern eine sichere Zufluchtsstätte, auch wir haben all' unser Vertrauen auf Gott und den guten König von Preußen gesetzt.
Wir werden Hülfe finden und nicht zu Schanden werden. Wir bitten demnach Ew. Maj. unterthänigst um huldvolle Aufnahme in Allerhöchstihre
Staaten und um gnädige Unterstützung bei unserer Ansiedlung. Nehmen uns Ew. Maj. väterlich an und auf, damit wir nach unserem Glauben
leben können. Unser Glaube beruht ganz auf der Lehre der h. Schrift und auf den Grundsätzen der augsburgischen Konfession; wir haben
beides fleißig gelesen und den Unterschied zwischen Gottes Wort und dem menschlichen Zusatz wohl erkannt. Von diesem Glauben
können und werden wir nimmer weichen; ihm zu lieb verlassen wir Haus und Hof, ihm zu lieb das Vaterland. Lassen uns Ew. Maj. aber auch
huldvoll in e i n e r Gemeinde beisammen bleiben. Das wird unsere Hülfe, unsern Trost gegenseitig vermehren. Setzen uns Ew. Maj.
gnädigst in eine Gegend, deren landwirtschaftliche Verhältnisse mit unserem Alpenlande einige Aehnlichkeit haben. Ackerbau und
Viehzucht waren unsere Beschäftigung. Beiläufig zwei drittel von uns haben Besitz, ein drittel nährt sich vom Arbeitslohn, blos 18 sind
Gewerbsleute, darunter 13 Weber. Geben uns Ew. Maj. einen recht gottgetreuen Prediger, einen recht eifrigen Schullehrer;
wir werden wenigstens Anfangs nicht wohl im Stande sein, diesfalls viel zu bestreiten. Die Reise wird viel kosten, wir wissen nicht,
was wir nach dem neuen Hause bringen, und wir und unsere Kinder haben lange schon den Trost der Religion und den Unterricht
der Schule entbehren müssen. Sollte sich wo immer eine Noth zeigen, besonders bei den Aermeren von uns, denen vielleicht auch die
Vermöglicheren nicht genügend werden beistehen können, weil auch sie hier neu anfangen müssen, so seien Ew. Maj. unser aller Vater.
Sorgen Ew. Maj. aber auch gnädigst dafür, daß uns der 4monatliche Auswanderungstermin vom 11 Mai bis 11 Sept. allenfalls bis zum nächsten
Frühjahr verlängert werde. Unser Güterverkauf, der wohl schon begonnen hat, der aber in einer so kurzen Zeit nicht ohne Nachtheil beendet werden
kann, der Eintritt des Winters, die Unbehülflichkeit der alten Leute und Kinder sind Rücksichten, die eine solche Terminsverlängerung höchst
erwünschlich machen. Gott lohne Ew. Maj. das Gute, was Allerhöchstdieselben an uns thun; treu ehrlich und dankbar werden wir auch in Preußen
bleiben, und das Gute unserer Tyrolernatur nicht ablegen. Wir werden nur die Zahl Allerhöchstihrer braven Unterthanen vermehren und in der Geschichte
als bleibendes Denkmal dastehen, daß das Unglück, wenn es neben dem Erbarmen wohnt, aufhört Unglück zu sein, und daß das vor dem Pabstthum
flüchtige Evangelium bei dem großherzigen Könige von Preußen allezeit seinen Schutz findet.


Berlin, den 27. Mai 1837
Die Tyroler aus dem Zillerthale durch ihren Wortführer
Johann Fleidl aus Zillerthal"


Zur Verfolgung ihrer weiteren Zwecke im Ausland, erhielt Johann Fleidl, einer ihrer Sprecher,
auf Ansuchen, am 11.Mai 1837, vom K. K Landesgericht Zell am Ziller,
folgenden amtlichen Beglaubigungserlaß:
Ad Nr. 56 Praesid.


"Zertificat.1
Nach dem ausgesprochenen A. Willen S. M. des Kaisers haben diejenigen Bewohner des Zillerthals,welche sich für den Austritt aus der kath. Kirche erklärt haben,
Tyrol zu verlassen und entweder auszuwandern, oder ihr Domicil in einer anderen österreichischen Provinz an solchen Orten zu nehmen, wo sich akatholische Gemeinden
des Religionsbekenntnisses für welches sie sich erklären, befinden. Dieses wird nun dem Johann Fleidl von Bichl, b. G. und dessen committirenden Glaubensgenossen,
welche nach erklärten austritt aus der katholischen Kirche die gänzliche Auswanderung der Uebersiedlung in eine andere österreichische Provinz vorgezogen haben,
zur Legitimation und zur Ausmittelung geeigneter Ansiedlungsplätze im Ausland in Folge kreisamtlicher Eröffnung vom 8. dieses 4492/
367 Publ. amtlich bestätigt.
Vom K. K. Landgerichte Zell am Ziller, den 11. Mai 1837
(L.S.) Schlechter, Landr."
[heutige Ergänzungen]
Aus: Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849, Prof. f. Theologie): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“
Seite 36f, 14, Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints;
Nachdruck 2012,
Altdeutsche Schrift


"Das Gespräch mit dem Kaiser:

Kaiser: Ja, wer stört euch denn in eurem Glauben?
Fleidl: Die Geistlichkeit.
Kaiser: Was glaubt ihr denn?
Fleidl: Wir glauben das Wort der Heiligen Schrift nach den Grundätzen der Augsburger Konfession.
Kaiser: Nicht wahr, ihr glaubt an Christus wie ich?
Fleidl: Ja, wir glauben an Christus als unseren Herrn und Heiland und alleinigen Seligmacher,
aber das wollen sie eben im Zillertal nicht leiden, dass wir es sagen.
Kaiser: Es ist den Katholiken nicht erlaubt, euch zu beschweren und zu schimpfen,
wie ihr sie auch nicht schimpfen dürft. Früher hat man in Salzburg drüben die Lutherischen
nicht gelitten, aber jetzt ist's nicht mehr so wie damals, ich zwinge niemand in seinen Glauben.
Aber wie seid ihr denn dazu gekommen?
Fleidl: Die Heilige Schrift ist bei uns so lange schon, dass man nicht weiß, wie lange.
Es sind bei uns Bibeln, die mehr als 200 Jahre alt sind. Mein Großvater ist 98 Jahre alt geworden
und erst vor drei Jahren gestorben und hat die Schrift seit seiner Kindheit gelesen, und so mein Vater,
und so ich, und so viele, dass von den Eltern die Lehre ihnen eingeprägt ist.
Kaiser: Ja, da ist vielleicht etwas von den Salzburgern geblieben. Seid ihr salzburgisch gewesen?
Fleidl: Ja, wir haben zum Salzburger Ländchen gehört bis vor 16 Jahren (1816).
Kaiser: Ihr wollt also nicht bei der katholischen Kirche bleiben?
Fleidl: Wir können es nicht wegen unseres Gewissens, wir müssten sonst heucheln.
Kaiser: Nein, das will ich nicht haben, ich will sehen, was sich für euch tun lässt.

Als die Zillertaler ihre Bitte nochmals dringend empfahlen und dem Kaiser versicherten,
dass sie brave Leute seien, dass er sie doch nicht vergessen solle und es nicht glauben,
wenn man Böses über sie sagte, erwiderte der Kaiser:
Ich will euch nicht vergessen und nichts Schlimmes von euch glauben."

"Die Erzählung von dieser Aufnahme bei dem Landesherrn erregte Aufsehen im Thale.
Man erklärte ihre Aussagen für "Lüge", hielt es aber doch für räthlich Gegenschritte zu thun.
Mehrere Gemeinden des Landgerichts Zell sandten ebenfalls eine Deputation zum Kaiser, welche,
"um Abwehrung der Glaubensspaltung im Lande" und damit das Band der Nationalität durch eine
Verschiedenheit der Religion nicht gelockert werde, um Nichtwillfahrung des Gesuches der
Evangelischgesinnten bat. Bald wurde die Sache auch auf dem Tyrolischen Landtag verhandelt.
Zwar fehlte es unter dem Bürger- und Bauernstand nicht an solchen, welche eine tolerantere Gesinnung
gegen die Ev. zeigten, namentlich wurde von einem angesehenen und geachteten Manne der Hauptstadt,
dem Bürgermeister Dr. Maurer [Josef von Maurer, 1797-1843], die Meinung nachdrücklich vertreten,
man solle die Leute doch ihres Glaubens leben lassen. Indes Klerus und Adel setzten eine Petition
an die Staatsregierung durch, in welcher darauf hingewiesen wurde, daß das Toleranzedict [1781]
in diesen Ländern nicht publicirt sei und jetzt ex post [nachträglich] nicht wohl auf sie angewendet
werden könne.
Gegen die Mitte des Jahres 1834 erhielten die Evangelischgesinnten aus Wien
den Bescheid (d. d. 2.April.): "Man finde in ihr Gesuch nicht einzuwilligen, wenn sie jedoch
aus der kath. Kirche austreten wollen, so möchten sie in eine andere Provinz des Reichs
übersiedeln, wo vorher schon akatholische Gemeinden seien".
[heutige Ergänzungen]
Aus: Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849, Prof. f. Theologie): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“ Seite 11, 12
Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints; Nachdruck 2012,
Altdeutsche Schrift
Prof. G. F. H. Rheinwald hat damals vor Ort recherchiert und viele der Zillertaler Protestanten persönlich gekannt und befragt.



Joseph Karl Franz II.
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
Kaiser Franz I. von Österreich

(1768-1835)


Heutiger Zillertaler liest (Seite 47f):

"Unmittelbar nach der Anhörung der Zillertaler Protestanten durch den Kaiser [Franz I. (1768-1835)]
reichen die ständischen Vertreter des Bürger- und Bauernstandes vom Unterinntal und Abgeordnete der
Gerichtsgemeinden von Zell ebenfalls ein Majestätsgesuch ein, mittels welchem sie um Schutz
für den katholischen Glauben bitten.

Kurat Johann Paul Rappold von Hippach [1787 Nassereith - 1848 Innichen/Stiftprobst (A)] schreibt:
"Nur wer den bis zur Wut und zum Blutdurst gehenden bittersten Hass gegen alles Katholische kennt,
womit Luther und die übrigen so genannten Reformatoren des 16.Jahrhunderts auftraten und wüteten, und
Deutschland, England, Holland mit Blut, Feuer und Zerstörung erfüllten, kann den Geist dieser Sekte ermessen."


Am 25. April 1833 kommt die Zillertaler Protestanten Angelegenheit zum erstenmal vor den Tiroler Landtag.
Die ständische Landesvertretung besteht zu je einem Viertel aus Geistlichen, Adeligen, Bürgern und Bauern.
Die Klerikal-Konservativen unter ihnen haben den größten Einfluss.

Aussagen laut Sitzungsprotokoll: Graf Alois Tannenberg [1771-1846]:
"Glaubwürdigen Nachrichten zufolge gewinnt der Übermut jener Bewohner des Zillertales, welche sich eigentlich
zu keiner Glaubenskonfession bekennend, unter dem Deckmantel des Protestantismus sich einem ungebundenen,
ausschweifenden Leben überlassen, stets mehr an Stärke. Ich sehe daher für den Landtag den Anlass gegeben,
sich an das fromme Gemüt seiner Majestät des Kaisers zu wenden, mit der untertänigsten Bitte,
Tirol in der Einheit und Reinheit der katholischen Religion, worin die Provinz stets ihr höchstes Glück setzte,
erhalten und nicht gestatten zu wollen, dass mit dem Gifte der Irreligiosität auch die ohnehin zu einem freieren Leben sich
hinneigenden Bewohner der benachbarten Täler besudelt, sondern dessen Weiterverbreitung durch Anwendung kräftiger Maßregeln
umso mehr entgegengewirkt werde, weil Menschen, die keiner Religion zugetan, auch keine guten Bürger,
folglich die Staatszwecke zu befördern nicht geeignet sind, und durch ihre Verbindung mit dem Auslande früher oder später
staatsfeindlich werden können."


Landeshauptmann und kaiserlich-königlicher Landesgouverneur [Friedrich] Graf Wilczek [1790-1861]:
"Ob die Sektierer durch den Einfluss von außen in ihren Irrtümern bestärkt werden, muss noch in Frage gestellt bleiben,
und von einer politischen Tendenz dieser Sekte hat sich nach Auskunft von Gubernialreferent Sondermann bisher
nicht die geringste Spur gezeigt. Im übrigen ist es bisher trotz aller versuchten Mittel und selbst des angewendeten direkten Zwanges
nicht gelungen, die Sektierer von ihren Irrtümern zurückzuführen, und ersuche ich daher die hochwürdigsten Herrn Fürstbischöfe,
ihre Ansichten in dieser Sache mitzuteilen."


Die Bischöfe von Brixen und Salzburg sprechen den Wunsch aus, dass eine höhere Anordnung erlassen werde,
wie die Ordinariate und politischen Behörden gegen Leute, die eigentlich keiner Kirche angehören,
sich zu benehmen haben, damit der Funke der Zwietracht erstickt und die Einigkeit der religiösen Gesinnung
unter den Bewohnern der Provinz erreicht werde.

Bericht des Guberniums an die Hofstelle:

"Die Inklinanten sind nicht Bekenner einer bestimmten tolerierten Konfession, sondern meist Leute,
die aus Hang zur moralischen Ungebundenheit den Protestantismus bequemer finden,
heute die Gebote der Kirche und morgen die Gesetze des Staates als lästig von sich weisen.
Deshalb möge das Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781 für Tirol aufgehoben werden.""

(A) Lebensdaten Kurat Johann Paul Rappold, mit freundlicher Hilfe, durch das Tiroler Landesarchiv zur Verfügung gestellt (e-mail, 4.2.2014).

"Eine Konferenz zu Hüppach [Hippach], welche mehrere Stunden gedauert,
und in der sich die Leute sehr wacker gehalten hatten,
schloß der Geistliche [vermutlich der Kurat Johann Paul Rappold von Hippach] mit den Worten

"Ich wünsche nur, daß jetzt der Herr Christus selbst in die Stube hereinkäme,
damit ich ihm sagen könnte, siehe, da sind diese Leute,
da verderbe sie in's höllische Feuer hinein!"
-

Wichtiger noch ist eine Unterhaltung, die der Parochus [Pfarrer] mit dem Bartholomäus Heim zu Hollenzen [Pendler Bauer] pflog.
Als letzterer eben von einer schweren Krankheit aufgestanden, kam der Pfarrer eines Tages zu ihm auf das Feld.
Barthle, sprach er, ihr seht meger [überaus] schlecht aus, es geht's nicht mehr z' lang mit euch. In diesem Augenblicke (erzählte H.)
wurde mir so wohl und ich fühlte mich so gesund, daß ich ordentlich mit lauter Stimme, wie ein ganz Gesunder sprach:
"Gott sei ewig Lob und Dank, Herr Pfarrer, so schlimm ist's noch nicht,
die Kinder und s' Weib zu Hause brauchen mich auch noch gar zu nöthig." ...

Mitlerweile waren sie nach Hause gekommen. Der Pfarrer wurde gebeten, ein wenig einzusprechen.
Heim machte den Vorschlag das Gespräch fortzusetzen, namentlich die Bibelstellen einmal genauer mit einender durchzugehen. ...

Der Pfarrer willigte ein.
[...] Der Geistliche fuhr fort:
"Ja, es ist eben wieder der alte Fehler, daß ihr hartnäckig am Geschriebenen euch haltet,
und von der Uebergabe und vom Kirchengesetz nichts hören wollt"

Heim: die Kirche, der ich von Herzen angehöre, hält sich an Christum als Gesetzgeber und ehrt seinen Abendmahlsbefehl.
Darum ist derselbe auch in der Augsburger Confession aufgenommen."

[heutige Ergänzungen]
Aus: Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849, Prof. f. Theologie): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“
Seite 19. Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints; Nachdruck 2012,
Altdeutsche Schrift
Prof. G. F. H. Rheinwald hat damals vor Ort recherchiert und viele der Zillertaler Protestanten persönlich gekannt und befragt.




Die Lutherrose
Symbol der evangelisch-lutherischen Kirche
Das Siegel, das Martin Luther (1483-1546) ab 1530
für seinen Briefverkehr verwendete.


In einem Brief vom 8. Juli 1530 schrieb Luther an Lazarus Spengler (Ratsherr in Nürnberg, 1479-1534), die Lutherrose sei
„ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erst sollt ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte,
damit ich mir selbs Erinnerung gäbe, daß der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn so man von Herzen glaubt,
wird man gerecht. Ob’s nun wohl ein schwarz Kreuz ist, mortifizieret und soll auch wehe tun, dennoch läßt es das Herz in seiner Farbe,
verderbt die Natur nicht, das ist, es tötet nicht, sondern erhält lebendig … Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rosen stehen,
anzuzeigen, daß der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister
und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, daß solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der
himmlische Freude zukünftig, jetzt wohl schon drinnen begriffen und durch Hoffnung gefasset, aber noch nicht offenbar.
Und in solch Feld einen goldenen Ring, daß solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich
über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“
Aus: WA, Luthers Briefwechsel, 5. Band, S. 444f (Nr. 1628)


Heutiger Zillertaler liest (Seite 57f):

"Da die Hofkanzlei in Wien keine endgültigen Weisungen gibt, wie die Entscheidung des Kaisers
nun wirklich auszulegen sei, verharrt die ganze Angelegenheit weiterhin in einem schwebenden Zustand.

Am 2. März 1835 stirbt Kaiser Franz I., was dazu führt, dass eine endgültige Entscheidung sich wiederum
hinauszögert. Nachfolger der verstorbenen Kaisers wird sein Sohn Ferdinand [1793-1875], später
[Kaiser Ferdinand I. von Österreich] "der Gütige" genannt.

Im April 1836 tritt wie alljährlich um diese Zeit der ständische Kongress des Tiroler Landtages zusammen.

Der Fürstbischof von Brixen
[Bernhard Galura (1764-1856)] spricht sich dafür aus, seine Majestät zu bitten,
die von seinem Vater gegebenen Anordnungen zu bestätigen und ihren Vollzug zu befehlen.

Die Verordneten [Ignaz] Graf Tannenberg,
[Hans] Graf Trapp und [Josef] Baron Giovanelli stimmen
dem Bischof bei und erachten es für notwendig, diesem krebsartigen Übel
mit aller Energie Schranken zu setzen.

Einzig Landeshauptmann [Friedrich]
Graf Wilczek [1790-1861] und der Vertreter der Stadt Innsbruck,
Bürgermeister Dr. Josef von Maurer [1797-1843], sprechen sich weiterhin gegen extreme Maßregeln aus.

Der Fürsterzbischof von Salzburg [Friedrich von Schwarzenberg (1809-1885)]
stellt in einem schriftlichen Gutachten unter anderem folgende Anträge:

"Absonderung der Kinder, dies auch im Falle der Auswanderung ihrer Eltern.
Androhung unverzüglicher Transportation aus der Provinz für alle Sektenhäupter.
Kräftige Unterdrückung der kursierenden protestantischen Schriften.
Diese sind Giftmagazine der gefährlichsten Art, sind staatsgefährdende Schriften,
weil Altar und Thron in innigster Wechselwirkung stehen und weil die Pfeiler der Heiligen Kirche
nicht untergraben werden können, ohne dass der Staat die Erschütterung mitempfindet."


Das Gubernium, die höchste verwaltende Landesstelle, erstattet nun Bericht an die kaiserliche Hofkanzlei in Wien,
legt alle Gutachten der Ordinariate, Dekane und Seelsorger, des Kreisamtes und der Landgerichte bei und bittet
dringend um Weisungen. Das Gubernium wirft die Frage auf, ob es nicht rätlicher sei, seine Majestät um die
Zurücknahme jener allerhöchsten Entscheidung zu bitten. Für den Fall der Nichtgenehmigung empfiehlt das
Gubernium jede mögliche Schonung der gefährdeten bürgerlichen und Privatrechte der Inklinanten.

Die Landstände hingegen bitten in einer persönlichen Majestätsadresse
um Durchführung der Entschließung des verstorbenen Kaisers Franz.

Die Vertreter der Hofkanzlei in Wien treten zur Beratung zusammen
und sprechen sich mit Mehrheit für die Bildung einer akatholischen Gemeinde im Zillertal aus.

Kanzler
[Franz] Freiherr von Pillersdorf [1786-1862], der schon den Erlass über die Gültigkeit
des Toleranzpatentes für Tirol unterzeichnet hatte, vertritt die Meinung, die Regierung dürfe sich nicht
von der Bahn der Gerechtigkeit ableiten lassen, und weist darauf hin, dass in elf katholischen Ländern
der Monarchie seit 50 Jahren die Glaubensfreiheit für Protestanten und nicht unierte Griechen ohne Reaktion
und Widerstand aufrechterhalten wird.

Als letzte Entscheidungsstelle vor dem Kaiser tritt der Staatsrat zusammen.
Prälat Jüstel weist auf die Unwissenheit, Rohheit und größtenteils moralische Wertlosigkeit der Sektierer hin.
Staatsrat Weiß sieht in den Inklinanten weniger religiöse Eiferer, sondern eher unsittliche Renitenten
[Aufsässige], die die Religion zum Vorwand nehmen, frech gegen die Landesreligion aufzutreten.

Fürst [Klemens] Metternich [1773-1859] schließlich, der in seiner Funktion als Staatskanzler einen
entscheidenden Einfluss ausübt, bezeichnet die Inklinanten als Branntweintrinkende rohe Gesellen,
als politische Revolutionäre und als Anarchisten."




Karl Leopold Joseph Franz Marcellin
Kaiser Ferdinand I. von Österreich
"Der Gütige"
(1793-1875)


Heutiger Zillertaler liest (Seite 61f):

"Johann Fleidl
[b.1792] reist nach Berlin und übergibt dem König von Preußen,
Friedrich Wilhelm III. [1770-1840], eine Bittschrift.

Auszüge:
"Wir bitten demnach Euer Majestät untertänigst um huldvolle Aufnahme in allerhöchst Ihre Staaten
und um gnädige Unterstützung bei unserer Ansiedlung. Nehmen uns Euer Majestät gnädig an und auf,
damit wir nach unserem Glauben leben können. Unser Glaube beruht ganz auf der Lehre der Heiligen Schrift
und auf den Grundsätzen der augsburgischen Kofession, wir haben beides fleißig gelesen
und den Unterschied zwischen Gottes Wort und dem menschlichen Zusatz wohl erkannt.
Von diesem Glauben können und werden wir nimmer weichen; ihm zulieb verlassen wir Haus und Hof,
ihm zulieb das Vaterland. Lassen uns Euer Majestät aber auch huldvoll in einer Gemeinde beisammen bleiben.
Das wird unsere Hilfe, unsern Trost gegenseitig vermehren. Setzen uns Euer Majestät gnädigst in eine Gegend,
deren landwirtschaftliche Verhältnisse mit unserem Alpenlande einige Ähnlichkeit haben. Ackerbau und Viehzucht
waren unsere Beschäftigung. Beiläufig zwei Drittel von uns haben Besitz, ein Drittel nährt sich vom Arbeitslohn,
bloß 18 sind Gewerbsleute, darunter 13 Weber. Geben uns Euer Majestät einen recht gottgetreuen Prediger,
einen recht eifrigen Schullehrer, wir werden wenigstens anfangs nicht wohl imstande sein, viel zu bestreiten.
Die Reise wird viel kosten, wir wissen nicht, was wir nach dem neuen Hause bringen, und wir und unsere Kinder
haben lange schon den Trost der Religion und den Unterricht der Schule entbehren müssen. Sollte sich wo immer
eine Not zeigen, besonders bei den Ärmeren von uns, denen vielleicht auch die Vermöglicheren nicht genügend
werden beistehen können, weil auch sie hier neu anfangen müssen, so seien Euer Majestät unser aller Vater.
Gott lohne Euer Majestät das Gute, was allerhöchst dieselben an uns tun; treu, ehrlich und dankbar werden wir auch
in Preußen bleiben und das Gute unserer Tiroler Natur nicht ablegen. Wir werden nur die Zahl allerhöchst ihrer braven
Untertanen vermehren, und in der Geschichte als bleibendes Denkmal dastehen, dass das Unglück, wenn es neben
dem Erbarmen wohnt, aufhört Unglück zu sein, und dass das vor dem Papsttum flüchtige Evangelium bei dem
großherzigen Könige von Preußen allezeit seinen Schutz findet. Berlin, den 27.Mai 1837.
Die Tiroler aus dem Zillertale durch ihren Wortführer Johann Fleidl."


Der König von Preußen verspricht Fleidl die Aufnahme der Zillertaler Glaubensbrüder,
vorbehaltlich einiger Erkundigungen, die er noch über sie einholen müsse.

Das Tiroler Gubernium ist konsterniert [bestürzt] darüber, dass wider den Erwartungen die Zahl der Protestanten
durch die kaiserliche Entschließung nicht abnimmt, sondern im Gegenteil immer mehr sich zum evangelischen
Glauben bekennen. Auch ist man beunruhigt darüber, dass die Protestanten ins Ausland ziehen wollen.

In einem Bericht an die Hofkanzlei hält es das Gubernium im Interesse der Regierung für wichtig,
"väterliche Gesinnung gegenüber den Auswanderern zu zeigen und zu manifestieren, dass die Auswanderung
eine rein freiwillige sei, so dass man allen falschen Deutungen und der böswilligen Bearbeitung der öffentlichen
Meinung im Auslande mit Würde begegnen könne."
Außerdem erachtet es das Gubernium für ratsam,
bedürftigen Familien Reiseunterstützungen zu geben, weil ein so großmütig unterstützter Untertan unmöglich
über harte Behandlung oder über Austreibung aus seinem Vaterlande klagen könne."



Friedrich Wilhelm III.
(1770-1840)

König von Preußen

Heutiger Zillertaler liest (Seite 72f):

"Der König von Preußen [Friedrich Wilhelm III.(1770-1840)] schickt seinen Hofprediger,
Dr. [Friedrich] Strauß [1786-1863], nach Wien, um Erkundigungen einzuholen, was man dort
von den Zillertaler Protestanten halte, und um eventuelle Auswanderungsmodalitäten zu besprechen.
Staatskanzler [Klemens] Metternich [1773-1859] empfängt Dr. Strauß.

Metternich: Hochwürden ...
Strauß: Sagen sie einfach Herr Doktor zu mir, verehrter Herr Staatskanzler!
Metternich: Gut, lieber Herr Doktor! Also: nach meinen Informationen steht es mit der politischen Gesinnung
und mit der Sittlichkeit der Inklinanten nicht zum besten!
Strauß: Nun, Herr Staatskanzler, ich werde mich am besten wohl an Ort und Stelle darüber unterrichten ...
Jedenfalls haben unsere bisherigen Nachforschungen ergeben, dass es sich in der Tat um Christen
evangelischen Glaubens handelt. Wenn sie auch manchmal etwas verworrenen Ideen nachhängen,
die sie wohl aus ihren alten Büchern bezogen haben.
Metternich: Ja, nun, lieber Herr Doktor, weil Sie gerade von alten Büchern sprechen, das bringt mich darauf,
dass Preußen zur Zeit ja auch ein kleines Problemchen hat. Eines, das dem unsrigen nicht unähnlich ist,
wenn ich so sagen darf.
Strauß: Welches Problemchen meinen Sie, verehrter Herr Staatskanzler?
Metternich: Das mit euren Separatisten, lieber Herr Doktor, mit den Altlutheranern!
Strauß: Ach ja, leider Gottes! Immer diese Abspaltungen!
Metternich: Darf ich fragen, lieber Herr Doktor, wie ihr verfahren werdet? Ich will nicht in Sie dringen,
aber es interessiert mich, haben wir doch in unserem Fall auch lange um eine Lösung gerungen!
Strauß: Nun ja, verehrter Herr Staatskanzler, es ist so, dass unsere Altlutheraner um Auswanderung
angesucht haben!
Metternich: Was sie nicht sagen, lieber Herr Doktor!
Strauß: Doch, ja! Der König wird diesem Ansuchen wohl zustimmen!
Diese Leute bringen Unruhe ins Staatsgefüge!
Metternich: Nun, dann verstehen wir uns ja, lieber Herr Doktor!
Auch die Zillertaler brachten nicht wenig Unruhe!
Strauß: Gewiss, gewiss verstehen wir uns, Herr Staatskanzler!
Metternich: Übrigens, lieber Herr Doktor, um noch einmal auf die alten Bücher der Zillertaler zurückzukommen,
die meine Gedanken auf eure Altlutheraner lenkten: Ich habe so das Gefühl, dass die Zillertaler wohl auch
zu den Altlutheranern zu zählen sind. Sie hatten nie einen Pastor, und moderne Glaubenseinflüsse sind ihnen
wohl fremd. Fürchten Sie also nicht, dass eure Altlutheraner die Zillertaler an sich ziehen werden?
Strauß: Ich hoffe sehr, verehrter Herr Staatskanzler, dass die Altlutheraner schon ausgewandert sind,
wenn die Zillertaler einwandern!
Metternich: Das hoffe ich für Sie, lieber Herr Doktor! Übrigens, bei uns wird nichts in den Zeitungen stehen!
Strauß: Wie? Ach so! Keine Sorge! Bei uns auch nicht!
Metternich: Oh, wie ich sehe, Ihr Einspänner ist kalt! Möchten sie noch ein Glas?
Strauß: Bitter verschonen sie mich, verehrter Herr Staatskanzler, der Wiener Kaffe ist mir viel zu stark!
Kann ich nächtelang nicht schlafen!
Metternich: Na, dann grüßen sie mir Ihren Herrn König recht schön, lieber Doktor! Und sagen Sie ihm,
dass ich an den evangelischen Bekenntnissen das positive Christentum stets zu schätzen wusste!
Strauß: Ich sags ihm, verehrter Herr Staatskanzler, ich sags ihm!"




Klemens Wenzel Lothar Graf von Metternich-Winneburg zu Beilstein

(1773 in Koblenz - 1859 in Wien)
Staatsmann im Kaisertum Österreich. Im Jahr 1809 wurde er Außenminister.
Seit 1813 stieg er zu einem der führenden Staatsmänner in Europa auf. Er spielte vor allem auf dem Wiener Kongress
(18. September 1814 bis 9. Juni 1815) eine führende Rolle bei der politischen und territorialen Neuordnung Europas
im Sinne eines Gleichgewichts der Mächte.


Johann Fleidl (ganz unpathetisch) Seite 74:

"Wahrlich, ich sage euch: Niemand hat Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater
oder Kinder oder Äcker um meinetwillen und um des Evangeliums willen verlassen, der nicht
hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mutter und Kinder
und Äcker - wenn auch unter Verfolgungen - und in der künftigen Welt ewiges Leben.
Viele Erste aber werden Letzte sein und die Letzten Erste." - (Schaut seine Leute an.)
I woaß, des Herz tuat enk weh, mir a, i bin heit no in aller fruah über die Felder gangen,
bin da auffi gstiegen (deutet) und hab owagschaut auf unser schönes Dorf,
hab mir zum letzten Mal unsere Hoamat angschaut, unser Zillertal. -
Jetzt woll ma uns nimmer lang aufhalten, weil sonst tuat uns der Weh no krank machen,
und mir müassen gsund sein und stark, für die lange Roas!
Enk katholische Nachbarn und alle Verwandten, die zruck bleiben,
möcht i bitten, dass ihr uns a guates Angedenken bewahrts!
Und den Herrn Landrichter (schaut zu ihm) möcht i bitten, dass er die ledigen Kinder auslasst,
die er da drinnen im Kotter eingsperrt hat! Der Herr Landrichter woaß, dass etliche von ihnen
nur deswegen ledig auf die Welt kommen sind, weil uns Evangelische des heiraten verboten worden ist.
Und manche dürfen halt von altersher nit heiraten, weil sie bettelarm sind und koane Steuern zahlen.
Aber des sind a Menschen, und möchten a amal zusammenschliafen in oaner kalten Witternacht!
Es is nit christilch, Herr Landrichter, wenn Sie jetzt diesen Leuten die Kinder wegnehmen!"



Das Schloss von Erdmannsdorf
(heute: Mysłakowice)
Lithographie, um 1850

http://de.wikipedia.org/wiki/Mys%C5%82akowice

Heutiger Zillertaler liest (Seite 80):

"427 evangelische Christen aus dem Zillertal mussten ihre Heimat verlassen.
Elf von ihnen zogen nach Steiermark und Kärnten, 416 zogen nach Preußen.
In Oberschlesien entstanden bald danach die neuen Dörfer
"Hohen-Zillerthal", "Mittel-Zillerthal" und "Nieder-Zillerthal".
Der gesamte Ort hieß "Zillerthal-Erdmannsdorf".

1838 wanderten schon manche nach Bayern und in die Steiermark,
später nach Polen, Nordamerika und Australien aus. 50 von ihnen gingen nach Süd-Chile.

1940 besaß Zillerthal-Erdmannsdorf cirka 3000 Einwohner, doch hatten sich Nachkommen
dieser Auswanderer auch in vielen anderen Städten und Gemeinden Schlesiens
und Brandenburgs angesiedelt.

1945/46 mussten die meisten Nachkommen der Auswanderer ihre neue Heimat verlassen,
weil die russische Front das Gebiet überrollte und dieser Teil Schlesiens Polen zugesprochen wurde.

In Tirol bekämpfte man auch in den Jahrzehnten nach 1837 jeden Versuch evangelischer Christen -
jetzt nur mehr Auswärtige -, sich im Lande niederzulassen oder gar eigene Gemeinden zu gründen.

1866 noch verabschiedete der Landtag ein Gesetz, dass die Bildung evangelischer Gemeinden
nur mit seiner Zustimmung vorgenommen werden dürfe.

1875 erklärte die Regierung in Wien dieses Landesgesetz für ungültig.

94 Jahre nach dem Toleranzpatent [1781] Kaiser Josef II. [1741-1790]
musste damit endlich auch in Tirol die Glaubensfreiheit gestattet werden."
Aus: Felix Mitterer: „Stücke 2 - Verlorene Heimat (1987) - Die Kinder des Teufels (1989) - Sibirien (1989)
- Munde (1990) - Ein Jedermann (1991) - Lebenslauf“ Haymon 2001
[Meine Ergänzungen]

LINKS:

www.deutsch-spanischerstammtisch.de/tag/caal-frutillar/

"Kupferberger Gold - Ein schlesisches Schicksal"
Roman von Heinz Kornemann (b.1949): www.heinzkornemann.de/
Dieser Roman mit autobiographischen Zügen schildert das Schicksal einer Schlesierin in den Wirren des vergangenen Jahrhunderts.
Die Vorfahren von Ella Frankhauser wurden bereits 1837 wegen ihres protestantischen Glaubens aus dem Zillertal in Tirol vertrieben.
Sie fanden im Riesengebirge eine neue Heimat. Hier erlebt die 20jährige erst das national-sozialistische Deutschland,
später Krieg und Vertreibung.


Die Zillertaler Protestanten oder Inklinanten und ihre Austreibung 1837
Dr. Wilfried Beimrohr Tiroler Landesarchiv TLA pdf >>>

Namensverzeichnis der 1837 nach Schlesien ausgewanderten Zillertaler Protestanten
Dr. Wilfried Beimrohr TLA pdf >>>

Alphabetisch sortierte Liste der vertriebenen Zillertaler Protestanten mit ihren Ehepartnern
pdf >>>

www.kulturwerk-schlesien.de/home/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Myslakowice
www.wkarkonosze.net/myslakowice.php
http://pl.wikipedia.org/wiki/Mys%C5%82akowice

www.exulanten.com/zil1.htm
l
www.1837-auswanderer.de




Originalbrief der Zillerthaler aus Schmiedeberg im Riesengebirge
vom 14. Oktober 1837 an einen Evangelischen Geistlichen
[Heute: Kowary, eine Stadt im südwestlichen Polen] [heutige Ergänzungen]

"Herzlich geliebter Freund und Bruder in Christo Jesu! Dieweil ihr von uns begehret, Euch zu berichten, wie es uns auf der Reise erging,
so wollen wir es jetzt nicht mehr länger verziehen. Ach, wir bitten Euch, daß Sie uns nicht für ungut nehmen, daß wir Ihnen so lange keine Nachricht
brachten. Die Ursache war die, daß wir warten wollten, bis Alle hier angekommen waren, um auch von diesen Letzteren Euch Nachricht zu ertheilen.
Sie machten uns große Sorge, da wir auf der Reise erfuhren, daß sie zu Vöcklabruck [OÖ] nur sieben Stunden hinter uns waren, da wir aber in Schmiedeberg
alle tage ihrer warteten, und von ihnen keine Gewißheit erfragen konnten, so entschlossen wir uns am 29. September, einen Paß herauszunehmen und ihnen
entgegen zu gehen. Aber Gott sey Dank, wir kamen nicht weiter als auf Königshain [im Osten des heutigen Sachsen] an die Gränze, da trafen wir sie gesund und heiter
mit vielem Willkommen an. - Was nun uns anbelangt, so können wir nicht anders schreiben, als daß wir überall gut aufgenommen wurden. Wir bekamen überall gut
quartier, es legte uns Niemand nichts in den Weg. die Ersten sagten wohl, daß einige von ihnen zwei Mal unter freiem Himmel Quartier nehmen mußten.
Aber Gott sey dank, bey uns war das nicht; denn die Hand des Herrn hat uns geleitet und führte uns durch alle Orte, bis wir in unser neues Vaterland kamen.
Die Letzten sprachen Gleiches. Da giengen die Worte, welche wir zu Efferding [Eferding/OÖ] in der Predigt zu unserem Trost vernommen haben, in Erfüllung:
"Habt ihr auch jemals Mangel gehabt?" und wir müssen mit den Jüngern Christi bekennen: Nie keinen. - Nun wollen wir Ihnen auch zu wissen machen,
daß fünf von den Unsern schon hier in Schmiedeberg begraben liegen. Bey dreien war es von dem Hrn. Doktor erkannt als die Cholera, und zweien Leibesschwäche,
wovon bey den ersteren auch ein Jüngling von 12 Jahren, die andern aber alle in hohem Alter waren. Nun Vater, Dein Wille geschehe, der doch allezeit
und in allweg der beste ist. Sie haben also, als sie diese zeitliche Reise zurücklegten, bald die Reise in ihr und unser Aller himmlisches Vaterland auch vollendet.
Sie haben aber auch noch zuvor das hochheilige Abendmahl des Herrn, nach dem sie so innigliches Verlangen trugen, empfangen, und sind also ganz ruhig
und in den Willen Gottes ergeben von dieser Welt geschieden. Weiter können wir nicht mehr viel sagen, weil wir für jetzt noch von Sr. Majestät [Friedrich Wilhelm III.
(1770-1840) König von Preußen], unserem gnädigsten Herrn und König und Landesvater, keinen Entscheid haben, wo wir eigentlich hinkommen. Wir haben jetzt
von unserem gnädigsten Herrn König die Löhnung, als: wo eine Familie ist, hat eine Person des Tags 2 Silbergroschen, und von Einzelnen hat eine Person
3 Silbergroschen, und auch für jede Person über 14 Jahre auf den Tag 2 Pfund Brod. Nun, herzliebster Bruder in Christo Jesu, wir grüßen Euch alle,
und sagen Euch recht herzlichen Dank für Alles, was Sie auf der Reise gethan haben. Wir müssen ja bekennen, daß wir dieser Treue und Barmherzigkeit,
die Sie an uns gethan haben, nicht werth gewesen wären. Nun der liebe Gott vergelte es Euch Allen zeitlich und ewiglich. - Schmiedeberg, 14.Oktober 1837."

Aus: Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849, Prof. f. Theologie): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“ Anhang S. 59-60.
Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints; Nachdruck 2012.
Altdeutsche Schrift.
Prof. G. F. H. Rheinwald hat damals vor Ort recherchiert und viele der Zillertaler Protestanten persönlich gekannt und befragt.



Kowary - Schmiedeberg im Riesengebierge,
eine Stadt im südwestlichen Polen.
Aus: www.kowary.pl/de/def/pages/print/id/65
http://de.wikipedia.org/wiki/Kowary

"Hören wir noch das Zeugnis eines bewährten Mannes über die jetzige Zuständlichkeit der Zillerthaler in Schmiedeberg:
"Begierig nach der lautern Verkündigung des göttlichen Wortes, benutzen sie jede dargebotene Gelegenheit mit sichtbarer Freude, sie sind voll Dankes
für die glückliche Wendung, die ihr Zustand durch die huldvolle Vermittlung unsers Königs genommen hat. Sie verhehlen es nicht, wie schwer und thränenreich
der Abschied von den im Thale Zurückgebliebenen ihnen geworden ist. Wir sind im Frieden von einander geschieden, versichern sie. Aber sie freuen sich ihres Sieges
in jedem Augenblicke und bedauern wahrhaft nur die, welche sich gegen ihre innere Ueberzeugung noch haben zurückhalten lassen. Von ihren erfahrenen Bedrückungen
reden sie ohne Haß, sehen sie vielmehr als Mittel an, wodurch ihr Glaube sich habe bewähren müssen. Es mußte alles so kommen, sprechen sie, damit es ein so herrliches
Ende gewänne. Sehr viele haben eine umfassende, gründliche Kenntnis der Bibel und wissen sie schlagend anzuwenden gegen jeden, der Grund fordert ihres Bekenntnisses;
alle aber haben eine gesunde Glaubensansicht, nichts überspanntes, excentrisches, schroff einseitiges, gesunde Kinder aus dem kräftigen Zeitalter der Reformation.
außer den schon bekannten Schriften, denen sie ihre Erweckung und Befestigung verdanken, fand ich bei einem auch "Stolz Neues Test." und sogar die Erläuterungen dazu,
die er sich um vieles Geld schon im Zillerthale angeschafft hatte. Ich rieth ihm diesen Apparat bei Seite zu legen, bis er merken würde, daß er dessen gar nicht bedürfe.
Leider fehlte es auch nicht an Versuchen ihnen einen bestimmten Typus aufzudrücken; allein ihr gesunder Sinn erkennt eben bald jeden Druck, und da ihre Richtung
unter Glaubenszwang nothwendig sich zu einer protestantischen entwickelt hat, so dürfte es im allgemeinen nicht so leicht sein, sie, die nach Freiheit rangen,
in irgend ein andres knechtisches Joch zu fangen. Es hat nicht an Leuten gefehlt, die um unsre schlichten, im Kern des göttl. Wortes genährten und deshalb
gesunden Zillerthaler bekümmert, angefragt haben, ob sie auch mit Union und Agende unsrer Landes-Kirche sich mit gutem Gewissen befreunden könnten,
sintemal [zumal] sie Kenntnis der Augsb. Confession u. Luther. Schriften besäßen? Einige unsrer Zillerthaler reisten ohnlängst mit ihren aus Tyrol mitgebrachten
Zugpferden, die ihnen durch die Fütterung anfingen lästig zu werden, auf den Markt einer entfernten Stadt, um sie zu verkaufen. Der Weg dorthin führte
sie durch eine Stadt, wo ihre Ankunft Aufmerksamkeit erregte und zugleich solche anlockte, die ihnen gern ihre Färbung, vorübergehend, mitgetheilt hätten
und zwar unter Darreichung einer Mahlzeit. Mit unnachahmlicher Naivität erzählte dies einer der Bereisten. Wir hörten zu, sagte er, das Mahl konnten wir
nicht gut ausschlagen, aber wir merkten bald an dem heftigen, zänkischen Gerede, daß hier eine Secte sei; wir schwiegen, dankten und gingen fort.
Solche Züge bekunden am einfachsten, wes Geistes Kinder sie sind. Den Familienvätern insonderheit ist nun erst wohl, daß sie ihre Kinder in eine
evangel. Schule führen können. Sie leben still unter uns, mit argloser Gutmüthigkeit; ihre ernste ruhige, feste Haltung, ihr klarer Verstand, der sich bald
zurecht findet in Ungewohnten, werden anerkannt. Der alte Heim verschweigt zwar nicht, "daß es auch räudige Schafe unter der Heerde giebt,"
das sind aber in so bezeichneter Art wohl nur wenige. - Sie wünschen sehr aus dem jetzigen interimistischen Zustand bald in ihre definitive Ansiedlung
überzugehen. Wir sind, sprechen sie, nicht gewohnt zu essen, ohne zu arbeiten. Uebrigens können wir der festen Ueberzeugung sein, daß sich dann,
wenn sie in ein ihrer früheren ländlichen Lebensweise möglichst entsprechendes Verhältnis werden versetzt sein, mehr und mehr ergeben wird,
daß Preußen nicht bereuen darf, sie in seine Berge und Thäler aufgenommen zu haben."

[heutige Ergänzungen]
Aus: Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849, Prof. f. Theologie): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“ S. 52-54.
Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838, Kessinger Publishing’s Legacy Reprints; Nachdruck 2012. Altdeutsche Schrift
Prof. G. F. H. Rheinwald hat damals vor Ort recherchiert und viele der Zillertaler Protestanten persönlich gekannt und befragt.




"Juden, Christen, Muslime sind der Überzeugung, ihr Gott sei der Einzige, der Wahre,
während die anderen falschen Göttern anhingen. Und erst das Verharren in Zweifel,
im Unglauben! Eiferer sehen dies als Verbrechen.

Peter Sloterdijk [1]: "Daher umgibt sich die Heilsbotschaft seit ihren ersten Tagen
mit einer Eskorte aus Drohungen, die den Überzeugten das Schlimmste in Aussicht stellen.
Zwar spricht das Evangelium davon, nach allen Seiten Segen bringen zu wollen, doch auf die Nichtbekehrten
wünscht der christliche Militantismus[2] von der ersten Stunde an den Fluch des Himmels herab." ...


Kirchenvater Augustinus [354-430] erfand, so Sloterdiijk, das "abgründigste System des Schreckens,
das die Geschichte der Religionen kennt"
. "Sakraler Terrorismus" sei das,
ein wesentlicher Beitrag zu "Neurotisierung einer Zivilisation".

Oder findet sich nicht in den großen Religionen ein Potential an Aggression, eine Lust an Unterwerfung?
Produziert das Gerede von der Sünde moralische Menschen oder Neurotiker? ...

Geht die Moral "baden", wenn wir Gott nicht über uns wissen?
Der Wiener Kardinal Schönborn: "Die Drohung mit dem Gericht Gottes, die tut uns ganz gut."
Wirklich? Glaubt der Kardinal, wenn er nicht vor Gott Angst hätte, würde er stehlen, morden, vergewaltigen?
Glaubt er, dass es viele andere täten?

Ein Weltbild, in dem Andersdenkende im Feuer der Hölle oder auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden,
ist nicht geeignet, um menschenwürdige Verhältnisse herzustellen ...

"Nehmt einem Christen die Furcht vor der Hölle, und ihr nehmt ihm seinen Glauben" Denis Diderot[3]."


Horst Herrmann
(b.1940)
Prof. f. Theologie, Religionssoziologe
Aus: „Agnostizismus, Freies Denken für Dummies“ Kapitel: Ein freies Wissen und Glauben für einen freien Geist.
Unterkapitel: Die Kirche "modernisiert" sich. Unterkapitel: Was wäre die Kirche ohne Hölle? Seite 50, 51. Wiley-VCH 1.Auflage 2008


[1]Peter Sloterdijk (b.1947) ist ein deutscher Philosoph, Fernsehmoderator, Kulturwissenschaftler und Essayist.
[2]Militanz: Eine kriegerische Haltung, ein aggressives Auftreten oder eine physische oder verbale Gewaltbereitschaft
von Personen und Gruppen im Kampf für politische oder religiöse Überzeugungen.
[3]Denis Diderot (1713-1784) war ein französischer Schriftsteller und Aufklärer.


Siehe ZITATE: Horst Herrmann: Agnostizismus - Freies Denken >>>




Literatur:

Felix Mitterer (b.1948 Achenkirch): "Stücke 2: Verlorene Heimat (über das Schicksal der Zillertaler Protestanten von 1837, am 27.Juni 1987 Uraufführung in Stumm im Zillertal), Die Kinder des Teufels (1989), Sibirien (1989), Munde (1990), Ein Jedermann (1991), Lebenslauf“ HAYMON 2001
Verband Zillertaler Volksschauspiele:
„Festschrift Uraufführung Felix Mitterer: „Verlorene Heimat – Die Zillertaler Auswanderer (1837)“ Seiten 65. Steiermärkische Landesdruckerei Graz 1987, Nr.2410-87
Georg Friedrich Heinrich Rheinwald (1802-1849): "Die evangelischen Zillerthaler in Schlesien“ Gedruckt bei den Gebrüdern Schlesinger Berlin1838; Kessinger Publishing’s Legacy Reprints/Nachdruck 2012
Ellinor Forster, Bernhard Mertelseder: „Das Zillertal – „so sehr durchkreuzet und vermischt“ – Geschichten von der Grenze 1750-1816“ Herausgeber: Planungsverband Zillertal und der Zillertaler Tourismusverbände, Druckerei Aschenbrenner 1.Auflage 2016
Ekkart Sauser (b.1933, katholischer Priester, Kirchenhistoriker): „Die Zillertaler Inklinanten und ihre Ausweisung im Jahre 1837“ Schlern Schriften 198. herausgegeben von R. Klebelsberg, Universitätsverlag Wagner Innsbruck 1959
Gustav Hahn: „Die Zillertaler im Riesengebierge – Was ist aus den hier eingewanderten Zillertalern und ihren Nachkommen geworden? DENKSCHRIFT zum 50 jährigen Jubiläum der Einwanderung der evangelischen Tiroler aus dem Zillertal von Gustav Hahn, evangelischer Lehrer aus der Tirolerschule in Zillertal, Mit 1 Lithographie und 9 Abbildungen, 1887, Verlag von C. Sommer’s Buchhandlung (Max Teipelt) in Schmiedberg i. Riesengebirge. In moderne Schreibung übertragen von Heinrich Lechner, 6283 Hippach, Schwendau 95/ 1996
Dr. Gustav von Gasteiger (1828-1890, k. k. Bezirkskommisär): „Die Zillertaler Protestanten und ihre Ausweisung aus Tirol Eine Episode aus der vaterländischen Geschichte“ aus dem Nachlass herausgegeben von Anton Edlinger, Meran 1892 F. W. Ellmenreich’s Verlag, In moderne Schreibung übertragen von Heinrich Lechner,6283 Hippach, Schwendau 95.
Hugo Marschner: „Zum Gedenken der 1837 von Tirol eingewanderten evangelischen Zillertaler und die Ursachen zur Auswanderung“ von H. Marschner (Lehrer in Ostpreußen), Hirschberg (Riesengebierge), Verlag Ulwin KAH 1937, In moderne Schreibung übertragen von Heinrich Lechner,6283 Hippach, Schwendau 95.
Stöger Peter: „Eingegrenzt und ausgegrenzt – Tirol und das Fremde“ PETER LANG 3.durchgesehene Auflage 2002 (1998)
Johanna Vieider (b.1955): "Inklinantentum im Zillertal - Eine protestantische Strömung" Hausarbeit zur Lehramtsprüfung für Volksschulen an der Religionspädagogischen Akademie der Erzdiözese Salzbrug. Salzburg, am 17 Mai 1988
George Turner (b.1935, deutscher Rechtswissenschaftler, Wissenschaftsmanager, ehemaliger Politiker): „Die Heimat nehmen wir mit – Ein Beitrag zu Auswanderung Salzburger Protestanten im Jahr 1732, ihrer Ansiedlung in Ostpreußen und der Vertreibung 1944/45“ BWW 2.Auflage 2010
Arne Franke, Katrin Schulze: „Kulturdenkmäler – Erdmannsdorf/Myslakowice“ Polnisch-Deutsch. Übersetzung ins Polnische von Elzbieta Blumenbach. Deutsches Kulturforum östliches Europa 1. Auflage 2005

Daniel Jonah Goldhagen:
„Die katholische Kirche und der Holocaust – Eine Untersuchung über Schuld und Sühne“ (A Moral Reckoning. The Role of the Catholic Church in the Holocaust and Its Unfullfilled Duty of Repair) SIEDLER 2002, „Hitlers willige Vollstrecker – Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust” (Hitler’s Willing Executioners 1996) GOLDMANN 2000
Stefan Moritz: „Grüß Gott und Heil Hitler – Katholische Kirche und Nationalsozialismus in Österreich“ PICUS 2.Auflage 2002
Gerald Steinacher (b.1970, Historiker, Archivar): „Nazis auf der Flucht – Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen“ STUDIEN VERLAG, Band 26, Institut für Zeitgeschichte der UNI Innsbruck 2008
Simon Wiesenthal (1908-2005,österr.Architekt,Publizist,jüdischer Schriftsteller): „Doch die Mörder leben“ herausgegeben u. eingeleitet von Joseph Wechsberg (1907-1983) österr.Erzähler, Essayist und Journalist.1967
Jürg Frick (Prof.Dr. f. Entwicklungspsychologie, Pädagogische Hochschule Zürich): „Das Ende einer Illusion. Denkanstöße zu Ethik und Pädagogik der Bibel“ ANGELIKA LENZ 1999
Günter Schulte (b.1937, Philosoph): "Die grausame Wahrheit der Bibel. Eine Anthropologie unserer Vernunft und Moral" CAMPUS 1995
Franz Buggle (1933-2011,Prof.Dr. f. klinische Psychologe, Religionskritiker): „Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Eine Streitschrift“ ALIBRI 2004 (1992) ISBN 3-932710-77-0
Michael Schmidt Salomon (b.1967, Philosoph, Sozialwissenschaftler): „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur“ ALIBRI 2. korrigierte u. erweiterte Auflage 2006 (2005), „Stollbergs Inferno. Roman“ ALIBRI 2007, „Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind“ 6.Auflage 2011 PENDO (2009)
Michael Schmidt-Salomon (b.1967), Helge Nyncke (b.1956, dtsch. Illustrator): „Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“ Alibri 2007, www.ferkelbuch.de/, www.schmidt-salomon.de/ferkel.htm, „Susi Neunmalklug erklärt die Evolution. Ein Buch für kleine und große Besserwisser“ ALIBRI 2009, „Die Geschichte vom frechen Hund. Warum es klug ist, freundlich zu sein“ALIBRI 2008
Carsten Frerk (b.1945, Politologe, Journalist), Michael Schmidt-Salomon: „Die Kirche im Kopf. Von "Ach, Herrje!" bis "Zum Teufel!" ALIBRI 2007
Carsten Frerk (b.1945, Politologe, Journalist): „Violettbuch Kirchenfinanzen. Wie der Staat die Kirchen finanziert“ ALIBRI 2010
Bertrand Russell (1872-1970,Literatur Nobelpreis 1950, brit. Philosoph, Mathematiker, Logiker): „Philosophie des Abendlandes - Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung“ EUROPAVERLAG 8.Auflage 1999 („A History of Western Philosophy“ 1945), „Why I am not a Christian – And other essays on religion and related subjects“ ROUTLEDGE Reprinted 2005 (1957), „Warum ich kein Christ bin“ Herausgegeben von Paul Edwards (1923-2004). Aus dem Englischen übertragen von Marion Steipe. rororo 1969 (1963)
Uwe Lehnert
(b.1935, Prof. em. für Bildungsinformatik Freien Universität Berlin): “Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“ 3.Auflage TEIA 2009
Wolfgang Klosterhalfen (b.1945, Medizin-Psychologe): „Reimbibel: Heitere Aufklärung über den christlichen Aberglauben“ 3.Auflage Books On Demand 2010 http://www.reimbibel.de/
Heinz Werner Kubitza (Dr.theol.,Inhaber des TECTUM Wissenschaftsverlags): „Der Jesuswahn. Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“ TECTUM Verlag 2011
Uta Ranke-Heinemann (b.1927, Prof. Dr.theol.): „Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum“ 8. ergänzte Auflage HEYNE 2007 (Orginalausgabe erschienen unter dem Titel: „Nein und Amen. Anleitung zum Glaubenszweifel“ Hoffmann und Campe, Hamburg 1992) 1970 weltweit die Erste Professorin für katholische Theologie. 1987 verlor sie Ihre Lehrbefugnis, weil sie die Jungfrauengeburt in Frage stellte. „Eunuchen für das Himmelreich. Katholische Kirche und Sexualität“ HEYNE 4.Auflage 2008 (1988)
Horst Herrmann (b.1940, Prof.f.Theologie,Religionssoziologe): „Martin Luther – Eine Biographie“ Aufbau Taschenbuch 2003, „Lexikon der kuriosesten Reliquien – Vom Atem Jesu bis zum Zahn Mohammeds“ 2003, „Sex und Folter in der Kirche-2000 Jahre Folter im Namen Gottes“ („Passion der Grausamkeit. 2000 Jahre Folter im Namen Gottes“ Bertelsmann 1994) BASSERMANN 2009, „Agnostizismus, Freies Denken für Dummies (Einsteiger/Anfänger ohne Fachwissen)“ Wiley-VCH 1.Auflage 2008, „Liebesbeziehungen – Lebensentwürfe. Eine Soziologie der Partnerschaft“ TELOS 5.Auflage 2010 (2001)
Horst Herrmann (b.1940), Winfried Göpfert (b.1943, Prof.f.Wissenschaftsjournalismus): „Allgemeinbildung für Dummies“ Wiley-VCH 1.Auflage 2010
Karlheinz Deschner (b.1924), Horst Herrmann (b.1940): „Der Anti-Katechismus: 200 Gründe gegen die Kirchen und fur die Welt RASCH & RÖHRING 1991
Karlheinz Deschner (b.1924, deutscher Schriftsteller,Religions-/Kirchenkritiker): „Musik des Vergessens. Über Landschaft, Leben und Tod im Hauptwerk Hans Henny Jahnns (1894-1959)“ ASKU Presse 2003 (1994), „Abermals krähte der Hahn-Eine kritische Kirchengeschichte“ btb 6.Auflage1996 (1962), „Kriminalgeschichte des Christentums“ Band I - Die Frühzeit. Von den Ursprüngen im alten Testament bis zum Tod des hl. Augustinus (430). ROWOHLT 6.Auflage 2006 (1986); Band 2 - Die Spätantike. von den katholischen „Kinderkaisern“ bis zur Ausrottung der arianischen Wandalen und Ostgoten unter Justinian I. (527-567). ROWOHLT 4.Auflage 2008 (1988), Band 3 – Die Alte Kirche. Fälschung, Verdummung, Ausbeutung, Vernichtung. ROWOHLT 3.Auflage 2006 (1990), Band 4 – Frühmittelalter. Von König Chlodwig I. (um 500) bis zum Tode Karls „des Großen“ (814). ROWOHLT 2.Auflage 2006 (1994), Band 5 – 9. und 10. Jahrhundert. Von Ludwig dem Frommen (814) bis zum Tode Ottos III. (1002). ROWOHLT 2.Auflage 2006 (1997), Band 6 – Das 11. und 12. Jahrhundert. Von Kaiser Heinrich II., dem „Heiligen“ (1002) bis zum Ende des Dritten Kreuzzugs (1192). ROWOHLT 2.Auflage 2008 (2001), Band 7 – Das 13. und 14. Jahrhundert. Von Kaiser Heinrich VI. (1190) zu Kaiser Ludwig IV. dem Bayern (+1347). ROWOHLT 2003 (2002), Band 8 – Das 15. und 16. Jahrhundert. Vom Exil der Päpste in Avignon bis zum Augsburger Religionsfrieden. ROWOHLT 2006 (2004), Band 9 - Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Völkermord in der Neuen Welt bis zum Beginn der Aufklärung. ROWOHLT 2010, „Oben ohne. Für einen götterlosen Himmel und eine priesterfreie Welt. Zweiundzwanzig Attacken, Repliken und andere starke Stücke“ ROWOHLT 1997 (1990), „Das Christentum im Urteil seiner Gegner“ MAX HUEBER 1986 (In 2 Bänden LIMES, Wiesbaden 1969/71)
Joachim Kahl (b.1941, dtsch.Philosoph, Theologe, Religionskritiker): „Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott“ Einführung von Gerhard Szczesny (1918-2002) rororo Erstausgabe 1968
Michael Onfray (b.1959, frz.Philosoph): „Wir brauchen keinen Gott. Warum man jetzt Atheist sein muss“ (Traité d’athéologie. Physique de la métaphysique Traite 2005) PIPER 5.Auflage 2010 (2006)

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